Sind Judentum und Christentum so gewalttätig wie der Islam?

von Raymond Ibrahim, Middle East Quarterly Sommer 2009
http://www.meforum.org/2435/sind-judentum-christentum-gewalttaetig-wie-islam

Englischer Originaltext:  
Are Judaism and Christianity as Violent as Islam?
Übersetzung: H. Eiteneier, adaptiert von: Der Prophet des Islam

Wir haben diesen Artikel mit internen LINKS versehen und alle Zitate aus den dogmatischen Schriften im vollständigen Wortlaut angegeben. (Koranübersetzung Max Henning; Lutherbibel)

vergleiche:
► 1400 Jahre islamische Expansion, islamischer Imperialismus und islamischer Sklavenhandel
Allmacht und Unterwerfung im Islam

Zusammenfassung

Göttliche Befehle zu irdischer Gewaltanwendung gegen Angehörige anderer Kultusgemeinschaften finden wir im Koran und im Alten Testament reichlich. Der entscheidende Unterschied zwischen diesen beiden Botschaften ist ein theologischer: Im Koran haben die Gewaltverse einen klar Raum und Zeit transzendierenden Charakter und sind solange gültig, bis die ganze Welt unter dem Banner des Islam steht. Entsprechend ihrem Sinn sind sie im islamischen Recht standardisiert worden:

Auszüge aus islamischen Gesetzeswerken zum jihad
Definition jihad

Demgegenüber haben die ausufernd beschriebenen Vernichtungsaufforderungen im Alten Testament trotz ihres Schreckens lediglich einen beschreibenden Charakter. Sie beinhalten die Erfüllung der Verheißung des israelitischen Stammesgottes Jahwe an Sein Volk, ein geographisch genau umrissenes Gebiet zu erobern und die darin lebenden mit Namen genannten Völker zu vernichten.

Es handelt sich hier um ein geschichtliches Epos das weiter zu keiner theologischen Standardisierung im Sinne von „Heiliger Krieg“ geführt hat. Weder im Judentum und schon gar nicht im Christentum.

Man sollte in der Auseinandersetzung mit göttlicher Gewaltaufforderung Theologie und Geschichte nicht miteinander vermengen.

„Es gibt weit mehr Gewalt in der Bibel als im Koran; die Vorstellung, daß der Islam sich durch das Schwert aufgedrängt hat, ist eine westliche Fiktion, erfunden zur Zeit der Kreuzzüge, als es aber westliche Christen waren, die brutale heilige Kriege gegen den Islam führten.“ [1]

Das verkündet die ehemalige Nonne und selbsterklärte „freie Monotheistin“ Karen Armstrong. Dieses Zitat faßt das einflußreichste Einzelargument zusammen, das derzeit dazu dient die Vorwürfe abzuwehren, daß der Islam inhärent gewalttätig und intolerant ist: Alle monotheistischen Religionen, sagen die Befürworter einer solchen Argumentation, und nicht nur der Islam haben ihren Anteil gewalttätiger und intoleranter Schriften wie auch blutiger Geschichte. Wann immer die Heiligen Schriften des Islam – zuvorderst der Koran, gefolgt von den Berichten der Worte und Taten Mohammeds (ahadith) – als Beweise für die immanente Kriegslust der Religion hervorgehoben werden, erfolgt die unmittelbare Erwiderung, daß andere Heilige Schriften, insbesondere die jüdisch-christlichen, gleichermaßen von gewalttätigen Textstellen durchsetzt sind.

In der Mehrheit der Fälle setzt dieses Argument jeder Diskussion darüber ein Ende, ob Gewalt und Intoleranz im Islam einzigartig sind. Statt dessen wird zur vorgegebenen Antwort, daß es nicht der Islam per se ist, sondern muslimische Unzufriedenheit und Frustration – immer verschlimmert durch wirtschaftliche, politische und soziale Faktoren – die zu Gewalt führen. Daß diese Sicht perfekt mit der „materialistischen“ Erkenntnistheorie des säkularen Westens übereinstimmt, sorgt dafür, daß alles um so weniger hinterfragt wird.

Bevor daher der Koran und die historischen Worte und Taten Mohammeds, des Propheten des Islam, wegen Aufhetzung zu Gewalt und Intoleranz verurteilt werden, sind die Juden gut beraten, die historischen Greueltaten zu bedenken, die von ihren hebräischen Vorvätern begangen wurden und welche in ihren eigenen Schriften aufgezeichnet sind; Christen wird empfohlen, den brutalen Kreislauf der Gewalt zu bedenken, den ihre Vorfahren im Namen ihres Glaubens sowohl gegen Nichtchristen als auch Mitchristen begangen haben. Mit anderen Worten: Juden und Christen werden daran erinnert, daß, wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen sollte.

Aber ist das wirklich so? Ist die Analogie mit anderen Schriften legitim? Sind hebräische Gewalt in der Antike und christliche Gewalt im Mittelalter vergleichbar und können sie die Hartnäckigkeit muslimischer Gewalt in der Moderne wegerklären?

Gewalt in der jüdischen und christlichen Geschichte

Gemeinsam mit Armstrong vertreten jede Menge prominenter Autoren, Historiker und Theologen diese „relativistische“ Sichtweise. John Esposito z.B., der Direktor des Prince Alwaleed bin Talal Center for Muslim-Christian Understanding an der Universität von Georgetown, fragt sich:

Wie kommt es, daß wir immer wieder dieselbe Frage über Gewalt im Islam stellen und dieselbe Frage nicht auch über das Christen- und Judentum? Juden und Christen haben Gewaltakte begangen. Wir alle haben die transzendente und dunkle Seite… Wir haben unsere eigene Theologie des Hasses. In den Hauptströmungen innerhalb des Christen- und Judentums tendieren wir dazu, tolerant zu sein; wir hängen einer exklusivistischen Theologie an, die des „wir gegen sie“. [2]

„Dark Passages“, ein Artikel von Professor Philip Jenkins von der Pennsylvania State University schildert diese Haltung sehr komplett. Er will zeigen, daß die Bibel gewalttätiger ist als der Koran:

Bezüglich der Befehle zu Gewalt und Blutvergießen wäre jede grob vereinfachende Behauptung zur Überlegenheit der Bibel über den Koran äußerst falsch. Fakt ist, daß die Bibel von „Terrortexten“ überfließt, um eine von der amerikanischen Theologin Phyllis Trible geprägte Formulierung zu auszuborgen. Die Bibel beinhaltet weit mehr Verse, die Blutvergießen preisen oder dazu drängen als der Koran und biblische Gewalt ist oft weit extremer und von wahlloserer Brutalität beprägt… Wenn der Gründungstext die gesamte Religion formt, dann verdienen Judentum und Christentum höchste Verurteilung als Religionen der Brutalität.“ [3]

Einige Erzählungen aus der Bibel wie auch aus der jüdisch-christlichen Geschichte illustrieren Jenkins‘ Argument, aber besonders zwei – eine angeblich repräsentativ für das Judentum, die andere für das Christentum – werden regelmäßig erwähnt und verdienen daher nähere Untersuchung.

Die militärische Eroberung des Landes Kanaan durch die Hebräer um 1200 v.Chr. wird oft als „Völkermord“ beschrieben und ist praktisch zum Symbol biblischer Gewalt und Intoleranz geworden. Gott sagte Moses:

5. Mose, Kapitel 20: 16 Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, 17 sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken, nämlich an den Hetitern, Amoritern, Kanaanitern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, 18 damit sie euch nicht lehren, all die Gräuel zu tun, die sie im Dienst ihrer Götter treiben, und ihr euch so versündigt an dem HERRN, eurem Gott. [4]

Josua, Kapitel 10: 40 So schlug Josua das ganze Land auf dem Gebirge und im Süden und im Hügelland und an den Abhängen mit allen seinen Königen und ließ niemand übrig und vollstreckte den Bann an allem, was Odem hatte, wie der HERR, der Gott Israels, geboten hatte. [5]

Was das Christentum angeht, so ist es nicht möglich, im Neuen Testament Verse zu finden, die zu Gewalt aufhetzen; daher greifen diejenigen, welche die Meinung vertreten, das Christentum sei so gewalttätig wie der Islam, auf historische Ereignisse wie die Kreuzzüge zurück, die von den europäischen Christen vom elften bis zum dreizehnten Jahrhundert geführt wurden. Die Kreuzzüge waren in der Tat gewalttätig und führten nach den Standards der modernen Welt zu Greueltaten unter dem Banner des Kreuzes und im Namen der Christenheit. Nachdem z.B. im Jahre 1099 die Mauern Jerusalems gefallen waren, schlachteten, folgen wir den Berichten, die Kreuzritter fast jeden Einwohner der heiligen Stadt ab. Nach Angaben der mittelalterlichen Chronik Gesat Danorum war „die Schlächterei so gewaltig, daß unsere Männer bis zu ihren Knöcheln in Blut wateten“. [6]

Warum sollten Juden und Christen, so argumentieren Armstrong, Esposito, Jenkins und andere, angesichts des oben Geschilderten auf den Koran als Beweis für Gewalt im Islam deuten, während sie ihre eigenen Schriften und Geschichte ignorieren?

Bibel gegen Koran

Die Antwort liegt in der Tatsache, daß solche Beobachtungen Geschichte und Theologie durcheinander bringen, indem zeitlich begrenztes Handeln von Menschen mit dem verschmolzen wird, was als unveränderbares Wort Gottes verstanden wird. Der fundamentale Fehler ist der, daß jüdisch-christliche Geschichte – die gewalttätig ist – zusammengefügt wird mit islamischer Theologie – die Gewalt befiehlt. Natürlich haben alle drei wichtigen monotheistischen Religionen ihren Anteil an Gewalt und Intoleranz gegenüber der „anderen“. Die Schlüsselfrage ist hier, ob diese Gewalt von Gott angeordnet ist oder ob kriegerische Männer sich das einfach nur wünschten.

Die Landnahme von Kanaan

Die Gewalt im Alten Testament ist solch ein interessanter Fall. Gott befahl den Hebräern eindeutig, die Kanaaniter und die sie umgebenden Völker auszulöschen. Solche Gewalt ist daher ein Ausdruck des Willens Gottes, das ist eine Tatsache. Trotzdem ist alle von den Hebräern begangene und im Alten Testament aufgezeichnete historische Gewalt nur das – Geschichte. Es ist passiert, Gott befahl es. Aber sie geschah zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort und richtete sich gegen ein bestimmtes Volk. Zu keiner Zeit ging solche Gewalt weiter, um standardisiert oder im jüdischen Gesetz kodifiziert zu werden. Kurz gesagt: Die biblischen Berichte über Gewalt sind beschreibend, nicht vorschreibend.

Das ist der Punkt, in dem die islamische Gewalt einzigartig ist. Obwohl ähnlich der Gewalt des Alten Testaments – von Gott befohlen und in der Geschichte manifestiert – sind bestimmte Aspekte islamischer Gewalt und Intoleranz im islamischen Recht standardisiert worden und gelten für alle Zeiten. Daher hat die im Koran vorgefundene Gewalt einen historischen Kontext, aber ihr ultimatives Ziel ist theologisch. Man untersuche die folgenden Koran-Verse, die besser als „Schwert-Verse“ bekannt sind:

Sure 9, Vers 5: Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen, so laßt sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig. [7]

Sure 9, Vers 29: Kämpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und nicht verwehren, was Allah und sein Gesandter verwehrt haben, und nicht bekennen das Bekenntnis der Wahrheit, bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt entrichten. [8]

Wie die Stellen im Alten Testament, wo Gott den Hebräern befahl, ihre Nachbarn anzugreifen und zu töten, haben auch die Schwert-Verse einen historischen Kontext. Gott gab diese Gebote aus, nachdem die Muslime unter Mohammeds Führung stark genug geworden waren, ihre christlichen und heidnischen Nachbarn zu überfallen. Aber anders als die kriegerischen Verse und Erzählungen des Alten Testaments wurden die Schwert-Verse fundamental für die anschließende Beziehung des Islam sowohl zu den „Schriftbesitzern“ (d.h. den Juden und Christen) als auch den „Heiden“ (d.h. Hindus, Buddhisten, Animisten usw.) und lösten die islamischen Eroberungsfeldzüge aus, die das Angesicht der Welt für immer veränderten. Aufgrund von Sure 9,5 z.B. ordnet das islamische Gesetz an, daß Heiden und Polytheisten entweder zum Islam konvertieren oder getötet werden müssen; gleichzeitig ist Sure 9,29 die Hauptquelle der wohlbekannten diskriminierenden Bräuche gegenüber eroberten Christen und Juden, die unter islamischer Oberhoheit leben.

dhimmitude und Schutzgelderpressung

Fakt ist, daß auf der Grundlage der Schwert-Verse wie auch zahlloser anderer Koranverse und Mohammed zugeschriebenen mündlichen Traditionen die gelehrten offiziellen Vertreter des Islam, die Scheiks, Muftis und Imame durch alle Zeitalter hindurch einen Konsens erzielt haben – der für die gesamte muslimische Gemeinde bindend ist – daß der Islam sich in immerwährendem Krieg mit der nicht muslimischen Welt befindet, bis er sich letztere untergeordnet hat. Es ist sogar so, daß unter den muslimischen Gelehrten weithin die Meinung vertreten wird, daß, weil die Schwert-Verse zu den letzten Offenbarungen zum Thema der Beziehung des Islam zu Nichtmuslimen gehören, sie alleine rund 200 der früheren und toleranteren Verse aufheben, so zum Beispiel:

Sure 2, Vers 256: „Es gibt keinen Zwang im Glauben. Klar ist nunmehr unterschieden das Recht vom Irrtum; und wer den Tagut verleugnet, und an Allah glaubt, der hält sich an der stärksten Handhabe, in der kein Spalt ist; und Allah ist hörend und wissend.“ [9]

Islamische Toleranz

Der berühmte muslimische Gelehrte Ibn Khaldun (1332 – 1406) der wegen seiner „progressiven“ Erkenntnisse im Westen bewundert wird, setzt der Vorstellung ein Ende, daß jihad defensive Kriegsführung ist:

Für die muslimische Gemeinde ist der heilige Krieg eine Pflicht aufgrund der Universalität der muslimischen Mission und der Verpflichtung, jedermann zum Islam zu bekehren – ob durch Überzeugung oder durch Gewalt. Folglich sind im Islam Kalifat und königliche Autorität vereint, damit die verantwortliche Person die zur Verfügung stehende Kraft/Energie für beide Bereiche – die der Religion und der Politik – gleichzeitig einsetzen kann. Die anderen religiösen Gruppen hatten keine universelle Mission und der „Heilige Krieg“ war keine Pflicht für sie außer für Verteidigungszwecke. Daraus folgt, daß sich die Person (in den anderen religiösen Gruppen), welche für die religiösen Angelegenheiten verantwortlich ist, nicht mit Machtpolitik beschäftigt. Unter ihnen erlangen diejenigen Leute, welche die königliche Autorität innehaben, diese durch Zufall und auf eine Art und Weise, die nichts mit Religion zu tun hat. Sie kommen an die Macht aufgrund des zwingenden Resultats einer Gruppenzugehörigkeit, welche inhärent königliche Autorität zu erlangen sucht – wie wir schon vorher erwähnt haben – und nicht weil sie verpflichtet wären, Macht über andere Nationen zu gewinnen, wie das ja eben im Islam der Fall ist.“ [10]

Ibn Khaldun:AL-MUQADDIMAH

Moderne Autoritäten stimmen zu. Der Eintrag für „jihad“ in der Encyclopedia of Islam von Emile Tyan erklärt, daß die „Verbreitung des Islam durch Waffen für Muslime allgemein eine religiöse Pflicht ist… Der jihad muß weiter betrieben werden, bis die gesamte Welt unter der Herrschaft des Islam steht… Der Islam muß komplett überarbeitet werden, bevor die Doktrin des jihad [Krieg zur Verbreitung des Islam] eliminiert werden kann.“ Der irakische Jurist Majid Khadduri (1909 – 2007) schreibt, nachdem er den jihad als Kriegsführung definierte: „jihad … wird von allen Juristen, fast ohne Ausnahme, als kollektive Verpflichtung der gesamten muslimischen Gemeinde betrachtet.[11]

Majid Khadduri: TYPES OF JIHAD

Und natürlich sind auf Arabisch verfaßte muslimische Rechts-Handbücher noch deutlicher. [12]

Die Sprache des Korans

Wenn die gewalttätigen Koranverse ihren Entsprechungen im Alten Testament gegenüber gestellt werden, dann unterscheiden sie sich besonders durch den über Zeit und Raum hinaus gehenden Sprachgebrauch, der die Gläubigen heute nicht weniger als früher dazu aufhetzt die Nichtgläubigen anzugreifen und zu töten. Gott befahl den Hebräern, die Hetiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter zu töten – allesamt festgelegte Völker, die in einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort zu verorten sind. Zu keiner Zeit gab Gott den Hebräern und darüber hinaus ihren jüdischen Nachkommen ein Gebot mit offenem Ende, die Nichtjuden zu bekämpfen und zu töten. Andererseits waren zwar die ursprünglichen Feinde des Islam historisch (z.B. die christlichen Byzantiner und die zoroastrische Perser), aber der Koran hebt sie selten mit ihren eigentlichen Namen heraus. Statt dessen wurde (und ist) den Muslimen befohlen die Schriftbesitzer zu bekämpfen

„ … bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt entrichten. [13]

und:

„ … so erschlaget die Götzendiener, wo immer ihr sie findet“ [14]

Die beiden arabischen Konjunktionen „bis“ (hata) und „wo immer“ (haythu) demonstrieren die immerwährende und allgegenwärtige Natur dieser Gebote: Es gibt immer noch „Schriftbesitzer“, die noch nicht „völlig gedemütigt“ sind (besonders in den Amerikas, Europa und Israel) und „Heiden“, die getötet werden müssen „wo immer“ man sie findet (besonders in Asien und in Afrika südlich der Sahara). In der Tat ist das herausragende Kennzeichen fast aller gewalttätigen Gebote der islamischen heiligen Schriften ihre Natur des offenen Endes und der Verallgemeinerung:

Sure 8, Vers 39:Und kämpfet wider sie, bis kein Bürgerkrieg mehr ist und bis alles an Allah glaubt. Stehen sie ab, siehe, so sieht Allah ihr Tun.“ [15]

Außerdem erklärt Mohammed in einer gut bezeugten Tradition, die in den hadith-Sammlungen auftaucht:

Bukhari V4 B52 N196,berichtet von Abu Huraira: Der Prophet Allah’s sagte: „Mir wurde geboten die Menschen zu bekämpfen bis sie sagen: „Niemand hat das Recht, angebetet zu werden außer Allah.“ [16]

Dieser sprachliche Aspekt ist für das Verständnis der Textexegese über Gewalt von entscheidender Bedeutung. Es ist noch einmal der Wiederholung wert, daß weder jüdische noch christliche heilige Schriften – weder das Alte noch das Neue Testament – solche immerwährende Gebote mit offenem Ende gebrauchen. Trotz all dem klagt Jenkins:

Gebote zum Töten, ethnische Säuberungen zu begehen, Rassentrennung zu institutionalisieren, andere Rassen und Religionen zu hassen … gibt es allesamt in der Bibel und sie erscheinen da mit weit größerer Regelmäßigkeit als im Koran. Zu jedem Zeitpunkt können wir darüber streiten, was die fraglichen Passagen bedeuten und natürlich auch darüber, ob sie irgendeine Bedeutung für spätere Zeitalter haben sollten. Aber die Tatsache bleibt, daß die Worte dort stehen und ihre Einbeziehung in die Schriften bedeutet, daß sie – wörtlich – kanonisiert sind, nicht weniger als in den muslimischen Schriften.“ [17]

Man fragt sich, was Jenkins bei dem Wort „kanonisiert“ durch den Kopf ging. Wenn er mit kanonisiert meint, das solche Verse als Teil des Kanons der jüdisch-christlichen Schriften betrachtet werden, dann hat er absolut recht. Wenn er hingegen mit „kanonisiert“ meint oder zu suggerieren versucht, daß diese Verse zum Werkzeug jüdisch-christlicher Weltanschauung gemacht worden sind, liegt er absolut falsch.

Aber man muß sich nicht nur auf pur exegetische und philologische Argumente abstützen; sowohl die Geschichte wie auch das derzeitige Geschehen strafen Jenkins Relativismus Lügen. Während das Christentum des ersten Jahrhunderts sich über das Blut der Märtyrer verbreitete, verbreitete sich der Islam in seinem ersten Jahrhundert durch gewalttätige Eroberung und Blutvergießen. In der Tat hat sich der Islam vom ersten Tag an bis in die Gegenwart – wann immer er konnte – durch Eroberung ausgebreitet, was die Tatsache bezeugt, daß die Mehrheit dessen, was heute als islamische Welt oder dar al-islam bekannt ist, durch das Schwert des Islam erobert wurde. Das ist eine geschichtliche Wirklichkeit, die von den meisten maßgebenden islamischen Historikern bezeugt wird. Selbst die Arabische Halbinsel, die „Heimat“ des Islam wurde durch heftige Gewalt und Blutvergießen unterworfen. Wie die ridda-Kriege nach Mohammeds Tod zeigen, wurden Zehntausende von  Arabern durch den ersten Kalifen Abu Bakr dem Schwert überantwortet, weil sie dem Islam abtrünnig geworden waren.

Die Rolle Mohammeds

Darüber hinaus muß man bezüglich der derzeitigen Standard-Position, die vorgibt, islamische Gewalt wegerklären zu können – weil diese ein Produkt muslimischer Frustration angesichts politischer oder wirtschaftlicher Unterdrückung sei – fragen: Was ist mit all den unterdrückten Christen und Juden, ganz zu schweigen den Hindus und Buddhisten der heutigen Welt? Wo ist deren religiös drapierte Gewalt? Die Tatsache bleibt: Obwohl die islamische Welt den Löwenanteil dramatischer Schlagzeilen zu Gewalt, Terrorismus, Selbstmord-Anschlägen, Enthauptungen etc. in Anspruch nimmt, ist es sicher nicht die einzige Religion der Welt, die sowohl unter internem wie auch externem Druck leidet.

Ein Beispiel: Obwohl praktisch das gesamte Afrika südlich der Sahara von politischer Korruption, Unterdrückung und Armut durchsetzt ist, dann ist, wenn es um Gewalt, Terrorismus und pures Chaos geht, Somalia – das auch zufällig das einzig komplett muslimische Subsahara-Land ist – führend. Darüber hinaus sind die für die somalische Gewalt und die Durchsetzung intoleranter, drakonischer, juristischer Maßnahmen Verantwortlichen – die Mitglieder der jihadistischen Gruppe Al-Shabab (die Jugend) – diejenigen, die all ihr Tun mit islamistischen Denkmustern artikulieren und rechtfertigen.

Auch im Sudan wird derzeit von Khartoums islamistischer Regierung ein jihad-Völkermord gegen christliche und polytheistische Völker geführt, der fast eine Million „Ungläubige“ und „Abtrünnige“ tot zurückgelassen hat. Daß die Organisation der Islamischen Konferenz dem sudanesischen Präsidenten Hassan Ahmed al-Baschir zu Seite springt, der vom Internationalen Kriminalgerichtshof zur Fahndung ausgeschrieben ist, sagt noch mehr zur Befürwortung von Gewalt gegenüber Nichtmuslimen und denen, die als nicht muslimisch genug angesehen werden, durch dieses islamische Gremium.

Lateinamerikanische und nicht muslimische asiatische Länder haben ebenfalls ihren Anteil an unterdrückerischen, autoritären Regimes, an Armut und dem gesamten Rest, unter dem die muslimische Welt leidet. Doch anders als die fast täglich aus der islamischen Welt flutenden Schlagzeilen gibt es keine Berichte praktizierender Christen, Buddhisten oder Hindus, die mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge in Gebäude unterdrückerischer (d.h. kubanisch- oder chinesisch-kommunistischer) Regime einfahren, während sie ihre Heiligen Schriften schwingen und brüllen: „Jesus [oder Buddha oder Vischnu] ist groß!“ Warum?

Es gibt einen letzten Aspekt, der von denen, die darauf bestehen, daß Gewalt und Intoleranz in allen Religionen durchweg gleich ist, oft übersehen wird – entweder aus Ignoranz oder aus Unaufrichtigkeit. Abgesehen von den göttlichen Worten des Korans, ist Mohammeds Verhaltensmuster – seine sunnah oder sein „Beispiel“ – eine extrem wichtige Quelle der Rechtsprechung im Islam. Die Muslime werden ermahnt, Mohammed in allen Lebenslagen nachzuahmen:

Sure 33, Vers 21: Wahrlich in dem Gesandten Allahs hattet ihr ein schönes Beispiel für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs gedenkt. [18]

Mohammeds Handlungen sind von Allah göttlich legitimiert
Die absolute Gehorsamspflicht gegenüber Allah und Seinem Gesandten

Und Mohammeds Verhaltensmuster gegenüber Nichtmuslimen ist recht deutlich. In einer sarkastischen Erörterung zum Konzept eines „moderaten“ Islam stellt z.B. der Terrorist Osama bin Laden, der sich nach Angaben einer Umfrage bei Al-Jazira [19] der Unterstützung der halben arabisch-islamischen Welt erfreut, die sunnah des Propheten so dar:

„Mäßigung“ wird von unserem Propheten demonstriert, indem er nicht mehr als drei Monate in Medina blieb, ohne einen Raubzug in die Länder der Ungläubigen zu unternehmen oder zu befehlen, um ihre Festungen niederzubrennen und sich ihre Besitztümer, ihr Leben und ihre Frauen zu greifen.“ [20]

Fakt ist, daß auf der Grundlage des Korans und Mohammeds sunnah das Brandschatzen und Plündern von Ungläubigen, die Versklavung ihrer Kinder und Einverleibung von gefangenen Frauen ins Konkubinat, wohl begründet ist:

Sure 4, Vers 24:Und verwehrt sind euch verheiratete Frauen außer denen, die eure Rechte besitzt. Dies ist Allahs Vorschrift für euch. Und erlaubt ist euch außer diesem, daß ihr mit eurem Geld Frauen begehrt, zur Ehe und nicht zur Hurerei. Und gebt denen, die ihr genossen habt ihre Morgengabe. Dies ist eine Vorschrift; doch soll es keine Sünde sein, wenn ihr über die Vorschriften hinaus mit einander Übereinkunft trefft. Siehe, Allah ist wissend und weise.

Sure 8, Vers 69:So esset von dem, was ihr erbeutetet, was erlaubt ist und gut. Und fürchtet Allah; siehe, Allah ist nachsichtig und barmherzig.

Sure 24, Vers 33: Und diejenigen, welche niemanden zur Ehe finden, mögen keusch leben, bis Allah sie aus Seinem Überfluß reich macht. Und diejenigen von denen, die eure Rechte besitzt, und die ein Schriftstück begehren – schreibt es ihnen, wenn ihr Gutes in ihnen wisset, und gebet ihnen von Allahs Gut, das Er euch gegeben.… und zwingt nicht eure Sklavinnen zur Hurerei, so sie keusch leben wollen im Trachten nach dem Gewinn des irdischen Lebens. Und wenn sie einer zwingt, siehe, so ist Allah, nachdem sie gezwungen wurden, vergebend und barmherzig.

Sure 33, Vers 50: O Prophet! Wir erlauben dir deine Gattinnen, denen du ihre Mitgift gabst und die Sklavinnen, die Deine Rechte besitzt von dem, was dir Allah an Beute gab, und die Töchter deines Oheims und deiner Tanten mütterlicherseits, die mit dir auswanderten, und jedes gläubige Weib, wenn es sich dem Propheten schenkt, so der Prophet sie zu heiraten begehrt; ein besonderes Privileg für dich vor den Gläubigen. [21]

Hurerei / Ehe auf Zeit (mut’a)
Sexueller Mißbrauch von Sklavinnen und weiblichen Kriegsgefangenen
razzia und Kriegsbeute (faj)

Und das Konzept der sunnah – nach der 90 Prozent der über eine Milliarde zählende  Muslime, die Sunniten, benannt sind – behauptet praktisch, daß alles, was von Mohammed, dem perfektesten Vorbild der Menschheit, getan oder genehmigt wurde, von den Muslimen heute genau so anzuwenden sei wie ehedem. Das bedeutet natürlich nicht, daß die Muslime in ihrer Gesamtheit nur für das Plündern und Vergewaltigen lebt.

Aber es bedeutet, daß Menschen, die von Natur aus zu solchen Aktivitäten neigen und dann noch Muslime sind, ihr Tun recht einfach mit Bezug auf die „sunnah des Propheten“ rechtfertigen können. Sie tun dies auch, wie z.B. die Mitglieder von Al-Qaida ihre Anschläge vom 9/11 rechtfertigen, bei denen Unschuldige, einschließlich Frauen und Kinder getötet wurden. Mohammed beauftragte seine Anhänger, während der Belagerung der Stadt Ta’if im Jahr 630 n.Chr. – die Stadtbewohner hatten es abgelehnt sich zu unterwerfen – Katapulte zu benutzen, obwohl ihm bewußt war, daß Frauen und Kinder dort Schutz gesucht hatten. Es ist überliefert, daß der Prophet auf die Frage, ob es erlaubt sei, nächtliche Überfälle zu unternehmen oder Feuer an die Befestigungen der Ungläubigen zu legen, wenn sich Frauen und Kinder sich unter ihnen befänden, geantwortet habe:

Muslim B 19 N 4321:Saib Ibn Jaththama bezeugt, daß der Prophet, als er gefragt wurde, ob es erlaubt sei, die Frauen und Kinder der Polytheisten während eines nächtlichen Raubzuges zu töten, geantwortet habe: „Sie sind den Polytheisten zugehörig.“ [22]

Belagerung von Taif

Jüdische und christliche Sitten

Obwohl gesetzeszentriert und in gewissem Sinne legalistisch, hat das Judentum kein derartiges Äquivalent zur sunnah; den „Worten und Taten der Patriarchen“. Obschon im Alten Testament beschrieben, wurden ihre Taten nie dafür hergenommen, das jüdische Gesetz zu bestimmen. Weder Abrahams „Notlügen“ noch Jakobs Niedertracht, auch nicht Moses leicht durchgehende Sicherungen oder Davids Ehebruch, ebenfalls nicht Salomons Schürzenjägerei wurden je dazu erkoren, für Juden oder Christen Anleitung zu sein. Sie wurden als historische Taten betrachtet – von fehlbaren Menschen begangen – die von Gott für ihr nicht gerade ideales Verhalten eher bestraft als belohnt wurden.

Was das Christentum angeht, so wurde ein großer Teil des Alten Testaments durch Jesus – je nach Betrachtungsweise – aufgehoben oder erfüllt. „Auge um Auge“ machte Platz für „Halte die andere Wange hin“. Gott und den Nächsten von ganzem Herzen zu lieben wurde oberstes Gesetz:

Matthäus, Kapitel 22: 37 Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« (5.Mose 6,5). 38 Dies ist das höchste und größte Gebot. 39 Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). 40 In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. [23]

Darüber hinaus ist die sunnah Jesu – wie bei „Was würde Jesus tun?“ – von Passivität und Uneigennützigkeit gekennzeichnet. Das Neue Testament beinhaltet absolut keine Ermunterung zur Gewalt.

Doch es gibt immer noch solche, die versuchen Jesus so darzustellen, als habe er eine gleichermaßen militante Gesinnung wie Mohammed, indem sie Verse zitieren, in denen Jesus – der in Gleichnissen redete:

Matthäus, Kapitel 13: 34 Das alles redete Jesus in Gleichnissen zu dem Volk, und ohne Gleichnisse redete er nichts zu ihnen, [24]

sagte:

Matthäus, Kapitel 10: 34 Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. [25]

Aber es ist klar, daß Jesus nicht Gewalt gegen Nichtchristen befahl, sondern voraussagte, daß Streit zwischen Christen und ihrer Umwelt herrschend werde – eine Vorhersage, die nicht nur für die frühen Christen allzu wahr wurde, die, weit davon entfernt das Schwert aufzunehmen, durch das Schwert den passiven Märtyrertod erlitten. Sie hat auch für heutige Christen in der muslimischen Welt leider allzu oft Gültigkeit. [26]

Andere deuten auf die Gewalt, die im Buch der Offenbarung vorausgesagt wird, während sie es wiederum versäumen zu erkennen, daß der gesamte Bericht beschreibend ist – ganz zu schweigen von der klaren Symbolhaftigkeit – und daher kaum Vorschrift für Christen ist. Doch wie kann man guten Gewissens diese handvoll neutestamentarischer Verse, die das Wort „Schwert“ metaphorisch erwähnen, mit den buchstäblich Hunderten koranischer Anordnungen und Äußerungen Mohammeds vergleichen, die den Muslimen klar befehlen, eine sehr reales Schwert gegen die Nichtmuslime in die Hand zu nehmen?

Unbeirrt beklagt Jenkins die Tatsache, daß im Neuen Testament Juden „planen Jesus zu steinigen, sie verschwören sich ihn zu töten; im Gegenzug bezeichnet Jesus sie als Lügner, als Kinder des Teufels“. [27]

Ist es beleidigender „Kinder des Teufels“ genannt zu werden denn als Nachkommen von Affen und Schweinen – die koranische Bezeichnung für Juden – bezeichnet und behandelt zu werden?

Sure 2, Vers 65: Ihr kennt doch diejenigen unter euch, die sich in Betreff des Sabbats vergingen, zu denen Wir sprachen: „Werdet ausgestoßene Affen!“

Sure 5, Vers 60: „Kann ich euch etwas Schlimmeres verkünden als das, was euer Lohn bei Allah ist? Wen Allah verflucht hat und wem Er zürnt – und verwandelt hat Er einige von ihnen zu Affen und Schweinen – und wer dem Tagut dient, die befinden sich in schlimmem Zustand und sind weit abgeirrt vom ebenen Pfad.“

Sure 7, Vers 166: Und als sie sich trutzig von dem Verbotenen abwendeten sprachen Wir zu ihnen: „Seid verstoßene Affen!“ [28]

Lassen wir aber die Beschimpfungen beiseite; was hier zählt ist, daß das Neue Testament den Christen nicht befiehlt, die Juden als „Kinder des Teufels“ zu behandeln. Hingegen sind die Muslime auf der Grundlage des Korans, in erster Linie in Sure 9,29, verpflichtet die Juden zu unterjochen.

Bedeutet das, daß selbst erklärte Christen nicht antisemitisch sein können? Natürlich nicht. Aber es heißt, daß christliche Antisemiten lebende Widersprüche in sich sind – aus dem einfachen Grund, daß das Christentum vom Text her und theologisch weit entfernt davon ist,  Hass und Animositäten zu lehren, es vielmehr unmißverständlich Liebe und Vergebung betont. Ob nun alle Christen diesem Auftrag folgen, spielt eigentlich keine Rolle; genauso wenig es eine Rolle spielt, ob nun alle Muslime die Verpflichtung zum jihad einhalten oder nicht. Die einzige Frage ist: Was befiehlt die Religion?

John Esposito hat daher recht, wenn er erklärt: „Juden und Christen haben Gewalttaten verübt.“ Er hat aber unrecht, wenn er anfügt: „Wir [die Christen] haben unsere eigene Theologie des Hasses.“ Nichts im Neuen Testament lehrt Hass – und bestimmt nichts, das mit den Anordnungen des Korans vergleichbar ist wie:

Sure 60, Vers 4: … Wir verleugnen euch, und zwischen uns und euch ist Feindschaft und Hass für immerdar entstanden, bis ihr an Allah allein glaubt. … [29]

Neubewertung der Kreuzzüge

Es ist Zeit zu sagen: „Jetzt reicht es“
 jihad und Kreuzzüge
 Die Mär von den friedlichen Moslems und barbarischen Kreuzrittern

Und das ist der Punkt, von dem aus man am besten die historischen Kreuzzüge bewerten kann – Ereignisse, die von den vielen einflußreichen Apologeten des Islam gründlich entstellt worden sind. Karen Armstrong z.B. hat praktisch damit Karriere gemacht, daß sie die Kreuzzüge falsch darstellt; sie schreibt beispielsweise, (wie am Anfang schon zitiert):

Die Vorstellung, daß der Islam sich durch das Schwert aufdrängte, ist eine westliche Fiktion, erfunden während der Zeit der Kreuzzüge, als es in Wirklichkeit westliche Christen waren, die brutale heilige Kriege gegen den Islam führten.[30]

Daß eine ehemalige Nonne die Kreuzzüge angesichts all dessen, was der Islam getan hat, fanatisch verurteilt, macht ihre Kritik um so marktfähiger. Mit Äußerungen wie dieser wird die Tatsache ignoriert, daß vom Anbeginn des Islam an, mehr als 400 Jahre vor den Kreuzzügen, die Christen zur Kenntnis nehmen mußten, daß der Islam durch das Schwert verbreitet wurde. [31] In der Tat machen maßgebende muslimische Historiker wie Ahmed Ibn Yahya al-Baladhuri (gest. 892) und Mohammed Ibn Jarir at-Tabari (838-923) klar, die Jahrhunderte vor den Kreuzzügen schrieben, daß der Islam durch das Schwert verbreitet wurde.

Die Tatsache bleibt: Die Kreuzzüge waren ein Gegenangriff auf den Islam – kein unprovozierter Übergriff, als den Armstrong und andere revisionistische Historiker ihn hinstellen. Der überragende Historiker Bernard Lewis drückt das gut aus:

Selbst der christliche Kreuzzug, der oft mit dem muslimischen jihad verglichen wird, war eine verspätete und begrenzte Antwort auf den jihad und zum Teil seine Imitation. Aber anders als der jihad befaßte er sich in erster Linie mit der Verteidigung bzw. Rückeroberung bedrohten und verloren gegangenen christlichen Territoriums. Er war, mit wenigen Ausnahmen, auf die erfolgreichen Kriege zur Rückgewinnung Südwesteuropas und der nicht erfolgreichen Kriege zur Rückgewinnung des Heiligen Landes sowie das Aufhalten des Vordingens der Ottomanen auf dem Balkan beschränkt. Im Gegensatz dazu wurde der jihad als unbegrenzt verstanden, als religiöse Pflicht, die weiter andauern soll, bis die ganze Welt entweder den muslimischen Glauben annimmt oder sich der muslimischen Herrschaft unterwirft… Das Ziel des jihad ist es, die gesamte Welt unter das islamische Recht zu bringen.[32]

Zudem waren die muslimischen Invasionen und Greueltaten gegen Christen in den Jahrzehnten vor dem Beginn der Kreuzzüge im Jahr 1096 im Steigen begriffen. Der Fatimiden-Kalif Abu ‚Ali Mansur Tariqu’l-Hakim (regierte 996-1021) schändete eine Reihe wichtiger Kirchen – so die St. Markus Kirche in Ägypten und die Grabeskirche in Jerusalem – und verfügte noch repressivere Dekrete als sie gewöhnlich gegen Christen und Juden erlassen wurden. Dann schlugen die seldschukischen Türken 1071 die Byzantiner in der Schlüsselschlacht von Mantzikert vernichtend und eroberten damit ein großes Stück des byzantinischen Anatolien, ein Vorbote der Eroberung Konstantinopels Jahrhunderte später.

Es war vor diesem Hintergrund, daß Papst Urban II. (im Amt 1088 – 1099) zu den Kreuzzügen aufrief:

Aus den Gebieten Jerusalems und aus der Stadt Konstantinopel erreichen uns wie schon so oft schlimme Nachrichten. Ein Volk aus dem Reich der Perser [d.h. muslimische Türken], ein fremdes Volk, ein Volk, das Gott gar nicht kennt, ein Geschlecht, dessen Herz nicht fest war, und dessen Geist sich nicht treu an Gott hielt, ist in die Länder jener Christen eingedrungen, hat sie mit Schwert, Raub und Brand verwüstet. Dieses Volk hat die Gefangenen teils in sein eigenes Land entführt, teils auch in elendem Morden niedergemetzelt und die Kirchen Gottes entweder von Grund auf zerstört oder zur Feier ihres eignen Kultes in Besitz genommen.“[33]

Selbst wenn die Beschreibung von Urban II. historisch genau ist, bleiben die Fakten: Wie immer man diese Kriege interpretiert – als offensiv oder defensiv, gerecht oder ungerecht – ist es offensichtlich, daß sie nicht auf dem Beispiel Jesu gründeten, der seine Nachfolger ermahnte:

Matthäus, Kapitel 5: 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. [34]

In der Tat brauchte es Jahrhunderte theologischer Diskussionen, von Augustinus bis Thomas von Aquin, um defensive Kriegsführung zu begründen – was als „gerechter Krieg“ bezeichnet wurde. Daher sollte es scheinen, daß, wenn überhaupt, es die Kreuzritter sind – nicht die jihadisten – die ihren Schriften gegenüber (von einem wortgetreuen Standpunkt aus) weniger treu waren; oder andersherum gesagt: Es sind die jihadisten – nicht die Kreuzritter, die ihre Schriften treu erfüllt haben (ebenfalls von einem wortgetreuen Standpunkt aus). Überdies sind die Kreuzzüge, wie die gewalttätigen Berichte des Alten Testaments, ihrer Natur nach historisch und nicht Manifestationen tiefer liegender Wahrheiten der Heiligen Schrift.

Fakt ist: Weit davon entfernt, irgend etwas dem Christentum innewohnendes auszusagen, helfen die Kreuzzüge, den Islam besser zu verstehen. Denn die Kreuzzüge demonstrierten ein für allemal, daß unabhängig von religiösen Lehren – der Mensch oft empfänglich ist für Gewalt. Aber das wirft die Frage auf: Wenn dies ein Verhalten ist, das Christen an den Tag legten – denen geboten ist zu lieben, zu segnen und ihren Feinden Gutes zu tun, die sie hassen, verfluchen und verfolgen – wie viel mehr Gewalt muß von Muslimen erwartet werden, denen, während sie dieselben gewalttätigen Tendenzen haben, darüber hinaus von ihrer Gottheit geboten ist Ungläubige anzugreifen, zu töten und auszuplündern?

Raymond Ibrahim ist Associate Director des Middle East Forum und Autor von „The Al-Qaida Reader“ (New York, 2007).

[1] Andrea Bistrich: Discovering the common grounds of world religions. Interview with Karen Armstrong, Share International, September 2007, S. 19-22

[2] C-SPAN2, 5. Juni 2004

[3] Philip Jenkins, „Dark Passages,“ The Boston Globe, 8. März 2009

[4] Lutherbibel

[5] Lutherbibel

[6] „The Fall of Jerusalem,“ Gesta Danorum, angesehen 2. Apr. 2009

[7] Übersetzung Max Henning

[8] Übersetzung Max Henning

[9] Übersetzung Max Henning

[10] Ibn Khaldun, The Muqudimmah: An Introduction to History, Franz Rosenthal, trans. (New York: Pantheon, 1958) Bd. 1, S. 473.

[11] Khadduri: War and Peace in the Law of Islam (London: Oxford University Press, 1955), S. 60

[12] S. z.B. Ahmed Mahmud Karima: Al-Jihad fi’l-Islam: Dirasa Fiqhiya Muqarina (Cairo: Al-Azhar Universität, 2003)

[13] Übersetzung Max Henning

[14] Übersetzung Max Henning

[15] Übersetzung Max Henning

[16] http://www.msawest.net/islam/fundamentals/hadithsunnah/

[17] Jenkins: „Dark_Passages“

[18] Übersetzung Max Henning

[19] „Al-Jazeera-Poll: 49% of Muslims Support Osama bin Laden,“ 7.-10. Sept. 2006, angesehen 2. Apr. 2009

[20] ‚Abd al-Rahim ‚Ali: Hilf al Irhab (Cairo: Markaz al-Mahrusa li ’n-Nashr wa ‚l-Khidamat as-Sahafiya wa ‚l-Ma’lumat, 2004)

[21] Übersetzung Max Henning

[22] http://www.msawest.net/islam/fundamentals/hadithsunnah/

[23] Lutherbibel

[24] Lutherbibel

[25] Lutherbibel

[26] S. z.B. „Christian Persecution Info,“ Christian Persecution Magazine, angesehen 2. Apr. 2009

[27] Jenkins, „Dark_Passages“

[28] Übersetzung Max Henning

[29] Übersetzung Max Henning

[30] Bistrich: „Discovering the common grounds of world religions“ S. 19-22; für eine Kritik der Arbeit Karen Armstrongs, s.: „Karen Armstrong,“ in: Andrew Holt (Hg.): Crusades-Encyclopedia, Apr. 2005, angesehen 6. Apr 2009

[31] s. z.B. die Schriften des Sophrinius, Patriarch Jerusalems während der muslimischen Eroberung der Heiligen Stadt nur wenige Jahre nach dem Tod Mohammeds oder die Chroniken von Theophanus des Bekennenden

[32] Bernard Lewis: The Middle East: A Brief History of the Last 2000 Years (New York: Scribner, 1995), S. 233-234

[33] „Speech of Urban—Robert of Rheims,“ in: Edward Peters (Hg.): The First Crusade: The Chronicle of Fulcher of Chartres and Other Source Materials (Philadelphia: University of Pennsylvania Press, 1998), S. 27 In dieser Übersetzung zitiert nach Peter Milger (kreuzzuege-info.de)

[34] Lutherbibel

 

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