jihad im Islam

von Abul Ala Maududi

Jegliche Regierung und Autorität welche sich der Ideologie und Umsetzungsstrategie des Islam – wo immer und wer immer – entgegenstellt wird vom Islam eliminiert werden. Der Islam steht für die Vorherrschaft seiner eigenen Ideologie und Konzepte. Er kümmert sich auch nicht im Geringsten darum wer ihn unterstützt oder welche Einrichtungen und Autoritäten in diesem Prozeß überwunden werden (müßen). Der Islam verlangt nicht irgend ein Stück Land sondern die Vorherrschaft über den ganzen Erdball.                                                                                                        Abul Ala Maududi

Abul Ala Maududi hat 1939 in Lahore/Pakistan einen Vortrag zum Thema jihad gehalten welcher dann publiziert und auch als Buch in englischer Sprache (29 Seiten) herausgegeben wurde. Wir haben die Seiten 3 bis 13 übersetzt, dem Text eine Einführung und eine Zusammenfassung vorangestellt sowie diverse ► LINKS und Bilder eingebaut.   Quelle


Zusammenfassung

Die Ausführungen von Abu ala Maududi beinhalten folgendes:

  • – Der Islam ist eine internationale revolutionäre Bewegung.
    – Nur der Islam bringt den Menschen die einzig richtige, nämlich die von Allah definierte irdische Rechtleitung: scharia.
    – Jeglicher nicht-islamischen sittlich-religiösen Ordnung ist mit vollständiger Ablehnung und Verachtung zu begegnen.
    – Der koranische Auftrag zur weltweiten Implementierung eines theokratischen islamischen Einheitsstaates als irdische Rahmenbedingung zur Umsetzung der scharia ist zwingend.
    – Die vollständige Unterwerfung jedes einzelnen Menschen unter den Willen Allahs muß erreicht werden.
    – Islamische Freiheit heißt Freiheit von Störungen durch Ungläubige.
    jihad ist der vorzüglichste Weg, sich dem Willen Allahs zu unterwerfen.
    jihad beinhaltet die Legitimierung von Gewalt zur Durchsetzung der islamischen Ordnung.
    – Das Böse wird durch die Installation von Allahs Rechtleitung auf der Welt vollständig und endgültig eliminiert.
    – Opfer seines Lebens „für die Sache Allahs“ ist das höchste Ideal für einen muslim „um Allah zu gefallen“.

Einführung

Abul Ala Maududi erkennt in der koranischen Botschaft, so wie sie Mohammed von Allah empfangen hat einen göttlichen revolutionären Auftrag zur Überwindung von menschengemachtem Unrecht, geistiger und ökonomischer Ausbeutung, sozialer Ungerechtigkeit, menschlicher Machtanmaßung und den Schöpfer verachtendem Götzenkult. Dieser Auftrag bezieht sich nicht nur auf die offenbar üblen Verhältnisse, welche Mohammed im Mekka des 7. Jahrhunderts angetroffen hat; er transzendiert vielmehr Zeit und Raum und ist global zu verstehen. Durch die Hinwendung aller Menschen – ausnahmslos – zu Allahs irdischer Weltordnung scharia wird das Böse insgesamt und damit jegliches Unrecht endgültig überwunden. Diesen islamischen Idealstaat unter dem Gesetz der scharia gilt es anzustreben. Das ist Allahs Auftrag an die muslime.

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In diesem Kontext bekommt der Begriff jihad (Anstrengung) eine ganz neue Bedeutung. Es ist nicht einfach ein Krieg zur Glaubensverbreitung. Durch die Ergänzung „auf dem Wege Allahs“ = fisabililah wird klar, daß unter jihaddie größtmögliche Anstrengung“ – und zwar die völlig uneigennützige – für die Sache Allahs verstanden wird. Dieser jihad kann bzw. muß selbstredend auch gewalttätig sein. Wenn für die Rechtleitung der Menschheit und die Errichtung des islamischen Idealstaates die Ausübung von Gewalt vonnöten ist wird sie angewendet. Schuld daran sind die verblendeten Ungläubigen.

Es ist hilfreich, hier noch zwei Erläuterungen von den beiden Islamwissenschaftlern Bassam Tibi und Majid Khadduri zum Thema der Notwendigkeit des islamischen gerechten Krieges gegen die Ungläubigen anzufügen.

Majid Khadduri bezeichnet die islamische Sichtweise von nicht-muslimischen Gemeinschaften als „Naturstaaten“, denen die kulturelle und ethische Kompetenz schlicht fehlt, um mit islamischen Staaten auf Augenhöhe zu kommunizieren:

Die den islamischen Staat umgebende Welt, welche aus all den Nationen und Territorien besteht, die noch nicht unter der Oberhoheit des Islam stehen, wird allgemein als „Territorium des Krieges“ (dar al-harb) bezeichnet. Letzteres war das Objekt, nicht das Subjekt des islamischen Rechtssystems und es war die Pflicht der muslimischen Herrscher, es unter islamische Alleinherrschaft zu bringen, wenn sie dazu in der Lage waren. Die Gemeinschaften des dar al-harb wurden als „Naturstaaten“ betrachtet, denn es fehlte ihnen die rechtliche Kompetenz, auf einer Basis von Gleichstellung und Reziprozität mit dem Islam zu kommunizieren, weil sie dem ethischen und juristischen Standard (des Islam) nicht entsprechen können. Folglich müssen die Vereinbarungen zwischen dar al-islam und dar al-harb notwendigerweise von kurzer Dauer sein, denn sie tragen keine implizite Anerkennung deren Status unter dem islamischen Recht in sich.“ (Majid Khadduri, The Islamic Law of Nations, The John Hopkins Press, Baltimore, Maryland, 1966, Seite 12)

Auch Bassam Tibi weist darauf hin, daß die widerständigen Ungläubigen letztlich die Schuld für Krieg tragen:

„Die Haltung der Muslime betreffend Krieg und Gewaltlosigkeit kann kurz folgendermaßen zusammengefaßt werden: es gibt keine islamische Tradition von Gewaltlosigkeit und keinen Vorbehalt gegenüber dem Krieg. Dieser wird jedoch nicht glorifiziert sondern lediglich als letzten Ausweg betrachtet, um dem Ruf von da’wa zu folgen und den Islam zu verbreiten. Krieg wird dann nötig, wenn die Ungläubigen sich weigern, unter die Fuchtel der islamischen Herrschaft zu gelangen. Es gibt mit anderen Worten keinen islamischen Pazifismus. (Bassam Tibi, The Ethics of War and Peace: Religious and Secular Perspectives, herausgegeben von Terry Nardin (Princeton University Press, 1996) Seiten 128-145, zitiert aus: Andrew Bostom, The Legacy of Jihad, Prometheus Books, New York, 2005)

 


jihad im Islam

Gründe für Mißverständnisse betreffend der Bedeutung von jihad

… wenn wir von einem rein wissenschaftlichen Standpunkt aus die Gründe untersuchen warum die Bedeutung des „jihad auf dem Wege Allahs“ sowohl für muslime als auch Nicht-muslime schwierig zu verstehen ist, erkennen wir im Wesentlichen zwei Annahmen die allen falschen Meinungen zugrunde liegen. Das erste Mißverständnis versteht den Islam im üblichen Sinne von „Religion“. Die zweite Fehlannahme versteht muslime als Nation im allgemeinen staatsrechtlichen Sinne. Dies hat zu einem verzerrten Verständnis des jihad Konzeptes geführt und das Bild des Islam verfälscht.

Religion im herkömmlichen Sinne bedeutet nichts mehr als ein Sammelsurium von Glaubenssätzen, Ritualen und Gebeten. Wenn nur das unter „Religion“ zu versehen ist, wäre sie tatsächlich eine private Angelegenheit. Dann müßtest du frei sein, jeglichen Glauben an irgendeine Gottheit (inkl. ihrer Verehrung) auszuüben, zu welchem sich dein Gewissen gerade hingezogen fühlt.

Wenn du ein übereifriger und leidenschaftlicher Anhänger einer solchen Religion bist magst du in die Welt hinausgehen und predigen und dich mit Vertretern anderer Religionen anlegen. Bei diesen Aktivitäten gibt es keine Gelegenheit und Rechtfertigung, Waffen einzusetzen. Kannst du Menschen durch reine Gewalt zu deiner Religion bekehren?

Dieses Verständnis ist ganz normal, wenn du Islam als Religion im konventionellen Sinne verstehst; und wenn man den Islam so versteht kann man die Institution des jihad nicht rechtfertigen.

Das gleiche gilt für den Begriff der „Nation“, welcher nichts mehr meint als den Zusammenschluß von gleichartigen Menschen in einer abgetrennten Einheit auf der Basis einiger fundamentaler und gemeinsamer Prinzipien. Menschen, die in einer solchen Nation eingebunden sind ergreifen die Waffen nur in zwei Fällen. Entweder werden sie von einem Feind mit der Absicht angegriffen, ihnen ihre Rechte zu entreißen oder sie tun dies im umgekehrten Sinn selber. Aber andere anzugreifen, nur um ihnen ihre überkommenen Rechte wegzunehmen kann von niemandem außer einigen Diktatoren legitimiert werden. Sogar die Staatsmänner so mächtiger Nationen wie England oder Frankreich können sich nicht erdreisten, solch nackte Aggression zu rechtfertigen.

Was jihad wirklich ist

Wenn Islam eine Religion und die muslime eine Nation im herkömmlichen Sinne sind verliert der jihad jegliche Bedeutung und Wichtigkeit, deshalb wurde er als der vorzüglichste Weg erklärt, sich dem Willen Allahs zu unterwerfen. Tatsächlich ist der Islam weder eine Religion noch sind die muslime eine Nation so wie man diese Begriffe gemeinhin versteht. Vielmehr ist der Islam ein revolutionäres Konzept und eine Ideologie die beabsichtigt, die soziale Weltordnung umzuwälzen und sie entsprechend seinen Idealen neu zu gestalten. In der Tat sind die muslime eine internationale revolutionäre Partei; sie haben sich unter dem Banner der islamischen Ideologie zusammengefunden, um ihr revolutionäres Programm zu installieren. jihad ist der Begriff, welcher die größtmögliche revolutionäre Anstrengung der islamischen Erneuerungspartei kennzeichnet um die islamische Revolution voranzutreiben.

Der Islam hat, wie andere revolutionäre Bewegungen auch, seine eigene Terminologie entwickelt, um sein revolutionäres Konzept klar und deutlich von allen anderen Konzepten zu unterscheiden. jihad ist auch einer dieser differenzierenden Begriffe. Der Islam hat alle anderen relevanten Bezeichnungen für „Krieg“ wie im Arabischen harb etc. absichtlich gemieden und statt dessen den Begriff jihad synonym für „Kampf“ und „Bemühung“ verwendet – er ist eher noch kraftvoller und umfassender als das Wort „Kampf“. jihad kann verstanden werden als jemandes äußerste Anstrengung um eine Sache voranzubringen.

Man kann sich fragen was die Einführung eines neuen Begriffs angesichts so vieler synonymer Wörter bringt. Die Antwort ist, daß die Bezeichnung „Krieg“ bisher für Kämpfe zwischen Nationen und Ländern aus eigennützigen Interessen und materiellen Beweggründen verwendet wurde. Die Motive hinter all diesen Kämpfen waren immer persönliche oder kollektive Interessen, die eine Befürwortung von Prinzipien oder Ideologie vermissen ließen. Das Konzept von Krieg im Islam ist ein ganz anderes und der gebräuchliche Begriff für „Krieg“ deckt dieses Konzept nicht ab, da ja der Islam den Begriff „Krieg“ meidet. Der Islam glaubt nicht an die Interessen einer spezifischen Nation. … Er hat das Wohlergehen der Menschheit insgesamt im Blickfeld und benutzt seine eigenen Konzepte von Fürsorge und Methodik für seine Realisierung.

Jegliche Regierung und Autorität welche sich der Ideologie und Umsetzungsstrategie des Islam – wo immer und wer immer – entgegenstellt wird vom Islam eliminiert werden. Der Islam steht für die Vorherrschaft seiner eigenen Ideologie und Konzepte. Er kümmert sich auch nicht im Geringsten darum wer ihn unterstützt und welche Einrichtungen und Autoritäten in diesem Prozeß überwunden werden (müssen). Der Islam verlangt nicht irgend ein Stück Land sondern … die Vorherrschaft über den ganzen Erdball.

Der Islam strebt nicht die Oberhoheit über eine spezifische Nation an sondern die Implementierung seines Programms und Wohlfahrtsystems für die Menschheit als Ganzes. Der Islam möchte alle verfügbaren Kräfte ausnützen welche diese Revolution unterstützen und verwendet den Begriff jihad für diesen verheißungsvollen Kampf.

Gesamteinsatz zur Erlangung des Heils

Es ist auch eine Form von jihad, die Ansichten und das Bewußtsein von Menschen durch das gesprochene wie auch das schriftliche Wort zu ändern. Ebenso ist es Aufgabe des jihad, alte tyrannische Sozialsysteme mittels Einsatz von Gewalt in eine neue Ordnung welche auf Fairplay und Gerechtigkeit basiert zu überführen. Auch körperliche Anstrengung und Geldspenden sind Teil des jihad.

„Für die Sache Allahs“ ist die essentielle Bedingung

jihad im Islam ist nicht einfach „Kampf“; vielmehr ist er ein „Kampf für die Sache Allahs“. Im Islam ist „die Sache Allahs“ also grundlegend für den Begriff des jihad. Diese Formulierung ist auch Teil der exklusiven Terminologie des Islam, welche ich oben dargestellt habe.

 

                                                                          fisabilillah

fisabilillah heißt wörtlich übersetzt „auf dem Wege Allahs“. Diese Übersetzung verleitete die Menschen zu glauben, „jihad auf dem Wege Allahs“ bedeute die gewalttätige Konversion von Menschen zum islamischen Glauben. Menschen mit starrem Denken konnten die Formulierung „auf dem Wege Allahs“ nicht in einer erweiterten Bedeutung sehen.

fisabilillah – im Namen Allahs 

Aber in der islamischen Terminologie beinhaltet dieser Ausdruck viel mehr. All das, was für das kollektive Wohlergehen der ganzen Menschheit getan wird, ohne materielle Absicht und lediglich um die Gunst Allahs zu erwerben – bezeichnet der Islam als Tat „auf dem Wege Allahs“.

Wenn man z.B. aus moralischer oder materieller Überlegung heraus etwas für die Welt spendet wird das nicht im Sinne von „auf dem Wege Allahs“ eingestuft. Wenn es aber die Absicht ist, durch eine Armenspende das Wohlgefallen Allahs zu gewinnen wird dies als Tat „auf dem Wege Allahs“ angesehen. Also bezeichnet eine Tat „auf dem Wege Allahs“ ausschließlich eine Handlung, die mit absoluter Aufrichtigkeit ohne weltlichen oder materiellen Eigennutz für das Wohl anderer ausgeführt wird. Tatsächlich ist der einzige Zweck des menschlichen Lebens das Wohlgefallen der einzigen Autorität dieses Universums – Allahs – zu verdienen.

Die Bedingung „auf dem Wege Allahs“ im Zusammenhang mit jihad hat nur diesen Grund. Sie setzt notwendigerweise voraus daß jede Gruppe, die sich in einem vorherrschenden System für eine Revolution einsetzt um ein neues System einzuführen, welches auf der Ideologie des Islam basiert, von jeglichen selbstsüchtigen Motiven frei sein muß.

Es darf nicht geringste Absicht oder Wunsch bestehen, in die Autorität des eigenen Selbst zu investieren, nachdem man sie anderen weggenommen hat. Ein so nobler Kampf sollte vollkommen frei sein vom Makel selbstsüchtiger Motive wie Reichtum, Pracht, Ruf, Ruhm, Glanz und Selbstüberhöhung. Alle Opfer und Anstrengungen sollten daraufhin gerichtet sein, das einzige Ziel überhaupt – nämlich die Errichtung einer gerechten und ausgewogenen sozialen Ordnung für die Menschheit insgesamt zu erreichen. Die einzige Belohnung in diesem Kampf sollte die Gunst Allahs sein. Der heilige Koran sagt:

Sure 4, Vers 76: Wer da glaubt, kämpft in Allahs Weg, und wer da nicht glaubt, kämpft im Weg des Tagut. So bekämpfet des Satans Freunde. Siehe, des Satans List ist schwach.

Das Wort tagut leitet sich von „Tughyan“ „Flut/Schwemme“ ab und beinhaltet die Bedeutung von „die Grenzen überschreiten“. Wenn der Fluß über die Ufer tritt sagen wir: der Fluß überschwemmt das Land. Desgleichen sagen wir von einer Person, welche sämtliche rechtmäßigen Grenzen überschreitet und sich selbst als Herrscher über Menschen erklärt oder andere unbotmäßig enteignet, er „strebe auf dem Wege des tagut„. Dagegen stellen wir das „Kämpfen auf dem Wege Allahs“ welches die Anstrengung ist, eine gerechte und faire Ordnung des allmächtigen Allah in dieser Welt einzurichten.

Sure 28, Vers 83: Jene zukünftige Wohnung, Wir haben sie für diejenigen bestimmt, welche nicht hoffärtig auf Erden sein oder Verderben anrichten wollen. Und der Ausgang ist für die Gottesfürchtigen.

Es wird in der sunna berichtet, daß jemand den Propheten gefragt hat:

„Was beinhaltet ‚der Kampf für die Sache Allahs’? Einer kämpft für den materiellen Gewinn, ein anderer kämpft für Ehre und Anerkennung, noch einer kämpft um Vergeltung auszuüben oder seine nationale Ehre aufrecht zu erhalten. Wer von allen kämpft nun ‚auf dem Wege Allahs’? Der heilige Prophet antwortete: „Keiner von ihnen. Nur derjenige, welcher für kein anderes Ziel als die Verherrlichung von Allahs Wort kämpft.“

Ein anderer hadith berichtet:

„Wenn man auch nur mit dem geringsten Wunsch – zum Beispiel um einen Strick zum Anbinden seines Kameles zu erhalten – kämpft, ist die Belohnung verwirkt.

Das Gewaltmonopol – bei Gott oder beim Menschen? 

Allah nimmt nur diejenigen Taten – ob persönlich oder kollektiv – an, die ausschließlich zu Seinem Gefallen erbracht wurden. Deshalb ist aus islamischer Sicht die Bedingung „für die Sache Allahs“ im Zusammenhang mit jihad von äußerster Wichtigkeit. Alle lebenden Kreaturen auf dieser Welt streben und kämpfen für ihre Selbsterhaltung und erbringen äußerste Anstrengungen, um diese Aufgabe zu meistern. Es ist das wichtigste und eigentlich fundamentale Ideal für muslime und ihre überragende revolutionäre Partei, daß sie ihr Leben, ihre Seele und alle zur Verfügung stehenden Ressourcen im Kampf gegen die bösen Mächte dieser Welt opfern. Nicht um deren Platz einzunehmen, sondern um das Böse vollständig zu eliminieren und das Wort Allahs der ganzen Welt aufzuzwingen …

Der revolutionäre Ruf des Islam

Ganz kurz zusammengefaßt wird der revolutionäre Ruf des Islam in:

Sure 2, Vers 21: O ihr Menschen, dienet euerm Herrn, der euch und die Früheren erschaffen; vielleicht fürchtet ihr Ihn.

Der Ruf des Islam richtet sich nicht an die Arbeiter, Landbesitzer, Bauern und Industrielle, er richtet sich an das Menschengeschlecht insgesamt. Der Islam wendet sich an jedes Individuum in seiner Eigenheit als menschliches Wesen. Jegliche Unterwerfung unter irgendwen oder irgendwas soll vermieden werden außer unter Allah. Niemand soll daran denken, Unterwerfung von einem anderen Menschen zu fordern. Niemand außer Allah kann Unterwerfung einfordern. Alle sollten Ergebenheit an und Unterwerfung unter Allah, den einzigen Herrscher bezeugen und auf der gleichen Stufe stehen.

Sure 3, Vers 64: Sprich: „O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns, daß wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen und daß nicht die einen von uns die anderen zu Herren annehmen neben Allah.“ Und so sie den Rücken kehren, so sprechet: „Bezeuget, daß wir Muslime sind.“

Das war der Ruf nach einer vollständigen und universellen Revolution. Sie fordert eindeutig ein, daß „Herrschaft niemandem gebührt als dem allerbarmenden Allah allein.“ Niemand hat das Recht, sich zu einem selbsternannten Herrscher zu machen und zu befehlen und zu verbieten was immer ihm aufgrund seines eigenen Wollens gerade einfällt. Tatsächlich ist die Grundursache für alle Korruption und Sünde der Machtanspruch eines Menschen, dergestalt zu befehlen und zu verbieten daß es der absoluten Autorität Allahs gleichkommt. Allah hat die Menschen in ihrer wahren Natur geschaffen und ihnen den Weg zum richtigen Lebensvollzug aufgezeigt. Sie kommen von diesem direkten Pfad nur ab, wenn sie Allah als höchste Autorität – und damit ihren eigenen Ursprung – vergessen. Solche Mißstände ermutigen zwangsläufig einige ehrgeizige Individuen, Familien oder Klassen, äußerste Macht öffentlich oder stillschweigend zu beanspruchen und durch ihre ungebührliche Stellung andere zu ihrem Vorteil zu unterwerfen … Dies ist weltweit der Ursprung für Tyrannei, Konfrontation und ungerechte Ausbeutung. Damit ist das wichtigste Ziel des Islam, solche Zustände falscher Autorität und unmenschlicher Ausbeutung zu zerschlagen und zu liquidieren. Der Islam erklärt unumwunden:

Sure 26, Vers 151: „Und gehorchet nicht dem Befehl der Übertreter,
Sure 26, Vers 152: Die auf Erden Verderben stiften und nicht Heil.“

Sure 18, Vers 28: Gedulde dich mit denen, welche deinen Herrn anrufen des Morgens und Abends, im Trachten nach Seinem Angesicht. Und wende deine Augen nicht von ihnen ab im Trachten nach dem Schmuck des irdischen Lebens; und gehorche nicht dem, dessen Herz Wir achtlos des Gedenkens an Uns machten, und der seinem Gelüst folgt und dessen Treiben zügellos ist.

Sure 11, Vers 18: Und wer ist sündiger, als wer wider Allah eine Lüge ersinnt? Sie werden vor Ihren Herrn gestellt werden, und sprechen werden die Zeugen: „Diese sind es, die wider ihren Herrn logen.“ Soll nicht Allahs Fluch die Sünder treffen,
Sure 11, Vers 19: Welche von Allahs Pfad abwendig machen und ihn zu krümmen suchen und nicht an das Jenseits glauben?

Der Islam bringt es unter die Leute:

Sure 12, Vers 39: O meine Kerkergenossen, sind Herren, geteilt untereinander, besser als Allah, der Eine, der Allmächtige?

Wenn du dich Allah, dem alleinigen Herrscher nicht hingibst wirst du nie frei werden von diesen unzähligen kleinen und falschen Göttern. Sie werden auf die eine oder andere Art ihre Herrschaft über dich errichten und Störung verursachen:

Sure 27, Vers 34: Sie sprach: „Siehe, wenn Könige eine Stadt betreten, zerstören sie sie und machen die mächtigsten ihrer Bewohner zu den niedrigsten; also tun sie.“

Sure 2, Vers 205: Und wenn er den Rücken kehrt, dann beeifert er sich, im Lande Unheil zu stiften und Acker und Saat zu verwüsten; Allah aber liebt nicht das Verderben.

Hier soll nicht ins Detail gegangen werden. Ich möchte schlüssig erklären, daß der Ruf des Islam, an Allah als den einzigen Herrscher zu glauben nicht einfach die Aufforderung ist, eine Religion anzunehmen wie es bei anderen Religionen gewöhnlich der Fall ist. Es war der Ruf zu einer wirklichen sozialen Revolution. Sein wichtigstes Ziel waren diejenigen privilegierten Klassen, welche die gewöhnlichen Menschen unter die Fuchtel von Mönchen und Priestern, unter den Deckmantel von Monarchen und Stammesführern und unter den ökonomischen Zwang von Kapitalisten, Feudalherren und Industriellen gebracht und sie damit zu reinen Sklaven gemacht hatten. Einige von ihnen hatten sich öffentlich zu obersten Autoritäten neben Allah aufgeworfen. Sie forderten Unterwerfung und Hingabe des Volkes als ihr Erb- und Standesrecht ein und erklärten ganz unverschämt:

Sure 28, Vers 38: Und es sprach Pharao: „O ihr Häupter, ich weiß keinen anderen Gott für euch als mich. Und brenne mir, o Haman, Ton und mache mir einen Turm. Vielleicht steige ich empor zum Gott Mosis;  denn siehe, ich halte ihn für einen Lügner.“

Sure 79, Vers 24: Und sprach: „Ich bin euer höchster Herr.“

Sure 2, Vers 258: Sahest du nicht auf den, der mit Abraham wegen seines Herrn stritt, daß Allah ihm das Königreich gegeben?“ Da sprach Abraham: „Mein Herr ist der, welcher lebendig macht und tötet.“ Er sprach: „Ich bin’s, der lebendig macht und tötet.“ Sprach Abraham: „Siehe, Allah bringt die Sonne vom Osten, so bringst du sie von Westen.“  Da ward der Ungläubige verwirrt, denn Allah leitet nicht die Ungerechten.

Sure 41, Vers 15: Und was ‚Ad anlangt, so waren sie hoffärtig im Land ohne Grund und sprachen: „Wer ist stärker an Kraft als wir?“ Sehen sie denn nicht, daß Allah es ist, der sie erschaffen hat? Er ist stärker als sie an Kraft; doch sie verleugneten Unsre Zeichen.

Einige hatten falsche Götter in Form von Götzen oder Tempeln erschaffen um die Unwissenheit des gewöhnlichen Mannes auszunützen und mißbrauchten diese Götzen und Tempel als Deckmantel für ihre eigenen göttlichen Rechte.

Somit kam der Ruf des Islam gegen Häresie, Polytheismus und Götzenkult und die Einladung, sich dem alleinigen Herrschaftsanspruch Allahs zu unterwerfen in Konflikt mit der Regierung und der herrschenden Klasse, welche von dieser Ordnung abhängig war und sie unterstützte. Deshalb standen die Machthaber gegen jeden Propheten auf, wann immer er rief:

Sure 11, Vers 84: Und zu Midian entsandten Wir ihren Bruder Su’aib. Er sprach: „O mein Volk, dienet Allah; ihr habt keinen anderen Gott als Ihn; und verkürzet nicht das Maß und Gewicht. Siehe, ich sehe, daß es euch wohl ergeht, aber ich fürchte für euch die Strafe eines allumfassenden Tages.“

Die Tyrannen beeilten sich immer – zusammen mit den privilegierten Klassen und Ausbeutern – den Weg der Propheten zu versperren. Sie widersetzten sich den Propheten immer mit Zähnen und Klauen weil der Ruf der Propheten nie metaphysisch war sondern immer den Charakter einer sozialen Revolution hatte. Die Regenten und Ausbeuter rochen den sozialen Aufstand schon bei der ersten Äußerung der Propheten.


Kritik

Einer der Gründe, weshalb Gespräche mit Vertretern totalitärer Ideologien – seien sie nun sozialistischer, nationalsozialistischer oder islamischer Ausprägung – so nutzlos sind ist die unerschütterliche Überzeugung ihrer Vertreter, daß nur mit einer gesellschaftlichen Umwälzung, einer vollständigen Umgestaltung der bestehenden Verhältnisse alle Probleme des sittlichen und wirtschaftlichen Zusammenlebens gelöst werden können. Dazu erforderlich ist die Einführung einer „gerechten“ Ordnung. Der Weg ins neue irdische Paradies erfordert exzessive Kontrollen zur Durchsetzung der notwendigen rigiden moralischen Normen wie auch die Ausschaltung von Systemgegnern – werden sie nun Konterrevolutionäre, Kapitalisten, Apostaten, Heuchler oder Ungläubige genannt. Eine säkular oder theokratisch legitimierte Nomenklatura von neuen Machthabern stellt die punktgenaue Einhaltung der dogmatischen Vorgaben sicher.

Abul Ala Maududi (1903 – 1979) war einer der wichtigen islamischen Theoretiker des 20. Jahrhunderts. Im vorliegenden Traktat „jihad im Islam“ verwendet er die revolutionäre Sprache dieser Zeit. Demnach definiert er den jihad als die größtmögliche Anstrengung „auf dem Wege Allahs“ zur Errichtung einer rein islamisch geprägten Idealgesellschaft unter der scharia. Dies ist der revolutionäre Auftrag Allahs: „jihad ist das wichtigste und eigentlich fundamentale Ideal für muslime und ihre überragende revolutionäre Partei, daß sie ihr Leben, ihre Seele und alle zur Verfügung stehenden Ressourcen im Kampf gegen die bösen Mächte dieser Welt opfern. Nicht um deren Platz einzunehmen, sondern um das Böse vollständig zu eliminieren und das Wort Allahs der ganzen Welt aufzuzwingen.“

Selbstredend müssen bei diesem gewaltigen Vorhaben die muslimischen Revolutionäre frei von jeglichen menschlichen Schwächen wie Verblendung, Selbstsucht und Machtstreben sein: „Das setzt notwendigerweise voraus daß jede Gruppe, die sich in einem vorherrschenden System für eine Revolution einsetzt um ein neues System einzuführen, welches auf der Ideologie des Islam basiert, von jeglichen selbstsüchtigen Motiven frei sein muß.“ und: „Ein so nobler Kampf sollte vollkommen frei sein vom Makel selbstsüchtiger Motive wie Reichtum, Pracht, Ruf, Ruhm, Glanz und Selbstüberhöhung. Alle Opfer und Anstrengungen sollten daraufhin gerichtet sein, das einzige Ziel überhaupt – nämlich die Errichtung einer gerechten und ausgewogenen sozialen Ordnung für die Menschheit insgesamt zu erreichen.“

Eine der Prämissen, welchen das Verhalten der meisten Bürger westlich zivilisierter Länder – ob religiös oder areligiös – bei ihren Handlungen mehr oder weniger bewußt leitet ist:

„Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“.

Genau diese heilsame Einsicht des Individuums in seine innerpsychische Dynamik und Motivationslage wird von Allah „überwunden“ denn Er weiß:

Sure 3 Vers 110: Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr heißet was Rechtens ist, und ihr verbietet das Unrechte und glaubet an Allah.

Das ist das Fundament für das Überlegenheitsgefühl der muslime und hat eine folgenschwere Konsequenz: Im Islam ist das Böse nicht im Menschen angelegt sondern tritt von Außen an ihn heran und zwar in Gestalt von Satanen, seien es nun dschinn (Geister), satanische Ungläubige, große (USA) oder kleine (Israel) Satane.

 Satane im Islam
 Sie sind die Helfer Satans
 Den Ungläubigen wird von Allah ein Satan beigesellt

Introspektion – Fehlanzeige! Die Psychologie hat uns allerdings die Erkenntnis gebracht, daß abgespaltene unbewußte Inhalte (leider) nicht einfach verschwinden sondern in potenzierter Ausgestaltung im realen Leben inszeniert und dort dann bekämpft werden müssen. muslime sind, ebenso wie die Vertreter anderen revolutionären Bewegungen nie mit sich selber sondern immer mit den als unvollkommen erlebten äußeren Bedingungen und ihrer Überwindung beschäftigt.

 fitna

Und hier wird ersichtlich, weshalb auch die islamische Revolution (die ja seit 1400 Jahren stattfindet und der Welt nicht viel mehr gebracht hat als Haß, Gewalt, Unrecht, soziale Verelendung und Ignoranz) zum Scheitern verurteilt ist. Totalitäre Ideologen spalten in ihren theoretischen Werken die jedem Menschen anhaftende Unvollkommenheit, Fehlerhaftigkeit und Unbewußtheit oder – um einen religiösen Begriff zu gebrauchen – Sündhaftigkeit ab und projizieren sie auf die Welt. So wurde auch bei der Kompilation des Korans vorgegangen. Das Böse in der Welt wird in einer dramatischen intellektuellen Vereinfachung generell mit dem Unglauben und seinen Vertretern (kuffar) gleichgesetzt.

 Sie sind unrein und in ihren Herzen ist Krankheit

Im vorliegenden Fall von islamisch-fundamentaler Ideologieentwicklung wird die Vorgabe aus dem Koran, welcher wie gesagt die Schuld an der falsch gepolten Welt ganz einfach dem Unglauben anlastet von Abul Ala Maududi übernommen. Er und alle anderen islamischen Ideologen sollten allerdings, da sie ja behaupten, von einer unfehlbaren Instanz ermächtigt worden zu sein ihre eigene Schuld- und Sündenfreiheit prüfen, bevor sie den ersten Stein werfen. Eine unerhörte Zumutung, welche sie mit den Bekämpften auf eine Stufe stellen würde. Wie gesagt: die koranische Doktrin regt zu einer derartigen Selbstreflexion nicht an.

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