Die Hijra (622 n.Chr.)

Die hijra, die Auswanderung Mohammeds aus Mekka ist eines der zentralen Ereignisse im Leben des Propheten. Umar Ibn al-Khattab, der zweite Kalif erklärte den Zeitpunkt dieses Ereignisses zum Beginn der islamischen Zeitrechnung.

R. Paret schreibt dazu: Als der Prophet schließlich alle Hoffnung auf einen Erfolg in Mekka aufgeben mußte, schied er mit seinen Anhängern … aus dem mekkanischen Sippenverband aus, um sich in die Gemeinschaft der medinensischen Aus und Hazrag aufnehmen zu lassen. Das ist die eigentliche Bedeutung des Ausdrucks hijra, nämlich “Loslösung”, “Ausscheidung” (aus dem eigenen Verband), und nicht “Flucht”, wie man meistens übersetzt.” (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 29, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

“Nach der hijra, dem Wechsel von bedrängter Schwäche zu einem Status wachsender Stärke, wandelt sich die Sicht des Gesandten – im Auftrage Allahs – den Kampf gegen alles Islamfremde betreffend von einer schwachen Erlaubnis zu einem starken Gebot.” (H.P. Raddatz, Von Allah zum Terror?, Seite 29, Herbig Verlag, München, 2002)

Durch Allahs Einführung des unbedingten Gewaltprinzips des jihad in Medina wurde schnell deutlich, daß dafür dieses urbane Umfeld ideal war, nicht nur, um eine ausreichend große Zahl von Menschen als Potential von Gläubigen und Steuerzahlern zu aktivieren, sondern unter diesen Menschen vor allem eine ausreichend große Zahl aktiver Helfer zur weiteren Ausbreitung finden zu können. Damit entstand das gerichtete Expansionsprinzip des jihad als Basis zentraler Herrschaft, eine Vorstellung, die der vorislamischen Stammesmentalität unbekannt gewesen war.” (ebenda, Seite 26f)

Der Auszug aus Mekka hatte dramatische psychologische und sozialpolitische Folgen. Die Ideologie des Islam erfuhr mit diesem Ereignis eine grundlegende Veränderung. Von einer Religion, die im Wesentlichen den Ritus des Gläubigen im Hinblick auf göttliches Wohlgefallen regelte verwandelte sie sich in eine Doktrin mit absolutem politischen Anspruch: Muhammad und seine Schar verließen nicht nur Mekka, sondern sie verließen ihre Stämme und … brachen fundamentale Brücken ab, Somit wurde Raum für neue Vorstellungen geschafften.” (ebenda, Seite 26)

“In Medina … entwickelte sich Mohammed vom Prediger und Mahner, also von einer rein religiösen Funktion zum Staatsmann und Feldherrn unter Beibehaltung seiner religiösen Autorität. Die zentrale Maxime daß der Islam Religion und Staat sei, war nur in dieser politischen Konstellation möglich.” (Digitale Bibliothek: A. T. Khoury, L. Hagemann, P. Heine: Lexikon des Islam, S. 679 f, Verlag Herder, 2004)

“Während Muhammad in Mekka ein teils belächelter, teils bekämpfter Außenseiter war, wurde er in Medina zur Integrationsgestalt, die inzwischen auch den Anspruch auf den Status eines Propheten erhoben hatte. Individuelle Identität wurde immer weniger aus dem Stammesverband, sondern aus der Zugehörigkeit zu einer stammesübergreifenden Glaubensgemeinschaft (umma) bezogen.” (H.P. Raddatz, Von Allah zum Terror?, Seite 29, Herbig Verlag, München, 2002)

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