Hat Mohammed wirklich existiert?

Nachforschungen über den obskuren Ursprung des Islam

Von Robert Spencer, Did Mohammed exist?, ISI BOOKS, Wilmington Delaware, 2012
http://www.amazon.com/Did-Muhammad-Exist-Inquiry-Obscure/dp/161017061X


Eine Auswahl von zentralen Passagen aus dem obigen Buch, zusammengestellt von: www.derprophet.info


Keine muslimischen Autoritäten haben (bisher, Anm. des Übersetzers) wissenschaftliche Untersuchungen dieser Art ermutigt und diejenigen welche eine solche betreiben, werden oft mit dem Tod bedroht. (R. Spencer, Seite 216)


Zitate aus dem Vorwort von J. Jansen, dem niederländischen Islamwissenschaftler

Einen Beweis für die Existenz von etwas zu erbringen mag manchmal schwierig sein;  Nicht-Existenz zu beweisen ist jedoch schlicht unmöglich.

Tatsächlich widersprechen archäologische Funde manchmal dem Bild, welches der traditionelle Islam malt. Zum Beispiel legen Eingraphierungen (wie auf Münzen, Anm. des Übersetzers) nahe, dass die Araber von ehedem nicht Heiden waren wie dies der Islam lehrt, sondern dass sie Monotheisten waren und an einen Gott glaubten; den Schöpfer von Himmel und Erde.

Es gibt Gründe anzunehmen, dass der Koran seine gängige Form weder im 7. noch im folgenden Jahrhundert, sondern erst viel später angenommen hat. Das arabische Alphabet, mit welchem der heutige Koran aufgeschrieben wurde, existierte im frühen 7. Jahrhundert noch nicht.

1. Chronologie der geschichtlichen Schlüsselereignisse des Islam

In den späten 30ern der 7. Jahrhunderts  wird ein christliches Dokument publiziert, welches einen namenlosen aber noch immer lebenden arabischen, „mit einem Schwert bewaffneten“  Propheten erwähnt. („unser“ Mohammed hingegen soll um 632 gestorben sein)

Im Jahre 651 schreibt Muawiya, der Gouverneur von Syrien dem byzantinischen Kaiser Konstantin und ruft ihn auf, Jesus abzuschwören und den Gott Abrahams anzubeten.

In den Jahren um 660/670 wird eine Goldmünze geprägt, auf welcher Muawiya dargestellt ist; er hält ein Kreuz in der Hand auf dessen oberen Ende ein Halbmond zu sehen ist.

Im Jahre 680 identifiziert ein anonymer Geschichtsschreiber einen gewissen Muhammad als Führer der „Söhne Ismaels“ welchen Gott gegen die Perser ausgesendet habe.

In den frühen 680ern erscheinen Münzen, welche den damaligen Kalifen Yazid I mit Kreuz darstellen.

691 wird eine Inschrift am Felsendom angebracht welche besagt, dass „Muhammad ein Diener Gottes sowie Sein Gesandter sei“ und dass „der Messias Jesus, Marias Sohn, der einzige Gesandte Gottes sei“. Dazu kommt noch ein Amalgam aus koranischen Zitaten.

696 erscheinen auf Geheiß des Kalif Abd al-Malik die ersten Münzen, auf welchen nicht mehr ein Herrscher, sondern das islamische Glaubensbekenntnis (schahada) eingeprägt sind.

Dies geschah fünf Jahre nachdem der Felsendom eingeweiht worden war. Die Münzen wurden wie gesagt ohne das Abbild eines Herrschers – in Übereinkunft mit dem islamischen Bilderverbot – geprägt. Demzufolge war Abd al-Malik also derjenige, welcher den Islam als Staatsreligion des umayyadischen Reiches ausrief; eine eigenartig verspätete Verkündigung für ein Imperium, welches angeblich vom Islam inspiriert und auf diesem fußend sechs Jahrzehnte vorher gegründet worden war. Der Historiker R.G. Hoyland folgert daraus, dass „es der Druck von Rebellenfraktionen war“ welcher Abd al-Malik und seine Nachfolger dazu bewog „den Islam öffentlich als ideologische Basis des arabischen Staates auszurufen.“

Von 711 bis 718 erobern die Muslime Spanien; 732 werden ihre Avancen in Europa gestoppt (Schlacht bei Tours).

730 verweist der christliche Kirchenvater Johannes von Damaskus auf eine detaillierte islamische, Suren beinhaltende Theologie ohne den Namen Koran darauf zu verwenden.

Johannes von Damaskus über die Hagariten, die Ismaeliten und die Sarazenen

Der berühmte Theologe publizierte ungefähr um 730 (100 Jahre nach dem angeblichen Tod Mohammeds, Anm. des Übersetzers) das „Buch über die Irrlehren“, ein Sammelsurium von Beschreibungen inoffizieller christlicher Sekten aus der Sicht der byzantinischen Orthodoxie. Er fügte auch ein Kapitel über die fremdartige neue Religion bei, welche er mit drei Namen in Verbindung brachte: den Hagariten, den Ismaeliten und den Sarazenen. Johannes schreibt über einen „falschen Propheten“ namens Mamed welcher „sowohl auf das alte wie auch auf das neue Testament gestoßen und offensichtlich auch mit einem arianischen Mönch im Gespräch gewesen sei sowie schließlich seine eigene Irrlehre abgefasst habe. Nachdem er sich bei der Bevölkerung mit einer Show von Frömmigkeit beliebt gemacht hatte, verbreitete er das Gerücht über eine Schrift (graphe), welche ihm vom Himmel herab überreicht worden sei. Als er dann einige groteske Glaubenssätze in seinem Buch formuliert hatte, überbrachte er seinen Leuten diese Art von Gottesdienst.“

Um 750/760 stellt Malik ibn Anas die erste hadith-Sammlung (Überlieferungen) zusammen.

Ungefähr um 760 sammelt Ibn Ishaq biografisches Material und veröffentlicht die erste Biografie Mohammeds.

Zwischen 830 und 860 werden dann die 6 hauptsächlichen hadith-Sammlungen zusammengetragen und publiziert. Sie enthalten mannigfaltige Details über Mohammeds Worte und Taten.

2. Der Felsendom

Der Felsendom wird traditionellerweise als Manifestation des Triumphs und der Überlegenheit des Islam verstanden. Er wurde 691 auf Geheiß des Kalifen Abd al-Malik (685-705) 11 Jahre nach dem Tod von Muawiya fertig gestellt. Dieser Sakralbau weist Inschriften auf, welche – obwohl nicht in geordneter Abfolge – direkt aus dem Koran zu stammen scheinen. … Dieses koranische Material ist das früheste direkte Zeugnis der Existenz dieses Buches – 60 Jahre nachdem die arabischen Horden, welche angeblich davon inspiriert worden waren auszogen, um ihre Nachbarsländer zu erobern.

Aufgrund der nahtlos gemixten koranischen/nicht-koranischen Natur dieses Textes sowie der Art und Weise wie die koranischen Passagen wahllos zusammengewürfelt sind haben einige Islamwissenschaftler, u.a. Christoph Luxenberg postuliert, dass wer auch immer diese Inschriften eingravierte, diese nicht einem real schon existierenden Koran entnommen habe. Vielmehr legen sie nahe, dass das meiste dieses Materials dem Koran später hinzugefügt wurde als man im Begriff war, das Buch zu kompilieren.

Es ist also durchaus möglich, dass sowohl die Felsendominschriften als auch der Koran Material aus früheren Quellen enthalten welche ähnlich im Inhalt wenn auch nicht im Format sind. Das letztendliche Charakteristikum der frühen islamischen Literatur ist nämlich die Wiederholung: sogar der Koran welcher kürzer als das NT ist, erzählt zahlreiche Geschichten mehr als einmal und wiederholt oft ganze Phrasen. Doch all diese Repetitionen – ob es sich nun um Geschichten über Pharao und Moses oder über Satans Verweigerung sich vor Adam zu verneigen handelt – enthalten kleine Abweichungen. Dies ist ein Phänomen, welches man von Materialien erwartet, die sich in den Köpfen von Poeten, Propheten und Rednern und nicht auf Schriftrollen entwickelt haben.

Das ungewöhnlichste betreffend diesen Inschriften ist jedoch, dass sie sich möglicherweise gar nicht auf eine islamische Theologie beziehen.  … Aufgrund einer grammatischen  Schwierigkeit mit der traditionellen Erklärung – erinnern wir uns, dass Muhammad auf Arabisch „der Gepriesene“ bedeutet und dementsprechend auch ein Titel sein kann – folgert ein überzeugendes Argument, dass sich diese Inschrift nicht auf den Propheten Arabiens sondern auf Jesus bezieht. Tatsächlich macht die ganze Passage als literarisches und theologisches Statement so mehr Sinn. Dann ginge es gewissermaßen darum, dass Jesus lediglich ein Gesandter Gottes und nicht Sein Sohn sei. Was die standard-islamische Interpretation dieser Stelle betrifft, so wird dort Mohammed nur beiläufig erwähnt. Dann wird in der Tat Jesus genannt, welcher wie gesagt als Gesandter Gottes und Sein Diener identifiziert wird. Im Grossteil der Inschrift wird dann die damalige christliche Christologie „korrigiert“.

Zur der Zeit als der Felsendom gebaut wurde befand sich die Kirche von Konstantinopel noch immer in einem bereits Jahrhunderte andauernden Ringen um die Bestimmung der wirklichen Natur Jesu. Fünf ökumenische Konzile wurden abgehalten um dies zu diskutieren. Diejenigen welche glaubten, dass Jesus ein Mensch sei – wenn auch halbgottähnlich – wurden im 1. Konzil von Nicäa im Jahre 325 verflucht. Wegen dieser institutionalisierten Diskriminierung welcher diese Häretiker nun ausgeliefert waren, verließen viele von ihnen das byzantinische Reich und flüchteten ostwärts. Es ist deshalb möglich, dass die Inschrift am Felsendom der überlebende theologische Ausdruck einer häretischen christlichen Gruppe ist, welche Jesus lediglich als einen göttlichen Boten und nicht als Gottes Sohn oder Retter der Welt betrachtete.

3. Die Zusammenstellung der ahadith

Die Berichte über die Umstände der koranischen Offenbarungen tauchten im Allgemeinen erst spät auf; namentlich die ahadith (Erzählungen von Mohammeds Worten und Taten), welche aus dem 9. Jahrhundert stammen. Es gibt keine zeitgenössischen Zeugnisse über den im Koran erklärten Ursprung seiner selbst. In  diesem Licht betrachtet könnte es durchaus sein, dass diese Geschichten eher erfunden wurden, um die koranischen Verse zu erklären als wirklich die historischen Umstände der Offenbarungen an Mohammed darzulegen.

Laut einem hadith war es Mohammed selbst, der die Wichtigkeit seiner Worte und Taten hervorhob:

„Ich habe Befehle, Ermahnungen und Verbote erlassen welche genauso viel – wenn nicht noch mehr – zählen als der Koran.“

So ist Mohammed also sowohl das Medium als auch die Quelle des göttlichen Gesetzes“, sagt der heutige islamische Apologet Muqdedar Khan.

Da Mohammed den Kern des Islam ausmacht, gibt es überhaupt  keinen Spielraum  für Innovation (bida).

In einem anderen hadith wird der Prophet persönlich zitiert:

„Wahrlich, die wahrhaftigste Kommunikation ist das Buch Allahs, die beste Führung ist diejenige Mohammeds (sic!) und das schlimmste aller Dinge ist Innovation; jegliche Innovation ist Häresie, jede Häresie ist Irrtum und jeder Irrtum führt zur Hölle.“ (An-Nasa’i 1:143, zitiert von I. Goldziher)

Indem man Mohammed als Exemplum in die Höhe hielt, wurden die ahadith Waffen in den Händen der sich bekriegenden Fraktionen innerhalb der islamischen Welt.

Die verschiedenen muslimischen Splittergruppen fabrizierten einen andauernden Strom von hadithen, in welchen entweder die eigenen Führer verteidigt oder diejenigen der Opponenten attackiert wurden.

Muhammad ibn Shihab az-Zuhri, ein früher muslimischer Gelehrter († 741), beklagte sich schon 60 Jahre vor dem Tod Malik ibn Anas’, dass „die Emire Leute dazu gezwungen haben, hadithe zu schreiben.“

Auch der Kalif al-Madhi war bekannt dafür, solche zu erfinden.

Im Lauf der Zeit realisierten die islamischen Autoritäten, dass eine Anstrengung unternommen werden musste um Ordnung in dieses Chaos zu bringen. So initiierten die Abbasiden im späteren 8. Jahrhundert die Sammlung und Kodifizierung der ahadith.

Dieser enorme Kraftaufwand erfuhr im folgenden Jahrhundert – volle 200 Jahre nach Mohammeds mutmaßlichem Tod – mit den sechs wichtigsten hadith-Sammlungen seinen Höhepunkt.

Sogar nach islamischer Tradition gab es einzelne hadithe, welche für eine beträchtliche Zeit ohne autorisierte Übertragungsketten (isnad) kursierten. Sich vorzustellen, dass sich die Muslime 30 Jahre nach Mohammeds Ableben genau erinnern konnten, wer unter den Gefährten des Propheten für die Übertragung von jeder der tausenden Geschichten über ihn verantwortlich war, strapaziert deren Glaubwürdigkeit beträchtlich!

4. Mohammeds erster muslimischer Biograph

Muhammad Ibn Ishaq Ibn Yasar schrieb die erste Biografie Mohammeds (Sirat Rasul Allah). Er war aber nicht im Entferntesten ein Zeitgenosse seines Propheten, welcher ja (angeblich) im Jahre 632 gestorben war. Ibn Ishaqs Werk kam gut 120 Jahre später zustande.

Überdies überlebte diese Schrift leider nicht in ihrer ursprünglichen Form. Uns bleibt nur eine spätere verkürzte aber nichts desto trotz eher langfädige Version erhalten welche von einem anderen islamischen Gelehrten – Ibn Hisham († 834) – zusammengetragen wurde. Dieser warnt uns zudem, dass seine Fassung eine gereinigte sei. Er habe Stellen wegelassen, „welche (zu) schandbar sind zu diskutieren; Angelegenheiten, welche gewisse Leute stressen würden sowie Berichte, die al-Bakkai (sein Student und Editor) als nicht glaubwürdig erachtet.“

Weitere Fragmente tauchen in den Zitaten anderer früher Islamischer Autoren, namentlich des Historikers Muhammad ibn Jarir at-Tabari (839-923) auf.

Malik ibn Anas († 795) hingegen, ein früher islamischer Jurist, nannte Ibn Ishaq „einen der Anti-Christen.“ Andere wiederum titulierten ihn als Lügner.

Viele welche Ibn Ishaks Werk beanstandeten, taten dies weil er schiitische Tendenzen hatte und/oder weil er den freien Willen des Menschen befürwortete; dies erachte(te)n viele Muslime als Häresie. Andere wiederum glaubten, er habe die jüdischen Stämme Arabiens in einem zu vorteilhaften Licht erscheinen lassen.

Johannes Jansen stellt fest:

Nichts von Ibn Ishaqs Werk kann durch Inschriften oder anderes archäologisches Material verifiziert werden. Zeugenberichte nicht-muslimischer Zeitgenossen gibt es keine. Griechische, armenische, syrische und andere Quellen über die Anfänge des Islam sind sehr schwierig zu datieren; von keiner kann jedoch angenommen werden, daß sie in der Zeit des Propheten des Islam entstanden war.

Falls Ibn Ishaqs Biografie Mohammeds größtenteils oder sogar ganz ein Werk frommer Fiktion ist, dann löst sich alle allgemein angenommene Historizität in Luft auf. Ibn Ishaks grundlegende Absicht bestand anscheinend darin, seinen Lesern zu demonstrieren, dass Mohammed wahrhaftig ein Prophet war. Er tat dies indem er derartig viele Legenden erzählte, dass Faktum nicht mehr von Fiktion unterschieden werden kann. Es gibt keine verlässliche Methode welche das wundertätige Material vom mehr gradlinig geschichtlichen trennen könnte.

Wenn also Ibn Ishaq keine verlässliche historische Quelle ist, was bleibt dann vom Leben Mohameds überhaupt übrig? Wenn nichts wirklich über den so genannten Propheten des Islam bekannt ist, dann steht der Islam da als monumentale Wirkung auf der Suche nach einer Ursache.

5. Der Koran: Mohammeds Buch?

Einzig die Mutaziliten unter den Muslimen glaubten, dass der Koran von Menschenhand gemacht und nicht die perfekte Kopie eines ewigen göttlichen Buches sei. Vom 10. Jahrhundert an wurde diese Idee im Allgemeinen als Häresie betrachtet.

Syed Abdul Ala Maududi, der Korankommentator und Politiker aus dem 20. Jahrhundert stellt jedoch fest, dass der Koran „heute genauso existiert wie er dem Propheten offenbart wurde, dass kein Wort – nicht einmal ein einziger Punkt – geändert worden ist. Er ist in seinem Originaltext zugänglich und das Wort Gottes ist nun für alle Zeit erhalten.

Diese Behauptung findet man überall in der muslimischen apologetischen Literatur. Doch basiert der heutige Koran auf einem Text, der nur bis in die mittelalterliche Tradition zurückverfolgt werden kann. Der Standardtext, welcher 1924 in Kairo publiziert wurde, geht auf eine Koranversion zurück, die frühestes ein Jahrhundert nachdem Mohammed angeblich gelebt haben soll, entstand.

Im Vergleich zum Judentum und Christentum begann der Islam seine Form als Religion in sehr unterschiedlicher – ja sogar gegenläufiger – Weise anzunehmen. Im Kern war die Figur des Propheten Mohammeds und die Berichte seiner Heldentaten begannen unter den Untertanen des arabischen Imperiums zu zirkulieren.

Der Prozess der Korankollektion war für einen Autor zufällig und unorganisiert genug, dass er im folgenden hadith warnte:

Niemand von euch soll sagen, dass „er den ganzen Koran erhalten habe.“ Wie kann er denn wissen, was der ganze Koran beinhaltet wenn viele Teile davon verschwunden sind? Lass uns vielmehr sagen: „Wir haben erhalten, was überlebt hat.“

Islamische Sprachrohre im Westen behaupten oft dass diejenigen, welche auf die gewalttätigen und hasserfüllten koranischen Textpassagen hinweisen, diese aus dem Zusammenhang reißen würden. Zunächst muss jedoch festgestellt werden, dass es kaum Zusammenhänge gibt!

6. Ein Buch in reinem und klaren Arabisch

Keine Doktrin wird definiert bis sie angegriffen wird.“ John Henry Cardinal Newman

Wenn der Koran wiederholt insistiert, dass er auf arabisch geschrieben worden ist, scheint es vernünftig zu sein daraus zu schließen, dass irgendwer irgendwo gesagt hat, das dies nicht der Fall sei.

Die koranische Abhängigkeit von nicht-arabischen und christlichen Quellen, um einen Grossteil seines theologischen und kulturellen Milieus zu untermauern, ist durchaus bekannt.

Allahs Befehl an die Engel, sich vor Adam niederzuwerfen wie auch die Weigerung Satans, dies zu tun kann in der jüdischen apokryphen und rabbinischen Literatur gefunden werden.

Ebenso gibt es christliche Einflüsse im Koran, … z.B. aus dem Thomasevangelium des 2. Jahrhunderts mit dem Vogel aus Lehm, den Jesus zum Leben brachte.

Diese Anlehnung an nicht-arabisches Quellenmaterial weist darauf hin, dass der Koran in seiner ursprünglichen Form etwas ziemlich anderes gewesen sein muss als was sich die Muslime später stets vorgestellt haben und dass der eigentliche Charakter als arabisches Buch das Produkt einer späteren Entwicklung und nicht das Merkmal eines originalen Textes ist.

Arthur Jeffrey schrieb 1938, dass „nicht nur ein Großteil des religiösen, sondern auch des kulturellen Vokabulars nicht-arabischen Ursprungs ist.“

Ein Grund für die Beteuerung, dass der Koran arabisch(en Ursprungs) sei … mag darin liegen, dass er anfänglich gar nicht auf arabisch geschrieben, sondern nach und nach ins Arabische übersetzt wurde als sich die neue Religion entwickelte. Denn das Imperium, welches der Koran ideologisch untermauern musste war ja arabisch, so war es also unabdingbar, dass das neue heilige Buch dieselbe Sprache hatte. Es war das politische Gebot, dem neu wachsenden Imperium eine religiöse Kultur bereitzustellen, welche sich von der byzantinischen und persischen unterscheidet – also eine, welche Loyalität, Zusammenhalt und Einheit der frisch eroberten Gebiete garantiert.

7. Was der Koran gewesen sein könnte

Die frühesten koranischen Manuskripte enthalten kaum diakritische (Aussprache)-Zeichen. Sogar als sich die Eroberer etabliert hatten, betrachteten manche von ihnen die Einführung der Aussprachezeichen und Vokalpunktierung als gesetzeswidrige Innovation (bida). So verbot dies z.B. der Kalif al-Mamun (813-833).

Der Philologe Gerd-Rüdiger Puin bemerkt dazu folgendes: „Jeder 5. Koranische Satz macht keinen Sinn.“

Zahlreiche Wissenschaftler haben Spuren eines christlichen Textes bemerkt, welche dem Koran zugrunde liegen. In Übereinstimmung mit der syrischen Bedeutung des Wortes qur’an könnte dieser Text ein christliches Liturgiebuch gewesen sein. … Syrisch war regional die hauptsächliche literarische Sprache vom 4. bis zum 8. Jahrhundert.

Ein anderer deutscher Philologe, Günter Lüling postuliert, dass … etwa 1/3 des Korantextes ein ursprünglich vor-islamischer christlicher Text (AT und NT; Anm. des Übersetzers) war. … Er legt dar, dass die traditionelle mekkanisch-medinensische Aufteilung des Korans zugunsten einer Gegenüberstellung von „vor-islamischen christlichen Strophen-Texten“ und „islamischen Texten“ aufgegeben werden muss.

Die koranische Christologie ist penetrant anti-trinitär. Der Koran weist die Idee, dass Jesus Gottes Sohn ist zurück und denunziert besonders diejenigen, welche Christus als Teil der Gottheit verstehen (112:1-4). Der 4. Vers „Und keiner ist Ihm gleich“ mag eine Ablehnung der orthodoxen Christologie sein, welche ja beinhaltet, dass der Sohn Gottes dem Vater gleich sei.

Wie wir gesehen haben zeigen die ersten Jahrzehnte der arabischen Eroberungsphase, dass sich die Bezwinger nicht an einen Islam so wie wir ihn kennen, sondern an ein vages Glaubensbekenntnis hielten welches an gewisse Formen christlichen und jüdischen Gedankengutes anknüpfte.

So machen viele der undurchsichtigen Koranpassagen mehr Sinn, wenn sie im Licht einer Grundlage in christlicher Theologie gelesen werden.

8. Wer hat den Koran zusammengetragen?

Die noch erhaltenen Münzen und Inschriften der frühen Kalifate weisen, wie schon erwähnt, keinerlei koranische Referenzen auf. … Die Bewohner der durch die arabischen Horden eroberten Gebiete im nahen Osten sowie in Nordafrika hatten anscheinend nicht die geringste Idee, dass ihre Bezwinger, welche sie die „Hagarer“, die „Sarazenen“, die „muhajirun“ oder die „Ismaeliten“ nannten, ein heiliges Buch hatten. Christliche und jüdische Geschichtsschreiber jener Epoche machten keinerlei Bezüge zu einer solchen Schrift.

Auch wenn man die Inschriften am Felsendom Wort für Wort als Erklärung des islamischen Glaubens so wie wir ihn heute kennen annehmen, ist es trotzdem äußerst eigenartig, dass sie die ersten solcherart sein sollen. Sie stammen aus dem Jahr 691, also 60 Jahre nachdem die arabischen Eroberungszüge begonnen hatten.

Zusammenfassung – Das überprüfte Szenario

Hier ist, was wir über die traditionelle Geschichte von Mohammeds Leben und die frühen Jahre des Islam in Erfahrung gebracht haben:

  • Es gibt für mehr als ein Jahrhundert nach dem Datum von Mohammeds mutmaßlichem  Tod im Jahre 632 keine Niederschrift dieses Ereignisses
  • Der Bericht eines christlichen Geschichtsschreibers welcher aus der Mitte der 630er Jahre stammt, spricht von einem arabischen Propheten, der mit einem Schwert bewaffnet aber offenbar noch am Leben sei
  • Die frühen Berichte der von den Arabern bezwungenen Menschen erwähnen den Islam, Mohammed oder den Koran nie. Vielmehr nennen sie ihre Eroberer Ismaeliten, Sarazener, Muhajirun und Hagariten, niemals aber Muslime
  • Während der ersten 60 Jahre der arabischen Eroberungskriege lassen die Bezwinger weder Münzen prägen noch Inschriften anlegen, auf denen der Islam oder der Koran gefunden werden können. Erwähnungen von Mohammed (dieser Begriff kann – wie gesagt – nicht nur als Name sondern auch als Titel gebraucht werden) sind nicht spezifisch und erscheinen in mindestens zwei Fällen im Zusammenhang mit einem Kreuz
  • Sogar laut autorisierten muslimischen Berichten wurde der Koran in seiner heutigen Form nicht vor den 650ern verbreitet. Diesem Standardbericht steht jedoch die Tatsache gegenüber, dass weder die Araber noch die Christen oder Juden jener Gegend den Koran vor dem frühen 8. Jahrhundert erwähnen
  • Während der Regierungszeit von Kalif Muawiya (661-680) wurde von den Arabern zumindest ein öffentliches Gebäude errichtet, in welchem eine Inschrift mit einem Kreuz versehen war
  • Wir beginnen in den 690ern – während der Regierungszeit des Kalifen Abd al-Malik – von Mohammed, dem Propheten des Islam und vom Islam selbst zu hören. Münzen und Inschriften welche den islamischen Glauben reflektieren, stammen auch aus dieser Zeit
  • Ungefähr gleichzeitig wurde arabisch die vorherrschende Schriftsprache des gleichnamigen Imperiums und ersetzte damit syrisch und griechisch
  • Abd al-Malik behauptete – entgegen der islamischen Tradition nach welcher dies Uthman 40 Jahre zuvor getan haben soll – in einer saloppen Bemerkung eines hadith, dass er den Koran zusammengetragen habe
  • Zahlreiche hadithen berichten, dass Hajjaj ibn Yusuf, welcher während der Regierungszeit von Abd al-Malik Gouverneur von Irak war, den Koran editierte und seine neue Version dann unter die Bewohner der verschiedenen von den Arabern kontrollierten Gebiete verteilte – wiederum etwas, das schon Uthman Jahrzehnte vorher getan haben soll
  • Es gibt sogar islamische Berichte welche besagen, dass gewisse gebräuchliche islamische Praktiken wie z.B. das Koranrezitieren während der Gebete in den Moscheen aufgrund eines Gebotes von Hajjaj ibn Yusuf erfolgten und nicht aus der frühesten Periode islamischer Geschichte stammen
  • In der Mitte des 8. Jahrhunderts löste die abbassidische die umayyadische Dynastie, welche von Abd al-Malik abstammte, ab. Erstere bezichtigten letztere des weitgehenden Unglaubens. In der Periode der letzteren begann sich biografisches Material über Mohammed stark zu vermehren. Die erste vollständige Biografie Mohammeds erschien schlussendlich erst in dieser Ära – zumindest 125 Jahre nach seinem angeblichen Tod
  • Dieses biografische Material platziert Mohammed in eine Gegend von Arabien, welche niemals ein Zentrum für die Art von Handels- und Wallfahrtsgeschehen war, auf welches sich die ursprünglichen autoritativen islamischen Berichte stützen

Kurz und gut, der Mangel an bestätigenden Details in der Geschichtsschreibung, die späte Entwicklung biografischen Materials über den Propheten, die Atmosphäre politischer und religiöser interner Streitigkeiten während welcher sich dieses Material entwickelte und vieles mehr suggerieren, dass der Mohammed der islamischen Tradition nicht in dieser, sondern wenn überhaupt dann in einer substantiell anderen Form existiert hat.

Wie kann man aus dem allem einen Sinn machen? … Jegliche Antwort beruht naturgemäß auf Mutmaßungen; im Licht der oben erwähnten Tatsachen tun dies aber auch die kanonischen Berichte über den Ursprung des Islam.

Betreffend der späten Entwicklung des biografischen Materials … tauchte eine allgemeine Rechtfertigung darüber in den ahadith auf: es ist alles Teil des göttlichen Plans! … Somit ist erklärt, warum die islamische Tradition vom Koran als dem perfekten und ewigen Buch Allahs spricht, währenddessen sie gleichzeitig sozusagen beiläufig den Verlust ganzer Teile des heiligen Buches beschreibt.

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