Majid Khadduri: Die verschiedenen Arten von Jihad

„Allah gab dem Propheten Mohammed vier Schwerter um die Ungläubigen zu bekämpfen.
Das erste, welches Mohammed selber einsetzte, war für die Polytheisten bestimmt.
Das zweite, welches der Kalif Abu Bakr handhabte, richtete sich gegen die Apostaten.
Das dritte, mit welchem der Kalif Umar kämpfte, war für die Ungläubigen.
Mit dem vierten aber zog Kalif Ali gegen die Rebellen.“   (Shaybani, Kitab al-Siyar al-Kabir)

http://en.wikipedia.org/wiki/Majid_Khadduri

Majid Khadduri faßt in seinem Buch War and Peace in the Law of Islam die Ausführungen der islamischen Rechtsgelehrten zu den verschiedenen Arten von jihad zusammen.

(Quelle: Types of jihad, Kapitel 6 aus dem Buch: Majid Khadduri, War and Peace in the Law of Islam, The Lawbook Exchange, Clark, New Jersey, 2006, Seiten 74 bis 82)

Wir haben dieses Kapitel 6 übersetzt. Wann immer möglich sind, in Ergänzung zum englischen Originaltext, die zitierten Stellen aus dem Koran und den ahadith genau angegeben. Ferner haben wir diverse externe und interne ► Links eingefügt.

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Die verschiedenen Arten von jihad

Muslimische Juristen unterschieden zwischen dem jihad gegen die Ungläubigen und demjenigen gegen die Gläubigen, welche dem Islam entweder abtrünnig geworden waren oder – indem sie eine andere Meinung vertraten – der Autorität des imams, beziehungsweise seiner Befehlshaber abschwörten. Währenddem sich die Juristen darüber einig waren, daß der Krieg gegen die eben erwähnten Gruppen gerecht sei, so herrschte doch Uneinigkeit darüber, wie er zu führen und wann er zu beenden sei.

Abu l-Hasan al-Mawardi unterteilte den jihad gegen die Gläubigen in drei verschiedene Kategorien:

  • 1. jihad gegen Apostasie (al-ridda)

  • 2. jihad gegen Rebellion (al-baghi)

  • 3. jihad gegen Abtrünnigkeit (al-muharibun)

Andere Rechtsgelehrte fügten eine weitere Kategorie hinzu, welche unter al-ribat (Grenzsicherheit) bekannt war. Dem kann man noch einen weiteren Typus von jihad anhängen, nämlich denjenigen gegen die Leute des Buches (Schriftbesitzer).

Der jihad gegen die Polytheisten

Es ist nicht erlaubt, mit den Menschen, welche nicht an Allah glauben wollen einen Kompromiß zu schließen. Sie müssen entweder den Islam annehmen oder kämpfen. In verschiedenen koranischen Anordnungen steht dieses Gebot für die Muslime  festgeschrieben:

Sure 9, Vers 5: Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen, so laßt sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.

Sure 9, Vers 123: O ihr, die ihr glaubt, kämpft wider die Ungläubigen an euren Grenzen, und wahrlich, lasset sie die Härte in euch verspüren. Und wisset, daß Allah mit den Gottesfürchtigen ist.

Sure 47, Vers 4: Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt; dann schnüret die Bande. Und dann entweder Gnade hernach oder Loskauf, bis der Krieg seine Lasten niedergelegt hat. Solches! Und hätte Allah gewollt, wahrlich, Er hätte selber Rache an ihnen genommen; jedoch wollte Er die einen von euch durch die anderen prüfen. Und diejenigen, die in Allahs Weg getötet werden, nimmer leitet Er ihre Werke irre.

In den ahadith heißt es, der Gesandte Mohammed hätte folgendes erklärt:

Bukhari V4 B52 N196, berichtet von Abu Huraira: Der Prophet Allahs sagte: „Mir wurde geboten die Menschen zu bekämpfen bis sie sagen: „Niemand hat das Recht, angebetet zu werden außer Allah.“

Fast ausnahmslos versichern sämtliche Rechtsgelehrten, daß Polytheismus und Islam nicht zusammen existieren können und daß diejenigen, welche andere Götter neben Allah stellen, zwischen Krieg und Islam entscheiden müssen. Keiner der Juristen hat jedoch (bis jetzt) eine genaue Definition eines „Polytheisten“ geliefert. Sie schließen nicht nur die Schriftbesitzer, welche zwar an Allah, jedoch nicht an Seinen Gesandten glauben, sondern auch die magi (Zoroastrier), deren Glaube an Allah undurchsichtig ist, obwohl sie (auch) eine Art Schrift besitzen, aus. Polytheismus scheint sich lediglich auf ein Heidentum zu beschränken, das ohne ein inhärentes Konzept einer höchsten Gottheit daherkommt.

Im Gebiet von Hijaz (im Westen von Saudi Arabien) wurde dieses Prinzip buchstabengetreu ausgeführt. In anderen Gegenden allerdings, wie z.B. in Jemen, war es den Juden erlaubt sich aufzuhalten. Niemand konnte in Arabien wohnen, außer diejenigen, welche den Islam angenommen hatten oder Schriftbesitzer blieben. Nach Mohammeds Tod verlangte der Kalif Umar von den Christen in Najran (einer arabischen Provinz nahe der Grenze zu Jemen), welchen vorgängig Sicherheit (aman) gewährt worden war, daß sie ausziehen sollten, um sich im Zweistromland niederzulassen.

Später wurde diese Regel etwas gelockert und den heutigen (des 8. Jahrhunderts) Schriftbesitzern ist es lediglich untersagt, in Mekka zu residieren. Außerhalb der arabischen Halbinsel traf man selten auf Polytheisten, mit der Ausnahme etwa der Zoroastrier in Persien und gewissen heidnischen Elementen an den Grenzen der muslimischen Herrschaft in den fernen Provinzen Asiens und Afrikas.

Der jihad gegen die Apostaten

Abfall vom Glauben / Apostasie

Apostasie kann auf zwei Arten stattfinden:

  • a) Gläubige kehren dem Islam den Rücken (irtadda), ohne den Eintritt in den Bereich von dar al-harb zu beabsichtigen.
  • b) Eine Gruppe von Gläubigen tritt dem Bereich von dar al-harb bei, nachdem ihre Mitglieder den Islam verlassen haben oder sie trennen sich ab, indem sie ihr eigenes Territorium (dar) gründen.

Um diese letztere Situation (b) bemühen wir uns in unserer Diskussion über jihad; erstere Vorkommnisse (a) beziehen sich auf das Gesetz des Friedens, welches wir später, unter „Jurisdiktion“ erörtern werden.

Wenn die Apostaten zahlreich und mächtig genug sind, sich der Autorität des imam widersetzen zu können, dann ist er verpflichtet, den jihad gegen sie auszurufen. Die Rechtsgelehrten empfehlen jedoch, daß vor dem eigentlichen Kämpfen Verhandlungen stattfinden sollen; könnte dies doch die Abtrünnigen überzeugen, zurück zum Islam zu finden. Weder Friede, Tribut noch Schutzgeldsteuern sind akzeptabel, denn das Gesetz toleriert keine Abspaltung vom Islam. Die Apostaten müssen entweder zum Islam zurückkehren oder die Herausforderung des jihad annehmen. Was die Ungläubigen betrifft, so sollten sie im Verlauf der Verhandlungen darüber informiert werden, daß kämpfen angesagt ist. Dies genügt, um die Regel der Kriegserklärung zu befolgen.

Falls die Apostaten sich weigern und folglich der Kampf beginnt, so sind die Regeln betreffend der Kriegsführung dieselben wie diejenigen in bezug auf die Bewohner des dar al-harb. Allerdings sind weder ihre Person noch ihr Besitz Gegenstand der allgemeinen Regel betreffend der Unterwerfung von Ungläubigen. Das heißt, daß sie und ihre Frauen wahrscheinlich nicht in die Sklaverei abgeurteilt werden und ihr Besitz nicht konfisziert oder als Beute verteilt wird. Das Eigentum der in der Schlacht Getöteten wird vom Staat als Beute (faj) übernommen. Manche Juristen wie z.B. diejenigen der Hanafi Schule behaupten, daß die Frau eines Apostaten zur Sklavin (sabi) verurteilt und entweder als Beute in Besitz genommen oder verkauft werden soll. Dasselbe geschieht mit den Kindern, welche nach dem Akt der Apostasie geboren werden; die Mehrheit der Rechtsgelehrten ist jedoch der Meinung, daß dies nicht nötig ist.

Ein gewichtiger Fall von Apostasie war die Abspaltung der arabischen Stämme nach dem Tod Mohammeds. Zuerst ermahnte der erste Kalif Abu Bakr die Abtrünnigen, zum Islam zurückzukehren. Diejenigen, welche dies nicht taten, wurden aufs bitterste bekämpft, besonders von ► Khalid ibn al-Walid. Er verbrannte eine große Anzahl von ihnen, obwohl Einwände bezüglich der Strafe durch Feuer aufgekommen waren. Die Anführer der Apostaten wurden streng bestraft; die meisten von ihnen wurden erschlagen.

Al-Balādhurī, ein hervorragender Chronist, berichtet, daß niemand außer denjenigen, welche zum Islam zurückkehrten dem Tod entkam.

Der jihad gegen die Rebellen (al-baghi)

Kampf gegen Gläubige, die „sich vergehen“

Rebellion ist der Versuch, Uneinigkeit zu stiften. Wenn die Dissidenten der Autorität des Islam nicht abschwörten, wurden sie nicht bekämpft und es war ihnen erlaubt, auf friedliche Art und Weise im Gebiet des dar al-islam zu bleiben. Der imam war jedoch verpflichtet sie zu überzeugen, ihre ketzerischen Ideen aufzugeben und sich in Übereinstimmung mit der Orthodoxie zu verhalten. Falls sie sich weigerten und es unterließen, gesetzeskonform zu leben, wurden sie bekämpft. Falls die Uneinigkeiten das Resultat von Beschwerden waren, welche das Glaubenscredo nicht berührten, z.B. wenn die Klagen gegen den eigenen Gouverneur (imam) gerichtet waren, dann sollte versucht werden, die Rebellen zu beschwichtigen. Wenn sie eine Minderheit darstellten, welche mühelos kontrolliert werden konnte, dann gab es keinen Grund für jihad. Die Gruppe der ► Kharijiten waren ein Paradebeispiel dafür. Als sie Meinungsverschiedenheiten mit dem Kalif Ali hatten, kam er ihnen dreifach entgegen: es wurde ihnen erlaubt, ihre Gebete in den Moscheen zu verrichten sowie im Gebiet von dar al-islam zu bleiben, und der Kalif sah davon ab, sie anzugreifen. Als sie sich ihm jedoch widersetzten, zog Ali gegen sie und zermalmte ihre Macht in der Schlacht bei ► Nahrawan (658 n. Chr.)

Im frühen Islam standen Muslime vielmals öffentlich dazu, daß sie nicht geneigt waren, einen imam zu unterstützen, welcher vom Gesetz abzuweichen schien. Nach und nach begannen jedoch die Rechtsgelehrten/Theologen (mujtahedin) die Autorität des imams zu unterstützen, auch wenn gegen ihn revoltiert wurde. Sie forderten, daß dem imam gehorcht werden müsse, selbst wenn er einen Fehler begangen habe. Die ► Aschariten sowie fast alle späteren sunnitischen Juristen unterstützten die jeweilige Autoritätsperson gegen rebellische Machenschaften. Sie vertraten die Meinung, daß Aufruhr schlimmer sei als Tyrannei. Für sie war es Gesetz, daß es keinen Weg gab, den imam wieder abzusetzen, wenn ihm einmal Ehrerbietung (bay’a) und Treue geschworen worden war. Denn laut einer koranischen Anweisung müssen die Gläubigen denjenigen gehorchen, welche „Befehl unter euch haben“. Und wenn die Muslime mit dem imam uneinig sind, „so bringet es vor Allah und Seinen Gesandten“.

Sure 4, Vers 59: O ihr, die ihr glaubt, gehorchet Allah und gehorchet dem Gesandten und denen, die Befehl unter euch haben. Und so ihr in etwas uneins seid, so bringet es vor Allah und Seinen Gesandten, so ihr an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag. Das ist die beste und schönste Auslegung.

Die absolute Gehorsamspflicht gegenüber Allah und Seinem Gesandten

Nachdem Allahs Gesandter dann gestorben war, nahm der imam seinen Platz ein. Praktisch hat also der imam die letztendliche Autorität im Staat, und er kann, um seine Befehle auszuführen den jihad ausrufen. Folglich beinhaltet baghi im Sinne von Zwietracht die Aberkennung der Autorität des imam. Also müssen der imam und seine Untertanen Widerstand gegen die Rebellen leisten, damit die Einheit der Regentschaft des imams wieder eingerichtet werden kann.

Die Regeln der Kriegsführung gegen Rebellen sind etwas anders als diejenigen für den Kampf gegen die Ungläubigen. Der Hauptunterschied ist, daß erstere eigentlich weder getötet werden dürfen noch daß ihr Eigentum als Beute konfisziert werden kann. Ihre Waffen und Rüstungen müssen ihnen zurückgegeben werden, wenn sie sich der Autorität des imam wieder unterstellt haben. Zerstörerische Maßnahmen wie das Abbrennen von Vieh oder ein Angriff mit Wurfmaschinen und Feuer sollten nur im äußersten Notfall angewendet werden.

Der jihad gegen Deserteure und Räuber

Verderben stiften auf Erden

Untaten, welche von Deserteuren und Räubern innerhalb der Gemeinde der Gläubigen (umma) verübt werden, heißen „das große Rauben“. Das Gesetz, welches sich mit der Bestrafung dieser Verbrecher befaßt, wird vom Koran geliefert:

Sure 5, Vers 33: Siehe, der Lohn derer, welche Allah und Seinen Gesandten befehden und Verderben auf der Erde betreiben, ist nur der, daß sie getötet oder gekreuzigt oder an den Händen und Füssen wechselseitig verstümmelt oder aus dem Lande vertrieben werden. Das ist ihr Lohn hienieden und im Jenseits wird ihnen schmerzliche Strafe.

Die Juristen sind sich auf der Basis dieses Verses einig, daß oben genannte Gesetzesbrecher vom imam bestraft werden müssen; ihre Meinungen gehen jedoch über das Strafausmaß auseinander. Manche der Rechtsgelehrten verlangen das Erschlagen und Kreuzigen, andere wiederum plädieren für das Abhacken von Händen und Füßen; aber es gibt auch solche, die sich mit Verbannung zufrieden geben. Die Bestrafung hängt sowohl vom Charakter des Täters als auch von der Schwere seiner Tat ab. Es gibt auch unterschiedliche Meinungen betreffend der Verbannung. Malik meinte, Kriminelle sollten ins Gebiet von dar al-harb abgeschoben werden; andere Juristen bestanden darauf, daß der Täter im Gebiet des dar al-Islam bleiben könne aber daß er aus der Heimatstadt zu verbannen (laut ► Umar ibn Abdul Aziz) oder ins Gefängnis zu werfen sei (laut ► Abū Hanīfa).

Um Mitglieder solcher Gruppen zu bekämpfen, hat der imam die Wahl, sie auf dieselbe Weise wie einen bughat (Einzahl von baghi) zu behandeln oder er kann Nachsicht üben, je nach Schwere des kriminellen Verhaltens.

Der jihad gegen die Schriftbesitzer

dhimmitude und Schutzgelderpressung

Mit „Schriftbesitzer“ (Ahl al-Kitab) sind Juden, ► Sabier und Christen gemeint, welche an Allah glauben. Laut dem muslimischen Credo haben sie jedoch ihre Schriften verfälscht und sind somit in Allahs Ungnade gefallen. Als Er den letzten Seiner Propheten zu ihnen entsandte um sie zur Wahrheit zu bringen, akzeptierten sie zwar den Glauben an Ihn, nicht jedoch denjenigen an Seinen Gesandten und den Koran. Folglich müssen die Schriftbesitzer wie auch die Polytheisten bestraft werden; weil sie aber an Allah glauben, sind sie dieser Bestrafung nur teilweise unterworfen. Dementsprechend wird zwar der jihad gegen sie proklamiert, jedoch nicht mit demselben Grad von Effektivität wie gegen die Polytheisten.

Letztere haben die beschränkte Wahl zwischen jihad und Islam; die Schriftbesitzer hingegen können eine von drei Möglichkeiten wählen: Islam, Schutzgeldsteuer (giziya) oder jihad. Wenn sie den Islam annehmen, wird ihnen laut Gesetz die volle Zugehörigkeit zum dar al-Islam gegeben so wie dies die anderen Gläubigen auch genießen. Falls sie es vorziehen, Schriftbesitzer zu bleiben, so tun sie dies im Bewußtsein, daß sie die Opfergabe der Schutzgeldsteuer zu entrichten haben. Sie müssen jedoch gewisse Behinderungen in Kauf nehmen, welche ihren Status zu Bürgern zweiter Klasse reduziert. Falls sie sich entscheiden sollten zu kämpfen, so werden sie gleich den Polytheisten abgefertigt.

Der jihad, um die Grenzen abzusichern (al-ribat)

Um die Grenze des Gebietes von dar al-Islam zu sichern, werden Truppen in den Häfen und Grenzstädten (thughur) stationiert. Diese Art jihad entwickelte sich – obschon sie auf einer koranischen Anordnung basiert – in einer Zeit, als sich der islamische Staat in der Defensive befand. Die koranische Regel, welche keinen Unterschied zwischen defensivem und offensivem Zweck macht, konstatiert folgendes:

Sure 8, Vers 60: So rüstet wider sie, was ihr vermögt an Kräften und Roßehaufen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euern Feind und andre außer ihnen, die ihr nicht kennt, Allah aber kennt. Und was ihr auch spendet in Allahs Weg, Er wird es euch wiedergeben, und es soll euch kein Unrecht geschehen.

Die Juristen jedoch, insbesondere diejenigen der malikitischen Schulen Spaniens und Nordafrikas (deren Grenzen eine permanente Zielscheibe für europäische Angriffe waren) betonten die defensive Absicht von ribat. Auch in den ahadith wird der defensive Charakter betont, vielleicht deshalb, weil sie in der Zeit zirkulierten, in der ribat einen defensiven Zweck erfüllte. So lautet eine Hadithstelle folgendermaßen:

Abd-Allah ibn ’Umar bestätigte, daß jihad dafür vorgesehen ist, die Ungläubigen zu bekämpfen und ribat dafür, die Gläubigen zu beschützen.

In Spanien hatte ribat in den Augen der Muslime mehr Bedeutung als jihad weil ihre Grenzen permanent von christlichen Truppen angegriffen wurden.

Aus diesem Grund widmete ► Abul Hudhayl das zweite Kapitel seiner Abhandlung über den jihad in der christlichen Ära des 12. Jahrhunderts (als sich die muslimische Herrschaft in Spanien auf den Süden beschränkte) dem ribat. Er betonte, daß die Verteidigung Spaniens gegen die Ungläubigen zu Land und zu See die wichtigste den Gläubigen auferlegte Verpflichtung sei. Verschiedene dem Prophet Mohammed zugeschriebene Stellen aus den ahadith, welche Andalusien als westliche Grenze des Islam angeben, werden zitiert, um die Bedeutung von ribat für den Schutz Spaniens vor europäischen Angriffen zu betonen. Der Gesandte Allahs soll auch gesagt haben, daß ribat dem jihad vorzuziehen sei und daß eine Nacht, in welcher man Grenzverteidigung ausübt, mehr Wert sei als eintausend Nächte, die man im Gebet verbringt.

 

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