IV) Das Leben Mohammeds und die Entwicklung des islamischen Gewaltkonzeptes

 (Fortsetzung)

628 Unterwerfung von Khaybar

Eine der letzten bedeutenden jüdischen Siedlungen auf der arabischen Halbinsel war Khaybar. Es lag nördlich von Medina in einem sehr fruchtbaren und bevölkerungsreichen Tal, und war in acht Tagesreisen zu erreichen. Kurz nach seiner Rückkehr von al-Hudaybiya organisierte Mohammed einen Überraschungsfeldzug gegen diese jüdischen Siedlungen. Das Losungswort der Gläubigen war wiederum:

  • „O Sieggekrönter, töte, töte!“

Einen anderen Grund als reiche Beute machen zu können, war nicht gegeben. Dies bestätigten auch die Offenbarungen Allahs, die nach dem Feldzug herniederkamen. Wiederum hatte der Allmächtige die Muslime unterstützt, und hielt der Leute Hände von euch ab“ das heißt, Er hemmte den Kampfeswillen der Juden:

Sure 48, Vers 19: Und reiche Beute (Khaybar), die sie machten. Und Allah ist mächtig und weise.
Sure 48, Vers 20: Allah verhiess euch reiche Beute zu machen und beschleunigte sie euch und hielt der Leute Hände von euch ab, zum Zeichen für die Gläubigen, um euch auf einen rechten Pfad zu leiten;
Sure 48, Vers 21: Und andre Beute, über die ihr keine Macht hattet. Nunmehr hat Allah sie in Beschlag genommen, denn Allah hat Macht über alle Dinge.
Sure 48, Vers 22: Und wenn die Ungläubigen wider euch gekämpft hätten, wahrlich, sie hätten den Rücken gekehrt; alsdann hätten sie weder Schützer noch Helfer gefunden.

Mohammed unterwarf Khaybar, indem er Burg für Burg eroberte: „Wenn Mohammed in den Krieg zog, so griff er den Feind erst am Morgen nach seiner Ankunft an, hörte er den Ruf zum Gebet, so liess er davon ab, wenn nicht, griff er an. In Khaybar langte er des Abends an und am folgenden Morgen, als er keinen Ruf zum Gebete vernahm, stieg er zu Pferd und wir alle auch.“ (Weil, 2. Band, Seite 158) Es waren die unterlegenen Juden, welche Mohammed den Vorschlag machten, sie am Leben zu lassen und ihm dafür ihren ganzen Besitz abzutreten. Sie waren bereit, diesen dann als Vasallen zu bewirtschaften, da sie in dieser Beziehung viel Sachkenntnis besassen – Wissen, das den Muslimen abging. Zudem boten sie Mohammed an, von allen Erträgen die Hälfte abzugeben. Mohammed willigte ein, bedingte sich aber aus, daß er das Recht habe, sie jederzeit wegzutreiben. Damit war das Konzept der Tributzahlung eingeführt. Im Abkommen mit den Juden „taucht in diesem Zusammenhang das Wort giziya auf, das später zum terminus technicus für die Kopfsteuer der den Muslimen unterworfenen „Leute der Schrift“ werden sollte und übrigens auch schon in Sure 9, Vers 29 in diesem Sinne verwendet wird.“ (R. Paret, Seite 141)

dhimmitude und Schutzgelderpressung

Kinana war einer der Führer der Juden und hatte die Schätze der von Medina geflüchteten Banu Nadir in Verwahrung. Man führte ihn vor Mohammed und fragte ihn danach: „Kinana leugnete und sagte, er wisse nicht, wo sie sich befinden. Da wurde ein Jude vor Mohammed gebracht, welcher sagte: „Ich habe gesehen, wie Kinana jeden Morgen um diese Ruine herumging.“ Mohammed sagte zu Kinana: „Darf ich dich töten, wenn wir den Schatz bei dir finden?“ Dieser sagte: „Ja“ Mohammed ließ dann die Ruine aufgraben, und man fand darin einen Teil der Schätze. Er fragte ihn hierauf nach dem Übrigen, und als er sich weigerte es anzugeben, befahl Mohammed dem Zubeir Ibn Alawwan, ihn zu foltern, bis er alles herausgebe. Dieser schlug ihm mit dem Zündholze auf die Brust (zündete ein Feuer an), bis er dem Tode nahe war, dann übergab er ihn dem Mohammed Ibn Maslama, der ihn für seinen Bruder Mahmud tötete.“ (Weil, 2. Band, Seite 163) Damit war auch noch ein hängiger Fall von Blutrache bereinigt.

Kinana ibn al Rabi tortured & murdered by Muhammad the Prophet & Muslims

Kinana wird gefoltert und umgebracht – auf Geheiss von Mohammed

Ungemein reich war nicht nur die materielle Beute dieses Raubzuges. Mohammed machte auch viele Gefangene, darunter Safijjeh, gewesene Gemahlin des eben erst ermordeten Kinana. Der Gesandte Allahs wählte sie für sich und seine neue Beute entschied sich umgehend – folgen wir dem nachfolgenden Beleg aus der sunnah – zum Islam zu konvertieren, was die Voraussetzung einer Heirat mit Mohammed bildete. Dadurch konnte Safijjeh das Schicksal abwenden, den Rest ihres Lebens als völlig entrechtete Sklavin zubringen zu müssen.

Bukhari V5 B59 N524 berichtet von Anas: Der Prophet blieb drei Nächte zwischen Khaybar und Medina und heiratete Safijjeh. Ich lud die Muslime zum Hochzeitsessen ein und es gab weder Fleisch noch Brot. Der Prophet ordnete an, dass Bilal Ledermatten ausbreitete worauf Datteln, getrockneter Yoghurt und Butter gelegt wurden. Die Muslime sagten untereinander: „Wird Safijjeh eine Mutter der Gläubigen, das heißt eine Frau des Propheten werden, oder lediglich eine weibliche Kriegsgefangene und Sklavin von dem was seine rechte Hand besitzt bleiben?“ Manche meinten: “Wenn der Prophet ihr befiehlt, einen Schleier zu tragen, dann wird sie eine seiner Ehefrauen sein; wenn nicht, dann wird sie seine Sklavin bleiben.“ Als sie dann wegzogen, machte er hinter sich Platz für sie auf seinem Reittier und befahl ihr, den Schleier zu tragen.

Um nicht unnötig Zeit zu verlieren, vermählte sich Mohammed also schon auf der Rückkehr nach Medina mit seiner neuen Errungenschaft:schmückte die Braut und coiffirte sie, und Mohammed brachte die Nacht in seinem Zelte mit ihr zu, und Chalid Ibn Zeid machte die Runde um das Zelt und bewachte es mit umgürtetem Schwerte. Als ihn Mohammed des Morgens so sah, fragte er ihn, was er tue? Er antwortete: „Ich war besorgt um dich, wegen dieser Frau, deren Vater, Gatte und Stammesgenossen durch dich erschlagen worden sind, und die vor kurzem noch eine Ungläubige war. Man behauptet, Mohammed habe gesagt: „Allah! Bewahre Chalid Ibn Zeid, wie er mich bewahrt hat!“ (Weil, 2. Band, Seite 165)

Die Beduinen, welche einige Zeit vorher dem Zug nach al-Hudaybiya ferngeblieben waren, hätten gerne an diesem vielversprechenden Beutezug nach Khaybar teilgenommen. Allah hatte dies aber in einer Offenbarung untersagt, und gleichzeitig diejenigen Gläubigen, die unter der Akazie den Treueid geschworen hatten, lobend hervorgehoben:

Sure 48, Vers 15: Die Dahintengebliebenen (bei al-Hudaybiya) werden sprechen, wenn ihr euch an die Beute (bei Khaybar) macht, sie zu nehmen: „Lasset uns euch folgen“ Sie wollen Allahs Wort ändern. Sprich: „Nimmer sollt ihr uns folgen. Also sprach Allah zuvor: „Dann werden sie sprechen: „Nein; ihr beneidet uns!“ Nein, sie verstanden nur ein wenig.
Sure 48, Vers 18: Wahrlich, Allah hatte Wohlgefallen an den Gläubigen, als sie unter den Baume den Treueid schworen; und Er wusste, was in ihren Herzen war und Er sandte die Ruhe auf sie hinab und belohnte sie mit nahem Sieg.

Anlässlich der Eroberung von Khaybar führte der Prophet noch ein paar weitere Regeln ein: Mohammed verbot an jenem Tage vier Dinge: den Beischlaf mit schwangeren Gefangenen („fremde Saat mit seinem Wasser zu begiessen“), den Genuss des Fleisches zahmer Esel, den Genuss des Fleisches von Raubtieren mit Fangzähnen und den Verkauf von Beute vor der Teilung (etwas von der Beute vor der Verteilung zu verkaufen, oder ein zur Beute gehöriges Tier zum Reiten zu gebrauchen, und es dann abgemagert zurückzugeben, oder ein erbeutetes Kleid anzuziehen, und es dann abgetragen wiederzubringen).“ (Weil, 2. Band, Seite 159f)

Zum Feldzug nach Khaybar schreibt Th. Nöldeke: Viele Gefährten Mohammeds legten hier den ersten Grund zu ihren späteren ungeheuren Reichtümern. Einige arme Beduinen wurden auf einmal Besitzer einer reichen Burg, welche sie erstürmt hatten. … So war ein reiches Gebiet völlig erobert; die Beute, welche die Gläubigen gemacht hatten, musste andere Araber reizen, sich einem so gewinnbringenden Glauben anzuschliessen. Die armen Juden aber verloren den letzten Punkt auf Erden, wo sie eine unabhängige Stellung einnehmen konnten. Bald nach Mohammeds Tode wurden sie durch Omar ganz aus Arabien vertrieben.“ (Nöldeke, Seite 138)

Der zu diesem Plan der vollständigen Vertreibung gehörige Befehl legte Mohammed kurz vor seinem Tode noch fest: “ … und es sollen auf der arabischen Halbinsel nicht mehr zwei Konfessionen geduldet werden.“ (Weil, 2. Band, Seite 172 f)

Dazu die Stelle aus der sunnah:

Muslim B 19 N 4366: Umar Ibn al-Kattib bezeugt, daß er gehört habe, wie Allahs Prophet gesagt hätte: „Ich werde die Juden und Christen von der Arabischen Halbinsel vertreiben, bis nur noch Muslime übrig sind.“

Mohammed weiß, daß das Ende der Welt frühestens dann eintreten wird, wenn die Muslime auch den letzten Juden umgebracht haben:

Bukhari V4 B52 N177, berichtet von Abu Huraira: Der Prophet Allahs sagte: „Das jüngste Gericht wird nicht stattfinden, bis ihr mit den Juden gekämpft habt, und jeder Stein, hinter welchem sich ein Jude verbirgt, wird sagen: „Oh Muslim! Es verbirgt sich ein Jude hinter mir, also töte ihn.“

Entlegenere jüdische Siedlungen wie Fadak und Wadilkura unterwarfen sich dem neuen Ausbeutungskonzept kampflos. Das berechtigte den Propheten, wie schon im Falle der Banu Nadir, diese Stämme, ihr Siedlungsgebiet und die erwirtschafteten Erträge als sein persönliches Eigentum anzusehen: Als Mohammed mit Khaybar fertig war, warf Allah Schrecken in die Herzen der Bewohner Fadaks, weil sie gehört hatten, wie es denen von Khaybar ergangen war und sie erflehten Frieden von Mohammed, unter der Bedingung, ihm die Hälfte von Fadak abzutreten. Ihre Gesandten kamen zu ihm nach Khaybar. Er nahm ihr Anerbieten an und Fadak fiel ihm allein zu, weil es ohne Feldzug mit Pferden oder Kamelen in seine Hand fiel.“ (Weil, 2. Band, Seite 172 f)

Da ohne Krieg gewonnen, wurde die Beute nach demselben Verfahren geteilt wie diejenige der Banu Nadir nach ihrer Vertreibung aus Medina.

Folgendes Gedicht eines Gläubigen verherrlicht den Überfall auf Khaybar: „Wir sind gegen Khaybars Krieger gezogen, mit Reitern, die mit mageren Händen abwehren, freigiebig bis aufs Äusserste, stark und mutig gegen den Feind in jedem Treffen, in schlimmer Jahreszeit grosses Feuer unter den Töpfen unterhaltend, mit Spitzen aus indischem Stahl fechtend. Jeder sieht den Tod als eine löbliche Tat an, wenn er ihn als Märtyrer findet, er erwartet dafür Lohn von Gott und Sieg für Mohammed. Er beschützt und verteidigt die Schar Mohammeds mit der Zunge und mit der Hand. Er steht ihm bei gegen alles Verdächtige und gibt sein Leben gern für ihn. Er glaubt in Reinheit die geheimnisvolle Kunde und erwartet davon dereinst Sieg und Herrlichkeit.“ (Weil, 2. Band, Seite 170 f)

628 Zeid bin Haritha und die Hinrichtung von Umm Qirfa

Im Zusammenhang mit der Erstürmung von Khaybar führte der Gesandte Allahs auch Krieg gegen einen anderen Stamm, die Banu Fazara. Sie standen offenbar im Verdacht, mit den Juden von Khaybar kollaboriert zu haben.

Zeid bin Haritha war der Adoptivsohn Mohammeds. Er wurde von Mohammed mit der Durchführung der razzia beauftragt. „Zeid zog auch nach Wadi-I-Kura und stieß auf die Banu Fazara, bei dieser Razzia wurden mehrere seiner Gefährten getötet. Er selbst wurde verwundet vom Feld getragen … Als Zeid zurückkam schwur er, daß keine Waschung sein Haupt reinigen sollte, bis er einen Feldzug gegen die Banu Fazara unternommen haben würde. Als seine Wunden geheilt waren, sandte ihn Mohammed mit einem Heere gegen sie, und er schlug sie in Wadi-I-Kura und tötete viele von ihnen. Keis bin Almusahhar tötete Malik … Die bejahrte Umm Qirfa, Tochter des Rabia I Bedr, und Gattin Maliks wurde samt ihrer Tochter gefangen genommen. Zeid befahl dem Keis bin Almusahhar, Umm Qirfa zu töten und dieser tötete sie grausam, indem er ein Seil um jedes ihrer beiden Beine legte, welches er mit je einem Kamel verband. Er trieb die beiden Kamele auseinander und riß die Frau so in zwei Teile.

Dann brachten sie die Tochter von Umm Qirfa zurück zum Propheten. Sie war Eigentum von Salama bin Amr, der sie gefangen genommen hatte. Sie gehörte einem edlen Geschlechte an, so daß die Araber sagten: „Wärest du angesehener al Umm Qirfa, so könntest du auch nicht mehr werden.“ Mohammed erbat sie von ihm und verschenkte sie an seinen mütterlichen Oheim.“ (Weil, 2. Band, Seite 325, mit Ergänzungen aus der Übersetzung von A. Guillaume)

Womit die alte Frau diese Todesfolter verdient hatte ist nicht restlos geklärt.

629 Zweite Wallfahrt nach Mekka

Ein Jahr nach al-Hudaybiya zog Mohammed nach Mekka um die kleine Wallfahrt zu begehen. Die große Wallfahrt vermied er wahrscheinlich wegen der grossen Volksmenge aus allen arabischen Stämmen, welche dazu herbeiströmte, und mit der es dabei leicht zu einem Konflikt hätte kommen können … Mohammed machte auf seinem Kamel die althergebrachten sieben Umgänge um die Kaaba und den Hin und Herlauf zwischen den beiden Hügeln Assafa und Almarwa … Noch in Mekka ging er eine neue Heirat mit Maimuna, der schon ziemlich bejahrten Schwägerin seines Onkels al-Abbas ein. Auch knüpfte er freundliche Beziehungen mit mehreren Quraisch … Das blieb nicht ohne Folgen. Schon bald nach seiner Rückkehr kamen Chalid, bis dahin Vorkämpfer seiner Feinde, Amr ibn Alas, der nachmalige Eroberer Ägyptens, und Othman ibn Talha, der Hüter der Kaabaschlüssel zu ihm. Die Gründe für diese Übertritte sind nicht deutlich. Nur ist zu beachten, daß der kriegserfahrene Chalid, dessen Gewinn von Mohammed sehr hoch angeschlagen werden musste, ein Neffe Maimunas war. An eine wirkliche Bekehrung ist bei diesen Leuten kaum zu denken, am Wenigsten beim wilden Chalib“ (Nöldeke, Seite 140 f)

Damit ging der Traum Mohammeds in Erfüllung, wenn auch mit einem Jahr Verspätung. Davon legt folgender Vers Zeugnis ab:

Sure 48, Vers 27: Wahrlich, Allah bewahrheitete Seinem Gesandten das Gesicht, das er euch, so Allah will, in Sicherheit in den heiligen Tempel führen werde, mit geschorenem Haupt und gekürztem Haar. Fürchtet euch nicht, denn Er weiß, was ihr nicht wisset, und Er hat außer diesem einen nahen Sieg verhängt.

Der Hinweis des Allmächtigen „Er hat außer diesem einen nahen Sieg verhängt“ wird der Hinweis auf die noch zu erfolgende militärische Eroberung Mekkas sein. Ferner kam noch ein weiterer Vers, der für die Gemeinschaft der Gläubigen klare Anweisungen enthielt und den erstrebenswerten Endzustand skizziert:

Sure 48, Vers 28: Er ist’s, der seinen Gesandten mit der Leitung und der Religion der Wahrheit entsandt hat, um sie über jeden anderen Glauben siegreich zu machen. Und Allah genügt als Zeuge.

Allah hatte jetzt Seinem Propheten die lange ersehnte Rache an den Mekkanern, die ihn abgelehnt und in ihrer Stadt verfolgt hatten, erfüllt:

Sure 22, Vers 60: So wird es sein. Und wer sich Recht verschafft nach dem Masse des Unrechts, das ihm angetan ward, und alsdann wieder Gewalt erleidet, wahrlich, dem wird Allah helfen. Siehe Allah ist vergebend, verzeihend.

Nach seiner Rückkehr organisierte Mohammed weitere kleine Kriegs- und Beutezüge gegen Beduinenstämme, meist erfolgreich, so dass sich die Menge von Beute wundersam vermehrte und die Zahl der Neubekehrten stetig zunahm.

Entsprechend der oben erwähnten Bestimmung aus dem Friedensvertrag von al-Hudaybiya, wonach „es jedem frei stehe, mit Mohammed oder den Quraisch ein Bündnis zu schliessen, verbündeten sich die Beduinen der Banu Bekr mit den Quraisch und die Chuzaiten mit Mohammed.“ (Weil, 2. Band, Seite 183)

629 Erster Krieg gegen die Byzantiner

Bald nach seiner Rückkehr von seiner zweiten, diesmal geglückten Wallfahrt nach Mekka rüstete Mohammed einen Zug von 3000 Mann gegen die Byzantiner, welche seine Boten umgebracht hatten. Wieder wurden die Beduinen beschworen auf diesem ersten grossen Kriegszug teilzunehmen, und nicht abzustehen wie beim Zug nach al-Hudaybiya:

Sure 48, Vers 16: Sprich zu den Dahintengebliebenen von den Arabern: „Ihr sollt gerufen werden zu einem Volk von grossem Mut; ihr sollt mit ihnen kämpfen oder sie werden Muslime. Und wenn ihr gehorcht, wird euch Allah schönen Lohn geben; wenn ihr jedoch den Rücken kehret, wie ihr ihn zuvor gekehrt habt, wird Er euch mit schmerzlicher Strafe strafen.

Das Heer zog bis in die Gegend des Toten Meeres. Hier erfuhren die Muslime aber, daß sie gegen ein bedeutend überlegenes Heer antreten mussten. Gemäss Ibn Ishaq sollen vom Gegner 100’000 Griechen und 100’000 Araber aufgestellt worden sein. Folgender Vers gibt den Gläubigen Gewissheit, daß sie sich, wie auch immer diese Sache ausgehen möge, zu den Gewinnern rechnen können:

Sure 9, Vers 52: Erwartet ihr Ungläubigen etwa, daß uns nicht eins der beiden schönsten Dinge (Sieg oder Paradies) treffen wird?“ Und wir erwarten von euch Ungläubigen, daß euch Allah mit einer Strafe treffen wird, sei es von Ihm oder durch unsere Hand. Und so wartet; siehe wir warten mit euch.

Die Muslime wagten den Kampf, wurden aber gänzlich geschlagen. Alle drei von Mohammed mit Befehlsgewalt Beauftragten fielen. Einer von ihnen, verfasste im Kampfesgewühl noch ein kurzes Gedicht, um sich Mut zu machen: Heil! Das Paradies und seine Nähe! Gut und frisch ist sein Getränk. Den Griechen naht Höllenqual, den Gottlosen, deren Stamm uns fern ist, ich haue auf sie ein, wenn ich ihnen begegne.“ … nahm das Banner in die rechte Hand, als sie abgehauen war, trug er es mit der linken, als auch diese abgehauen war, hielt er es mit den Armen fest, bis er erschlagen wurde … Gott gab ihm dafür zwei Flügel, mit denen er im Paradies nach Lust herumfliegt.“ (Weil, 2. Band, Seite 183)

Schnell wählte man Chalid zum Führer, ihm gelang es, die Trümmer des Heeres zu retten und nach Medina zurückzukehren.

Trotz dieser Niederlage stieg Mohammeds Autorität bei den Beduinen. „Die mächtigen Stämme der Ghatafan und Suaim unterwarfen sich nicht aus innerer Überzeugung, sondern … stets mit der Absicht, sich sobald als möglich dieser Abhängigkeit wieder zu entziehen. Einige Überwindung kostete es sie, die unbequemen Gebräuche des Gebetes auf sich zu nehmen und die Almosensteuer zu geben; aber bei den Beduinen wurde das alles nie so genau genommen. Und zudem hatten sie die Aussicht, durch die Kriegsbeute reichlich für diese Ausgaben entschädigt zu werden.“ (Nöldeke, Seite 142)

629 Einführung der Schutzgelderpressung

Mit zunehmendem Erfolg setzte sich bei Mohammed mehr und mehr die Haltung durch, daß die Gläubigen alle Ungläubige zu bekämpfen haben: Islam oder Tod war die Devise.

Durch ausgedehntere Unternehmungen kriegerischer und politischer Natur, vor allem gegen den Norden kam Mohammed zum ersten Mal auch mit Christen in näheren Kontakt. Er musste immer deutlicher erkennen, daß ihre Religion, von seiner Lehre grundsätzlich abwich. Damit war klar, daß sie, ebenso wie die Religion der Juden, verderbt war. Jetzt wurde die schon in Khaybar angewendete Praxis der Tributzahlung giziya offiziell vom Allmächtigen eingeführt:

dhimmitude und Schutzgelderpressung

Sure 9, Vers 29: Kämpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und nicht verwehren, was Allah und sein Gesandter verwehrt haben, und nicht bekennen das Bekenntnis der Wahrheit, bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt entrichten.

Damit war auch die muslimische Version einer Dreiklassengesellschaft installiert:

  • – Rechtgläubige (Muslime)
  • – Schriftbesitzer (Christen, Juden, Zoroastrier)
  • – Ungläubige (Polytheisten)

In welche Kaste die Sklaven einzuordnen sind, ist unklar. Es gibt davon sowohl muslimische, christliche, jüdische als auch ungläubige. ► Sklaven im Koran

Die koranischen Kampfbefehle und die Verurteilung der „Schriftbesitzer“ werden jetzt generalisiert. Der Hinweis Allahs in den folgenden Offenbarungen, daß die Juden behaupten würden,

Uzair (Esra) ist Allahs Sohn

ist inhaltlich falsch, trotzdem wird er dem Allmächtigen in den Mund gelegt. Allah soll sowohl Juden als auch Christen wegen solchen falschen „Beigesellungen“ bestrafen ► schirk indem Er sie, wahrscheinlich mit Hilfe der Gläubigen totschlägt:

„Allah schlag sie tot! Wie sind sie verstandeslos!“

Sure 9, Vers 30: Und es sprechen die Juden: „Uzair (Esra) ist Allahs Sohn“ Und es sprechen die Nazarener: „Der Messias ist Allahs Sohn.“ Solches ist das Wort ihres Mundes. Sie führen ähnliche Reden wie die Ungläubigen von zuvor. Allah schlag sie tot! Wie sind sie verstandeslos!
Sure 9, Vers 31: Sie nehmen ihre Rabbiner und Mönche neben Allah und dem Messias, dem Sohn der Maria, zu Herren an, wo ihnen doch allein geboten ward, einem einzigen Gott zu dienen, außer dem es keinen Gott gibt. Preis Ihm, Er steht hoch über dem, was sie neben Ihn setzen.

Das eingeführte Kastensystem bedeutete, daß den Götzendienern überhaupt keine Wahl mehr bleiben soll, ausser zwischen Tod und Islam. Juden und Christen sind als zinspflichtige Untertanen zu dulden. Dazu ein hadith von Muslim, wo der Prophet detaillierte entsprechende Anweisungen gab:

Muslim B 19 N 4294: Sulaiman bin Buraid wurde von seinem Vater informiert … Wenn ihr euren polytheistischen Feinden begegnet, gebt ihnen drei Handlungsmöglichkeiten. Wenn sie auf eine davon eingehen, akzeptiert ihr es und haltet davon zurück, sie zu bekämpfen. Nun ladet sie ein, ihr Land zu verlassen und ins Gebiet der Muhagirun zu ziehen und sagt ihnen, daß sie, falls sie dies tun, alle Privilegien und Verpflichtungen der Muhagirun erhalten werden. Falls sie sich weigern, ihre Ländereien zu verlassen, würden sie genau wie die Beduinenmuslime behandelt und somit Allahs Befehl genauso unterliegen, wie andere Muslime. Sie würden jedoch keinen Anteil an Kriegsbeute erhalten, außer sie kämpften zusammen mit den anderen Muslimen gegen die Ungläubigen. Falls sie sich weigern, den Islam anzunehmen, verlangt von ihnen Schutzgeld (jizya). Falls sie sich dazu bereit erklären, akzeptiert dies und haltet euch zurück. Falls sie sich weigern, diese Steuern zu bezahlen, fragt Allah um Hilfe und bekämpft sie …

„Als wahre Religion solle der Islam von allen Völkern angenommen werden, und so sandte Mohammed in dieser Zeit an die nahen und fernen Fürsten (selbst den byzantinischen Kaiser und Khorsau, den König von Persien) Boten mit der lakonischen Aufforderung, ihn als Gesandten Gottes anzuerkennen.“ (Nöldeke, Seite 142 f)

Immerhin wusste der Prophet ja schon seit seinen Grabarbeiten anläßlich der Belagerung von Medina, daß ihm die Schätze der Welt von Allah zugesprochen worden sind.

Traditionskritik

Bukhari V4 B53 N386, berichtet von Jubair bin Haiya: Umar sandte Moslems in die großen Länder um die Ungläubigen zu bekämpfen. Er sagte: „Ich beabsichtige, Persien und Rom anzugreifen. So befahl er uns, zum persischen König Khorsau zu gehen. Als wir den Feind erreichten, kam der Sendbote von Khorsau mit 40’000 Kriegern heraus und sagte: „Sprecht zu mir! Wer seid ihr?“ Mughira antwortete: „Wir sind Araber; wir führten ein hartes, elendes, verheerendes Leben. Wir pflegten Bäume und Steine anzubeten. Zu dieser Zeit kam unser Prophet zu uns, der Bote unseres Gottes und er beauftragte uns, euch zu bekämpfen bis ihr Allah alleine anbetet oder die Jizyah Steuer der Unterwerfung bezahlt. Unser Prophet hat uns darüber unterrichtet, daß unser Gott sagt: „Wer immer von euch als Märtyrer getötet wird, soll ins Paradies eingehen und ein so luxuriöses Leben führen, wie er es nie zuvor gesehen hat, und wer immer überlebt, soll euer Beherrscher werden.

Bukhari V4 B52 N220, berichtet von Abu Huraira: Der Prophet Allahs sagte: „Ich wurde ausgesandt mit den knappsten Worten, welche die weitreichendste Botschaft enthalten, und ich wurde siegreich gemacht durch Schrecken, die ich in die Herzen der Feinde werfe. Während ich schlief, wurden die Schätze der Welt zu mir gebracht und mir in die Hände gelegt.“ Der Prophet Allahs hat die Welt verlassen und nun, ihr Gläubigen, bringt diese Schätze heraus.

Bukhari V4 B52 N267, berichtet von Abu Huraira: Der Prophet sagte: „Khorsau wird zugrundegerichtet werden und es wird keinen Khorsau geben nach ihm und der Kaiser wird mit Sicherheit zugrunde gerichtet werden und es wird keinen Kaiser geben nach ihm und ihr werdet ihre Schätze brauchen für Allahs Sache.“ Er rief: „Krieg ist Täuschung.“

630 Eroberung von Mekka

Mohammeds Machtbereich erweiterte sich beständig, nur seine Vaterstadt, das eigentliche Nahziel seiner kriegerischen Bemühungen, war noch immer in der Hand der Polytheisten und sie war durch den ausgehandelten Friedensvertrag von al-Hudaybiya geschützt. Da ergab sich eine Gelegenheit: Der Stamm der Banu Bekr war, wie oben erwähnt, mit den Quraisch verbündet. Einige ihrer Stammesangehörigen hatten, von den Quraisch mit Waffen unterstützt, Mohammeds Verbündete, die Chuzaiten angegriffen um einen schon lange hängigen Blutrachefall zu bereinigen. Sie erschlugen in einem nächtlichen Handgemenge einen der Chuzaiten. „Sofort kamen einige Chuzaiten zu Mohammed, um Rache und Hilfe bittend. Das war ein Vorfall, so wenig bedeutend er auch scheinen mag, um den Quraisch Vertragsbruch vorzuwerfen. Mohammed erklärte sich sofort bereit, ihnen ihre Bitte zu gewähren. In Mekka erregte die Kunde von der Teilnahme einiger Mitbürger am Kampf gegen des Propheten Bundesgenossen sogleich die Besorgnis, derselbe könne darin einen Bruch des Vertrages sehen. Abu Sofian eilte selbst nach Medina, um Mohammed zu begütigen, erhielt aber eine ungenügende Antwort. Die Quraisch mussten mit Krieg rechnen.“ (Nöldeke, Seite 147)

Um den Quraisch keine Zeit zu lassen, Gegenwehr zu organisieren, rüstete Mohamed umgehend ein Heer und zog nach Mekka. Unterwegs schlossen sich ihm noch Beduinen an, so dass er mit 10’000 Mann vor den Toren Mekkas anlangte. Er ordnete an, rund um die Stadt Feuer anzuzünden um den Quraisch Furcht einzuflössen. Dann liess er durch Abu Sofian, der gekommen war, um zu verhandeln, in der Stadt ausrichten, daß jeder, der sich in sein Haus zurückzöge und keinen Widerstand leiste seines Lebens sicher sei. Bei diesem Zusammentreffen forderte Mohammed Abu Sofian auf, den Islam anzunehmen: Wehe dir, Abu Sofian, siehst du noch nicht ein, daß ich ein Gesandter Gottes bin? Er antwortete: „Du bist mir so teuer wie mein Vater und meine Mutter … aber bei Gott, was dies betrifft birgt mein Inneres noch einiges Widerstreben. Da sagte Abbas: „Wehe dir! Werde Muslim und bekenne, daß es keinen Gott gibt ausser Gott, und dass Mohammed ein Gesandter Allahs ist, ehe man dir das Haupt abschlägt. Da legte der das Bekenntnis ab und wurde Muslim.“ (Weil, 2. Band, Seite 183)

Th Nöldeke datiert folgende Offenbarung in die Zeit der Eroberung von Mekka. Er erlaubt den Muslimen „sich gegen die Mekkaner selbst im heiligen Gebiet der Ka’ba mit den Waffen zu verteidigen.“ (Th. Nöldeke, Geschichte des Korans, Teil 1, Seite 181, Diederich, Leipzig, 1909, Reprint Elibron Classics):

Sure 2, Vers 194: Der heilige Monat – für den heiligen Monat und für die heiligen Stätten Vergeltung! Wenn sich einer wider euch erhebt, erhebt euch wider ihn, so wie er sich wider euch erhob, und fürchtet Allah und wisset, daß Allah mit den Gottesfürchtigen ist.

Mohammed teilte seine Soldaten in vier Gruppen auf und drang von jeder Seite gegen Mekka vor. Praktisch ohne Gegenwehr konnte Mohammed in die Stadt vorrücken und sie damit ohne Blutvergiessen erobern. Gemäss Bukhari erliess der Prophet nach diesem Sieg folgende Anweisung:

Bukhari V4 B52 N311, berichtet von Ibn Abbas: Der Prophet Allahs sagte: „Es gibt keinen Auszug mehr nach der Eroberung von Mekka, nur noch Jihad. Wenn ihr vom muslimischen Führer zum Jihad-Kampf gerufen werdet müsst ihr umgehend aufbrechen und dem Aufruf folgen.“

„Eine der ersten Handlungen des Propheten war der siebenmalige Ritt um die Kaaba … Er liess dieselbe von den darin und daran angebrachten Götzenbildern und Gemälden reinigen und gebot überhaupt, alle Götzenbilder in Mekka zu vernichten. Eine allgemeine Amnestie wurde verkündet von der etwas mehr als zehn Personen ausgenommen wurden, welche durch Mord, Apostasie oder zu arge Verhöhnung des Propheten seinen Groll erregt hatten.“ (Nöldeke, Seite 152)

Ein Teil dieser Todgeweihten wurde dann begnadigt. Zu ihnen gehörte Ibn Saaddenn er hatte sich zum Islam bekehrt und für Mohammed die Offenbarungen aufgeschrieben und war wieder abtrünnig geworden und zu den Quraisch zurückgekehrt. Jetzt flüchtete er zu seinem Bruder und dieser ging mit ihm zu Mohammed als alles ruhig geworden war und erflehte seine Begnadigung. Man behauptet, Mohammed habe lange geschwiegen, ehe er die Bitte gewährte. Als dieser sich entfernt hatte, sagte Mohammed zu seiner Umgebung: „Ich habe geschwiegen, damit einer von euch sich erhebe und ihm den Kopf abschlage.“ Da sagte einer der Hilfsgenossen: „Warum hast du mir keinen Wink gegeben?“ Mohammed antwortete: „Ein Prophet lässt nicht durch Zeichen hinrichten.“ (Weil: 2. Band, Seite 183)

Als Mohammed am Tore der Kaaba stand, sagte er: „Es gibt keinen Gott ausser Allah, dem Einzigen, Er hat keinen Genossen, Er hat seine Verheissung verwirklicht und ist Seinem Diener beigestanden und hat allein die Scharen in die Flucht getrieben. Jedes Privileg, jede Blutschuld oder Geldraub, für die etwa noch Ansprüche erhoben werden, trete ich hiermit unter meine Füsse, mit Ausnahme der Tempelhut und des Tränkens der Pilger. Für eine nicht vorsätzliche Tötung, die einem geflissentlichen Mord gleicht, wie das Töten mit einer Peitsche oder einem Stock, soll das schwere Sühnegeld bezahlt werden; hundert Kamele, worunter vierzig trächtige. Oh ihr Quraisch, Allah hat den Ahnenstolz und den Hochmut des Heidentums von euch weggenommen, alle Menschen stammen von Adam, und Adam ist aus Erde geschaffen.“ (Weil, 2. Band, Seite 183)

Damit hatte der Prophet allen Zwist und alle alten offenen Rechnungen per Dekret beendet.

630 Krieg gegen die Hawazin / Schlacht bei Hunain

Mohammed blieb noch zwei Wochen in Mekka. Dann brach er zu einem neuen Kriegszuge auf. Der grösste Teil der weit verzweigten Hawazin-Stämme sammelte sich, seine Freiheit zu verteidigen …angeführt von dem jungen Malik Ibn Auf. Zu den Rüstungen gegen Mohammed nahmen besonders eifrigen Anteil die auf Mekka eifersüchtigen Bewohner der Stadt Taif … Als Mohammed sein zwölf tausend Mann starkes Heer … übersah, da erfüllte ihn stolze Siegeszuversicht. Dieses Bauen auf die grosse Heereszahl erklärte er später für die Ursache des anfänglichen Unglücks in der Schlacht. Die Hawazin … hatten sich in der Ebene zwischen Mekka und Taif gesammelt. Hinter dem Heere waren die Weiber und Kinder, sowie die gesammelten Herden aufgestellt … Malik Ibn Auf meinte, daß die Gegenwart der Familien und des Eigentums jeden Kämpfer zur höchsten Tapferkeit anspornen müsste. Er liess sein Heer in den Ausgang des Tales von Hunain rücken und sich in dessen Krümmungen und Buchten verstecken.“ (Nöldeke, Seite 156 f)

Der Zug Mohammeds wurde am frühen Morgen im engen Tal von den auflauernden Hawazin überfallen und die Gläubigen zogen sich in wilder Flucht zurück. Mohammed lenkte rechts ein und rief: „Herbei, ihr Leute zu mir! Ich bin der Gesandte Allahs, ich bin Mohammed!“, aber die Leute zogen weiter, und was die Kamele trugen war durcheinander … Als die Schlechtgesinnten unter den Mekkanern, welche mit Mohammed ausgezogen waren, die Flucht sahen, machten einige von ihnen ihrem Groll Luft. So sagte Abu Sofian: „Sie werden bis zum Meere fliehen“ Ein anderer sagte: „Heute wird der Zauber zu Nichts.“ … Ich war bei Mohammed und hatte den Zaum seines weissen Maultieres in der Hand, an dem ich es führte, ich war ein starker Mann, von kräftiger Stimme. Als Mohammed die Leute zurückrief und niemand sich darum kümmerte, sagte er: „O Abbas, schreie: „O ihr Scharen der Hilfsgenossen, o ihr Scharen der Huldigung!“ (Weil, 2. Band, Seite 222)

Dieser Ruf, der die Gläubigen an ihren Schwur unter der Akazie bei Hudaybiya erinnerte, soll die Flucht gestoppt haben. Nach blutigem Kampf wurden die Hawazin geschlagen und mussten sich hinter den Mauern von Taif in Sicherheit bringen. Die Kinder, Weiber und Herden fielen den Muslimen zu, die Beute war gewaltig: 6000 Frauen und Kinder sowie große Viehbestände. Das Kalkül von Malik Ibn Auf war nicht aufgegangen. Dazu die Verse im Koran:

Sure 9, Vers 25: Wahrlich, schon half euch Allah auf vielen Kampfgefilden und am Tag von Hunain, als ihr stolz waret auf eure Menge. Doch sie frommte euch nichts; und eng ward euch die Erde bei ihrer Weite; alsdann kehrtet ihr den Rücken zur Flucht.

Auch in dieser Schlacht half der Allmächtige mit den mittlerweile schon kampferfahrenen Engeln. Mohammed wusste bereits vor der Schlacht um diese Unterstützung: Ein Mekkaner hat mir berichtet: „Als Mohammed von Mekka nach Hunain aufbrach, und die grosse Zahl der Scharen Allahs um sich sah, sagte er: „Wir werden heute nicht aus Mangel an Truppen besiegt.“ (Weil, 2. Band, Seite 222):

Sure 9, Vers 26: Alsdann sandte Allah Seine Gegenwart (sakina) auf Seinen Gesandten und auf die Gläubigen nieder und sandte Heerscharen hernieder, die ihr nicht sahet, und strafte die Ungläubigen. Und das ist der Lohn der Ungläubigen.
Sure 9, Vers 27: Alsdann kehrt sich Allah hernach zu, wem Er will, denn Allah ist verzeihend und barmherzig.

630 Belagerung von Taif

Die flüchtenden Hawazin wurden von den muslimischen Truppen verfolgt:

„Mohammed zog über Nachlah … bis Lijeh, wo er eine Moschee baute und betete … Mohammed liess einen Mörder hinrichten, es war die erste Blutsühne im Islam … Als Mohammed in Lijeh war, liess er die dort liegende Burg des Malik Ibn Auf einreissen … Mohammed setzte dann seinen Marsch nach Taif fort, und schlug dort sein Lager auf. Mehrere von seinen Leuten wurden von Pfeilen getroffen, weil sie sich so nahe an der Mauer niedergelassen hatten, daß die Pfeile der Belagerten sie erreichten, und so konnten sie, da die Tore verschlossen waren, nicht weiter vordringen. Als daher einige seiner Gefährten getötet wurden, liess Mohammed die Truppen an der Stelle lagern, wo jetzt eine Moschee steht. Die Belagerung dauerte etliche zwanzig Tage … Während der Belagerung wurde heftig gekämpft und mit Pfeilen geschossen. Mohammed schleuderte Sturmböcke in die Stadt … die Bewohner von Taif waren die ersten, die mit Sturmböcken angegriffen wurden. Bei einem Platze in der Nähe der Mauern von Taif näherte sich denselben eine Anzahl von den Gefährten Mohammeds in einem Belagerungsturm, um sie einzureissen, die Taifiten warfen aber glühende Pflugmesser herab, und als sie den Turm verliessen, schossen die Taifiten Pfeile nach ihnen und töteten mehrere Männer. Da befahl Mohammed, daß man die Weinstöcke der Taifiten abhaue und seine Befehle wurden alsbald vollzogen.“ (Weil, 2. Band, Seite 242 f)

Als Mohammed erkannte, daß dieser Frevel die Taifiten auch nicht zur Übergabe bewog, stand er davon ab. In dieser Zeit hatte Mohamed einen Traum: „Ich habe ein Gesicht gehabt, in welchem mir eine Schüssel mit Rahm gereicht wurde, welche ein Hahn durchpickte, so dass Alles ausgegossen wurde.“ Abu Bakr sagte: „Ich glaube nicht, daß du jetzt bei den Taifiten zum Ziele gelangen wirst.“ Mohammed erwiderte: „Auch ich glaube es nicht.“ (Weil, 2. Band, Seite 243 f)

Dieser Traum, die Ungeduld des Heeres und die Aussicht, daß nach Unterwerfung der Nachbarstämme die Stadt mit der Zeit auch ohne Kampf unter seine Botmässigkeit zu bekommen sein müsste, bewogen Mohammed, die Belagerung nach ungefähr einem halben Monat aufzuheben und an das schwierige Geschäft der Verteilung der Beute zu gehen. Es kam eine Gesandtschaft der geschlagenen Hawazim, welche ihm Bekehrung und Unterwerfung anboten, aber um Rückgabe der Beute baten. Mohammed gestattete ihnen die Wahl, ob sie ihre Familien oder ihre Besitztümer zurückerhalten wollten. Sie wählten erstere. Leicht bewog Mohammed die alten Muslime, auf ihren Anteil an den Gefangenen zu verzichten, aber einige der Beduinenhäupter wollten sich auf Nichts einlassen und gaben ihren Widerstand erst auf, als ihnen dafür Entschädigung aus der nächsten Beute versprochen wurde, die man machen würde. Jetzt begann die Verteilung der Herden. Mohammed benutzte das ihm zustehende Fünftel, um die Häupter der Quraisch und Beduinen, „deren Herzen gewonnen waren“, an sich zu fesseln … Dem Malik, der in Taif geblieben war, wurden nach Bekehrung seines Stammes gleichfalls hundert Kamele, sowie Rückgabe seines Vermögens und seiner Familie versprochen, wenn er sich stellte. Malik kam wirklich, nahm den Islam an und wurde nun den Taifiten ein lästiger Feind, indem er ihnen die Herden abschnitt, die ausser der Stadt weideten.“ (Nöldeke, Seite 162 f)

Da Mohammed die ganze Beute verwendet hatte, um die noch kaum oder die  nicht Bekehrten an sich zu fesseln, blieb für die getreuen Ansar nichts übrig. Deshalb gelangte einer der ihren an Mohammed und sagte Ihm: O Gesandter Gottes, die Hilfsgenossen sind sehr betrübt über dein Verfahren bei der Teilung der Beute, du hast sie unter deinen Stammesgenossen verteilt … und die Hilfsgenossen haben nichts erhalten.“ … Da sagte Mohammed: „Bei Gott, wenn ihr wolltet, könntet ihr in aller Glaubwürdigkeit sagen: „Als du zu uns kamst, nannte man dich einen Lügner, wir glaubten dir, du warst verlassen, wir beschützten dich. du warst vertrieben, wir nahmen dich auf, du warst hilfsbedürftig, wir standen dir bei. Wollt ihr euch betrüben wegen weltlichen Tands, den ich Leuten geschenkt habe, um sie für den Islam zu gewinnen, während ich in Bezug auf euren Glauben euch allein vertraue? Seid ihr nicht zufrieden, wenn andere mit Schafen und Kamelen heimkehren und ihr mit dem Gesandten Gottes? Bei dem in dessen Hand Mohammeds Seele ist, wäre nicht die Auswanderung, wo möchte ich einer der Hilfsgenossen sein, und wenn alle Leute nach einer Seite gehen und die Hilfsgenossen nach einer anderen, so würde ich den Hilfsgenossen folgen. Allah! sei den Hilfsgenossen gnädig und ihren Söhnen und Enkeln!“ Die Leute weinten dermassen, daß sie ihren Bart benetzten und sagten: „O Gesandter Gottes, wir sind zufrieden mit unserem Anteil und unserem Los. Mohammed entfernte sich hierauf und die Leute zerstreuten sich.“ (Weil, 2. Band, Seite 251 f)

Nachdem Mohammed Mekka erobert und Taif unterworfen hatte, konnte er von fast allen in näherer oder weiterer Entfernung lebenden Beduinen, teils allerdings durch Strafexpeditionen erzwungen, die Unterwerfung unter den neuen Glauben entgegennehmen. Nur mit dem regelmässigen Beten und der Bezahlung der Armensteuer hatten die freiheitsliebenden Wüstensöhne ihre liebe Mühe. Begreiflicherweise waren sie lieber Empfänger dieser sozialen Institution als Geber. Hier bedurfte es noch zusätzlicher Instruktion:

Sure 9, Vers 58: Und einige unter ihnen lästern dich betreff der Almosen. So ihnen von ihnen gegeben wird, sind sie zufrieden, und so ihnen nicht von ihnen gegeben wird, dann sind sie verdrossen.
Sure 9, Vers 59: Und wären sie doch zufrieden mit dem, was ihnen Allah gibt und sein Gesandter und sprächen: „Unser Genüge ist Allah. Fürwahr, Allah wird uns geben aus Seinem Überfluss und ebenso Sein Gesandter, siehe, zu Allah beten wir in Inbrunst.
Sure 9, Vers 60: Die Almosen sind nur für die Armen und Bedürftigen und die, welche sich um sie bemühen, und die, deren Herzen gewonnen sind, und für die Gefangenen und die Schuldner und den Weg Allahs und dem Sohn des Weges. Das ist die Vorschrift von Allah, siehe, Allah ist wissend und weise.

Mohammed wurde durch eine Reihe weiterer Offenbarungen darüber unterrichtet, daß der Glaube der Steppenaraber in den meisten Fällen mehr als zweifelhaft ist:

Sure 9, Vers 90: Und es kamen Ausflüchte machend einige der Steppen-Araber, auf dass ihnen Erlaubnis würde, daheim zu bleiben. Und sitzen bleiben daheim diejenigen, die Allah und Seinen Gesandten belogen hatten. Wahrlich, treffen wird die Ungläubigen unter ihnen schmerzliche Strafe.
Sure 9, Vers 91: Nicht versündigen sich die Schwachen und Kranken und die, welche nichts zum Ausgeben finden, daß sie zu Hause bleiben, so sie es nur mit Allah und Seinem Gesandten treu meinen. Gegen die Rechtschaffenen gibt es keinen Weg; und Allah ist verzeihend und barmherzig.
Sure 9, Vers 92: Auch nicht gegen die, zu denen du, als sie zu dir kamen, daß du sie ausrüstetest, sprachst: „Ich finde nichts, um euch damit auszurüsten.“ Da kehrten sie um, während ihren Augen Tränen vor Trauer darüber entströmten, daß sie nichts fanden zum Ausgeben.
Sure 9, Vers 93: Nur gegen die ist der Weg, die um Erlaubnis bitten daheim zu bleiben, wiewohl sie reich sind. Es gefällt ihnen, bei den Daheimbleibenden zu sein. Versiegelt hat Allah ihre Herzen, und so verstehen sie nicht.
Sure 9, Vers 94: Sie werden sich bei euch entschuldigen, so ihr zu ihnen zurückkehrt. Sprich: „Entschuldigt euch nicht: nimmer glauben wir euch. Allah hat uns schon über euer Verhalten benachrichtigt. Wahrlich schauen wird Allah und Sein Gesandter euer Tun. Alsdann werdet ihr zurückgebracht werden zum Wisser des Verborgenen und Offenbaren, und ankündigen wird Er euch, was ihr getan.
Sure 9, Vers 95: Wahrlich, beschwören werden sie euch bei Allah, wenn ihr zu ihnen zurückgekehrt seid, daß ihr von ihnen absteht. So stehet ab von ihnen! Siehe sie sind ein Gräuel und ihre Herberge ist Dschahannam als Lohn für ihr Tun.
Sure 9, Vers 96: Sie werden euch beschwören, mit ihnen zufrieden zu sein. Aber so ihr auch mit ihnen zufrieden seid, so ist Allah doch nicht zufrieden mit einem Volk von Frevlern.
Sure 9. Vers 97: Die Steppen-Araber sind verstockt in Unglauben und Heuchelei, und es ist sehr wahrscheinlich, daß sie die Vorschriften, welche Allah auf Seinen Gesandten herniedergesendet hat, nicht kennen. Und Allah ist wissend und weise.
Sure 9, Vers 98: Und unter den Steppen-Arabern sind welche, die ihre Spenden als erzwungene Schuld ansehen und auf die Wechsel eures Glückes lauern. Über sie wird ein Unheilswechsel kommen; denn Allah ist hörend und wissend.
Sure 9, Vers 99: Aber etliche unter den Steppen-Arabern glauben auch an Allah und den Jüngsten Tag und betrachten ihre Spenden als Annäherung zu Gott und den Gebeten des Gesandten. Und ist’s nicht, daß sie eine Annäherung für sie sind? Wahrlich, einführen wird sie Allah in seine Barmherzigkeit! Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.

Wie die oben zitierten Verse belegen, hatte die Massenkonvertierung von Mekkanern und Beduinen zur Folge, daß Allah in verstärktem Masse Belehrungen und Drohungen herniedersenden musste. Gleichzeitig wurden Seine Verurteilung der Ungläubigen und Schriftbesitzer immer zwingender und die Befehle zur gewalttätigen Ausbreitung des einzig richtigen Glaubens immer schärfer:

Sure 9, Vers 32: Verlöschen wollen sie Allahs Licht mit ihrem Munde; aber Allah will allein sein Licht vollenden, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist.
Sure 9, Vers 33: Er ist’s, der entsandt hat Seinen Gesandten mit der Leitung und der Religion der Wahrheit, um sie sichtbar zu machen über jede andere Religion, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist.

Gold und Silber sollen nicht bei Rabbinern und Mönchen gehortet werden. Vielmehr spenden Rechtgläubige ihre Schätze für den „Heiligen Krieg“. Bei Zuwiderhandlung folgt die Strafe auf dem Fuß:

Sure 9, Vers 34: O ihr, die ihr glaubt, siehe, wahrlich viele der Rabbiner und Mönche fressen das Gut der Leute unnütz und machen abwendig von Allahs Weg. Aber wer da Gold und Silber aufspeichert für eure Seelen und Rücken: „Das ist’s was ihr aufspeichert für eure Seelen; so schmecket, was ihr aufspeichertet.“
Sure 9, Vers 35: An einem Tage soll es an Dschahannams Feuer glühend gemacht werden, und gebrandmarkt werden sollen damit eure Stirnen, Seiten und Rücken: „Das ist’s was ihr aufspeichertet für eure Seelen; so schmecket, was ihr aufspeichertet.

Nirgendwo deutlicher als in folgender Offenbarung definiert Allah, worum es beim „Heiligen Krieg“ denn eigentlich geht, nämlich um ein Kaufgeschäft. Allah offeriert Beute und einen sicheren Platz im Paradies und die Gläubigen erkaufen sich diese Güter indem sie „töten und getötet werden“.

 jihad als Kaufgeschäft

Die Behauptung, daß derartig platte und gewalttätige Geschäfte schon in der Tora und im Evangelium angeboten werden, ist eine der vielen falschen Behauptungen des Koran über die Schriften der „Schriftbesitzer“:

       ► Sind Judentum und Christentum so gewalttätig wie der Islam?

Sure 9, Vers 111: Siehe Allah hat von den Gläubigen ihr Leben und ihr Gut für das Paradies erkauft. Sie sollen kämpfen in Allahs Weg und töten und getötet werden. Eine Verheißung hierfür ist gewährleistet in der Tora, im Evangelium und im Koran; und wer hält seine Verheißung getreuer als Allah? Freut euch daher des Geschäfts, das ihr abgeschlossen habt; und das ist eine große Glückseligkeit.

630 Zug gegen die Byzantiner bei Tabuk

Im Norden warteten große Gebiete auf Unterwerfung. Mohammed rüstete zu einem neuerlichen Kriegszug gegen die Byzantiner. Und wiederum wurden die Gläubigen belehrt, daß der Krieg gegen die Ungläubigen die beste aller Taten ist:

Sure 9, Vers 20: Diejenigen, welche gläubig wurden und auswanderten und in Allahs Weg eiferten mit Gut und Blut, nahmen die höchste Stufe bei Allah ein. Und sie, sie sind die Glückseligen.

„Während er sonst das Ziel seiner Züge zu verheimlichen pflegte, machte er diesmal schon längere Zeit vorher bekannt, daß er gegen die Byzantiner ziehen wolle, damit seine Anhänger möglichst zahlreich und vollständig ausgerüstet zu ihm fänden:

Sure 9, Vers 123: O ihr, die ihr glaubt, kämpft wider die Ungläubigen an euren Grenzen, und wahrlich, lasset sie die Härte in euch verspüren. Und wisset, daß Allah mit den Gottesfürchtigen ist.

Aber die Furcht vor den disziplinierten Heeren der Feinde und die Beschwerlichkeiten des langen Zuges durch die Wüste … hielt die Beduinen und selbst einige Medinenser zurück. Letztere entschuldigten sich unter allerlei nichtigen Vorwänden, sie wurden dafür nachher im Koran hart getadelt.“ (Nöldeke, Seite 166 f):

Sure 9, Vers 38: O ihr, die ihr glaubt, was war euch, daß, als euch gesprochen ward: „Ziehet hinaus in Allahs Weg“, ihr euch schwer zu Erde neigtet? Habt ihr mehr Wohlgefallen am irdischen Leben als am Jenseits? Aber der Nießbrauch des irdischen Lebens ist gegenüber dem Jenseits nur ein winziger.
Sure 9, Vers 39: So ihr nicht ausziehet, wird Er euch strafen mit schmerzlicher Strafe und ein anderes Volk an eure Stelle setzen; und ihr schadet ihm nichts, denn Allah hat Macht über alle Dinge.
Sure 9, Vers 40: Wenn ihr ihm nicht helfet, so hat ihm zuvor Allah geholfen, als ihn die Ungläubigen vertrieben, selbzweit (Muhammads Begleiter auf der Flucht war Abu Bakr), als beide in der Höhle waren und er zu seinem Gefährten sprach: „Traure nicht; siehe, Allah ist mit uns.“ Und da sandte Allah Seine Gegenwart auf ihn nieder und stärkte ihn mit Heerscharen, die ihr nicht sahet, und erniedrigte das Wort der Ungläubigen und erhöhte Allahs Wort. Und Allah ist mächtig und weise.
Sure 9, Vers 41: Ziehet aus, leicht und schwer bewaffnet, und eifert mit Gut und Blut in Allahs Weg.
Sure 9, Vers 42: Wäre ein naher Gewinn und eine bequeme Fahrt gewesen, wahrlich, sie wären dir gefolgt. Aber weit war ihnen der Abstand. Und doch schwören sie bei Allah: „Hätten wir es vermocht, wir wären mit euch ausgezogen.“ Sie vertilgen sich selber. Und Allah weiß es wahrlich, daß sie Lügner sind.
Sure 9, Vers 43: Allah vergebe dir! Warum gewährtest du es ihnen, bevor dir die Wahrheiten offenkundig wurden und du die Lügner erkanntest?
Sure 9, Vers 44: Nicht werden dich um Erlaubnis bitten die, welche an Allah glauben und an den Jüngsten Tag, nicht zu eifern mit Gut und Blut; und Allah kennt die Gottesfürchtigen.
Sure 9, Vers 45: Um Erlaubnis bitten dich nur jene, die nicht an Allah glauben und an den Jüngsten Tag, und deren Herzen noch zweifeln, und die in ihrem Zweifel hin und her schwanken.
Sure 9, Vers 46: Und so sie zum Ausmarsch gewillt gewesen wären, so hätten sie für ihn gerüstet. Aber Allah wollte nicht ihr Ausziehen und so machte Er sie schlaff, und es ward gesprochen: „Sitzet daheim mit den Sitzenden!“
Sure 9, Vers 47: Wären sie mit euch ausgezogen, so würden sie euch nur zur Last gewesen sein und hätten, zwischen euch umherlaufend, euch zum Aufruhr gereizt, und manche von euch hätten auf sie gehört. Aber Allah kennt die Ungerechten.
Sure 9, Vers 48: Wahrlich schon zuvor trachteten sie nach Aufruhr und verkehrten deine Angelegenheiten, bis die Wahrheit kam und Allahs Befehl erschien, wiewohl er ihnen zuwider war.

Einer der Gläubigen musste auf besonders plumpe Art versucht haben, sich vom bevorstehenden Kriegszug zu verabschieden: Während der Zeit der Rüstung sagte Mohammed eines Tages zu Djedd Ibn Keis: „Willst du dieses Jahr die Söhne der Römer bekämpfen?“ Dieser antwortete: „Wenn du mich nur entschuldigen, und mich nicht der Verführung aussetzen wolltest! Bei Allah, meine Leute wissen, daß niemand schöne Frauen mehr liebt als ich, ich fürchte, wenn ich die Römerinnen sehe, werde ich meiner nicht mehr Herr sein.“ Mohammed wendete sich ab, und erlaubte ihm, zurück zu bleiben.“ (Weil, 2. Band, Seite 258) Selbst zu solchen Lappalien musste sich der Allmächtige mit entsprechenden Offenbarungen äußern:

Sure 9, Vers 49: Einige von ihnen sprechen zu dir: „Gewähre es mir und versuche mich nicht.“ Sind sie nicht schon in Versuchung gefallen? Und wahrlich Dschahannam wird umfassen die Ungläubigen.
Sure 9, Vers 50: Trifft dich ein Heil, so betrübt es sie; trifft dich ein Unheil so sprechen sie: „Wir haben uns schon zuvor gesichert.“ Und sie kehren vergnügt den Rücken.
Sure 9, Vers 51: Sprich: „Nimmer trifft uns ein andres, als was Allah uns verzeichnet. Er ist unser Beschützer, und auf Allah sollen alle Gläubigen vertrauen.

An die Ungläubigen wird die Erwartung gestellt, daß sie Allah strafen wird. Bei dieser Offenbarung muß man fragen, wie der Satz

Und wir erwarten von den Ungläubigen, daß euch Allah mit einer Strafe treffen wird, sei es von Ihm oder durch unsere Hand

von der Satzkonstruktion her verstanden werden soll. Wer ist „wir“ und warum spricht Allah von sich im Pluralis majestatis und warum spricht Er von sich selber von „Ihm“:

Sure 9, Vers 52: Sprich: „Erwartet ihr Ungläubige etwa, daß uns nicht eins der beiden schönsten Dinge treffen wird: Sieg oder Märtyrertod?“ Und wir erwarten von den Ungläubigen, daß euch Allah mit einer Strafe treffen wird, sei es von Ihm oder durch unsere Hand. Und so wartet; siehe wir warten mit euch.

Wie schon anläßlich der Schlacht von Badr durch ähnliche Verse dazu aufgefordert, sollen wahre Gläubige auf Verwandschaftsbande keine Rücksicht nehmen. Gemäß folgenden Versen hat auch Abraham darüber hinweggesehen:

Sure 9, Vers 113: Nicht kommt es dem Propheten und den Gläubigen zu, für die Götzendiener um Verzeihung zu bitten, und wären es auch Angehörige, nachdem ihnen deutlich kundgetan, daß sie des Höllenpfuhls Gefährten sind.
Sure 9, Vers 114: Und auch Abraham betete nur um Verzeihung für seinen Vater infolge eines Versprechens, das er ihm gegeben. Als ihm aber offenkund ward, daß er ein Feind Allahs war, sagte er sich los von ihm. Siehe Abraham aber war wahrlich mitleidsvoll und milde.

Trotz diesen Widrigkeiten traf der Prophet weiter Vorbereitungen zum Kriegszug: „… machte jedoch ernst mit der Reise und befahl den Leuten, die Rüstung zu beschleunigen und spornte die Reichen an, Geld und Lasttiere für Allahs Sache zu spenden. Manche Reiche befolgten dies, auf Allahs Lohn vertrauend“ (Weil, 2. Band, Seite 249)

Der Zug nach Norden war beschwerlich, Mohammed zog immer weiter und manche Leute blieben zurück. Wenn man ihm sagte: O Gesandter Gottes! der und der ist zurückgeblieben“, antwortete er: „Lasset ihn! Ist etwas Gutes an ihm, so wird ihn euch Allah wieder zuführen, wenn nicht, so hat Er euch von ihm befreit.“ … Eine Anzahl Heuchler … deuteten auf Mohammed hin auf dem Zuge nach Tabuk, und es sagte einer zum anderen, um die Muslime einzuschüchtern: „Glaubt ihr, ein Krieg gegen die Römer sei wie ein Krieg gegen die Araber? Bei Allah, mir ist, als wären wir schon mit Stricken gebunden.“ Da sagte Mohammed: „Gehe diesen Leuten nach, denn sie verbreiten Lügen und frage sie, was sie gesagt haben, und leugnen sie, so sage: „Nicht so, ihr habt dies und dies gesagt.“ Und sie kamen zu Mohammed um sich zu entschuldigen. Da offenbarte Allah nachstehende Verse.“ (Weil, 2. Band, Seite 251 f)

Die Wendung Er ist Ohr weist darauf hin, daß man Mohammed ihre lästerlichen Reden zugetragen hatte und die Hinweise Wir plauderten nur und scherzten.“ waren die Ausflüchte der zur Rede gestellten Übeltäter:

Sure 9, Vers 61: Und einige unter ihnen gibt’s, welche den Propheten kränken und sprechen: „Er ist Ohr“. Sprich: „Ein Ohr des Guten für euch. Er glaubt an Allah und glaubt den Gläubigen und ist eine Barmherzigkeit gegen die Gläubigen unter euch. Wer aber den Gesandten Allahs kränkt, denen soll sein schmerzliche Strafe.
Sure 9, Vers 62: Sie schwören euch bei Allah, um euch zu gefallen, Aber Allah und Sein Gesandter sind würdiger, daß sie ihm gefallen, so sie Gläubige sind.
Sure 9, Vers 63: Wissen sie nicht, daß für den, der Allah und Seinen Gesandten befehdet, Dschahannams Feuer ist, ewig darinnen zu verweilen? Das ist die gewaltige Schande.
Sure 9, Vers 64: Es fürchten die Heuchler, es möchte eine Sure auf sie hinabgesandt werden, die ihnen ankündet, was in ihren Herzen ist. Sprich: „Spottet nur; siehe, Allah bringt zum Vorschein, wovor ihr euch fürchtet.“
Sure 9, Vers 65: Und wahrlich, wenn du sie fragst, wahrlich, dann sprechen sie: „Wir plauderten nur und scherzten.“ Sprich: „Verspottet ihr etwa Allah und Seine Zeichen und Seinen Gesandten?“

„Der Zug kam bis nach Tabuk, nicht weit vom nordöstlichen Ende des Roten Meeres. Mohammed begnügte sich hier, die Unterwerfung der benachbarten grösstenteils christlichen Ansiedler entgegenzunehmen. Er hielt es nicht für geraten, noch weiter gegen die Byzantinischen Streitkräfte vorzudringen.“ (Nöldeke, Seite 168)

Weiter bei Ibn Ishaq: „Als Mohammed nach Tabuk kam, besuchte ihn Johanna Ibn Ruba, der Fürst von Eilan, und schloss Frieden mit ihm und bewilligte ihm die Kopfsteuer. Das gleiche taten die Bewohner von Djarba und Adsruh.“ (Weil, 2. Band, Seite 264) Ein weiterer christlicher Fürst wurde bei der nächtlichen Jagd überfallen und sein Bruder getötet. Auch er bewilligte Mohammed die Kopfsteuer und wurde darauf als Vasall bestätigt.

631  „Heiliger Krieg“ als generalisiertes Gebot

Nach seiner Rückkehr nach Medina beschloss Mohammed, dem Heidentum gänzlich den Krieg zu erklären. Mehrere Offenbarungen bestimmten, daß bei den Götzendienern, mit welchen ein Friedensvertrag auf eine bestimmte Frist abgeschlossen war, diese Frist eingehalten werden müsse. Nachher solle ihnen aber nur die Wahl zwischen Ausrottung und Bekehrung übrig bleiben. Es handelt sich um die Verse 1 bis 5 aus Sure 9:

Sure 9, Vers 1: Schuldlosigkeit sei von Allah und Seinem Gesandten denjenigen von den Götzendienern, mit denen ihr einen Vertrag geschlossen habt.

Sure 9, Vers 4: Ausgenommen sind jedoch diejenigen der Götzendiener, mit denen ihr einen Vertrag geschlossen habt und die es hernach in nichts fehlen ließen und noch keinem wider euch beistanden. Ihnen gegenüber müsst ihr den Vertrag bis zu der ihnen bewilligten Frist halten. Allah liebt die Gottesfürchtigen.

Und an die Adresse der Ungläubigen erfolgt die Zusicherung, daß sie noch vier Monate im Lande herumziehen können:

Sure 9, Vers 2: Ziehet deshalb im Lande vier Monate lang umher und wisset, daß ihr Allah nicht zuschanden machen könnt und dass Allah die Ungläubigen zuschanden macht.

Eine weiterer Vers fordert, daß bei allen anderen Heiden nach Ablauf der heiligen Monate, das heisst nach dem zweiten Monat des Jahres 631 der absolute Kriegszustand einzutreten habe:

Sure 9, Vers 5: Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen, so lasst sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.“

Dazu Ibn Ishaq: „Er gab dann den Leuten vom Tage dieser Bekanntmachung an eine Frist von vier Monaten, damit jeder an einen sicheren Ort in seine Heimat zu seinen Leuten zurückkehren könne, dann sollte aber nur noch für die Ungläubigen ein Vertrag oder Schutzverhältnis bestehen, welche ein solches mit Mohammed auf eine bestimmte Zeit geschlossen hatten … Dies war das Lossagen in Bezug auf die Götzendiener, die allgemeine Verträge hatten, und die welche solche auf eine bestimmte Zeit hatten, nachher befahl Gott seinem Gesandten die Götzendiener zu bekämpfen, die einen speziellen Vertrag hatten, ihn aber verletzten, und die welche keinen haben, nach Verlauf von vier Monaten, die ihnen als Frist gegeben wurden, mit Ausnahme derer, welche eine Gewalttat begehen, die sogleich erschlagen werden sollten.“ (Weil, 2. Band, Seite 279)

Jetzt herrscht also gnadenloser Kampf. Diese „Lossagung“ (bara’a) ist gleichsam die „Stunde Null“ des generalisierten islamischen Gewaltdogmas. Weiterführende Information unter:

► Der Beginn der Expansion

631  Pilgerfahrt ohne Ungläubige

Ferner beschloss Allah, daß keine Götzendiener mehr an der Pilgerfahrt teilnehmen dürfen:

Sure 9, Vers 3: Und eine Ankündigung sei von Allah und Seinem Gesandten an die Menschen am Tag der größeren Pilgerfahrt, daß Allah los und ledig der Götzendiener ist, ebenso wie Sein Gesandter. Und so ihr Busse tut, so ist es besser für euch, kehrt ihr jedoch den Rücken, so wisset, daß ihr Allah nicht zuschanden machen könnt. Und verheiße den Ungläubigen schmerzliche Strafe.

Sure 9, Vers 17: Den Götzendienern kommt es nicht zu, die Moscheen Allahs zu besuchen, durch ihren Unglauben wider sich selber zeugend. Sie – umsonst sind ihre Werke, und im Feuer werden sie ewig verweilen.
Sure 9, Vers 18: Besuchen nur soll die Moscheen Allahs, wer da glaubt an Allah und an den Jüngsten Tag und das Gebet verrichtet und die Armensteuer zahlt und Allah allein fürchtet. Und vielleicht ist’s dass jene zu den Geleiteten gehören.

Sure 9, Vers 28: O ihr, die ihr glaubt, siehe, die Götzendiener sind unrein. Darum sollen sie sich nicht nach diesem ihrem Jahr der heiligen Moschee nähern. Und so ihr dadurch Armut befürchtet, so wird euch Allah sicherlich, so Er will, aus Seinem Überfluss versorgen; siehe, Allah ist wissend und weise.

Der Hinweis: so ihr dadurch Armut befürchtet, so wird euch Allah sicherlich, so Er will, aus Seinem Überfluss versorgen soll Mekkaner beruhigen, die für die Zukunft einen Rückgang der Einnahmen aus dem Pilgerverkehr befürchten. Weiter wird für die Rechtschaffenen wiederum die paradiesische Belohnung verheissen und vor ungläubigen Familienangehörigen und Krämerseelen ► fitna gewarnt:

Sure 9, Vers 19: Setzt ihr etwa das Tränken des Pilgers und den Besuch der heiligen Moscheen gleich dem, der da glaubt an Allah und den Jüngsten Tag, und der da eifert in Allahs Weg? Nicht sind sie gleich vor Allah; und Allah leitet nicht das sündige Volk.
Sure 9, Vers 20:
Diejenigen, welche gläubig wurden und auswanderten und in Allahs Weg eiferten mit Gut und Blut, nahmen die höchste Stufe bei Allah ein. Und sie, sie sind die Glückseligen.
Sure 9, Vers 21: Es verheisst ihnen Ihr Herr Barmherzigkeit von Ihm und Wohlgefallen, und Gärten sind ihnen, in denen beständige Wonne.
Sure 9, Vers 22: Verweilen sollen sie in ihnen ewig und immerdar. Siehe, Allah, bei ihm ist gewaltiger Lohn.
Sure 9, Vers 23: O ihr, die ihr glaubt, sehet weder in euren Vätern noch in euren Brüdern Freunde, so sie den Unglauben dem Glauben vorziehe; und wer von euch sie zu Freunden nimmt, das sind Ungerechte.
Sure 9, Vers 24: Sprich: „So eure Väter und eure Söhne und eure Brüder und eure Weiber und eure Sippe und das Gut, das ihr erworben, und die Ware, deren Unverkäuflichkeit ihr befürchtet, und die Wohnungen, die euch Wohlgefallen, euch lieber sind als Allah und sein Gesandter und das Eifern in seinem Weg, so wartet, bis Allah mit seinem Befehl kommt.“ Und Allah leitet nicht die Frevler“

Mohammed selbst wollte die Pilgerfahrt des Jahres 631 nicht begehen, solange noch Ungläubige  mit ihren Bräuchen teilnahmen. Er sandte Ali nach Mekka „und am Schluss der Pilgerfeste erfuhren alle versammelten Heiden, daß ihnen die heiligen Stätten fortan verboten, und dass sie überhaupt nur die Wahl hätten zwischen Kampf gegen die Mehrzahl oder Übergang zu derselben. Diese Massregeln mögen manche Araber veranlasst haben, ihre Bekehrung zu beschleunigen. Die Lage der Feinde wurde immer bedenklicher. Die Bewohner von Taif, welche noch vor kurzem einen Mitbürger umgebracht hatten, der als begeisterter Apostel des neuen Glaubens zu ihnen gekommen war, wurden durch ihre Nachbarn, welche ihnen Menschen und Vieh vor ihren Toren wegnahmen in die Enge getrieben. Sie beschlossen, eine Gesandtschaft an Mohammed zu schicken. Sie verlangten einige Bedingungen, durch welche sie vor den anderen Arabern ausgezeichnet würden, aber Mohammed gestand ihnen nur zu, daß sie ihre Götzenbilder nicht mit eigener Hand zerstören mussten … Die Gesandtschaft wurde auf ihrem Rückweg von Abu Sofian und einigen Anderen begleitet. Sie waren beauftragt, das Hauptbild zu zerstören.“ (Nöldeke, Seite 172)

Damit war auch Taif unterworfen. Mohammeds Herrschaftsgebiet reichte mittlerweile über ganz Arabien. Der persische Statthalter im Jemen unterwarf sich. Der dorthin von Mohammed geschickte Unterhändler wurde von einer Frau befragt: O Gefährte des Gesandten Allahs! Welche Rechte hat der Mann gegen seine Frau geltend zu machen“? Dieser antwortete: „Wehe dir, die Frau kann gar nicht allen Obliegenheiten gegen ihren Mann nachkommen, beeifere dich daher, so viel zu leisten, als du nur kannst.“ Da versetzte sie: „Wenn du ein Gefährte des Gesandten Allahs bist, musst du doch wissen, welche Rechte der Gatte ansprechen kann.“ Er erwiderte: „Wehe dir, wenn du zu deinem Gatten gehst und findest, daß ihm aus der Nase Eiter und Blut fliesst, und du saugst es aus, um es aufhören zu machen, so hast du noch immer nicht alles getan, was du ihm schuldig bist. (Weil, 2. Band, Seite 307)

Auch zahlreiche christliche Stämme unterwarfen sich der ► Schutzgelderpressung. Mohammeds Vorgehen bei seinen Sendungen an die Stammesfürsten war recht pragmatisch: Mohammed gab dem Boten ein Schreiben an seinen Stamm, worin es hiess: „Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Gnädigen. Dies ist ein Schreiben von Mohammed, dem Gesandten Allahs. Ich sende ihn (den Boten) zu seinem Stamme insgesamt und zu denen, die sich ihm angeschlossen haben, daß er sie zu Allah und Seinem Gesandten aufrufe, wer ihm folgt, gehört zur Schar Allahs und Seines Gesandten, wer zurückbleibt, dem geben wir eine Sicherheitsfrist von zwei Monaten.“ (Weil, 2. Band, Seite 311)

632 Die Abschiedswallfahrt

Im März dieses Jahres unternahm Mohammed seine letzte Wallfahrt. „Die Weise, in welcher der Prophet damals die mehrtägigen Gebräuche der Pilgerfahrt beging, ist für die Muslime bis auf unsere Zeit massgebend geblieben … dass er an verschiedenen Ruhepunkten Anreden an die Gläubigen hielt, worin er ihnen noch einmal die Pflichten der Religion einschärfte und noch einige neue Satzungen einführte.“ (Nöldeke, Seite 175)

Nach der Pilgerfahrt ging es weiter mit Unterwerfung und Raub. Aus den vielen Berichten dazu bei Ibn Ishaq sei hier ein Ereignis ausgewählt. Es ist der Überfall auf den Stamm der Mulawwah: “ … Wir zogen dann weiter nach Kadid, wo wir bei Sonnenuntergang anlangten. Als wir an einer Seite des Tales waren, sandten mich meine Gefährten auf Kundschaft aus und ich ging auf einen Hügel, der über dem Lager emporragte. Da kam ein Mann aus seinem Zelte und sagte der Frau: „Ich sehe etwas Schwarzes auf dem Hügel, das ich früher nicht gesehen, sieh dich einmal nach deinem Gepäck um, ob nichts fehlt, das etwa die Hunde fortgeschleppt hätten.“ Sie sah nach und sagte: „Bei Gott, es fehlt mir nichts.“ Da sagte er: „Reiche mir meinen Bogen und zwei Pfeile.“ Als sie es ihm reichte, schoss er einen Pfeil ab und traf mich an der Seite. Ich zog ihn heraus, legte ihn beiseite und blieb auf meinem Platze. Er schoss dann den anderen ab und traf mich an der Schulter, ich zog ihn wieder heraus, legte ihn hin und behauptete meinen Platz. Dann sagte er zu seiner Frau: „Wenn dies ein feindlicher Kundschafter wäre, so hätte er sich in Bewegung gesetzt, denn meine beiden Pfeile sind zu ihm gedrungen, suche sie, wenn du morgen früh aufstehst, damit die Hunde sie nicht zernagen.“ Er ging dann wieder hinein und wir warteten, bis sie sich sicher glaubten und schliefen. Als es gegen Morgen ging fielen wir über sie her, töteten manche und trieben ihre Herden fort. Dann traten die Besten des Stammes heraus in solcher Zahl, daß wir keine Macht gegen sie hatten. Wir gingen mit dem Vieh fort … aber die Leute holten uns ein, und sie waren schon ganz nahe, nur ein Tal lag noch zwischen uns. Da sandte Allah einen reissenden Bach in das Tal, nach dem Willen des Erhabenen und Gepriesenen, ohne dass wir eine Wolke oder einen Regen gesehen hätten. Er kam mit solcher Kraft, daß niemand etwas dagegen vermochte, und kein Mensch ihn überschreiten konnte. Sie blieben stehen und sahen zu, wie wir ihre Herden in Eile forttrieben und keiner von ihnen konnte zu uns herüberkommen und uns verfolgen und bald waren wir ganz ausser Gesicht und brachten alles dem Gesandten Allahs. Das Losungswort der Gefährten Mohammeds in jener Nacht war: „Töte! Töte!“ (Weil, 2. Band, Seite 320 f)

Bei einer der vielen Strafexpeditionen gegen Beduinenstämme fiel für Mohammed, im Rahmen seines fünften Beuteteiles, ein Sklave mit Namen Jesar ab. Eines Tages kamen Beduinen zu Mohammed, welche aufgedunsen und fieberkrank waren. Mohammed sagte: „Geht zu den Kamelinnen und trinket von ihrer Milch und ihrem Urin“. Als sie wieder gesund waren und ihr Leib sich gelegt hatte, fielen sie über Jesar her und schlachteten ihn und stiessen Dornen in sein Auge und trieben die Kamelinnen fort. Mohammed sandte ihnen Kurz Ibn Djabir nach und dieser brachte sie vor ihn. Mohammed liess ihnen Hände und Füsse abschneiden und ihre Augen blenden.“ (Weil, 2. Band, Seite 340 f) Drastische Bestrafungen im Sinne von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gehören offenbar zum Repertoire dieses Religionsstifters. Seine Vorbildfunktion ist auch heute unhinterfragbar. Mohammed hatte die für diese Bestrafungsaktion notwendige Legitimation natürlich vorgängig von Allah erhalten:

Sure 5, Vers 33: Siehe, der Lohn derer, welche Allah und Seinen Gesandten befehden und Verderben auf der Erde betreiben, ist nur der, daß sie getötet oder gekreuzigt oder an den Händen und Füssen wechselseitig verstümmelt oder aus dem Lande vertrieben werden. Das ist ihr Lohn hienieden und im Jenseits wird ihnen schmerzliche Strafe.

Verderben stiften auf Erden

Entsprechend den exegetischen Ausführungen zu diesem Vers und den Gesetzesbestimmungen aus dem Strafgesetzbuch der islamischen Republik Iran ► Strafgesetze – Verderben stiften wird ersichtlich, daß Vers 33 aus Sure 5 die Rechtsgrundlage für die Ahndung von Mord in Tateinheit mit Diebstahl bildet. Ferner werden davon Bestrafungsbestimmungen abgeleitet, die dem Staatsschutz dienen. Die umma muß gegen jegliche Eingriffe geschützt werden.

Kurz vor seinem Tode ordnete Mohammed den nächsten grossen Kriegszug gegen die Byzantiner an. „Als dieser Zug kaum abgegangen, war er schon nicht mehr unter den Lebenden; aber es ist bedeutsam, daß er so den Seinigen den Kampf gegen die Griechen gleichsam als letztes Vermächtnis hinterlassen hatte.“ (Nöldeke, Seite 176)

632 Tod Mohammeds

Mohammeds Gesundheitszustand verschlechterte sich schnell. Auf dem Totenbett gab der Prophet letzte Anweisungen. Danach soll, wie schon erwähnt, die ganze Arabische Halbinsel von allen Ungläubigen gesäubert werden. Dazu der Bericht im hadith:

Bukhari V4 B52 N288 berichtet von Said bin Jubair: Ibn ‚Abbas sagte: „Donnerstag! Was für großartige Dinge ereigneten sich am Donnerstag!? Dann fing er an zu weinen, bis seine Tränen das Kies am Boden benetzten. Er sagte weiter: „Donnerstags verschlimmerte sich der Gesundheitszustand des Propheten Allahs“ und er sagte: „Bringt mir das Schreibzeug sodass ich etwas schreiben lassen kann für euch, damit Ihr niemals fehlgeleitet sein werdet.“ Die anwesenden Leute hatten eine Meinungsverschiedenheit darüber; jedoch sollten Menschen in der Anwesenheit des Propheten niemals uneinig sein. Sie sagten: „Der Prophet Allahs ist ernsthaft erkrankt.“ Der Prophet sagte: „Es ist besser, mich allein in diesem Zustand zu lassen als nach mir zu rufen.“ Auf seinem Totenbett gab der Prophet 3 Befehle. Er sagte: „Vertreibt die Heiden von der Arabischen Halbinsel, respektiert und beschenkt die ausländischen Delegierten, so wie Ihr mich habt handeln sehen.“ Ich habe den dritten Befehl vergessen.

Gemäß sunnitischer Lehre ist die letzte Offenbarung, die vor dem Tod des Propheten herniederkam Vers 3 in Sure 5. Es sind letzte Vorschriften über erlaubte und unerlaubte Speisen und gewähren dem Hungernden in der Not die Erlaubnis, diese verbotenen Speisen doch zu verzehren. Noch einmal wird dem Gläubigen versichert, daß es die Ungläubigen sein werden, die verzweifeln:

Sure 5, Vers 3: Verwehrt ist euch Krepiertes, Blut, Schweinefleisch und das, über dem beim Schlachten ein andrer Name angerufen ward; das Erwürgte, das Erschlagene, das durch Sturz oder Hörnerstoß Umgekommene, das von reißenden Tieren Gefressene, außer dem, was ihr reinigt, und das auf Götzensteinen Geschlachtete. Und durch Pfeillose zu verteilen ist Frevel. Verzweifeln wird an diesem Tage, wer euren Glauben verleugnet. Darum fürchtet sie nicht, sondern fürchtet Mich.
Heute habe ich vollendet euren Glauben und habe erfüllt an euch meine Gnade, und es ist mein Wille, daß der Islam euer Glaube ist. Und wenn einer ohne Hinneigung zur Sünde durch Hunger bedrängt wird, siehe, so ist Allah verzeihend und barmherzig.

Bei Bukhari finden wir folgenden generalisierten Kampfbefehl, den Mohammed wahrscheinlich anläßlich seiner Abschiedswallfahrt abgegeben hat:

Bukhari V4 B52 N196, berichtet von Abu Huraira: Der Prophet Allah’s sagte: „Mir wurde geboten die Menschen zu bekämpfen bis sie sagen: „Niemand hat das Recht, angebetet zu werden außer Allah.“

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