Wem gehört die Welt?

Kritik am Islam wird oft als „neuer Rassismus“ denunziert. Judenfeindlichkeit hingegen ist so alt wie der Islam selbst. Der neue Antisemitismus: eine Attacke.

08.08.2014 | 18:32 |  Von Michael Ley  (Die Presse) Quelle


Der vorliegende Artikel skizziert nicht nur den muslimischen (und linken) Antisemitismus sondern fasst den absoluten Hegemonieanspruch des Islam prägnant zusammen:

Konversion oder Tod

► Der jihad im Spiegel der islamischen Rechtswissenschaft (fiqh)
► Das Ziel des „Heiligen Krieges“
► 
Zusammenfassung
Das koranische Konzept von Krieg
► jihad im Islam 

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Möge Allah einen (Atom-) Pilz über Israel entstehen lassen

Antisemiten vergleichen Juden, Zionisten und Israelis gerne mit Adolf Hitler, erst vor Kurzem attestierte der türkische Ministerpräsident Erdoğan den Israelis, dass sie schlimmer als Hitler seien: „Was Israel jetzt Palästina und Gaza antut, geht über das hinaus, was Hitler den Juden angetan hat.“ In der arabischen Welt ist diese Gleichsetzung Legende, nicht nur Jassir Arafat bediente sich dieser Verleumdung, sie gehört mehr oder weniger zur arabischen Identität. Dieser extreme Judenhass ist längst in die europäischen Gesellschaften übergeschwappt und verbreitet sich rasch in den muslimischen Parallelgesellschaften. Das Bild des rechtsradikalen Antisemiten muss längst um die muslimischen Judenhasser ergänzt werden. Der französische Politikwissenschaftler Pierre-André Taguieff stellte schon vor vielen Jahren fest: „Die Urheber der gegen Juden gerichteten Gewalt stammen nicht mehr mehrheitlich aus der extremen Rechten: Sie rekrutieren sich vor allem aus den jugendlichen Immigranten, insbesondere aus dem Maghreb.“ Der Judenhass gehöre zu ihrer kulturellen Identität.

Soziologen konstatieren seit einigen Jahren einen „neuen Antisemitismus“, der vor allem ein muslimischer Antijudaismus ist. Die gegenwärtigen Gewaltexzesse und die judenfeindlichen Parolen des muslimischen Mobs werden von vielen Linken tatkräftig unterstützt und stoßen auch bei linken Medienvertretern auf Verständnis. In der linken Tageszeitung „taz“ schrieb dieser Tage der Redakteur Stefan Reinicke: „Es muss in einem freien Land möglich sein, straflos das Existenzrecht Israels infrage zu stellen.“ Der Schritt, das Existenzrecht von Juden überhaupt infrage zu stellen, ist ein kurzer.

Judenfeindlichkeit ist weder bei Muslimen noch bei Linken eine neue Erscheinung, sondern sie ist so alt wie der Islam bzw. der Sozialismus.

Insbesondere im Verhältnis zu den Juden zeigt sich im Islam ein extremer Antijudaismus: Der Koran ist durchsetzt von judenfeindlichen Stereotypen, die sich weitgehend mit denen des Christentums decken: Die Juden haben verhärtete und unbeschnittene Herzen, sie haben Gottes Bund gebrochen, die Propheten getötet, sie lügen und haben Gottes Wort verfälscht, sie sind vertragsbrüchig, nehmen Wucher, rauben Geld, sie glauben nicht ans Jenseits. Im Koran erscheinen die Juden als böswillige Charaktere. Deshalb der Kampfruf: „Kämpfet wider jene bis sie erniedrigt sind und den Tribut entrichten“ (9:29). Der Koran portraitiert Juden nicht nur als Kriegstreiber, die für jegliche Missetaten auf Erden verantwortlich sind, sondern verflucht sie als „Affen und Schweine“ und weist ihnen somit den niedrigsten, untermenschlichen Rang zu: „Und gewiss habt ihr diejenigen unter euch gekannt, die das Sabbath-Gebot brachen. Da sprachen wir zu ihnen: ,Werdet ausgestoßene Affen!‘“ (Sure 2:65). Weil die Juden Allah nicht anerkannt haben, wurden sie entmenschlicht und gleichsam zu Tieren: „Sprich: ,Soll ich euch über die belehren, deren Lohn bei Allah noch schlimmer ist als das? Es sind jene, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen, Schweine und Götzendiener gemacht hat. Diese befinden sich in einer noch schlimmeren Lage und sind noch weiter vom rechten Weg abgeirrt.‘“ (Sure 5:60). Dieses Motiv findet sich immer wieder.

Die Endzeitprophetie des Islam kennt die Vernichtung der Juden; der entsprechende Hadith lautet: „In der letzten Stunde werden Muslime gegen Juden kämpfen. Da die Juden ein Bestandteil der Armee des Dajjal (Satan) sind und Muslime die Soldaten des Propheten Jesus, werden sie gegeneinander kämpfen, und die Muslime werden siegreich sein bis selbst ein Stein oder ein Baum sagen wird: ,Komm her, Muslim, hinter mir versteckt sich ein Jude, töte ihn.‘“ Der islamische Antijudaismus ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs im Kampf gegen die Ungläubigen.

Der Djihad ist die höchste religiöse Pflicht im Islam, der sich kein Muslim entziehen darf. Die Märtyrer des Djihad kommen direkt ins Paradies, während den Muslimen, die sich dem Djihad verweigern, „Höllenstrafen“ drohen. Solange die Muslime eine Minderheit in einem nicht-muslimischen Land darstellen, darf es keinen offensiv militanten Djihad geben. Sollten die Muslime zu einem relevanten Teil der Bevölkerung angewachsen sein, müssen sie sich für den bevorstehenden Kampf rüsten: „Und rüstet gegen sie, so viel ihr vermöget an Mann und Pferd, um Allahs Feinde zu bedrohen.“ (Sure 8:60). Verfügen die Muslime über genügend Macht und Einfluss, müssen sie aktiv den Djihad betreiben. Jeder Muslim ist verpflichtet, Ungläubige, die sich weigern zu konvertieren, zu töten: „Tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf.“ (Sure 9:5). Die einzige Alternative zur Konversion ist die freiwillige Unterwerfung als Dhimmi und die Bezahlung von Schutzgeldern.

Aus islamischer Sicht gehört die Welt Allah: Der Djihad ist aus theologischer Sicht nur die Rückgewinnung islamischer Territorien. Der Djihad bedeutet den permanenten Krieg gegenüber den Ungläubigen und schließt den Frieden mit ihnen aus. Der Kampf gegen die Nicht-Muslime darf nur von einer „Waffenruhe“ unterbrochen werden, die nicht länger als zehn Jahre dauern darf. Der auf Verträgen basierende Waffenstillstand kann jederzeit von den Muslimen aufgekündigt werden, einen dauerhaften Frieden kennt der Heilige Krieg nicht. Jedoch kann der Djihad auch auf friedliche Weise geführt werden: durch Bekehrung, Propaganda und Bestechung.

Der Klassenkampf war der säkulare „Djihad“ der Linken, durch ihn sollte die ursprüngliche vollkommene Welt wieder hergestellt werden. Die Speerspitze des Klassengegners sahen viele Anarchisten, Sozialisten und Kommunisten in den Juden. Karl Marx schrieb in seiner Schmähschrift „Zur Judenfrage“: „Suchen wir das Geheimnis des Juden nicht in seiner Religion, sondern suchen wir das Geheimnis der Religion im wirklichen Juden. Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld … Die Judenemanzipation ist in ihrer letzten Bedeutung die Emanzipation der Menschheit vom Judentum.“ Marx steht in der Tradition eines älteren linken Judenhasses: Die französischen Frühsozialisten träumten im beginnenden 19. Jahrhundert von einer innerweltlichen Menschheitserlösung und proklamierten eine politische Religion, deren Kehrseite der Antisemitismus war. Sie verweltlichten gleichsam den christlichen Antijudaismus zum modernen politischen Antisemitismus.

Charles Fourier predigte einen utopischen Sozialismus und sah sich selbst als den neuen Propheten, der in den Juden das Unheil der Menschheit erkannt haben wollte. Seine Schüler Pierre Leroux und Alphonse Toussenel waren ebenso überzeugte Judenfeinde, die in den Juden das absolut Böse sahen. Toussenel warnte vor einer jüdischen Weltherrschaft. Der Philosoph Pierre-Joseph Proudhon proklamierte: „Der Jude ist der Feind des Menschengeschlechtes. Man muss diese Rasse nach Asien zurückschicken oder sie vernichten.“ Sein Antisemitismus wurde zum Vorbild eines modernen Judenhasses, den die Linke bis heute nicht ablegen konnte.

In der Postmoderne sind natürlich die Proletarier nicht mehr die Subjekte der Menschheitserlösung, sie wurden jedoch durch die Migranten ersetzt. Sie sind die neuen Säulenheiligen der linken Utopie für eine zum Untergang verurteilte alte, in einzelnen Nischen noch bürgerliche Gesellschaft. Millionen von Migranten sollen das alte Europa auflösen zugunsten einer neuen Kultur des Multikulturalismus, das heißt, der Überwindung einer nationalen Identität zugunsten ethnischer, religiöser und identitärer Vielfalt.

Die westlichen Apologeten des Islam und die Interessensvertreter der islamischen Verbände werden nicht müde, jegliche Kritik am Islam als „neuen Rassismus“ zu denunzieren. Die neue Definition des Rassismus lautet: Wer die Ursachen des islamischen Terrorismus und der mangelnden Integrationsbereitschaft vieler Muslime in der Religion des Islam sucht und nicht penetrant die Kreuzzüge, den Kolonialismus, den Imperialismus und die Fremdenfeindlichkeit der europäischen Gesellschaften dafür verantwortlich macht, offenbart eine rassistische Einstellung gegenüber dem Islam und den Muslimen.

Mit dieser Strategie soll jegliche Kritik am Islam als „Rassismus“ bzw. „Islamophobie“ denunziert werden, das läuft letztlich auf die Abschaffung von Religions-, Kultur- und Gesellschaftskritik hinsichtlich des Islam hinaus. In der Konsequenz würden alle positiven kulturellen und politischen Errungenschaften der westlichen Moderne infrage gestellt zugunsten eines Vielvölkerstaates, dessen Grundlage ein Werterelativismus wäre. Eine Gesellschaft, die ihre verbindlichen Normen und Werte aufgibt, stellt sich damit selbst zur Disposition. Die ausschließliche gesellschaftliche Selbstkritik und die zwanghafte Xenophilie sind der Ausdruck einer schweren kollektiven Neurose und zeugen von einer nicht mehr zu überbietenden politischen Narretei.

Das politische Ziel des linken Mainstreams, durch gewaltige Migrantenströme die Gesellschaft zu transformieren, wird in absehbarer Zukunft erreicht sein. Das Ergebnis wird jedoch den naivsten Gutmenschen erschrecken: Das Ziel des orthodoxen Islam und seiner Verbände besteht in der Islamisierung der europäischen Gesellschaften, und in diesem Kontext spielen die Linken die Rolle des nützlichen Idioten, der glaubt, im orthodoxen Islam einen Verbündeten zur Überwindung der verhassten bürgerlichen Gesellschaft gefunden zu haben.

Die Vertreter des Islam sind jedoch nicht im geringsten an der Utopie eines neuen Menschen im Sinne des Multikulturalismus oder der Diversität interessiert, sie möchten jede andere Lebensform, die nicht islamisch ist, überwinden. Sollte sich der Islam in einigen Jahrzehnten politisch durchsetzen, wären die Linken die ersten Opfer dieser gefährlichsten politischen Religion des 21.Jahrhunderts. Diese Einsicht war jedoch schon den Linken im Iran in ihrem gemeinsamen Kampf an der Seite von Ayatollah Khomeini gegen den verhassten Schah nicht gegenwärtig: Sie wurden nach der Machtübernahme der Mullahs gnadenlos verfolgt und vernichtet.

Das Ziel des orthodoxen Islam und der Islamisten ist der islamische Gottesstaat, in dem für eine dekadente westliche Gesellschaft kein Platz ist. Deshalb müssen alle radikalen Verbände wie die Muslimbrüder, die Salafisten, die Wahabiten beziehungsweise die von ihnen unterwanderten Verbände und die Auslandsvertretungen der türkischen Religionsbehörde verboten werden.

Radikale Imame und deren Moscheen dürfen keinen Platz innerhalb einer offenen, pluralistischen Gesellschaft haben. Der Djihad des Islam ist die höchste Bedrohung der Freiheit Europas und bedeutet nichts anderes als den neuerlichen Gang in die Knechtschaft, den endgültigen Tod der abendländischen Zivilisation.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 09.08.2014)

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