Menschenrechte; einmal westlich, einmal islamisch

von Sayyid Maududi
, al Tawhid Journal, vol. IV No. 3 Rajab-Ramadhan 1407     Quelle

Sayyid Abul Ala Maududi bringt auf der islamischen Internetseite „islam 101“ in seinen Betrachtungen über Menschenrechte:

– Der westliche Zugang
– Der islamische Zugang

die Inkompatibilität der beiden Rechtsvorstellungen sowie die gesellschaftlichen und kulturellen Konsequenzen dieser Andersartigkeit in kurzer und prägnanter Form zur Darstellung. Wir haben nach jedem Abschnitt eine kurze Diskussion eingefügt und den Text mit einigen internen und externen
 Links ergänzt.

vergleiche:  Menschenrechte im Islam

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Der westliche Zugang

Menschen im Westen haben die Gewohnheit, jegliches Zuträgliche sich selbst zuzuschreiben und sie versuchen zu beweisen, daß wegen ihnen die Welt diesen Segen erfährt; ansonsten sei die Welt mit Ignoranz durchtränkt und all dieser Wohltätigkeit total unbewußt. Laß uns nun die Menschenrechtsfrage erörtern. Es wird lautstark und eindringlich behauptet, daß die Menschheit das Konzept der grundlegenden Menschenrechte von der Magna Carta aus Britannien hat; obwohl dieses Dokument erst 600 Jahre nach dem Aufbruch des Islam entstanden ist. Aber die Wahrheit ist, daß bis ins 17. Jahrhundert niemand wußte, daß die Magna Carta Prinzipien wie das Schwurgerichtsverfahren, Habeas Corpus und die Kontrolle des Steuerrechtes durch ein Parlament enthält. Wenn die Menschen, welche die Magna Carta niedergeschrieben haben heute noch lebten, wären sie sehr erstaunt wenn man ihnen sagte, ihr Dokument enthielte all diese Ideen und Prinzipien. Sie hatten niemals diese Absicht noch waren sie sich all der Konzepte, welche man ihnen heute in die Schuhe schiebt bewußt.

Soweit mir bekannt ist, hatten die Menschen im Westen bis ins 17. Jahrhundert kein Konzept von Menschenrechten oder Zivilrecht. Obwohl zwar später die Philosophen und Rechtsgelehrten diese Ideen präsentierten, konnte man deren praktischen Beweis und Demonstration erst am Ende des 18. Jahrhunderts in den öffentlichen Erklärungen und Verfassungen der Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreichs finden. In der Folge erschienen dann Hinweise über die grundsätzlichen Menschenrechte in den Verfassungen anderer Länder. Öfters jedoch wurden diese Rechte – obwohl auf Papier festgehalten – den real existierenden Menschen nicht wirklich gewährt.

In der Mitte dieses (20.) Jahrhunderts verfaßten die Vereinigten Nationen – welche zutreffenderweise eher „Geteilte Nationen“ genannt werden müßten – eine universelle Erklärung der Menschenrechte und erließen eine Resolution welche Genozid verurteilt. Es wurden Anweisungen erlassen, um solche (Gräueltaten) zu vermeiden. Wie wir aber alle wissen, gibt es nicht eine einzige Resolution oder Regulation der Vereinten Nationen, welche angewendet werden kann. Es sind alles nur fromme Wünsche. Es gibt keine Sanktionen und keine – weder physische noch moralische – Macht dahinter, um ihnen zum Einsatz zu verhelfen. Trotz aller lautstarken und ambitiösen Resolutionen der Vereinigten Nationen werden überall Menschenrechte verletzt und es wird auf ihnen herumgetrampelt und die UN müssen hilflos zuschauen. Sie sind nicht in einer Position um die Menschenrechtsverletzungen effektiv verhindern zu können. Sogar das schreckliche Verbrechen des Genozids wird trotz allen Erklärungen der UN verübt. Gerade im Nachbarland Pakistan ist während der letzten 28 Jahre ein Genozid an den muslimen verübt worden; die UN hingegen hat weder die Macht noch die Kraft gegen Indien vorzugehen. In Tat und Wahrheit wurde bisher gegen kein Land, welches sich dieses sehr ernsten und widerlichen Verbrechens schuldig gemacht hat, vorgegangen.

Diskussion:

Das Wissen Maududis über die geschichtliche Entwicklung heutiger westlicher Rechtsvorstellungen ist pauschalisierend und im Detail nicht korrekt. Niemand hat behauptet, daß „die Magna Carta Prinzipien wie das Schwurgerichtsverfahren, Habeas Corpus und die Kontrolle des Steuerrechtes durch ein Parlament enthält“. Hingegen wurden darin erstmals  grundlegende Rechte des Individuums gegenüber der Obrigkeit wie z.B. die eines Bürgers im Falle seiner Verhaftung geregelt. Dem Gefangenen mußten die Gründe für seine Inhaftierung mitgeteilt werden. Es ist daher nicht verfehlt, den Anfang der Herausbildung der Menschenrechte ins Jahr 1215 zu legen. Auch ist es unwahr zu behaupten, zivilrechtliche Vorstellungen seien im Westen erst im 17. Jahrhundert entstanden.

Aber es geht in dieser kurzen Zusammenstellung von Maududi auch nicht um die Erkenntnis, daß es ein geschichtlicher Prozeß war, der die Gesellschaften in Europa und Nordamerika in den letzten 800 Jahren vom Feudalismus weg zu einer Staatsform hinführte, die dem Bürger ein Maximum an Rechten und Freiheiten (und damit Eigenverantwortung) zusicherte. Diese Entwicklung hat nicht nur in der Erklärung der Menschenrechte der UN ihren Niederschlag gefunden sondern vor allem in den Gesetzen westlich-demokratischer Länder. Damit ist auch Maududis Behauptung „öfters jedoch wurden diese Rechte – obwohl auf Papier festgehalten – den real existierenden Menschen nicht wirklich gewährt“ in dieser Art falsch.

Abgesehen davon werden Menschenrechte bezeichnenderweise vor allem in muslimischen Gesellschaften mißachtet und „es wird auf ihnen herumgetrampelt.“

Vielmehr insistiert Maududi auf der Tatsache, daß es sich bei den Menschenrechten nicht um Gesetze göttlichen Ursprungs handelt – unabänderbar und ewig gültig. Deshalb seien sie beliebig/willkürlich und austauschbar.

Als völlig verfehlt muß Maududis Sichtweise der Verfolgung der muslime in Indien gelten. Die brutalste Islamisierung des ganzen indischen Subkontinents durch die muslime mit ihren 80 Millionen Opfern wie auch die Islamisierung Pakistans und Bangladeshs sowie die bis heute fortdauernde Islamisierung Kaschmirs und Assams mit ihren unzähligen Genoziden wird schlicht ausgeblendet.

 http://europenews.dk/de/node/41175
 http://www.genocidebangladesh.org/
 http://www.janasangh.com/jsart.aspx?stid=428
 http://www.jihadwatch.org/2010/08/kashmir-muslims-pressure-sikhs-to-convert-or-leave.html
 http://sheikyermami.com/2012/07/25/muslim-riots-in-assam/

Diese dramatische Verkennung geschichtlicher Tatsachen und einseitige Fokussierung auf die Menschenrechte der muslime im heutigen Indien ist nur möglich, wenn man eben diese erfolgte und laufende Islamisierung – jihad auf dem Wege Allahs – als rechtens einstuft; inklusive all ihrer horrenden Abschlachtungen, Vertreibungen, Zwangssterilisationen, Zwangskonvertierungen und Massenvergewaltigungen.

Menschenrechte werden von muslimischer Seite immer nur dann angemahnt, wenn sie dem Fortkommen/der Expansion des Islam dienen.

Der islamische Zugang

Der zweite Punkt, den ich gleich am Anfang klären möchte ist, daß wenn wir im Islam von Menschenrechten sprechen wir die Rechte meinen, welche weder von einem König noch von einer legislativen Versammlung sondern von Allah garantiert werden. Die Rechte der ersteren können so einfach zurückgezogen werden wie sie gesprochen wurden. Dasselbe kann von den Rechten gesagt werden welche von Diktatoren akzeptiert und anerkannt werden; sie können nach Wunsch erlassen, widerrufen oder sogar öffentlich verletzt werden. Weil aber im Islam die (Menschen)rechte von Allah erteilt worden sind, hat keine legislative Versammlung oder Regierung dieser Welt das Recht oder die Autorität, Änderungen oder Ergänzungen vorzunehmen. Niemand hat das Recht, diese gottgegebenen Gesetze zu abrogieren oder zurückzuziehen. Sie stellen auch nicht die grundsätzlichen Menschenrechte dar, welche nur als Show und Zurschaustellung aufgeschrieben und erteilt wurden sowie im realen Leben – wenn die Show vorbei ist – aberkannt werden. Sie sind aber auch nicht philosophische Konzepte, welche ja keine Sanktionen als Rückendeckung haben.

Die Carta, Proklamationen und Resolutionen der UN können nicht mit den Rechten verglichen werden, welche von Allah gewährt werden. Die ersteren sind für niemanden bindend während letztere für alle muslimischen Gläubigen gelten; sie sind Bestandteil des islamischen Glaubens. Alle muslimischen Bürger und alle Verwalter, welche behaupten muslime zu sein haben diese Gesetze anzunehmen, anzuerkennen und sie zu vollstrecken. Wenn sie darin scheitern und die ihnen von Allah gewährten Rechte aberkennen, wenn sie die Gesetze ändern oder ergänzen und sie nachgerade verletzen während sie nur ein Lippenbekenntnis abgeben, ist für solche Regierungen das Urteil des heiligen Korans klar und eindeutig:

Sure 5, Vers 44: … Und wer nicht richtet nach dem, was Allah hinabgesandt hat – das sind Ungläubige (kafirun).

Sure 5, Vers 45: Und Wir schrieben ihnen darin vor: „Leben um Leben, Auge um Auge, Nase für Nase, Ohr für Ohr, Zahn für Zahn und Widervergeltung von Wunden.“ Und wer es vergibt als ein Almosen, so ist’s ihm eine Sünde. Wer aber nicht richtet nach dem, was Allah herniedergesandt hat, das sind die Ungerechten (zalimun).

Sure 5, Vers 47: Und damit das Volk des Evangeliums richte nach dem, was Allah in ihm herabgesandt hat; und wer nicht richtet nach dem, was Allah hinabgesandt hat – das sind die Frevler (fasiqun).

Mit anderen Worten heißt das, wenn weltliche Autoritäten ihre eigenen Worte und Entscheidungen als richtig und jene von Allah als falsch betrachten sind sie Ungläubige. Wenn sie andererseits Allahs Gebote als richtig ansehen aber diese bewußt zu Gunsten eigener Entscheidungen verwerfen, dann sind sie „die Ungerechten“ und die Gesetzesbrecher. Ein fasiq ist jener, welcher den Treuebund mißachtet und ein zalim ist derjenige, welcher gegen die Wahrheit ansteht. Darum gehören all diejenigen weltlichen Autoritäten, welche von sich behaupten muslime zu sein und trotzdem die gottgegebenen Rechte verletzen zu einer dieser beiden Kategorien. Sie sind entweder die Ungläubigen oder die Ungerechten und die Frevler. Die gottgegebenen Rechte sind permanent, immer während und ewig. Sie können weder Änderungen noch Wechsel unterworfen werden; es gibt keinen Spielraum für potentielle Modifizierung oder Abrogation.

Wie vollständig pervertiert die Ideen der UN Menschenrechtserklärung in muslimisches Denken übertragen werden steht in der Kairoer Erklärung der Menschenrechte, die sich zu 100% auf die scharia abstützt:

► Kairoer Erklärung der Menschenrechte

Diskussion:

Die islamische Vorstellung von Menschenrechten basiert auf den Rechtssetzungen Allahs im Koran und der sunna des Propheten. Islamische Menschenrechte sind damit identisch mit Allahs Gottesrecht. Im oben stehenden Abschnitt wird in diesem Zusammenhang u.a. Vers 45 aus Sure 5 zitiert. Demnach ist auch Blutrache ein Teil der von Allah gesetzten Menschenrechte. Sie ist zu vollziehen – wenn sie aus Mildtätigkeit nicht ausgeübt wird, ist damit Allahs Gesetz gebrochen. Die jenseitige Strafe ist gewiß –­ Allah wird das als Sünde im Buch des Lebens festhalten. Aber auch die diesseitige schariatische Rechtssprechung muß für die Einhaltung der korrekten islamischen weltlichen Ordnung sorgen.

 Blutrache

Folgende Konzepte sind Teil des – von Allah gesetzten – islamischen Dogmas und damit der scharia. Islamische „Menschenrechte“ umfassen demnach:

– immerwährende – wenn nötig gewalttätige Expansion
 (jihad)
– Legitimation zu Sklaverei
– Schutzgelderpressung (giziya)
– Raub 
und Kriegsbeute (faj)
– Ethnische Säuberungen
– Terror ► Schrecken in die Herzen werfen
– Zweiklassengesellschaft (dhimmitude)
– Auftragsmord / Lynchjustiz
– Blutrache
– ideologische und religiöse Einheit
– Untrennbare Einheit von Staat und Religion
– Das Töten von Apostaten (vom Islam abgefallene Muslime)
– Täuschung der Ungläubigen ► taqiyya
– Sexueller Mißbrauch von im Krieg gefangenen Frauen
– Anspruch auf Weltherrschaft
– Todesstrafe bei Blasphemie
– Entrechtung der Frau in zentralen Belangen
– Tötung der Homosexuellen
– Zeitehe (mu’ta)
– Polygamie
– Auspeitschung und Steinigung von Ehebrechern
– Bestrafung der Heuchler
– drakonische Strafen wie:

– Abhacken der Hand bei Diebstahl
– Abhacken von Extremitäten wechselseitig bei  Verderben stiften auf Erden

 

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