Sklaven im Koran

Lesen sie dieses Kapitel im Zusammenhang mit folgenden Anhängen:

Islam, Sklaverei und Vergewaltigung
Schwarze Sklaven, Arabische Meister
► Sexueller Mißbrauch von Sklavinnen und ungläubigen weiblichen Kriegsgefangenen
Noch immer geleugnet
 See der Angst
Islam und Sklavenhandel  
Die arabisch-islamische Sklavenjagd
► Sklaverei im Islam

 

1. Sklaventum als Teil der gottgewollten Ordnung

Mohammed hat in seinem Umfeld die Sklaverei als selbstverständliche soziale Institution vorgefunden. Er hat sie grosso modo übernommen und ausgiebig genutzt. Allah hat sie durch Seine Offenbarungen sakral legitimiert: „Im Koran erscheint die Sklaverei als selbstverständliche Einrichtung … Die zahlreichen einschlägigen Koranstellen bilden die Grundlage für das islamische Sklaven-Recht, das die Verhältnisse im Einzelnen regelt. Zu den wichtigsten Regelungen gehören folgende:

  • Sklave wird man nur durch Abstammung von Sklaven oder als in Kriegsgefangenschaft geratener, nicht unter Schutzvertrag stehender Nicht-muslim;
  • – ein freier muslim kann nicht Sklave werden;
  • – der muslimische Sklave ist dem freien muslim in religiöser Hinsicht gleichgestellt,
  • doch macht Übertritt zum Islam einen Sklaven nicht frei;
  • – der Sklave ist Sache und Mensch zugleich, er kann verkauft, verschenkt, verliehen, vererbt usw. werden;
  • – er hat kein Eigentumsrecht, was er erwirbt, gehört seinem Herrn;
  • – er hat Anspruch auf gute Behandlung und Verpflegung;
  • – er ist grundsätzlich geschäftsunfähig, kann aber mit Genehmigung seines Herrn heiraten, und Aufträge ausführen;
  • – seiner schwächeren Rechtsstellung entspricht eine verminderte schuld- und strafrechtliche Haftung;
  • – der Herr kann seine Sklavin zur Konkubine nehmen, sie heiraten aber nur, wenn sie gläubig geworden ist;
  • – das Freilassen von Sklaven wird warm empfohlen und gilt als gottgefälliges Werk;
  • – ein Sklave kann sich auch durch Vertrag mit seinem Herrn freikaufen, indem er den vereinbarten Kaufpreis erarbeitet; in dieser Zeit kann er nicht mehr weiterverkauft werden.“
  • (Lexikon der Islamischen Welt, Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz, 3. Band, 1974, Seite 110)

 

Zum islamischen Gesellschaftsentwurf, welcher „die Unterscheidung in Sklaven und Freie als Teil der natürlichen Ordnung annimmt und diese Unterscheidung als Beispiel für Allahs Gnade sieht.“ (Ecyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 57) steht im Koran:

Sure 16, Vers 71: Und Gott hat die einen von euch im Unterhalt vor den anderen ausgezeichnet. Nun geben aber diejenigen, die auf diese Weise ausgezeichnet sind, ihren Unterhalt nicht an ihre Sklaven weiter, sodaß sie im Besitzstand gleich wären. Wollen die Ungläubigen denn die Gnade Gottes leugnen? (Übersetzung Rudi Paret)

Tafsir al-Jalalayn 16,71: Und Allah hat einige von euch den anderen in Bezug auf ihre Vorkehrungen vorgezogen. So sind einige arm und andere reich, einige sind Besitzer und andere sind Besitztum. Nun, diejenigen, die bevorzugt wurden, nämlich die Meister werden ihre Vorkehrungen nicht ihren Sklaven übergeben, das heißt, sie werden ihren Besitz und ihren Reichtum, den Wir ihnen gaben nicht als etwas betrachten, das sie mit ihren Sklaven teilen wollen. Sonst würden ja die Sklaven und die Meister gleichwertige Partner in Bezug auf diese Güter. Der Sinn ist folgender: Keiner der Sklaven hat Berechtigung, am Reichtum seines Meisters teilzuhaben; wie können also die Ungläubigen gewisse Diener Allahs zu Seinen Partnern machen? Ist es denn die Gnade Allahs, welche sie verleugnen, und zurückweisen, indem sie Ihm Partner beigesellen?

Dieser Vers wurde offenbart, als eine christliche Karawane aus Nadjran in Medina Halt machte und sich ein hitziger Disput über die „Beigesellung“ mit Mohammed ergab. Das Gleichnis in diesem Vers will besagen, daß die Beziehung zwischen einem Sklaven und seinem Meister Ausdruck einer ebenso natürlichen Ordnung ist, wie die Beziehung eines Menschen zu Allah.

tauhid – Die absolute Transzendenz Aallahs

Damit stellt Allah die Sklaverei als Teil der sozialen Ordnung in der von Ihm geschaffenen Welt dar. In etwas anderen Worten belehrt uns der Allmächtige in einem weiteren Vers über diese gottgewollte Gesellschaftsordnung, die aus Freien und Sklaven besteht. Dabei greift Er auf dasselbe Gleichnis zurück. Ebenso wenig wie ein Mensch als Allahs Sklave Partner des Allmächtigen sein kann, sind ein Sklave und sein Herr in irgendeiner Weise gleichberechtigt:

Sure 30, Vers 28: Allah hat euch aus euren eigenen Lebensverhältnissen ein Gleichnis geprägt. Habt ihr etwa unter eurem Besitz an Sklaven welche, die an dem teilhaben, was Wir euch Freien an Gütern beschert haben, so daß ihr im Besitzstand gleich wäret, indem ihr sie auch noch fürchten müßtet, so wie ihr euch als Freie selber gegenseitig zu fürchten habt? Dies ist undenkbar. Ebenso widersinnig ist es, wenn ihr eure Götzen als angebliche Teilhaber dem einen Gott gleichstellt. So setzen Wir die Zeichen auseinander für Leute, die Verstand haben. (Übersetzung Rudi Paret)

Tafsir al Jalalayn 30,28: Er hat für euch Götzenanbeter ein Gleichnis geprägt, das euren eigenen Lebensverhältnissen entspringt: „Habt ihr unter denen, die eure rechte Hand besitzt, das heißt unter euren Sklaven und Dienern jemanden, mit denen ihr den Besitz, den Wir euch gegeben haben teilen würdet, sodaß ihr und sie darin gleichberechtigt wären? Ihr müßtet sie fürchten, wie ihr euer eigenes Volk, die anderen Freien fürchtet.“ – Mit anderen Worten: Eure Sklaven sind, was euren Besitz angeht, nicht eure Partner. – „Wie könnt ihr also aus Allahs Dienern Partner von Ihm machen? So klar und detailliert erklären Wir die Zeichen den Menschen, die Verstand haben und nachdenken.“

Arabischer Sklavenhandel

Juristisch betrachtet war der Sklave halb Mensch, halb Ware. Als Mensch genoss er keine eigene oder allenfalls beschränkte Geschäftsfähigkeit; sein Besitz blieb Besitz des Herrn. Die Tötung eines Sklaven hatte in der Regel kaum rechtliche Folgen …“ (Johann Christoph Bürgel, Allmacht und Mächtigkeit, München, Verlag C.H. Beck, 1991, Seite 90)

2. Einige Aspekte der islamischen Sklaverei

Die folgenden fünf Kapitel beleuchten einige ausgewählte Bestimmungen zur Sklavenhaltung:

2.1. Die Freilassung von Sklaven

Die Freilassung von Sklaven wird in Koran und sunna empfohlen, sei es als Reuetat nach einem Mord:

Sure 4; Vers 92: Kein Gläubiger darf einen anderen Gläubigen töten, es sei denn er tötet ihn aus Versehen. In diesem Fall ist als Sühne ein gläubiger Sklave in Freiheit zu setzen und außerdem Wergeld zu bezahlen, das seinen Angehörigen auszuhändigen ist – es sei denn, sie zeigen sich mildtätig (sie geben es als Almosen, d.h. sie verzichten auf das Wergeld). Und wenn der Getötete zu Leuten gehört, die euch feind sind, während er seinerseits gläubig ist, ist als Sühne ein gläubiger Sklave in Freiheit zu setzen (ohne daß auch noch Wergeld bezahlt wird). Und wenn er Leuten zugehört, mit denen ihr in einem Vertragsverhältnis steht (ohne daß sie ihrerseits den Islam angenommen haben), ist Wergeld zu bezahlen, das seinen Angehörigen auszuhändigen ist, und außerdem ein gläubiger Sklave in Freiheit zu setzen. Und wenn einer keine Möglichkeit findet einen Sklaven in Freiheit zu setzen, hat er dafür zwei aufeinander folgende Monate zu fasten. Das ist ein Gnadenakt von Seiten Allahs. Er weiß Bescheid und ist weise.

zur Tilgung von Sünden wie Meineid:

Sure 5, Vers 89: Nicht wird Allah euch strafen für ein unbedachtes Wort in euren Eiden; jedoch wird Er euch strafen für das, was ihr mit Bedacht beschworen habt. Die Sühne dafür soll sein die Speisung von zehn Armen mit der Speise, die ihr gewöhnlich euren Familien gebt, oder die Bekleidung oder die Befreiung eines Nackens (Sklaven). Wer aber nicht die Mittel dazu findet, der faste drei Tage. Dies ist die Sühne eurer Eide, so ihr geschworen habt, und hütet eure Eide. Also macht euch Allah Seine Zeichen klar; vielleicht seid ihr dankbar.

– Aber auch ohne äußere Veranlassung, einfach als gottgefällige Tat aus reiner Frömmigkeit getätigt, verspricht die Freilassung eines Sklaven eine Menge Bonuspunkte auf dem Paradieskonto.

Sure 2, Vers 177: Die Frömmigkeit besteht nicht darin, daß ihr euch beim Gebet mit dem Gesicht nach Osten oder Westen wendet. Sie besteht vielmehr darin, daß man an Allah, den Jüngsten Tag, die Engel, die Schrift und die Propheten glaubt und sein Geld – mag es einem noch so lieb sein – den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem, der dem Weg Allahs gefolgt und dadurch in Not gekommen ist; den Bettlern und für den Loskauf von Sklaven hergibt, das Gebet verrichtet und die Almosensteuer bezahlt. Und Frömmigkeit zeigen diejenigen, die, wenn sie eine Verpflichtung eingegangen haben, sie erfüllen, und die in Not und Ungemach und in Kriegszeiten geduldig sind. Sie allein sind wahrhaftig und gottesfürchtig.

Die Freilassung eines Sklaven als lobenswerte Tat wird auch in der sunna thematisiert. Eine solche Tat wird dereinst hoch angerechnet:

Bukhari V3 B46 N715 berichtet von Hischam: Mein Vater sagte mir, daß Hakim bin Hizam einhundert Sklaven während der vorislamischen Epoche der Ignoranz freigelassen sowie einhundert Kamele geschlachtet und als Almosen verteilt habe. Nachdem er zum Islam übergetreten war, schlachtete er wiederum einhundert Kamele und ließ einhundert Sklaven frei. Hakim fragte dann den Propheten Allahs: „O Prophet Allahs! Was denkst du denn über einige der guten Taten, welche ich in vorislamischen Zeiten der Ignoranz erbracht habe? Werden sie wohl als rechtschaffene Taten im Jenseits anerkannt werden?“ Allahs Prophet antwortete: „Du bist dem Islam mit all deinen guten Taten beigetreten.“

Bukhari V3 B46 N693 berichtet von Abu Huraira: Der Prophet sagte, „Wer immer einen Sklaven befreit, für den wird Allah sämtliche Körperteile vom Höllenfeuer verschonen genau so, wie der Besitzer die Körperteile des Sklaven befreit hat.“ Said bin Mariana sagte, er habe diese hadith Ali bin Al-Husain erzählt worauf dieser einen Sklaven frei ließ, für welchen Abdullah bin Ja’far ihm zehntausend Dirham angeboten hatte.

Als besten Zeitpunkt für die Freilassung wird einerseits eine Sonnenfinsternis andererseits auch eine Mondfinsternis genannt. Es ist womöglich der grossen Seltenheit dieser beiden astronomischen Ereignisse zuzuschreiben, daß in der Geschichte des islam sicher wenige Sklaven in den Genuss der Freiheit gelangten:

Bukhari V3 B46 N695 berichtet von Asma‘ bint Abu Bakr: Der Prophet ordnete an, daß man Sklaven jeweils während einer Sonnenfinsternis freilassen soll.

Bukhari V3 B46 N696 berichtet von Asma‘ bint Abu Bakr: Uns wurde befohlen, Sklaven während einer Mondfinsternis freizulassen.

Bei der Freilassung eines Sklaven kann es zu organisatorischen und rechtlichen Problemen kommen; dies, wenn ein Sklave mehr als einen Besitzer hat:

Bukhari V3 B46 N701 berichtet von Umar: Der Prophet sagte: „Derjenige, der einem Sklaven die Freiheit schenkt und genug Geld hat, sollte dem Mitbesitzer den ungefähren Preis bezahlen, den er zugute hat.“ Nafi fügte an: „Sonst ist der Sklave halb frei.“ …

Bukhari V3 B46 N702 berichtet von Ibn Umar: In diesem Sinne verkündete der Prophet seinen Urteilsspruch in Bezug auf Sklavinnen oder Sklaven mit mehr als einem Besitzer –wenn einer von ihnen seinen Anteil am Sklaven frei setzen wollte. Ibn Umar pflegte in einem solchen Fall zu sagen, daß der Besitzer, der seinen Sklaven befreien will auch verpflichtet ist, den anderen Besitzern einen gerechten Preis für ihren Anteil am Sklaven zu zahlen, damit der Sklave ganz aus dem Sklavenstatus entlassen werden kann. Umar berichtete von diesem Urteil des Propheten.

2.2. Drei gottgefälligen Handlungen im Vers 33 aus Sure 24

Der unten zitierte Vers 33 aus Sure 24 enthält drei Empfehlungen zum Umgang mit Sklaven auf welche in den folgenden Kapiteln 2.3 bis 2.5 eingegangen wird:

Sure 24, Vers 33: Und diejenigen, welche niemanden zur Ehe finden, mögen keusch leben, bis Allah sie aus Seinem Überfluß reich macht. Und diejenigen von denen, die eure Rechte besitzt, und die ein Schriftstück begehren – schreibt es ihnen, wenn ihr Gutes in ihnen wisset, und gebet ihnen von Allahs Gut, das Er euch gegeben.… und zwingt nicht eure Sklavinnen zur Hurerei, so sie keusch leben wollen im Trachten nach dem Gewinn des irdischen Lebens. Und wenn sie einer zwingt, siehe, so ist Allah, nachdem sie gezwungen wurden, vergebend und barmherzig.

Tafsir al-Jalalayn 24,33: Und laß diejenigen, die nicht vermögend genug sind das Brautgeld oder die anderen Unterstützungsverpflichtungen für eine Heirat zu bezahlen, enthaltsam sein und sich betreffend Unzucht beherrschen bis Allah ihnen aus Seiner Großzügigkeit die nötigen Mittel zukommen läßt um zu heiraten.

Und diejenigen männlichen und weiblichen Sklaven, die deine rechte Hand besitzt, und welche einen Vertrag (zum Loskauf) mit dir aushandeln wollen – wenn sie dir vertrauenswürdig erscheinen, wenn du etwas Gutes in ihnen erkennen kannst und wenn sie fähig erscheinen, den Betrag, der im Vertrag ausgehandelt wurde zu erarbeiten, dann unterstütze sie … Dies ist ein Gebot an die Sklavenbesitzer: unterstütze sie aus dem Reichtum, den dir Allah gegeben hat indem du auf einen Teil der ausgehandelten Ablösungssumme verzichtest, so daß sie ihre eingegangenen Verpflichtungen erfüllen können.

Und zwinge, im Hinblick auf weltlichen Gewinn, deine Sklavenmädchen nicht zur Prostitution und Unzucht, wenn sie wünschen keusch zu leben und von Unzucht abzusehen. Dieser Vers wurde offenbart, weil Abd Allah bin Ubayy seine Sklavinnen zur Prostitution zwang. Und wenn sonst jemand seine Sklavinnen in die Prostitution treibt, dann wird Allah diesen Sklavinnen sicher verzeihen und gnädig sein.

2.3. Eine Sklavin als Notlösung für den finanzschwachen Gläubigen

Arme Gläubige sollen enthaltsam leben, bis Allah ihnen aus Seinem Überfluß genügend Mittel zur Verfügung stellt, um die finanziellen Folgen einer Heirat abgelten zu können: „Und diejenigen, welche niemanden zur Ehe finden, mögen keusch leben, bis Allah sie aus Seinem Überfluß reich macht.

Wahrscheinlich ist es aber trotz Allahs Verfügung in der frühen medinensischen Gemeinde zu Unregelmäßigkeiten gekommen, weshalb Allah für diejenigen der wenig bemittelten männlichen Glieder Seiner Gemeinde, die über ein sehr starkes Triebleben verfügten die bei gänzlicher Enthaltsamkeit fürchten, in Bedrängnis zu kommen die einschränkenden Bestimmungen gelockert und eine Notlösung angeboten hat. Dies wird im folgenden Vers ausgeführt:

Sure 4, Vers 25: Und diejenigen von euch, die nicht so bemittelt sind, daß sie ehrbare gläubige Frauen zu heiraten vermögen, sollen welche von euren gläubigen Mägden heiraten, die ihr als Sklavinnen besitzt. Gott weiß sehr wohl über euren Glauben Bescheid. Ihr gehört als Gläubige zueinander, ungeachtet der Unterschiede in der sozialen Stellung. Heiratet sie also mit der Erlaubnis ihrer Herrschaft und gebt ihnen ihre Morgengabe in rechtlicher Weise! Dabei sollen sie sich als ehrbare Frauen betragen, nicht als solche, die Unzucht treiben und sich Liebschaften halten. Und wenn sie durch die Eheschließung ehrbare Frauen geworden sind und dann etwas Abscheuliches begehen, kommt ihnen die Hälfte der Strafe zu, die in einem solchen Fall für die frei geborenen ehrbaren Frauen vorgesehen ist. Die Erlaubnis, Sklavinnen zu heiraten ist eine Erleichterung für diejenigen von euch, die bei gänzlicher Enthaltsamkeit fürchten, in Bedrängnis zu kommen. Doch ist es besser für euch, Geduld zu üben und auf die Heirat von Sklavinnen zu verzichten. Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben. (Übersetzung Rudi Paret)

Minderbemittelte Gläubige können also gläubige Sklavinnen heiraten. Auch T. Nagel thematisiert dies: „Wer nicht so vermögend ist, das Brautgeld aufzubringen, der solle mit einer Sklavin die Ehe eingehen. Vermutlich verstieß dieser Vorschlag gegen die guten Sitten, denn es wird darauf verwiesen, daß dank dem gemeinsamen Glauben schon eine Zusammengehörigkeit bestehe … Die geschäftliche Seite eines solchen Eheverhältnisses ist wiederum die Übergabe eines „Lohnes“ an die Frau, die damit die Pflicht übernimmt, sich als „ehrbare“ Frau zu betragen …“ (T. Nagel, Das islamische Recht, WVA-Verlag Skulima, Westhofen, 2001, Seite 68)

Entsprechend den unten stehenden exegetischen Ausführungen ist die Ehe mit einem Sklavenmädchen jedoch nur für diejenigen legitim, die wirklich nicht wohlhabend genug sind, sich eine freie muslima als Ehefrau leisten zu können: „Die Eheschließung mit Sklavenmädchen aufgrund von ungenügenden finanziellen Mitteln ist für diejenigen von euch bestimmt, welche sich vor der Sünde der Unzucht wegen der Bestrafung im Dies- sowie im Jenseits fürchten.“

Tafsir al-Jalalayn 4,25: Und wer nicht die Mittel hat sowie reich genug ist, gläubige freie Frauen als Gattinnen zu nehmen, lass diesen gläubige Sklavinnen (welche ihre rechte Hand besitzt) heiraten. Allah kennt euren Glauben gut genug; so lässt es mit eurer äußeren Kundgabe genug sein und Ihn die innersten Bewandtnisse behalten; denn Er ist derjenige, welcher den wahren Wert des Sklavenmädchens kennt. Viele von ihnen mögen wohl einen vorzüglicheren Glauben als freie Frauen haben – diese Aussage bedeutet eine Ermunterung zur Eheschließung mit Sklavenmädchen. Ihr seid eins in der Religion, also verachtet nicht eine Ehe mit ihnen. Heiratet sie also mit der Erlaubnis ihrer Sippe, ihrer Wächter und gebt ihnen ihre Entlöhnung, ihre Morgengabe ehrenhaft – ohne Verminderung oder Aufschub. Behandelt sie anständig und begeht keine rechtswidrige unverhohlene Unzucht oder indem ihr sie als Liebhaberinnen nehmt und mit ihnen heimlich herumhurt.

Wenn diese aber einmal verheiratet sind und Lüsternheit an den Tag legen und zum Beispiel Ehebruch begehen dann sollen sie mit der Hälfte der gesetzlich festgelegten Bestrafung für freie, jungfräuliche Frauen welche Ehebruch begehen, gezüchtigt werden. So müssen sie mit 50 Peitschenhieben versehen und für ein halbes Jahr verbannt werden; männliche Sklaven werden auf analoge Weise bestraft. Hier hat Allah die Eheschließung nicht als Bedingung für die vorgeschriebene Bestrafung gemacht; Er wollte damit zeigen, daß das Steinigen bezüglich der Sklavenmädchen nicht anwendbar ist. 

Die Eheschließung mit Sklavenmädchen aufgrund von ungenügenden finanziellen Mitteln ist für diejenigen von euch bestimmt, welche sich vor der Sünde der Unzucht wegen der Bestrafung im Dies- sowie im Jenseits fürchten. Im Gegensatz dazu sind diejenigen von euch, welche keine derartige Angst bezüglich ihrer freien Frauen haben und für welche es somit ungesetzlich ist, ein Sklavenmädchen zu heiraten. Genauso wie es für denjenigen welcher genügend Mittel hat, eine freie Frau zu heiraten ungesetzlich wäre, ein Sklavenmädchen zu ehelichen. Dies ist die Meinung von Shafi’i. Überdies schließen Allahs Worte „gläubige Mädchen“ ungläubige Frauen aus, da es ja ungesetzlich wäre, letztere zu heiraten, auch wenn keine gläubigen auffindbar sind und man somit dem Stress der Angst vor Unzucht ausgesetzt wäre. Für einen solchen Mann ist es trotzdem besser geduldig zu sein und davon abzusehen, Sklavenmädchen zu ehelichen, denn sonst würde ja auch sein Sprössling den Sklavenstatus haben.

Allah ist verzeihend und voller Gnade im Gewähren von Spielraum bezüglich dieser Angelegenheiten.

Der nächste Vers präzisiert, daß wirklich nur eine gläubige Sklavin, keinesfalls aber eine Götzenanbeterin geheiratet werden darf. Letztere kommt als Ehefrau nicht in Frage, auch wenn es sich um eine freie Frau handet und diese „euch gefallen sollte. Dieser Vers muß in der frühen medinensischen Zeit offenbart worden sein, denn nur damals gab es noch freie Götzenanbeterinnen in Medina (und Arabien). Später, nach der erfolgreichen ideologischen Gleichschaltung aller Einwohner der arabischen Halbinsel waren Unreine, das heißt Ungläubige nicht mehr als Freie anzutreffen. Sie wurden entweder vertrieben, versklavt, zwangsislamisiert, zu dhimmis gemacht oder umgebracht. Ob frei oder versklavt ist die Götzenanbeterin also für die Heirat absolut ungeeignet. Dem die Sklavin besitzenden muslim ist dann wenigstens deren sexuelle Konsumation gestattet.

Sexueller Mißbrauch von Sklavinnen und weiblichen ungläubigen Kriegsgefangenen

Sure 2, Vers 221: Und heiratet nicht heidnische Frauen, solange sie nicht gläubig werden! Eine gläubige Sklavin ist besser als eine heidnische Frau, auch wenn diese euch gefallen sollte. Und gebt nicht gläubige Frauen an heidnische Männer in die Ehe, solange diese nicht gläubig werden! Ein gläubiger Sklave ist besser als ein heidnischer Mann, auch wenn dieser euch gefallen sollte. Jene Heiden rufen zum Höllenfeuer (indem sie zum Unglauben und zu sündigen Handlungen auffordern). Gott aber ruft zum Paradies und zur Vergebung durch seine Gnade. Und er macht den Menschen seine Verse klar. Vielleicht würden sie sich mahnen lassen. (Übersetzung Rudi Paret)

In der Exegese zu diesem Vers wird auch Vers 5 aus Sure 5 erwähnt der besagt, daß das beschriebene Ehehindernis keine Geltung für die Frauen der „Leute der Schrift“ hat.

Mischehen

Tafsir al-Jalalayn: 2,221: Heiratet nicht Götzenanbeterinnen und Ungläubige bis sie gläubig geworden sind. Ein gläubiges Sklavenmädchen ist besser als eine Götzenanbeterin, auch wenn diese eine freie Frau ist. Dies wurde offenbart als Widerlegung der Ansicht, daß es beschämend sei, ein Sklavenmädchen zu heiraten und daß es besser sei, eine freie Ungläubige zu heiraten die man wegen ihrer Schönheit und ihrem Reichtum begehrt. Diese Bestimmung hat keine Geltung für die Weiber der „Leute der Schrift“ wie im Vers 5 von Sure 5 erwähnt: Das keusche Frauenvolk der „Leute der Schrift“ ist euch erlaubt. Und gebt keine gläubige Frauen den Götzenanbetern zur Frau, bis letztere gläubig geworden sind. Ein gläubiger Sklave ist besser als ein Götzenanbeter, auch wenn ihr letzteren wegen seines Aussehens und seines Reichtums bewundert. Jene Götzenanbeter rufen zum Höllenfeuer weil sie zum Unglauben und zur Sünde auffordern.fitna Allah aber ruft durch Seinen Propheten zum Paradies und zu Vergebung, welche die Gläubigen durch ihre Handlungen verdienen. Seine Erlaubnis und Sein Wille werden beachtet, indem man Seine Freunde heiratet, und Er macht Seine Zeichen dem Volke klar, auf daß sie sich erinnern und mahnen lassen.

Zur Möglichkeit für den finanzschwachen muslim, sich mit einer gläubigen Sklavin zu verheiraten möchten wir folgendes thematisieren:

1. Können nicht nur muslime gläubige Sklavinnen heiraten sondern auch muslimas für sich einen Sklaven-Ehemann ehelichen wenn sie „dem Stress der Angst vor Unzucht ausgesetzt“ sind?

2. Das Angebot Allahs an Seine minderbemittelten Gläubigen macht nur Sinn, wenn der Wert der Morgengabe, die der muslim für seine Konkubine-Ehefrau aufzuwenden hat wesentlich kleiner ist, als für eine reguläre Ehefrau.
 A.Th. Khoury schreibt in seiner Koranexegese dazu: „Die Begründung für diese Empfehlung ist die Tatsache, daß die festgesetzte Morgengabe und die Ausgaben für die Sklavinnen eben nicht so groß und belastend sind wie bei einer freien Frau.“ (A. Th. Khoury, Der Koran, Übersetzung und Kommentar, Band 3, 1996, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, Seite 75)

3. Entsprechend der Anweisung im Vers 24 aus Sure 4: „Heiratet sie also mit der Erlaubnis ihrer Herrschaft und gebt ihnen ihre Morgengabe in rechtlicher Weise!“ ist die Eheschließung mit einer Sklavin nur möglich mit dem Einverständnis ihres Eigentümers. Damit entsteht eine doch eigenartige Vermischung von Besitzrechten an dieser Frau. Maududi schreibt dazu in seiner Exegese:

4,24;44(5): Wenn ein Meister seiner Sklavin erlaubt, einen anderen Mann zu heiraten, entäußert er sein Recht auf Beischlaf mit ihr, aber er behält das Recht auf Inanspruchnahme anderweitiger Dienste dieser Skalvin. (Quelle)

4. Wie gestaltet sich die rechtliche Beziehung eines freien Muslims zu seiner angeheirateten Sklavin im Falle von zina (Unzucht)? Wir haben gelesen, daß sie zwar ihrem „Ehemann“ in religiösen Belangen gleichgestellt, im übrigen jedoch nicht vollumfänglich rechtsfähig ist. Sollte sie zum Beispiel Unzucht treiben, ergeben sich gemäß oben zitiertem Vers 25 aus Sure 4 folgende Konsequenzen: „Und wenn sie durch die Eheschließung ehrbare Frauen geworden sind und dann etwas Abscheuliches begehen, kommt ihnen die Hälfte der Strafe zu, die in einem solchen Fall für die frei geborenen ehrbaren Frauen vorgesehen ist.“ Wie wir im Kapitel

Vorehelicher Sexualverkehr und Ehebruch

herausgearbeitet haben, steht auf Ehebruch die Steinigung. Eine halbe Steinigung ist aber nicht möglich. Die islamische Rechtswissenschaft (ulema) hat dieses Problem erkannt und, folgen wir dem oben stehenden tafsir zu Sure 4 Vers 25 eine Ersatzstrafe festgelegt: „Wenn diese aber einmal verheiratet sind und Lüsternheit an den Tag legen und zum Beispiel Ehebruch begehen dann sollen sie mit der Hälfte der gesetzlich festgelegten Bestrafung für freie, jungfräuliche Frauen welche Ehebruch begehen, gezüchtigt werden. So müssen sie mit 50 Peitschenhieben versehen und für ein halbes Jahr verbannt werden.“

2.4. Selbstloskauf von Sklaven

muslimische Herren sollen mit Sklaven, die sich loskaufen wollen einen entsprechenden Vertrag abschliessen „diejenigen von denen, die eure Rechte besitzt, und die ein Schriftstück begehren – schreibt es ihnen, wenn ihr Gutes in ihnen wisset, und gebet ihnen von Allahs Gut, das Er euch gegeben. Sklaven, denen treue Dienste und ein guter Charakter attestiert werden, können mit ihrem Besitzer eine Übereinkunft zum Selbstloskauf aushandeln. In dieser Zeitspanne darf dann ein Sklave nicht weiterverkauft werden. Ferner ist der Besitzer gehalten, an die Freikaufbemühungen seines Sklaven einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Mit der Freilassung wird der Sklave allerdings nicht wirklich frei, sondern Klient seines ehemaligen Besitzers. Zu diesem sehr speziellen Verhältnis schreibt T. Nagel: „Als Klientelschaft definiert man das Verhältnis, in das ein Sklave nach der Freilassung durch seinen Herrn zu diesem tritt. Durch die Freilassung rückt der Sklave in eine der Blutsverwandtschaft ähnliche Beziehung zu seinem Herrn ein: Der ehemalige Herr zählt im Falle des Todes des Freigelassenen zu dessen erbberechtigten Agnaten; er muß für seinen Freigelassenen Wehrgeld aufbringen, wenn dieser eine Blutschuld auf sich lädt, der ehemalige Herr übernimmt die einem engen Verwandten vorgehaltene Pflicht, als Trauzeuge zu fungieren, wenn die Tochter seines Freigelassenen verehelicht wird, desgleichen, wenn es um die Verheiratung einer freigelassenen Sklavin geht. Der ehemalige Sklave erwirbt keinen Anspruch auf das Erbe des Herrn; er gilt in der Regel nicht als Mitglied der männlichen Verwandtschaft seines einstigen Herrn, die für das Wehrgeld geradezustehen hätte, sollte dieser eine Blutschuld auf sich laden. In dieser Hinsicht im Vorteil, im Hinblick auf das Erbrecht im Nachteil gegenüber dem gewesenen Eigentümer, war der Freigelassene … gehalten, jenem ein gewisses Maß an Loyalität zu wahren …“(T. Nagel, Das islamische Recht, WVA-Verlag Skulima, Westhofen, 2001, Seite173)

Folgende hadith-Stelle wird die ideologische Grundlage für die Bestimmung sein, daß der freigelassene Sklave weiterhin „zur Familie gehört“ (ob er will oder nicht):

Bukhari V8 B80 N753 berichtet von Anas bin Malik: Der Prophet sagte: „Der befreite Sklave gehört zu den Leuten, die ihn befreit haben.“ Oder er sagte etwas Ähnliches.

2.5. Gläubige sollen mit ihren Sklavinnen keine Hurerei betreiben

Gläubige sollen nicht Zuhälterei betreiben und ihre Sklavinnen zur Prostitution anhalten „und zwingt nicht eure Sklavinnen zur Hurerei Diese Bestimmung bezieht sich auf den oben aufgeführten, dritten Abschnitt von Vers 33 aus Sure 24.

Hurerei und außerehelicher Geschlechtsverkehr gehören im Islam zu den Kapitalverbrechen.

hadd-Vergehen

Wie die Exegese zu diesem Koranvers ausdrücklich festhält, wird Allah, in Seiner Barmherzigkeit, der zur Prostitution gezwungenen Sklavin verzeihen „dann wird Allah diesen Sklavinnen sicher verzeihen und gnädig sein. Nicht etwa dem Besitzer, welcher sich als Zuhälter gebärdet und seine Sklavinnen zu einem Kapitalverbrechen zwingt, muß verziehen werden, sondern dem Opfer seines widerlichen Tuns. Dies ist ein besonders schönes Beispiel von zweigleisiger Ethik und dualistischem Denken im Islam.

Der “wirkliche“ Mohammed

3. Epilog

Islamische Sklaverei ist nicht nur das Thema einer inzwischen abgeschlossenen Geschichtsperiode. Sie wird auch heute noch im großen Stil betrieben. Wer sich darüber verläßlich orientieren will, findet entsprechende Berichte unter:

www.csi-de.de www.igfm.de

Offiziell wurde in den folgenden Ländern die Sklaverei zwar abgeschafft:

  • – Saudi-Arabien: 1962
  • – Yemen: 1970
  • – Oman: 1970
  • – Mauretanien: 1980

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