Die christliche Lehre der Trinität im Koran

Markus 12, 28  Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, daß er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften«

1. Korinther, 8, 5 Und obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt, 6 so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.      

(Texte aus der Lutherbibel)

 

Zusammenfassung

Mohammed erkannte, entsprechend der hohen Verehrung und/oder Gottsetzung Marias einzelner christlicher Sekten mit denen er in seinem Umfeld in Berührung kam, die Lehre der Trinität als eine Trias aus Gott (Vater), Maria (Mutter) und Jesus (Kind) also als Tritheismus. Diese allen Christen unterstellte falsche Interpretation der Trinität muß Mohammeds Gott Allah folgerichtig im Koran energisch bekämpfen: Die biologische Vorstellung eines göttlichen Zeugungsaktes, welche der Geburt von Jesus ja hätte vorangehen müssen ist für Allah deshalb absurd, weil Er als Einziger und Alleiniger keine Gefährtin hat und haben kann und damit ein solcher Zeugungsakt gar nicht möglich ist:

Sure 2, Vers 116: Und sie sprechen: „Allah hat einen Sohn gezeugt.“ Preis Ihm! Nein; was in den Himmeln und auf Erden, alles gehorcht Ihm.

Sure 112, Verse 1 – 4: Sprich: Er ist der eine Gott, Der ewige Gott; Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt, Und keiner ist Ihm gleich.

Sure 72, Vers 3: Denn Er – erhöht sei die Herrlichkeit unseres Herrn! – hat sich keine Genossin genommen und keinen Sohn.

Sure 6, Vers 101: Der Schöpfer der Himmel und der Erde, woher sollte Er ein Kind haben, wo Er keine Gefährtin hat? Und erschaffen hat Er jedes Ding und Er kennt jedes Ding.

Ferner machen sich die Christen mit ihrer (im Koran falsch verstandenen) Lehre der Trinität, d.h. der Gottsetzung von Maria und Jesus, der – nach dem Unglauben – schlimmsten Sünde schuldig, zu der sich gemäß islamischer Heilslehre ein Mensch hinreißen lassen kann: der Beigesellung (schirk):

Sure 10, Vers 18: Und sie dienen neben Allah dem, was ihnen weder schaden noch nützen kann; und sie sprechen: „Dies sind unsere Fürsprecher bei Allah.“ Sprich: „Wollt ihr Allah ansagen, was Er nicht kennt in den Himmeln und auf der Erde? Preis Ihm! und erhaben ist Er ob dem, was wir Ihm beigesellt haben.“

 

1. Definition

„Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit oder Trinität bezeichnet in der christlichen Theologie die Wesenseinheit von:

  • – Gott „Vater“
  • – Gott „Sohn“
  • – „Heiliger Geist“

Mit unterschiedlichen Akzenten wird eine Dreieinigkeit heute von fast allen christlichen Glaubensgemeinschaften vertreten.Das Alte und Neue Testament enthalten nach christlicher Interpretation eine Trinitätslehre, entfalten sie aber nicht.„
 (Quelle)

Auf dieser Internetseite findet sich als Erklärungsmodell für das Konzept der Trinität eine Grafik:

Es ist hier nicht möglich, das umfangreiche Thema der Trinität vollständig darzustellen. Hingegen können einige Fakten angegeben werden:

1. Die Lehre der Dreifalltigkeit ist ein kirchliches Dogma, das erstmals beim Konzil von Nicäa im Jahre 325 erlassen und ein zweites Mal beim Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 in veränderter Form definitiv verabschiedet wurde. Es war schon zu jener Zeit Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen und ist bis heute innerhalb der Kirche ein umstrittenes Thema geblieben. Es ist nicht die einzig mögliche Beschreibung der Beziehung zwischen Gott, Jesus und dem „Heiligen Geist“ und sicher nicht die einzig legitime. Aber wie es Dogmen an sich haben, verhindern sie ein fortlaufendes Entwickeln und allfällig nötiges Neufassen von Glaubensinhalten.

2. Sowohl das AT als auch das NT bekennen einen reinen Monotheismus. Dies kommt (nebst unzähligen weiteren Stellen) auch in den beiden oben zitierten Bibelstellen und im wichtigsten Gebet der Christenheit, dem „Vaterunser“ zum Ausdruck:

„Unser Vater, der Du  bist im Himmel …“

3. Trinität wird in der Bibel nicht direkt definiert. Hingegen stehen im NT ein als Mensch geborenes Wesen nämlich Jesus, und ein Konzept, nämlich der „Heilige Geist“ in direktem Zusammenhang mit dem einen Schöpfergott. Wenn nun, wie dies die christliche Lehre tut, von einem lebendigen Gott ausgegangen wird, der sich um seine Schöpfung kümmert und sich den Menschen zuwendet, dann muß es ein Medium geben, dessen sich dieser Gott bedient um in der Welt erfahrbar zu sein. Dieses Medium wäre demnach der „Heilige Geist“. Wenn ferner davon ausgegangen wird, daß Jesus vollständiges Gottesbewußtsein besaß:

  • Johannes 10, 30 Ich und der Vater sind eins.
  • Johannes 14, 11 Glaubt mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir …

dann muß auch eine Wechselbeziehung zwischen ihm und dem Schöpfergott bestehen. Die Relation/das Zusammenwirken zwischen diesen drei Größen war also zweifelsohne ein Thema, um welches sich die christliche Theologie zu kümmern hatte, denn es entstand im frühen Christentum bald eine Unzahl verschiedenster Sekten mit konkurrenzierenden Lehrmeinungen.

4. Eine dieser Theorien, der ► Doketismus besagt z.B. daß Jesus nur scheinbar einen physischen Körper gehabt habe. Der ► Arianismus erkennt zwar ebenfalls drei Personen in Gott, spricht aber der zweiten und dritten Partei die Wesensgleichheit mit dem Vater und damit wahre Gottheit ab.

Ferner sollen (was in der Darstellung der Trinität im Koran wieder aufgegriffen wird) im arabischen Raum jener Zeit zwei kleine Sekten gewirkt haben (über die allerdings nur wenig und ungesichertes bekannt ist und von denen nicht einmal feststeht, ob sie zur Zeit Mohammeds noch existierten):

Collyridianismus, welcher Maria zu einer Göttin erklärte und damit die Trinität in Gott, Jesus und Maria sah. Ob diese Sekte die Vergottung Marias aus ihrer hohen Verehrung als „Mutter Gottes“ ableitete oder ihre Trinität aus dem griechischen / babylonischen Götterhimmel entlehnte ist unbekannt.

Auch die Sekte der ► Marianiten (Philomarianiten) verehrte den Schöpfer, Jesus und Maria als drei verschiedene Gottheiten. Sie leitete ihr Verständnis von Trinität womöglich aus der ägyptischen Götterwelt mit Osiris als Gott, Isis als Göttin und Horus als deren leiblichen Sohn ab.

George Sale schreibt in der Vorbesprechung zu seiner Koransübersetzung über die große Vielgestaltigkeit der Glaubensformen im Arabien jener Zeit folgendes: „Über das spezifische Land, auf welches wir uns beziehen, sei gesagt, daß Arabien seit Urzeiten bekannt war für seine Ketzereien. Dies kann zum Teil damit in Zusammenhang gebracht werden, daß den verschiedenen Stämmen stets ein gewisses Maß an Freiheit und Unabhängigkeit zugesprochen wurde. Manche der Christen dieses Landes glaubten, daß die Seele zusammen mit dem Körper sterben und gleichfalls wieder am letzten Tage zusammen auferstehen würde. Es wird gesagt, daß Origen diesen Glauben vertreten habe. Unter den Arabern waren es die Häresien von Ebion, Beryllus und die der Nazarener sowie der Collyridianer welche vertreten oder doch zumindest im Gange waren, Verbreitung zu finden. Letztere führten die Jungfrau Maria als Gott ein oder verehrten sie jedenfalls als solchen indem sie ihr eine Art gedrehtes Gebäck (wie ein Zopf?) darreichten, das Collyris genannt wurde und somit dieser Sekte ihren Namen verlieh. Diese angenommene Göttlichkeit der Jungfrau Maria war auch bei manchen Vertretern des Konzils zu Nicäa populär; sie postulierten, daß zwei Gottwesen neben dem Vater bestünden, nämlich Christus und die Jungfrau Maria. Sie wurden in der Folge die Mariamiten genannt. (George Sale, The Koran, IX Edition of 1923, J B Lippincott Company, London, Seite 25)

5. Die christliche Lehre der Trinität hingegen beinhaltet nicht den Glauben an drei Götter, sondern an einen Gott, der sich in drei gleichwertigen Wesenseinheiten (Aspekten) manifestiert. Sie wurde im ► Athanasischen Glaubensbekenntnis ausformuliert.

2. Trinität im Koran

Bezüglich der christlichen Trinitätslehre (Dreifaltigkeit) bzw. der vom christlichen Dogma vertretenen Gottessohnschaft offenbart Allah folgende Verse, in welchen Er gebietet, daß

Ihm keine Gefährten zur Seite

gesetzt werden sollen, wie es das in Sekten aufgesplitterte Christentum tue:

Sure 2, Vers 116: Und sie sprechen: „Allah hat einen Sohn gezeugt.“ Preis Ihm! Nein; was in den Himmeln und auf Erden, alles gehorcht Ihm.

Sure 30, Vers 31: Bekehrt euch zu Ihm und fürchtet Ihn und verrichtet das Gebet und setzet Ihm keine Gefährten zur Seite,
Sure 30, Vers 32: wie jene, die ihren Glauben spalteten und in Sekten zerfielen, von denen sich jede Partei ihrer eigenen Meinung erfreut.

Sure 19, Vers 88: Und sie sprechen: „Gezeugt hat der Erbarmer einen Sohn.“
Sure 19, Vers 89: Wahrlich ihr behauptet ein ungeheuerlich Ding.
Sure 19, Vers 90: Fast möchten die Himmel darob zerreißen, und die Erde möchte sich spalten, und es möchten die Berge stürzen in Trümmer,
Sure 19, Vers 91: Daß sie dem Erbarmer einen Sohn beilegen,
Sure 19, Vers 92: Dem es nicht geziemt, einen Sohn zu zeugen.

Sure 23, Vers 91: Allah hat keine Kinder gezeugt, und es ist kein Gott bei Ihm …

Sure 25, Vers 2: Des das Reich der Himmel und der Erde ist, und der kein Kind erzeugte und der keine Gefährten hat im Reich …

Hier wird festgestellt, daß das Konzept der Gottessohnschaft

ein ungeheuerlich Ding

ist. Es ist so ungeheuerlich, daß sich rechtgläubige Muslime veranlaßt sehen könnten, sich darob „das Leben aus Gram“ zu nehmen:

Sure 18, Vers 4: Und um jene zu warnen, die da sprechen, Allah habe einen Sohn gezeugt.
Sure 18, Vers 5: Wovon weder ihnen noch ihren Vätern Wissen ward. Ein schlimmes Wort, das aus ihrem Munde kommt! Sie sprechen nichts als Lüge.
Sure 18, Vers 6: Vielleicht nimmst du dir auf ihren Spuren, so sie dieser neuen Offenbarung nicht glauben, das Leben aus Gram.

Nicht nachzuvollziehen, ja widersinnig sei die Vorstellung der Christen, daß Gott sich ein Kind zugelegt haben soll deshalb, weil sich der Allmächtige sicher (wie die oben erwähnten Verse schon andeuten) keine Gefährtin zu nehmen braucht, wenn Er einen Sohn erschaffen will:

Sure 72, Vers 3: Denn Er – erhöht sei die Herrlichkeit unseres Herrn! – hat sich keine Genossin genommen und keinen Sohn.

Sure 6, Vers 101: Der Schöpfer der Himmel und der Erde, woher sollte Er ein Kind haben, wo Er keine Gefährtin hat? Und erschaffen hat Er jedes Ding und Er kennt jedes Ding.

Die Ablehnung der Trinität beruht hier also auf einer biologischen Argumentation: Allah zeugt kein Kind weil Er, der Einzige und Unteilbare, keine Gefährtin haben kann. Dabei ist zu beachten, daß die Christen Maria als „Mutter Gottes“ bezeichnen und Gott als „Vater“ ansprechen. Um Jesus, den „Sohn“ hervorbringen zu können müßte, entsprechend dieser biologischen Argumentation, ein himmlischer Zeugungsakt vorausgegangen sein. Der Koran reflektiert offensichtlich die Ideenwelt der christlichen Sekten im historischen Umfeld Mohammeds und interpretiert das Dogma der Trinität als Trias von gleichgestellten Göttern. Er verkennt die christliche Vorstellung von Dreifaltigkeit, die sie als Zusammenwirken von drei zueinander in Beziehung stehenden Aspekten der göttlichen Einheit interpretiert.

Das „Lexikon des Islam“ schreibt dazu: „Allerdings trifft dieser Vorwurf des Korans nicht die authentische christliche Trinitätsauffassung. Hier wird der christliche Dreifaltigkeitsglaube als Tritheismus, als Glaube an drei Götter, mißverstanden und als eine Trias aus Gott (Vater), Maria (Mutter) und Jesus (Kind) aufgefaßt:

Sure 5, Vers 116: Und wenn Allah sprechen wird: „O Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den Menschen gesprochen: „Nehmet mich und meine Mutter als zwei Götter neben Allah an?“ …

Damit wäre der christliche Glaube an den dreifaltigen Gott als den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist nicht richtig verstanden. Die Zurückweisung des den Christen unterstellten Trinitätsverständnisses – Gott als Vater, Maria als Mutter und Jesus als Sohn – beruht durchweg auf einer biologisch-unitarischen Argumentation: Gott kann kein Kind zeugen:

Sure 112, Verse 1 – 4: Sprich: Er ist der eine Gott, Der ewige Gott; Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt, Und keiner ist Ihm gleich.

Das arabische Verbum in beiden Satzteilen gehört zum Stamm w-l-d mit einem grundsätzlich biologischen Inhalt: ein Kind zur Welt bringen oder zeugen. Unter dieser Voraussetzung und aufgrund dieses Vorverständnisses scheint der Koran den christlichen Glauben an die Trinität mißverstanden zu haben.“ Und weiter: „Der islamische Vorwurf gegen die Christen, an drei Götter zu glauben, beruht – wie wir gesehen haben – auf einem Mißverständnis mit weitreichenden Folgen, von Unverständnis bis hin zur Unversöhnlichkeit.“ (Digitale Bibliothek: A.T. Khoury, L. Hagemann, P. Heine: Lexikon des Islam, S. 320, Verlag Herder, 2004)

Allah verdeutlicht, weshalb Er die Unterstellung einer Zeugungstätigkeit ablehnt: Diese Sichtweise würde eine Einschränkung Seiner allumfassenden Macht beinhalten:

Sure 39, Vers 4: Hätte Allah einen Sohn haben wollen, wahrlich, erwählt hätte Er sich von dem, was Er erschaffen, was Er will. Preis Ihm, Er ist Allah, der Einige, der Allmächtige.

Sure 4, Vers 171: O Volk der Schrift, überschreitet nicht euren Glauben und sprechet von Allah nur die Wahrheit. Der Messias Jesus, der Sohn der Maria, ist der Gesandte Allahs und Sein Wort, das Er in Maria legte, und Geist von Ihm. So glaubet an Allah und Seinen Gesandten und sprechet nicht: „Drei„. Stehet ab davon, gut ist’s euch. Allah ist nur ein einiger Gott; Preis Ihm, daß Ihm sein sollte ein Sohn! Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden, und Allah genügt als Beschützer.

3. Die Zeugung Jesu im Koran

Der oben zitierte Vers 171 aus Sure 4 beinhaltet die koranische Version der Zeugung Jesu: „Der Messias Jesus, der Sohn der Maria, ist der Gesandte Allahs und Sein Wort, das Er in Maria legte…“ Jesus wurde nicht von einem Menschen gezeugt; vielmehr bewirkte Allah durch Seinen Willen (Sein Wort) die Schwangerschaft Marias. Die vollständige Begebenheit ist in Sure 19, Verse 17 bis 22 beschrieben. Allah informierte die koranische Maria über die ihr zuteil werdende Gnade durch Seinen Engel Gabriel:

Sure 19, Vers 17: Und sich vor ihnen verschleierte, da sandten Wir Unsern Geist zu ihr, und er erschien ihr als vollkommener Mann.
Sure 19, Vers 18: Sie sprach: „Siehe, ich nehme meine Zuflucht vor dir zum Erbarmer, so du Ihn fürchtest.“
Sure 19, Vers 19: Er sprach: „Ich bin nur der Gesandte deines Herrn, um dir einen reinen Knaben zu bescheren.“
Sure 19, Vers 20: Sie sprach: „Woher soll mir ein Knabe werden, wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Dirne bin?“
Sure 19: Vers 21: Er sprach: „Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: „Das ist Mir ein Leichtes“; und Wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen und einer Barmherzigkeit von Uns. Und es ist eine beschlossene Sache.“
Sure 19, Vers 22: Und so empfing sie ihn und zog sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück.

Diese Belege sind auch eine Bestätigung des zuvor genannten Verses 4 aus Sure 39. Der Koran stellt sehr deutlich fest, daß Allah mit der von Ihm bewirkten Schwangerschaft Marias der Welt lediglich „einen reinen Knaben“ bescheren wollte und daß der islamische Isa nicht Sein leiblicher Sohn ist. Damit teilt die islamische Lehre das christliche Konzept der Zeugung Jesu ohne einen biologischen Vater als Wunder Gottes und Zeichen Seiner Macht. In der Bibel ist es der von Gott geschickte „Heilige Geist“ der dieses Wunder bewirkt:

Hier der Beleg aus dem Matthäusevangelium (Lutherbibel 1912):

18 Die Geburt Christi war aber also getan. Als Maria, seine Mutter, dem Joseph vertraut war, fand sich’s ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist. 19 Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. 20 Indem er aber also gedachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des HERRN im Traum und sprach: Joseph, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, dein Gemahl, zu dir zu nehmen; denn das in ihr geboren ist, das ist von dem heiligen Geist. 21 Und sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden.

Und aus dem Lukasevangelium

26 Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, 27 zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Manne mit Namen Joseph, vom Hause David: und die Jungfrau hieß Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seist du, Holdselige! Der HERR ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern! 29 Da sie aber ihn sah, erschrak sie über seine Rede und gedachte: Welch ein Gruß ist das? 30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! du hast Gnade bei Gott gefunden. 31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. 32 Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der HERR wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; 33 und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreiches wird kein Ende sein.

34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich von keinem Manne weiß? 35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.

Obschon also die Zeugung Jesu sowohl im Koran als auch in der Bibel als Akt Gottes ohne menschliches Zutun dargestellt wird ist ein entscheidender Unterschied in den beiden Berichten festzustellen. Während Allah kraft Seines Wortes und Seines Geistes via den Engel Gabriel (Sure 4, Vers 171) Jesus entstehen läßt ist es in der Bibel der „Heilige Geist“ als eigene Entität – von Gabriel im Traum angekündigt – der die Zeugung bewirkt.

4. Der „Heilige Geist“ ist im Koran nicht der dritte Teil der Trinität

Nicht nur im Zusammenhang mit der Zeugung Jesu sondern auch an weiteren Stellen wird der „Heilige Geist“ nicht als dritte Größe der „Beigesellung“ aufgeführt. Dies ist ein weiterer Beweis, daß er im Koran nicht als dritter Teil der Trinität erkannt wird. Er wird in zwei von der Polemik gegen die „Beigesellung“ unabhängigen Versen erwähnt. Im ersten beschuldigt Allah die Juden für ihre Ablehnung und Ermordung von Propheten:

Sure 2, Vers 87: Und dem Moses gaben Wir die Schrift und ließen ihm Gesandte nachfolgen; und Wir gaben Jesus, dem Sohn der Maria, die deutlichen Zeichen und stärkten ihn mit dem Heiligen Geist. Sooft euch aber ein Gesandter brachte, was euch nicht gefiel, wurdet ihr da nicht hoffärtig und ziehet einen Teil der Lüge und erschlugt andere?

Sure 2, Vers 253: Jene Gesandten – die einen bevorzugten wir vor den andern; zu einigen von ihnen sprach Allah und erhöhte andere um Stufen. Und wir gaben Jesus, dem Sohn der Maria, die deutlichen Zeichen und stärkten ihn mit dem Heiligen Geist, und so Allah wollte, so hätten die Spätern nicht gestritten, nachdem zu ihnen die deutlichen Zeichen kamen; aber sie waren uneins und die einen von ihnen glaubten und die andern waren ungläubig. Und so Allah wollte, hätten sie nicht gestritten, jedoch tut Allah, was Er will.

5. Maria als Göttin

Laut Koran sind die drei Götter, die von den Christen angeblich angebetet werden neben Allah und Jesus – entsprechend der biologischen Argumentation seiner Zeugung – auch Maria.

Der Kontakt Mohammeds mit verschiedenen christlichen Sekten hat im Koran seinen Niederschlag gefunden wie zum Beispiel im bereits zitierten Vers 32 aus Sure 30: „wie jene, die ihren Glauben spalteten und in Sekten zerfielen, von denen sich jede Partei ihrer eigenen Meinung erfreut.“ Ob nun

  • – deren Gottsetzung Marias mit entsprechender Anbetung,
  • – die teils hohe Marienverehrung anderer Sekten oder
  • – das biologische Verständnis der Zeugung Jesu (das den Christen unterstellt wird)

folgendem Vers zugrunde liegen, kann nicht abschließend eruiert werden:

Sure 5, Vers 116: Und wenn Allah sprechen wird: „O Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den Menschen gesprochen: „Nehmet mich und meine Mutter als zwei Götter neben Allah an?“ Dann wird er sprechen: „Preis sei Dir! Es steht mir nicht zu, etwas zu sprechen, was nicht wahr ist. Hätte ich es gesprochen, dann wüßtest Du es. Du weißt, was in meiner Seele ist, ich aber weiß nicht, was in Deiner Seele ist. Siehe, Du bist der Wisser der Geheimnisse.“

Hier wird beschrieben, daß Allah Jesus (anläßlich des Jüngsten Gerichts?) zur Version der Trinität als Trias von Gott, Maria und Jesus befragen wird, und letzterer in Abrede stellen wird, diese selbst postuliert zu haben.

Diese Befragung von Jesus: „Und wenn Allah sprechen wird

welche der Allmächtige Seinem Propheten Mohammed im genauen Wortlaut schon in medinensischer Zeit offenbart, kann nicht göttlichen Ursprungs sein:

1. Das islamische Dogma stattet alle Propheten, nicht nur Mohammed, mit absoluter Sündenlosigkeit aus. Es ist also völlig undenkbar, daß der islamische Jesus „Isa“ die Absurdität seiner eigenen Beigesellung behauptet haben könnte. Er hätte damit die schlimmste aller möglichen Sünden – die der „Beigesellung“ – auf sich geladen.

2. Nicht nur die im vorliegenden Vers erwähnte Sichtweise der Trinität als Trias von Gott, Maria und Jesus entspricht nicht der christlichen Lehre, sondern auch Jesus’ Behauptung seiner eigenen Gottsetzung.

Allah müßte das wissen, weshalb sich dieses göttliche Verhör erübrigt …

H.P Raddatz schreibt zum koranischen Verständnis der Trinität: „Hier tritt kein Irrtum Muhammads, sondern eine zu seiner Zeit noch gebräuchliche, pseudo-christliche Trinitätsvariante in Erscheinung. Sie wurde von der arabischen Frauensekte der Kollyriadianerinnen, vielleicht auch der sogenannten Philomarianiten, vertreten, die in Maria göttliche Eigenschaften erkannten und die Eucharistie als von ihr gespendet feierten … Muhammad zog es hingegen vor, die von Jesus selbst auf obige Frage verneinte Göttlichkeit seiner Mutter zu übergehen, und seiner Trinitätsablehnung – nicht ganz unpolemisch – eine marginale Sektenauslegung zugrundezulegen.“ (H.P. Raddatz, Von Gott zu Allah?, Herbig, München 2001, Seite 329) Einmal mehr muß man allerdings darauf hinweisen daß sich hier nicht Mohammed sondern Allah irrt, denn der Koran ist Seine Verbaloffenbarung und wurde unabhängig vom Wissensstand des Gesandten herniedergesendet.

Zum Thema „Beigesellung“ erläutert R. Paret: „… Daß er (Mohammed) die christliche Trinitätslehre nicht auf Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist, sondern auf Gott, Jesus und Maria bezogen hat, … jedenfalls brachte er über das Leben und Wirken von Jesus herzlich wenig in Erfahrung.“ (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 15, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980) Wir finden auch in diesem Kommentar die von Islamwissenschaftern oft vorgenommene Interpretation der Botschaften Allahs als Aussagen des Menschen Mohammed. Darauf wurde schon hingewiesen.

„Heiliger Krieg“

Nachdem sich Allah also – gemäß Darstellung im Koran – mit Hilfe der Befragung von Jesus darüber vergewissert hat, daß nicht dieser die Mähr (seiner eigenen) „Beigesellung“ in die Welt gesetzt hat, bleiben für deren Inkraftsetzung nur noch die Christen selber übrig. Deshalb wird der Vorwurf der Gottsetzung von Maria und Jesus im Koran nicht gegen Jesus erhoben, sondern gegen die Christen, welche sich damit der schlimmsten aller möglichen Sünden schuldig machen.

► schirk

Alles kann Allah in Seiner Huld vergeben, nur das nicht. Die folgende Stelle findet sich sogar zwei Mal im Koran:

Sure 4, Vers 48: Siehe, Allah vergibt nicht, daß man Ihm Götter beigesellt; doch verzeiht Er, was außer diesem ist, wem Er will. Und wer Allah Götter beigesellt, der hat eine gewaltige Sünde ersonnen.

Sure 4, Vers 116: Siehe, Allah vergibt es nicht, daß Ihm Götter zur Seite gesetzt werden,  doch vergibt er alles außer diesem, wem Er will. Wer Allah Götter zur Seite setzt, der ist weit abgeirrt.

In einem nächsten Vers wendet sich Allah gegen die Christen und Juden, weil sie Ihm nicht nur Jesus und Maria, sondern auch noch Mönche bzw. Rabbiner „zur Seite setzen„. Diese Rüge muß seinen Grund darin haben, daß die christlichen Gemeinschaften zur Zeit Mohammeds auch Heilige hoch verehrten, was offenbar den Eindruck erweckte, daß diese zu Göttern gemacht worden waren. Damit werden die Christen und Juden zu eigentlichen Polytheisten erklärt, was das Verwerflichste ist, zu dem sich Menschen hinreißen lassen können. Gleichzeitig versichert der Allmächtige, daß solcherlei unsinniges Tun Ihn nicht erreichen kann:

Sure 9, Vers 31: Sie nehmen ihre Rabbiner und Mönche neben Allah und dem Messias, dem Sohn der Maria, zu Herren an, wo ihnen doch allein geboten ward, einem einzigen Gott zu dienen, außer dem es keinen Gott gibt. Preis Ihm, Er steht hoch über dem, was sie neben Ihn setzen.

6. Jesus als Diener Allahs

Auch Vers 172 aus Sure 4 belegt das falsche Verständnis der christlichen Lehre der Trinität im Koran: 

Sure 4, Vers 172: Nimmer ist der Messias zu stolz, ein Diener Allahs zu sein, und nicht auch die nahe stehenden Engel. Und wer zu stolz ist, Ihm zu dienen und voll Hoffart ist, versammeln wird Er sie zu sich insgesamt.

Der Satz „Nimmer ist der Messias zu stolz, ein Diener Allahs zu sein“ ist ein zusätzlicher Hinweis auf die von der koranischen Botschaft vertretene Meinung, daß Jesus durch das Konzept der Gottessohnschaft von den „Schriftbesitzern“ zu einem eigenständigen Gott gemacht wird und damit zu Allah selbst in Konkurrenz tritt. Deshalb weist letzterer hier darauf hin, daß Jesus mitnichten zu stolz sei, ein Diener Gottes zu sein. Nirgends in den Evangelien wird das Gegenteil behauptet, vielmehr wird dort berichtet, daß Jesus in die Welt gekommen sei, um die Menschen zu Gott hinzuführen.

Im folgenden Vers versichert Mohammed, daß die (vom Islam erfundene) Gottsetzung Jesu nichtig ist, denn sonst würde er diesem hypothetischen Gott dienen:

Sure 43, Vers 81: Sprich: „Wenn der Erbarmer einen Sohn hätte, so wäre ich der erste, ihm zu dienen.“

7. Textanalyse / Zusammenfassung

Mohammed hat rund 300 Jahre nach der Inkraftsetzung des christlichen Dogmas der Trinität gewirkt. Es war in jener Zeit den großen christlichen Kirchen allgemein bekannt und verbindlich. Trotzdem wird es im Koran nicht sachgerecht reflektiert:

1. Christen werden als Tri- (oder sogar Polytheisten) angesehen.

2. Der „Heilige Geist“ wird zwar erwähnt, aber nicht als Teil der Trinität erkannt. Vielmehr wird entsprechend dem Vers:

Siehe, Allah ist ein dritter von drei.“

an die dritte Stelle Maria gesetzt.

3. Die im Koran vorgenommene Gottsetzung Marias entspricht nicht der Stellung, welche ihr die Bibel  als Mutter von Jesus zuweist. Ganz offensichtlich hatte Mohammed vom Bericht der Zeugung Jesu in der Bibel keine Kenntnis, sonst hätte Allah diesen Vorgang nicht in einer Offenbarung „richtigstellen“ müssen. Vielmehr glaubte Mohammed, entsprechend der hohen Verehrung und Gottsetzung Marias einzelner christlicher Sekten seines zeitgenössischen Umfeldes diese „Beigesellung“ durch Offenbarungen bekämpfen zu müssen.

4. Aus allen in diesem Kapitel erwähnten Versen wie auch aus der koranischen Botschaft per se geht indes klar hervor, daß jegliche „Beigesellung“ – also nicht nur die Trias von Gott, Maria und Jesus – ablehnt wird.

Sure 3, Vers 64: Sprich: „O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns, daß wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen und daß nicht die einen von uns die andern zu Herren annehmen neben Allah.“ …

Sure 5, Vers 17: Wahrlich, ungläubig sind, die da sprechen: „Siehe, Allah das ist der Messias, der Sohn der Maria.“ Sprich: „Und wer hätte über Allah Macht, so Er den Messias, den Sohn der Maria, und seine Mutter und, wer auf der Erde allzumal, vernichten wollte?

Sure 5, Vers 72: Wahrlich, ungläubig sind, welche sprechen: „Siehe, Allah, das ist der Messias, der Sohn der Maria.“ Und es sprach doch der Messias: „O ihr Kinder Israel, dienet Allah meinem Herrn und eurem Herrn.“ Siehe, wer Allah Götter an die Seite stellt, dem hat Allah das Paradies verwehrt, und seine Behausung ist das Feuer; und die Ungerechten finden keine Helfer.
Sure 5, Vers 73: Wahrlich, ungläubig sind, die da sprechen: „Siehe, Allah ist ein dritter von drei.“ Aber es gibt keinen Gott denn einen einigen Gott. Und so sie nicht ablassen von ihren Worten, wahrlich, so wird den Ungläubigen unter ihnen schmerzliche Strafe.
Sure 5, Vers 74: Wollen sie denn nicht umkehren zu Allah und Ihn um Verzeihung bitten? Und Allah ist verzeihend und barmherzig.
Sure 5, Vers 75: Nicht ist der Messias, der Sohn der Maria, etwas anderes als ein Gesandter; vorausgingen ihm Gesandte, und seine Mutter war aufrichtig. Beide aßen Speise. Schau, wie Wir ihnen die Zeichen deutlich erklären! Alsdann schau, wie sie sich abwenden.
Sure 5, Vers 76: Sprich: „Wollt ihr anbeten neben Allah, was euch weder schaden noch nützen kann?“ Und Allah, Er ist der Hörende, der Wissende.
Sure 5, Vers 77: Sprich: „O Volk der Schrift, übertretet nicht in euerm Glauben die Wahrheit und folget nicht den Gelüsten von Leuten, die bereits zuvor abgeirrt sind und viele irregeführt haben und abirrten von dem ebenen Weg.“

5. Muslime sollen sich von „Schriftbesitzern“ fernhalten, dies vor allem auch wegen ihrem mit dem Islam nicht kompatiblen Dogma der Trinität:

Sure 6, Vers 106: Folge dem, was dir offenbart ward von deinem Herrn; es gibt keinen Gott außer Ihm; und wende dich ab von denen, die Ihm Gefährten geben.

In folgendem Vers wird sogar festgeschrieben, daß sich Muslime des Abfalls vom Islam schuldig machen, und sich nicht mehr Seiner Rechtleitung erfreuen dürfen, wenn sie Christen zu Freunden nehmen:

Sure 5, Vers 51: O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden, sie sind untereinander Freunde, und wer von euch sie zu Freunden nimmt, siehe, der ist von ihnen. Siehe, Allah leitet nicht die ungerechten Leute.

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