IV) Das Leben Mohammeds und die Entwicklung des islamischen Gewaltkonzeptes

(Fortsetzung)


624 Belagerung und Vertreibung der Banu Quaynuqa

Die Feindschaft gegen die Juden war unterdessen stetig gewachsen. Aus der Unmenge von Offenbarungen im Koran, welche die Juden verurteilen seien zwei herausgegriffen:

Sure 2, Vers 174: Siehe, die, welche die Schrift verbergen, die Allah herabgesandt hat, und sie für einen winzigen Preis verkaufen, die werden nichts anderes in ihre Bäuche fressen als das Feuer, und Allah wird nicht sprechen zu ihnen am Tag der Auferstehung und wird sie nicht für rein erklären; und für sie ist schmerzliche Strafe.
Sure 2, Vers 175: Sie sind es, welche die Leitung für den Irrtum verkauften und die Verzeihung für die Strafe. Darum, wie werden sie leiden im Feuer!

In dieser aufgeheizten Stimmung brauchte es kaum noch weitere Reibereien, welche einen Vorwand zur offenen Feindschaft geben konnten. In der Chronik des Ibn Ishak wird von zwei Ereignissen im Vorfeld der Vertreibung dieses jüdischen Stammes berichtet:

Das erste war die unmißverständliche Drohung, doch endlich den richtigen Glauben anzunehmen. Sie war unmittelbar nach der Schlacht von Badr von Mohammed an die Juden ergangen und ist mit den oben erwähnten Offenbarungen in Sure 3, Vers 12 und Sure 3, Vers 13 belegt.

Der zweite Anlaß hatte schon tödliche Folgen und mündete direkt in den Krieg: „Eine Araberin brachte Milch auf den Markt der Banu Quaynuqa zu verkaufen und setzte sich vor den Laden eines jüdischen Goldarbeiters. Die Juden forderten sie auf, ihr Gesicht zu entschleiern, aber sie weigerte sich. Da knüpfte der Goldarbeiter das Ende ihres Kleides an ihren Rücken fest, so dass ihre hinteren Teile entblösst waren, als sie aufstand. Die Juden machten sich über sie lustig, sie aber schrie, ein Muslim sprang herbei und erschlug den Goldarbeiter. Die Juden fielen dann über den Muslim her und töteten ihn. Die Muslime riefen hierauf entrüstet die ihrigen zu Hilfe und so brach der Krieg zwischen ihnen und den Banu Quaynuqa aus.“ (Weil, 2. Band, Seite 3) Zu diesem Ereignis die Offenbarungen Allahs:

Sure 3, Vers 21: Siehe jene, die nicht an Allahs Zeichen glauben und die Propheten ohne Grund morden und von den Menschen morden, wer ihnen Rechtschaffenheit befiehlt – ihnen verkünde schmerzliche Strafe.

Sure 3, Vers 23: Sahest du nicht auf jene, denen ein Teil von der Schrift gegeben ward, als sie aufgefordert wurden zum Buch Allahs, daß es richte zwischen ihnen? Alsdann kehrte ein Teil von ihnen den Rücken und wendete sich ab.
Sure 3, Vers 24: Solches, dieweil sie sprachen: „Nimmer wird uns das Feuer berühren, es sei den gezählte Tage.“ Und es betrog sie in ihrem Glauben, was sie selber erdachten.

Die Juden verschanzten sich in ihren Burgen und hofften, daß ihre medinensischen Verbündeten vom Stamme der Hazrag ihnen Beistand leisten würden. „Aber der Islam hatte alle Verträge aufgehoben, die wirklich Bekehrten fühlten keine Verpflichtung mehr für die Gegner des Propheten und die wenigen Ungläubigen unter den Hazrag wagten es nicht, offen die Feinde zu unterstützen. Nach einer Belagerung von vierzehn Tagen mussten sich die Quaynuqa auf Gnade oder Ungnade ergeben.

Mohammed scheint die Absicht gehabt zu haben, die verhaßten Feinde sämtlich niederzumachen aber Abd Allah Ibn Ubei, der wenigstens jetzt für seine alten Bundesgenossen auftrat, erlangte durch seine ungestüme Forderung, daß ihnen der freie Abzug gestattet wurde.“ (Nöldeke, Seite 86 f)

Dazu Ibn Ishaq: „Abd Allah Ibn Ubei bat Mohammed, seine Schutzgenossen, denn die Quaynuqa waren Schutzgenossen der Hazrag, zu schonen. Mohammed wendete sich ab. Da fasste Abd Allah Ibn Ubei den oberen Teil des Panzers Mohammeds. Dieser sagte: „Lass mich los!“ und geriet dermassen in Zorn, daß sein Gesicht ganz dunkel wurde. Abd Allah schwur aber: „Ich werde dich nicht loslassen, bis du dich gütig gegen meine Schutzgenossen zeigst, es sind 700 Krieger, darunter 300 Gepanzerte, die mich gegen die Roten und die Schwarzen beschützen, die darfst du nicht an einem Morgen wegmähen, denn bei Gott, ich fürchte den Wechsel des Schicksals.“ Da sagte Mohammed: „Nun, ich schenke sie dir …“ (Weil, 2. Band, Seite 3)

Der Einsatz von Abd Allah Ibn Ubei war nicht ganz selbstlos. Er war der Führer der medinensischen Ungläubigen und befürchtete daher nicht zu Unrecht, daß die kommende Entwicklung der muslimischen Gemeinschaft sich zu Ungunsten dieser immer noch sehr zahlreichen Gruppe entwickeln könnte. Beim einem zukünftigen möglichen Ausscheiden des nächsten jüdischen Stammes, der Banu Nadir stünden für ihn und seine Getreuen keine Bundesgenossen mehr zur Verfügung. Auf diese Situation beziehen sich folgende Verse:

Sure 5, Vers 51: O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden, sie sind untereinander Freunde, und wer von euch sie zu Freunden nimmt, siehe, der ist von ihnen. Siehe, Allah leitet nicht die ungerechten Leute.
Sure 5, Vers 52: Und so schaust du die, deren Herz krank ist, zu ihnen um die Wette laufen und sprechen: Wir fürchten, es möge uns ein Glückswechsel befallen.“ Aber vielleicht, daß Allah den Sieg bringt oder eine Sache von Sich, so dass sie bereuen, was sie in ihren Herzen geheim hielten.
Sure 5, Vers 53: Und die Gläubigen werden sprechen: „Sind dies etwa die, welche bei Allah ihren heiligsten Eid schwuren, daß sie zu euch stehen?“ Eitel sind ihre Werke, und sie werden verloren sein.
Sure 5, Vers 54: O ihr, die ihr glaubt, wenn sich einer von euch von seinem Glauben abkehrt, wahrlich, dann erhebt Allah ein Volk, das er liebt und das ihn liebt, demütig vor den Gläubigen, stolz wider die Ungläubigen, streitend in Allahs Weg und nicht fürchtend den Tadel des Tadelnden. Das ist Allahs Huld, Er gibt sie, wem Er will, und Allah ist weltumfassend und wissend.
Sure 5, Vers 55: Siehe, euer Beschützer ist Allah und Sein Gesandter und die Gläubigen, die das Gebet verrichten und die Armenspende zahlen und sich vor ihm beugen.

Die Banu Quaynuqa wurden, wenn auch widerwillig, begnadigt, sie mussten sich aber verpflichten, unter Zurücklassung all ihrer Habseligkeiten und Ländereien Medina zu verlassen. „Die Beute war nicht unbedeutend, als die geschicktesten Goldschmiede hatten die Quaynuqa sich viel Vermögen erworben. Auf Mohammeds Teil fielen allein an Waffen 3 Bogen, 2 Panzer, 3 Schwerter und 3 Lanzen.“ (Nöldeke, Seite 87)

624 Meuchelmorde

Ein Angehöriger der Banu Nadir, Kaab Ibn Al’aschraf war nach der Schlacht bei Badr eigens nach Mekka gereist und hatte mit seinen bissigen Spottliedern die Wut der Quraisch über die erlittene Niederlage zusätzlich entflammt. Dann „kehrte er nach Medina zurück und beleidigte die Muslime und knüpfte Liebesverhältnisse mit ihren Frauen. Da sagte Mohammed: „Wer schafft mir Ruhe vor dem Sohne Al’aschrafs?“ Mohammed Ibn Maslama antwortete: „Ich, Gesandter Gottes, ich will ihn erschlagen.“ Mohammed erwiderte: „Tu es, wenn du kannst!“ (Weil, 2. Band, Seite 7) Zu Mohammed Ibn Maslama gesellten sich noch zwei weitere muslimische Helfer, sie lockten Kaab des Nachts in eine Schlucht und erschlugen ihn.

Die Ermordung von Kaab Ibn Al-aschraf

Weitere Männer und Frauen erregten mit ihren Spott- und Racheliedern den Unmut des Propheten. „Wie stark solche Lieder auf die Araber wirkten, kann man daraus sehen, daß es einem Juden gelang, durch blosses Vorsingen solcher Gedichte den alten Zwist der beiden medinensischen Stämme so zu erwecken, daß es beinahe zu Blutvergiessen gekommen wäre… so fielen denn eine Frau und ein Greis durch Meuchelmord, weil sie die Medinenser in ihrem Glauben getadelt hatten, daß sie sich einem hergelaufenen Fremdling unterworfen hätten.“ (Nöldeke, Seite 87)

Der Haß des Propheten gegen die Juden wuchs schnell und so ließ er sich, gemäss Ibn Ishaq, dazu hinreißen, von seinen Gläubigen zu fordern: „Erschlagt jeden Juden, der in eure Hand fällt“ Da fiel Muheisse über Ibn Suneina her, einen jüdischen Kaufmann, der ihnen Kleider und andere Gegenstände verkaufte, und tötete ihn. Huwejisse, sein älterer Bruder, der damals noch kein Muslim war, schlug ihn und sagte: „Du Feind Gottes, hast du einen Mann erschlagen, von dessen Gut das meiste Fett an deinem Leibe herrührt?“ Muheisse antwortete: „Bei Gott, ich habe es auf Befehl eines Mannes getan, dem ich auch gehorchen würde, wenn er deinen Kopf von mir verlangte.“ Da sagte Huwejisse: „Wenn dem so wäre, und ich würde mich nicht zum Islam bekehren; würdest du mich auch töten, wenn es Mohammed befehlen würde?“ Und als diese Frage bejaht wurde, sagte er: „Bei Gott, eine Religion, die dich so weit bringt, ist wunderbar, und er wurde auch Muslim.“ (Weil, 2. Band, Seite 9)

Die unerbittliche und mörderische Konsequenz der muslimischen Doktrin hatte Folgen: „Der Fanatismus, aus dem solche Taten hervorgingen schüchterte die Gegner in Medina immer mehr ein; ja er machte auf viele einen solchen Eindruck, daß sie den neuen Glauben und damit diesen selben Fanatismus sofort annahmen.“ (Nöldeke, Seite 89)

Auftragsmorde an politischen Gegnern

625 Schlacht am Berge Uhud

Nach der Niederlage von Badr legte Abu Sofian, der Führer der Quraisch ein Gelübde ab, „daß kein Wasser zur Reinigung seinen Kopf berühren sollte, bis er gegen Mohammed in den Krieg gezogen sein würde.“ (Weil, 2. Band, Seite 3) Im Vorfeld der Schlacht machte er sich mit 40 Reitern auf, er wollte die Gegend um Medina auskundschaften. Dort konnte er nachts auch mit einigen Vertretern der Banu Nadir Verbindung aufnehmen.

Es gelang den Mekkanern, den benachbarten Beduinenstamm der Kinana, ihre nächsten Verwandten, zur Teilnahme an der geplanten Strafexpedition zu bewegen. So zogen sie mit einem Heer von 3000 Mann, 200 Pferden und 3000 Kamelen los, begleitet von ihren Frauen, welche mit Trauerliedern über die Gefallenen bei Badr die Stimmung anzuheizen wußten.

„Mohammed wollte ihnen nicht entgegenrücken, sondern abwarten, daß sie die Stadt angriffen. In diesem Falle hätte er alle Vorteile des Verteidigers für sich: eine feste Stellung und die Unterstützung aller Medinenser, auch der Ungläubigen, deren Ehre und Vorteil es nicht litt, daß ihre Stadt von den Fremden eingenommen würde. Bei der Verteidigung konnten selbst Weiber und Kinder tätig sein.“ (Nöldeke, Seite 94)

Selbst der große Widersacher Mohammeds in Medina, Abd Allah Ibn Ubei hatte sich zur Verteidigung bereit erklärt und ihm geraten, den Feind in der Stadt zu empfangen.

Mohammed und Abd Allah Ibn Ubei

Die Kampfeslust der Gläubigen, die obendrein nicht mit ansehen wollten, daß ihre Felder von den herannahenden Mekkanern zertreten wurden war aber stärker. So zog Mohammed seinem Feinde mit ungefähr 1000 Männern entgegen. Die Idee seiner medinensischen Helfer, die beiden verbliebenen jüdischen Stämme in Medina um Beistand anzugehen wies Mohammed ab, weil er zwischenzeitlich wußte, daß als Folge seiner fortdauernden Feindseligkeiten die vertraglichen Bande zu den Juden zerrissen waren.

Die „Heuchler“ setzen sich ab
In der folgenden Nacht lagerten die beiden Heere unweit voneinander beim Berg Uhud, nur durch einen Hügel getrennt. Am Morgen bezog Mohammed Stellung, es scheint aber, daß seine strategische Position ungünstig war. Das wird auch der Grund gewesen sein, weshalb ihm, zu seiner großen Bestürzung, Abd Allah Ibn Ubei eröffnete, daß er keine Lust hätte, in dieser gefährlichen Situation gegen eine Übermacht zu kämpfen, die ihm überdies nichts zu Leide getan habe. Mit Abd Allah Ibn Ubei zogen sich weitere 300 Medinenser zurück, so daß nur 700 Gläubige übrigblieben. Der Kommentar Allahs zu diesem Rückzug der „Heuchler“ kam in folgenden Versen nach der Schlacht:

Sure 3, Vers 166: Und was euch betraf am Tage des Zusammenstosses der beiden Haufen, das geschah mit Allahs Erlaubnis, und damit Er die Gläubigen erkenne und auch erkennte die Heuchler. Und gesprochen ward zu ihnen: „Heran! Kämpft in Allahs Weg!“ oder „Wehrt ab!“ Sie aber sprachen: „Wenn wir wüßten zu kämpfen, wahrlich, wir wären euch gefolgt!“ Einige von ihnen waren an jenem Tage dem Unglauben näher als dem Glauben.
Sure 3, Vers 167: Sie sprachen mit ihrem Munde, was nicht in ihrem Herzen war; und Allah weiß sehr wohl, was sie verbergen;
Sure 3, Vers 168: Sie, die da von ihren Brüdern sprachen, während sie daheim geblieben: „Hätten sie uns gehorcht, wären sie nicht erschlagen.“ Sprich: „So wehret von euch den Tod ab, so ihr wahrhaft seid.“

Die Heuchler

Mohammed feuert seine Krieger an
Mohammed mußte seine Getreuen in dieser ungünstigen Situation zum Kampf anspornen und sagte: „Wer will dieses Schwert um seinen Preis?“ Es erhoben sich mehrere Leute, aber Mohammed gab es keinem, bis Abu Dudjaneh hervortrat, und fragte: „Um welchen Preis?“ Mohammed antwortete: „Du mußt auf den Feind damit einhauen, bis es sich biegt.“ „So gib mir es“, sagte Abu Dudjaneh, und Mohammed gab es ihm.“ (Weil, 2. Band, Seite 14)

Eine andere Begebenheit dazu: „Amr Ibn Djamuh war ein Mann, der stark hinkte, und vier Söhne hatte, welche wie Löwen an der Seite Mohammeds fochten. Am Tage von Uhud wollten sie ihren Vater zurückhalten, und sie sagten ihm, Allah werde ihn entschuldigen. Er ging zu Mohammed und sagte ihm: „Meine Söhne wollen mich zurückhalten und mir nicht gestatten, in diesem Feldzug mit dir zu ziehen, aber bei Allah, ich hoffe in dieser Lahmheit das Paradies zu betreten. Mohammed erwiderte: „Gewiß wird dir Allah verzeihen, du bist nicht verpflichtet, in den Krieg zu ziehen. Seinen Söhnen sagte er aber: „Warum wollt ihr ihn zurückhalten? Vielleicht schenkt ihm Allah die Gnade, als Märtyrer zu sterben.“ Amr zog dann mit und wurde am Tage von Uhud erschlagen.“ (ebenda, Seite 29)

Die Gegner bezogen Stellung und der Kampf begann. Die Muslime hielten sich tapfer; sie konnten sogar die Reihen der Quraisch durchbrechen und ins gegnerische Lager vordringen. Die zur Verteidigung gegen die mekkanischen Reiter aufgestellten Bogenschützen sahen das und eilten ihnen beutegierig nach. „Augenblicklich fiel die Reiterei den ungedeckten Muslimen in den Rücken, Tod und Verderben verbreitend. Ein panischer Schrecken ergriff die Gläubigen. Alles floh.“ (Nöldeke, Seite 99) Dazu die Offenbarung, welche die voreilige Beutegier der Gläubigen zwar tadelt aber auch schon vergibt:

Sure 3, Vers 152: Und wahrlich, schon hatte Allah euch Sein Versprechen gehalten, als ihr sie mit Seiner Erlaubnis vernichtetet, bis daß ihr verzagtet und über den Befehl strittet und rebelliertet, nachdem Er euch hatte sehen lassen, was ihr wünschtet. Einige von euch verlangten nach dieser Welt und andere verlangten nach dem Jenseits. Alsdann kehrte Er euch von ihnen ab zur Flucht, um euch zu prüfen; und wahrlich, jetzt hat Er euch vergeben, denn Allah ist voll Huld wider die Gläubigen.

Mohammed wird verletzt, kann seinen Angreifer aber töten
Im entstandenen Durcheinander geriet Mohammed selbst in Gefahr. „Lebhaft wurde um ihn gekämpft. Er selbst wurde von einem Stein ins Gesicht getroffen, so daß ihm ein Zahn ausfiel, nach ein paar weiteren Würfen ins Gesicht verließ ihn die Kraft und er sank um. Der Ruf „Mohammed ist tot!“ nahm den Muslimen alle Besinnung. Alles floh den Berg hinan um nach der Stadt zu eilen.“ (Nöldeke, Seite 100)

Gemäß einem Bericht aus der sunnah gelang es dem Propheten immerhin, bevor er ohnmächtig wurde, diesen Feind zu töten:

Muslim B19 N4420: Hammam Ibn Munabbih bezeugte, daß Abu Huraira berichtete, der Prophet Allahs habe unter anderem folgendes gesagt: „Groß ist der Zorn Allahs über denjenigen, welcher dies verübt hat.“ (Der Prophet Allahs zeigte dabei auf seine Schneidezähne). Er sagte weiter:“ Groß ist der Zorn Allahs über die Person, welche von mir getötet wurde in Allahs Weg, dem Erhabenen und Glorreichen.“

Einige Getreue ergriffen nicht die Flucht, sondern standen Mohammed bei und trugen ihn höher nach einer geschützten Stelle in der Schlucht und versorgen seine Verwundung: „Malik Ibn Sinan sog das Blut aus seinem Gesichte und verschlang es, und Mohamed sagte: „Wer mein Blut mit dem seinigen vermischt, bleibt von der Hölle unberührt.“ (Weil, 2. Band, Seite 22 f) Im folgenden Vers wird darauf hingewiesen, daß der Kummer um den Zustand des Propheten die kleinmütige Gier über verloren gegangene Beute zerstreut hat:

Sure 3, Vers 153: Als ihr hinaufstieget und auf niemanden sahet, während der Prophet hinter euch her rief, da belohnte Er euch mit Kummer über Kummer damit ihr nicht über die euch verloren gegangene Beute bekümmert und über das, was euch befiel. Und Allah kennt euer Tun.

Bei den Gläubigen fielen in dieser Schlacht 70 Mann, die Quraisch hatten 20 Tote zu beklagen. Überzeugt, Mohammed getötet zu haben untersuchten sie die Leichen, konnten den Propheten aber nirgends finden. Abu Sofian trat an den Fuß des Berges und rief den Muslimen die Frage zu, ob Mohammed noch lebe. Dies wurde bejaht und man kam überein sich in einem Jahr bei Badr für einen neuerlichen Schlagabtausch wieder zu treffen.

Die Offenbarung betreffend Rache und Verstümmelung des Feindes
Unter den von den Mekkanern getöteten Muslimen befand sich auch ein Onkel Mohammeds, Hamza. Der Verlust dieses geliebten Mannes bewirkte, daß äußerst heftige Racheimpulse vom Propheten Besitz ergriffen: „Mohammed ging selbst, um Hamza aufzusuchen, und er fand ihn im Inneren des Tales, die Leber aus dem Leibe geschnitten, er war ganz verstümmelt, mit abgeschnittenen Ohren und Nase. Als Mohammed dies sah, sagte er ‚Verleiht mir Gott irgendwo Sieg über die Quraisch, werde ich dreißig der ihrigen verstümmeln.’ Als die Gläubigen Mohammeds Schmerz und Grimm über die Mißhandlung seines Oheims sahen, sagten sie: ‚Wenn uns Gott dereinst Sieg verleiht, wollen wir sie in einer Weise verstümmeln, wie es noch nie unter Arabern vorgekommen ist.’ Als Mohammed so vor Hamza stand, sagte er: ‚Bei Gott, es ist mir nie ein ähnliches Unglück widerfahren, ich war nie in einer schmerzlicheren Lage als diese.’ Dann fuhr er fort: ‚Gabriel ist zu mir gekommen und hat mir mitgeteilt, Hamza sei unter den Bewohnern der sieben Himmel, dort stehe geschrieben: Hamza, Sohn des Abd Almuttalib, der Löwe Gottes und Seines Gesandten.’“ (ebenda, Seite 32)

Mohammed hatte betreffend der arabischen Usanz der Verstümmelung von getöteten Feinden noch keine Anweisung Allahs erhalten. Der Allmächtige hielt es für angebracht, dem Propheten und den Gläubigen eine diesbezügliche Belehrung hernieder zu senden. Darin verbot Er zwar die Verstümmelung von getöteten Feinden nicht direkt, sondern riet, in diesem Zusammenhang von Rache abzusehen. So vervollkommnete Allah die Rechtleitung Seines Propheten:

Sure 16, Vers 126: Und so ihr euch rächen wollt, so rächt euch in gleichem Maße, als euch Böses zugefügt ward. Und so ihr duldet, so ist dies besser für die Duldenden.

Tafsir al-Jalalayn 16, 126: Nachdem Hamza b.’Abd al-Muttalib getötet und seine Leiche verstümmelt worden war, schaute sich der Prophet das Ganze an und sagte: „Wahrlich, ich werde 70 für dich verstümmeln.“ Daraufhin wurde folgendes offenbart: Falls du dich rächst, so tue dies im selben Maße wie dir Schaden zugefügt worden ist. Wenn du jedoch ausharrst und von Rache absiehst, wahrlich, ausharren ist besser für den Geduldigen. Also hielt sich der Prophet vor Rache zurück und erbrachte Sühne für seinen Schwur, wie von al-Bazzar berichtet wird.

Eine Niederlage im Krieg ist die Folge von Unglauben, Mangel an Gehorsam und den Einflüsterungen Satans
„Die am Berge Uhud erlittene Niederlage vernichtete auf einmal Mohammeds kühne Hoffnungen, indem sie den moralischen Eindruck des Sieges bei Badr fast ganz aufhob. Jetzt konnten die Feinde, die Zweifler und die Spötter mit offenem Jubel oder versteckter Schadenfreude sagen, daß die Hilfe Gottes dem Propheten doch nicht ganz so sicher wäre, da er ihn im Stich gelassen habe … Die eigenen Anhänger, denen Mohammed doch gewiß den Sieg verkündet hatte, mußten irre werden, und dieser hatte viel zu tun, das gesunkene Vertrauen wieder zu heben. Er schob die Schuld an der Niederlage alleine auf den Unglauben und den Mangel an Gehorsam.“ (Nöldeke, Seite 105) Dies tat Mohammed entsprechend der von Allah empfangenen Offenbarung:

Sure 3, Vers 165: Und da euch ein Unglück betraf, nachdem ihr das Doppelte erlangtet, sprecht ihr etwa: „Woher dies?“ Sprich: „Es kommt von euch selber.“ Siehe, Allah hat Macht über alle Dinge.

Der Sinn des Satzes „nachdem ihr das Doppelte erlangtet“ ist, daß der Sieg bei Badr die Niederlage am Uhud ums Doppelte aufwog.

Der erlebte Schock des möglichen Verlustes des Propheten wird in einer weiteren Offenbarung dahingehend relativiert, daß auch schon vor Mohammed Propheten für den Glauben gestorben seien, und daß der wahre Gläubige deshalb seinen Kampf nicht aufgibt:

Sure 3, Vers 144: Und Mohammed ist nur ein Gesandter; schon vor ihm gingen die Gesandten dahin. Und so, ob er stirbt oder fällt, werdet ihr umkehren auf euren Fersen? Und wer umkehrt auf seinen Fersen, nimmer schadet er Allah etwas; aber Allah wird wahrlich die Dankbaren belohnen.

In diesem Sinne werden die Gläubigen durch weitere nach der Schlacht erfolgte Offenbarungen über die genaueren Zusammenhänge des Ereignisses belehrt. So war es Satans Werk, das sie die Flucht ergreifen ließ. Die daraufhin durch Allah in Umlauf gebrachte Kunde, daß der Prophet doch nicht gefallen sei sondern sich in Sicherheit befinde, milderte den Kummer seiner Getreuen erheblich. Trotzdem hatten einige Muslime, die nicht bereit waren, den totalen Einsatz zu leisten „heidnische“ Gedanken. Sie haderten mit der Situation anstatt sie als willkommene und wunderbare Prüfung ihres Herrn zu empfinden. Alle, die am Kampfe teilnahmen hatten ja die Gelegenheit, als Märtyrer zu sterben:

Sure 3, Vers 154: Alsdann sandte Er auf euch nach dem Kummer Sicherheit nieder. Müdigkeit überkam einen Teil von euch; ein anderer Teil aber – ihre Seelen regten sie auf, ungerecht von Allah zu denken in heidnischem Denken. Sie sprachen: „Haben wir irgend etwas von der Sache?“ Sprich: „Siehe, die ganze Sache ist Allahs.“ Sie verbargen in ihren Seelen, was sie dir nicht kundtaten, indem sie sprachen: „Hätten wir etwas von der Sache gehabt, wären sie hier nicht erschlagen!“ Sprich: „Wäret ihr auch in euren Häusern gewesen, wahrlich, hinaus wären jene gezogen, denen der Tod verzeichnet war, zu ihren Ruhestätten – und damit Allah prüfte, was in euren Brüsten ist, und, was in eurem Herzen, erforschte.“ Und Allah kennt das Innerste der Brüste.
Sure 3, Vers 155: Siehe, diejenigen von euch, welche am Tage des Zusammenstosses der beiden Scharen den Rücken kehrten, der Satan nur machte sie straucheln für etwas von ihrem Tun. Und wahrlich, nunmehr hat Allah ihnen vergeben; siehe, Allah ist verzeihend und milde.

Androhung von Strafe bei der Verweigerung der Loyalität

Jeder Kampf gegen die Ungläubigen ist eine Prüfung der Glaubensfestigkeit
Die oben zitierten Offenbarungen weisen darauf hin, daß Allah auch in dieser Schlacht die Taten der Gläubigen geplant und gelenkt hat. Wie erwähnt, muß man Abfolge und Niederlage dieser Schlacht als Prüfung über die Glaubensfestigkeit der Muslime verstehen. „Allah kennt das Innerste der Brüste“ und weiß, welche Gläubigen ergeben genug sind, ein von Ihm so vorherbestimmtes negatives Resultat hinzunehmen.

Prädestination und freier Wille

Gestorben wird ohnehin gemäß dem Termin, der im himmlischen Buch festgeschrieben ist. Allah tröstet Seinen Gesandten bei dieser Gelegenheit mit dem Hinweis, daß auch seine Prophetenvorgänger gegen viele tausend Feinde (Myriaden) unterlegen sind: „Aber nicht verzagten sie bei dem, was sie in Allahs Weg betraf, und nicht wurden sie schwach und nicht demütigten sie sich.“ Wir vernehmen hier, daß nicht nur islamische mujahidun direkt ins Paradies eingehen, wenn sie für die Sache Allahs sterben sondern daß dieses Glück schon den Mitstreitern früherer Propheten zuteil wurde: „Und Allah gab ihnen den Lohn der Welt und den schönsten Lohn im Jenseits.“

Sure 3, Vers 145; Und niemand stirbt ohne Allahs Erlaubnis gemäß dem Termine setzenden Buch. Und wer den Lohn des Jenseits begehrt, dem geben Wir von ihm; wahrlich wir belohnen die Dankbaren.
Sure 3, Vers 146: Und wie viele Propheten kämpften wider einen Feind bei dem viele Myriaden waren! Aber nicht verzagten sie bei dem, was sie in Allahs Weg betraf, und nicht wurden sie schwach und nicht demütigten sie sich. Und Allah liebt die Standhaften.
Sure 3, Vers 147: Und nicht war ihr Wort ein anderes, als daß sie sprachen: „Unser Herr, verzeihe uns unsre Sünden und unsre Vergehen in unserer Sache; und festige unsere Füße und hilf uns wider das ungläubige Volk“.
Sure 3, Vers 148: Und Allah gab ihnen den Lohn der Welt und den schönsten Lohn im Jenseits. Und Allah liebt die Gutes Tuenden.

Und das alles ist schon vorherbestimmt:

Das Buch des Schicksals
 Einführung in die islamische Prädestinationslehre 

Die praktische Lehre aus der Schlacht am Uhud sind klar: Falls ein Einsatz für die Sache des Islam nicht erfolgreich ausfällt, liegt dies am mangelnden Einsatz der Gläubigen. Der Allmächtige zögert nicht, dafür Strafe in Form einer Niederlage herabzusenden.

Der Märtyrertod – das höchste Ziel eines Gläubigen
Die Chronik berichtet zur Niederlage der Muslime folgendes: „Die Muslime waren dann bloßgestellt, und der Feind brachte ihnen eine Niederlage bei. Es war der Tag der Versuchung und Erprobung, an welchem Allah manche durch den Märtyrertod verherrlichte.“ (Weil, 2. Band, Seite 22)

Weitere Verse bekräftigen noch einmal das vom Allmächtigen und Seinem Propheten geforderte unbedingte Opfer für den Glauben und legen als höchstes Ziel dieses Einsatzes den Märtyrertod fest:

Sure 3, Vers 157: Und wahrlich, so ihr im Wege Allahs erschlagen werdet oder sterbet, wahrlich, Verzeihung von Allah und Barmherzigkeit ist besser, als was ihr zusammenscharrt.
Sure 3, Vers 158: Und wahrlich, wenn ihr sterbet oder erschlagen werdet, werdet ihr zu Allah versammelt.

Sure 3, Vers 139: Und seid nicht verzagt und traurig; ihr werdet obsiegen, so ihr gläubig seid.
Sure 3, Vers 140: Wenn euch eine Wunde betroffen hat, so hat eine Wunde gleich ihr schon andre Leute betroffen. Und diese Tage des Sieges und der Niederlage lassen wir wechseln unter den Menschen, damit Allah die Gläubigen erkennt und sich aus ihnen Märtyrer erwählt. – Und Allah liebt nicht die Ungerechten.

Tafsir al-Jalalayn 3,140 : Wenn euch – wie im Fall von Uhud – eine  Kränkung/Schwächung widerfährt so haben auch schon andere wie z.B. die Ungläubigen bei Badr eine solche erfahren. Solche Tage verabreichen Wir (Allah) abwechslungsweise. Wir verteilen sie unter die Menschen; an einem Tag an eine bestimmte Gruppe, an einem anderen an eine weitere damit sie ermahnt werden. Und daß Allah durch Erkenntnis, welche sich außen manifestiert diejenigen, welche glauben und in ihrem Glauben aufrichtig sind, von den anderen unterscheide. Und daß Er unter euch Zeugen auswähle und diese mit einem Märtyrertum ehre. Und Allah liebt die Frevler, die Ungläubigen nicht. Vielmehr wird Er sie bestrafen und der Segen, welchen er ihnen widerfahren läßt ist lediglich die Methode, mit welcher Er ihre Züchtigung in die Länge zieht.

Sure 3, Vers 141: Und damit Allah die Gläubigen heimsucht und die Ungläubigen vertilgt.

Tafsir al-Jalalayn 3,141: Und dass Allah die Gläubigen versucht und sie durch Schicksalsschläge von ihren Sünden befreit. Und dass Er die Ungläubigen beseitige oder vielmehr vernichte.

Sure 3, Vers 142: Oder wähnt ihr, einzugehen in das Paradies, ohne daß Allah die Glaubensstreiter unter euch und die Standhaften erkannte?
Sure 3, Vers 143: Und ihr wünschtet doch auch den Tod, bevor ihr ihm begegnet. Nun sahet ihr ihn, und ihr werdet ihn schauen.

Die Gewißheit, ins Paradies einzugehen
Die Gewißheit, im Paradies eine bevorzugte Stellung zu erhalten

Das Wissen um die Wonnen des Paradieses hilft den mujahidun, den Tod mit Freude hinzunehmen
Zu den unbeschreiblichen Freuden des Paradieses weiß Mohammed seinen Glaubensbrüdern zu berichten: “ … als eure Brüder bei Uhud getötet wurden, versetzte Allah ihre Seelen in das Innere von grünen Vögeln, welche aus den Bächen des Paradieses trinken und von dessen Früchten essen, und bei goldnen Leuchtern im Schatten des Thrones ruhen. Als sie so gute Getränke und Speisen und einen so schönen Ruheplatz fanden, sagten sie: „Wüssten doch unsere Brüder, wie Gott an uns handelt, damit sie nicht vom heiligen Krieg ablassen und unermüdlich fortkämpfen!“ Da sagte Allah: „Ich will sie davon benachrichtigen, und sendete seinem Propheten folgende Verse, um die Gläubigen zum heiligen Krieg anzuspornen und ihnen den Tod leicht zu machen.“ (ebenda, Seite 47):

Sure 3, Vers 169: Und wähnet nicht die in Allahs Weg Gefallenen für tot; nein, lebend bei Ihrem Herrn, werden sie versorgt,
Sure 3, Vers 170: freudig über das, was Allah von Seiner Huld ihnen gab, und von Freude erfüllt über die hinter ihnen, die sie noch nicht eingeholt, daß keine Furcht über sie kommen wird und sie nicht trauern werden,
Sure 3, Vers 171: von Freude erfüllt über die Gnade von Allah und Huld, und daß Allah den Lohn der Gläubigen nicht verloren gehen läßt.
Sure 3, Vers 172: Die da Allah und dem Gesandten nach der Wunde, die sie erlitten, entsprachen, für die von ihnen, welche Gutes taten und gottesfürchtig waren, ist großer Lohn bestimmt,
Sure 3, Vers 173: Die da, als die Leute zu ihnen sprachen: „Siehe, die Leute haben sich bereits wider euch geschart; fürchtet sie drum!“ – nur stärker wurden im Glauben und sprachen: „Unser Genüge ist Allah, und trefflich ist der Beschützer!“
Sure 3, Vers 174: Sie kehren daher mit Gnade von Allah und Huld zurück ohne daß sie ein Übel getroffen hätte, und sie gingen dem Wohlgefallen Allahs nach; und Allah ist voll großer Huld.

Über Begebenheiten aus der jenseitigen Welt hatte Mohammed offenbar weitere detaillierte Kenntnisse. Zum wunderbaren Erlebnis eines getöteten Gläubigen mit dem Allmächtigen selbst sagte Mohammed zu dessen Sohn: „Soll ich dir eine erfreuliche Nachricht geben?“ Dieser antwortete: „Jawohl, Prophet Gottes!“ Da sagte Mohammed: „Als dein Vater bei Uhud getötet wurde, belebte ihn Allah wieder und sagte ihm: „Was soll ich dir erweisen?“ Er antwortete: „O Herr! Sende mich in die Welt zurück, daß ich für Dich kämpfe, und nochmals für Dich erschlagen werde.“ (ebenda, Seite 48).

Die sieben Himmel – das Paradies

Allah stellt weitere Kampfengel in Aussicht
Wichtige tröstende und stärkende Offenbarungen wurden von Allah nach der Niederlage mitgeteilt. Sie erinnern an die siegreiche Schlacht bei Badr und wiederholen des Propheten Worte an die Gläubigen während dem gerade verlorenen Kampf. Mohammed hatte seinen Kriegern mitgeteilt, daß wiederum dreitausend Kampfengel helfen – wie bei Badr. Allah stellt für zukünftige Unternehmungen des „Heiligen Krieges“ weitere himmlische Kampfeinheiten in Aussicht. Er will beim nächsten Anlaß mit fünftausend Engeln helfen, sofern sich die mujahidun redlich anstrengen:

Sure 3, Vers 123: Und auch bei Badr half euch Allah, als ihr verächtlich erschienet, drum fürchtet Allah; vielleicht seid ihr dankbar.
Sure 3, Vers 124: Als du zu den Gläubigen sprachst: „Genügt es euch denn nicht, daß euer Herr euch mit dreitausend herniedergesendeten Engeln hilft?“
Sure 3, Vers 125: Ja, wenn ihr standhaft und gottesfürchtig seid und sie über euch kommen in wilder Hast, wird euer Herr euch helfen mit fünftausend gezeichneten Engeln.
Sure 3, Vers 126: Und dies machte Allah allein als Freudenbotschaft für euch, und auf daß eure Herzen in Ruhe wären – denn nur von Allah, dem Mächtigen, dem Weisen, kommt der Sieg.
Sure 3, Vers 127: Und damit er abschnitte ein Glied von den Ungläubigen oder sie niederwürfe, daß sie zuschanden gemacht umkehrten.

Mohammed läßt sein Schwert reinigen
Nach der Schlacht, „als Mohammed zu seiner Familie kam, gab er sein Schwert seiner Tochter Fatimah und sagte zu ihr: „Wasche das Blut ab, meine Tochter! Bei Allah, es hat sich mir heute bewährt … Zu Ali sagte er: „Wir werden die Ungläubigen nicht in ähnlicher Weise schlagen bis uns Gott den Sieg über Mekka verschafft.“ (ebenda, Seite 35)

Der Entschluß, Mekka zu unterwerfen schien also schon festzustehen.

Verfolgung des abziehenden Feindes
Nach dieser verlorenen Schlacht beschloß Mohammed, dem siegreichen Feind nachzuziehen und „wollte durch diesen Auszug den Feind in Schrecken setzen, er sollte hören, daß ihm nachgesetzt worden sei, und daraus schließen, daß die Muslime noch mächtig seien, und daß ihre Niederlage sie nicht so geschwächt habe, daß sie dem Feinde keinen Widerstand mehr leisten.“ (ebenda, Seite 35)

Allah unterstützte Seinen Gesandten indem Er seinerseits Schrecken in die Herzen der Quraisch warf, was Er mit folgender Offenbarung bekannt gab:

Sure 3, Vers 151: Wahrlich, Wir werden in die Herzen der Ungläubigen Schrecken werfen, darum daß sie neben Allah Götter setzten, wozu Er keine Ermächtnis niedersandte; und ihre Wohnstätte wird sein das Feuer, und schlimm ist die Herberge der Ungerechten.

Schrecken in die Herzen werfen

Auch Vers 104 aus Sure 4 wurde zu diesem Ereignis offenbart. Es scheint, daß in der Schlacht verletzte Gläubige dem Ansinnen der Verfolgung der Quraisch nicht folgen mochten, weshalb Allah sie ermahnte „erlahmet nicht in der Verfolgung des Volkes der Ungläubigen„:

Sure 4, Vers 104: Und erlahmet nicht in der Verfolgung des Volkes der Ungläubigen; leidet ihr, siehe, so leiden sie, wie ihr leidet. Ihr aber erhofft von Allah, was sie nicht erhoffen; und Allah ist wissend und weise.

Amnestie als taktisch kluge und sinnvolle Maßnahme
In der aktuellen Situation der Schwäche war es zweifellos ein geschicktes Vorgehen des Propheten, den Zaghaften und Feigen, Heuchlern sowie Gläubigen, welche sich unter Ausflüchten vom Kampfgeschehen zurückgezogen hatten zu verzeihen. Allah bestätigte dies mit folgender Offenbarung:

Sure 3, Vers 155: Siehe, diejenigen von euch, welche am Tage des Zusammenstoßes der beiden Scharen den Rücken kehrten, der Satan nur machte sie straucheln für etwas von ihrem Tun. Und wahrlich, nunmehr hat Allah ihnen vergeben; siehe, Allah ist verzeihend und milde.

Sure 3, Vers 159: Und um der Barmherzigkeit Allahs Willen warst du lind zu ihnen; wärest du aber rauh und harten Herzens gewesen, so hätten sie sich von rings um dich zerstreut. Drum vergib ihnen und bete für sie um Verzeihung und ziehe sie zu Rate in der Sache; und so du entschlossen bist, dann vertrau auf Allah; siehe Allah liebt die auf ihn Trauenden.

Politische Wirren
Die von Mohammed bisher verfolgte rücksichtslose Expansionspolitik beschwor weitere Reaktionen aus seinem Umfeld herauf: „Alle Anstrengungen Mohammeds mußten nun darauf gerichtet sein, das durch die Niederlage gesunkene Ansehen bei den Arabern wieder herzustellen … Denn schon mehrten sich die Zeichen, daß die verschiedensten Beduinenstämme sich gegen die Stadt sammelten, die sie als gute Beute ansehen mußten, und von der aus sie die Gefahr für ihre Freiheit zu fürchten anfingen. Nur geschicktes Handeln und geschickte Benutzung der ewigen inneren Fehden konnten hier helfen. Auf die Nachricht, daß der große Stamm der Asad sich gegen ihn sammelte, schickte Mohammed den Abu Salima … mit einer Schar von 150 Mann gegen sie aus … Wie fast stets bei diesen Razzien gegen Beduinenstämme kam es zu keinem eigentlichen Kampf, aber einige Beute, darunter 3 Sklaven, ward gewonnen und der Stamm war mit Schrecken gefüllt.“ (Nöldeke, Seite 106)

Wie verworren und belastet sich für Mohammed die Beziehungen zu seinem Umfeld bereits gestalteten, mag folgende Begebenheit mit einem anderen beduinischen Stamm belegen: „Mohammed sandte bald nach der Niederlage zehn Späher in die Gegend von Mekka. Aber bei Arrradschi, nicht weit von Mekka, wurden sie plötzlich von einer großen Anzahl Hudhail-Beduinen angegriffen, welche von den Muslimen Blutrache zu fordern hatten für einen ihrer Häuptlinge, den Mohammed, weil er Böses von ihm fürchtete, meuchlings hatte ermorden lassen. Nach arabischer Anschauung waren die Hudailiten ganz in ihrem Rechte und war der Vorwurf des Verrates, den die Muslime gegen sie erhoben, unbegründet. Die Mehrzahl der Muslime fiel tapfer kämpfend. Nur drei ergaben sich und sollten von den Hudailiten, deren Rache nun gesättigt war, an die Mekkaner verkauft werden.“ (Nöldeke, Seite 107 f)

625 Mission bei den Beduinen

da’wa

Eine der wenigen Expeditionen des Propheten, die nicht Krieg gegen den Unglauben beinhalteten war die Entsendung von 40 Muslimen zu den Beduinen des Nadsch. Sie sollten friedlich bekehrt werden. Abu Bara, ein hoch angesehener Häuptling des beduinischen Stammes der Amir hatte die Bürgschaft für die Sicherheit dieser Missionare übernommen. Der Neffe von Abu Bara hatte aber, aus welchen Motiven auch immer, das Verderben dieser Gläubigen im Sinne. Er konnte dafür allerdings keine Mitglieder der Amir gewinnen, dafür erhielt er Unterstützung einer grossen Anzahl von Beduinen vom Stamme der Sulaim. Alle Muslime wurden niedergemacht bis auf einen, und dieser rächte den Tod seiner Glaubensbrüder, indem er auf dem Rückweg nach Medina zwei schlafende Amir erschlug. Dies war ein Blutfehdefall, der dem Propheten sehr unangenehm war, hatten die Amir mit ihm doch stets freundschaftlich verkehrt. „Dieser Schlag traf Mohammed sehr schwer, da er ihm so viele treue Anhänger raubte und zugleich seinem Ansehen bei den Beduinen des Nadsch empfindlich schadete. Eine Reihe von Tagen sprach er jeden Morgen nach dem Gebet einen Fluch über die Stämme, welche ihm dieses Leid zugefügt hatten.“ (Nöldeke, Seite 111) Das Blutgeld für die beiden getöteten Amir wurde auf 200 Kamele festgelegt. Dies war eine hohe Summe und der Prophet begab sich persönlich zu den Banu Nadir um sie aufzufordern, einen Teil der Summe zu übernehmen, denn zwischen diesen Juden und den Amir bestand ebenfalls ein Bundesverhältnis.

Bei den diesbezüglichen Verhandlungen sollen, gemäß Chronik von Ibn Ishak, die Juden einen Anschlag auf Mohammed geplant haben: „Als Mohammed ihnen sein Anliegen mitgeteilt hatte, zeigten sie die grösste Bereitwilligkeit, seinem Wunsche nachzukommen. Nachdem sie aber allein unter einander waren sagten sie: „Ihr werdet diesen Mann nie in einer für euch so günstigen Lage finden“ – er sass nämlich an der Mauer eines ihrer Häuser – “ wer geht auf das Dach dieses Hauses und wirft einen schweren Stein auf ihn und schafft uns Ruhe vor ihm?“ … Mohammed wurde aber vom Himmel von diesem Vorhaben in Kenntnis gesetzt, und er kehrte alsbald nach Medina zurück.“ (Weil, 2. Band, Seite 81)

Einer anderen Tradition gemäß sollen sich die Juden der Forderung Mohammeds widersetzt und gefragt haben, ob Allah zu arm sei, das Lösegeld selber zu zahlen. Darauf bezieht sich folgende Offenbarung, in welcher Allah versichert, daß Er diese Respektlosigkeit in Seinem Buche vermerken wird:

Sure 3, Vers 181: Wahrlich, gehört hat Allah das Wort jener, die da sprachen: „Siehe, Allah ist arm und wir sind reich.“ Niederschreiben wollen wir ihre Worte und ihr ungerechtes Ermorden der Propheten und wollen sprechen: „Schmecket des Brennens Strafe!“

626 Vertreibung der Banu Nadir

Im Koran ist die ganze Sure 59 der Vertreibung der Banu Nadir gewidmet.

Nach der mißglückten Zusammenkunft erklärte ihnen Mohammed den Krieg. Die Belagerung der befestigten Burgen dauerte 6 Tage. Während dieser Zeit ließ Mohammed auf dem Oasengebiet der Banu Nadir Palmen fällen, um ihre Lebensgrundlage zu zerstören. Dieses Vorgehen wurde im arabischen Raum als schweres Verbrechen gewertet. Auch diese Begebenheit findet ihren Kommentar in koranischen Offenbarungen. Wie nicht anders zu erwarten, segnete Allah das Fällen von Palmen ab. Er erinnerte auch noch an den elenden Abgang der Banu Quaynuqa zwei Jahre vor diesem Ereignis:

Sure 59, Vers 2: Er ist’s, welcher die Ungläubigen vom Volk der Schrift aus ihren Wohnungen zu der ersten Auswanderung trieb. Ihr glaubtet nicht, daß sie hinausziehen würden, und sie glaubten, daß ihre Burgen sie vor Allah schützen würden. Da aber kam Allah zu ihnen, von wannen sie es nicht vermuteten, und warf Schrecken in ihre Herzen. Sie verwüsteten ihre Häuser mit ihren eigenen Händen und den Händen der Gläubigen. Drum nehmt es zum Exempel, ihr Leute von Einsicht!
Sure 59, Vers 3: Und hätte nicht Allah für sie Verbannung verzeichnet, wahrlich, Er hätte sie hienieden gestraft; und im Jenseits ist für sie die Strafe des Feuers.
Sure 59, Vers 4: Solches, dieweil sie sich Allah und Seinem Gesandten widersetzten; und wenn sich einer Allah widersetzt, siehe, so ist Allah streng im Strafen.
Sure 59, Vers 5: Was ihr auch an Palmen fälltet oder auf ihren Wurzeln stehen ließet, es war mit Allahs Erlaubnis und um die Frevler zu schänden.

Einige Vertreter der Hazrag, den Bundesgenossen der Banu Nadir, darunter Abd Allah Ibn Ubei, sprachen letzteren Mut und Unterstützung zu, welche im entscheidenden Moment jedoch unterblieb. Ibn Ishaq erklärt den Grund für diesen Verrat: „Aber sie zögerten, ihnen beizustehen, denn Gott hatte ihr Herz mit Schrecken gefüllt, sie baten nur den Propheten, die Banu Nadir am Leben zu lassen, und ihnen so viel von ihrer Habe, mit Ausnahme der Panzer, zu lassen, als ein Kamel tragen konnte. Mohammed willigte ein, und sie nahmen fort, was ein Kamel tragen konnte.“ (Weil; 2. Band, Seite 81) Unter den Vertriebenen war auch Kinana Ibn Rabia, der sich mit einem Teil seines Stammes in Khaybar, einer nördlichen von Medina gelegenen jüdischen Siedlung niederließ, und dort zu einem Obmann aufstieg.

Die folgenden kommentierenden Verse belegen, daß Allah das ganze Geschehen permanent begleitet und durchschaut:

Sure 59, Vers 11: Sahst du nicht, wie die Heuchler zu ihren ungläubigen Brüdern unter dem Volk der Schrift sprechen: „Wahrlich, wenn ihr vertrieben werdet, so ziehen wir mit euch aus, und wir wollen nimmermehr einem in Betreff euer gehorchen. Und wenn wider euch gestritten wird, wahrlich, so helfen wir euch.“ Doch Allah ist Zeuge, das sie Lügner sind.
Sure 59, Vers 12: Wahrlich, wenn sie vertrieben werden, so ziehen sie nicht mit ihnen fort, und wenn wider sie gestritten wird, so helfen sie ihnen nicht, und wenn sie ihnen hülfen, so würden sie den Rücken kehren, alsdann würden sie keine Hilfe finden.
Sure 59, Vers 13: Wahrlich, ihr seid mehr in ihren Herzen gefürchtet als Allah, weil sie ein Volk ohne Verstand sind.
Sure 59, Vers 14: Sie werden nicht wider euch gesammelt streiten, sondern in befestigten Städten oder hinter Mauern. Ihr Mut ist unter ihnen groß. Du hältst sie für eine Einheit, doch sind ihre Herzen geteilt, dieweil sie ein Volk ohne Einsicht sind.
Sure 59, Vers 15: Sie gleichen denen, welche jüngst vor ihnen lebten; sie schmeckten das Unheil ihrer Sache, und es ward ihnen eine schmerzliche Strafe.
Sure 59, Vers 16: Gleich dem Satan, da er zum Menschen spricht: „Sei ungläubig!“ Und da er ungläubig geworden, spricht er: „Siehe, ich habe nichts mit dir zu schaffen; siehe, ich fürchte Allah, den Herrn der Welten.
Sure 59, Vers 17: Und der Ausgang beider wird sein, daß sie ewig im Feuer sein werden; denn das ist der Lohn der Ungerechten.

Und wiederum fiel erhebliche Beute an. „Nur zwei Juden erkauften durch Annahme des Islam die Rückgabe ihrer Besitzungen. Das übrige Land erklärte Mohammed, weil es nicht durch offenen Kampf, sondern durch Vertrag erworben war, nicht für Beute der Muslime, sondern für sein Eigentum und verteilte es unter die mekkanischen Flüchtlinge (Muhagirun), welche so auf einmal wohlhabende Grundbesitzer wurden.“ (Nöldeke, Seite 113) Ein logischer Zusammenhang zwischen dem Umstand, daß Beute durch Vertrag gemacht wird und nicht „zu Ross und Kamel“ und der Tatsache, dass Mohammed deshalb die ganze Beute für sich beanspruchte, ist nicht ersichtlich. Trotzdem ordnete Allah dieses Verteilungsverfahren an:

Sure 59, Vers 6: Und was Allah Seinem Gesandten von ihnen zur Beute gab – so sprengtet ihr nicht zu Ross und Kamel hinterdrein. Jedoch gibt Allah Seinem Gesandten Macht über wen Er will, denn Allah hat Macht über alle Dinge.
Sure 59, Vers 7: Was Allah Seinem Gesandten von den Stadtbewohnern zur Beute gab, das gehört Allah und Seinem Gesandten und seiner Verwandtschaft, den Waisen und Armen und dem Sohn des Weges, damit es nicht unter den Reichen von euch die Runde mache. Und was euch der Gesandte gibt, das nehmet, und was er euch verwehrt, von dem lasset ab und fürchtet Allah. Siehe, Allah straft strenge.
Sure 59, Vers 8: Und es gehört auch den armen Auswanderern, die aus ihren Wohnungen und von ihrem Gut vertrieben wurden, die Allahs Huld und Wohlgefallen suchten und Allah und Seinem Gesandten helfen. Sie sind die Wahrhaftigen.

Dieses Verteilungsverfahren wird auch in der sunnah erwähnt und hat somit Gesetzescharakter:

Muslim B19 N4347: Umar erzählt: die verlassenen Besitztümer der Banu Nadir schenkte Allah Seinem Propheten, ohne dass ein Feldzug, weder zu Pferd noch zu Kamel, stattgefunden hätte. Diese wurden dem Heiligen Propheten deshalb gegeben, damit Er mit den Einnahmen die jährlichen Ausgaben seiner Familie begleichen konnte. Mit dem Rest kaufte er Pferde und Waffen als Vorbereitung für den Heiligen Krieg.

„Dieser ohne Blutvergiessen erfochten Sieg war der erste namhafte Vorteil nach der grossen Niederlage. Ein ganzer feindlicher Stamm, der durch seinen Wohnsitz und seine Verbindungen mit den Mekkanern und den ungläubigen Medinensern eine Gefahr darstellte, war verschwunden und der allmählich sich feststellende Plan, alle Juden dieser Gegend zu vernichten war seiner Vollendung näher gerückt.“ (Nöldeke, Seite 113)

Im Jahre 626 unternahm Mohammed noch kleinere ereignislose Züge gegen beduinische Stämme. Anläßlich eines solchen soll Mohammed ein „Furchtgebet“ verrichtet haben: „Dort traf er eine Schar Beduinen, sie näherten sich einander, bekriegten sich aber nicht, weil sie sich gegenseitig fürchteten. Mohammed verrichtete das Furchtgebet und zog wieder weg … Mohammed betete mit einer Abteilung ein Gebet mit zwei Kniebeugungen und grüsste, während die andere Abteilung dem Feinde gegenüber stand, dann kam diese herbei und er betete mit ihr mit zwei Kniebeugungen und grüsste.“ (Weil, 2. Band, Seite 88)

Wie ein solches „Furchtgebet“ zu absolvieren ist, hatte Allah in einer Offenbarung bereits festgelegt.

Sonderregelung für das Gebet während Kriegszügen

627 Weitere Kriegszüge gegen Norden

In diesem Jahr zog Mohammed schon weit in den Norden, um einige christliche Stämme zu unterwerfen: „Wie weit seine Pläne damals schon reichten sieht man daraus, daß er bereits im Jahre 5 einen Zug nach Daumataldschandal, dem jetzt unter dem Namen Aldschof bekannten fruchtbaren Strich an der syrischen Grenze (30 – 31° NB) unternahm, von dessen Einzelheiten wir leider, wie von den meisten Zügen nach dem Norden, nichts Näheres wissen.“ (Nöldeke, Seite 115 f)

627 Grabenkrieg

Der Hauptteil von Sure 33 ist diesem Ereignis gewidmet. Gemäss Ibn Ishaq waren die Juden vom vertriebenen Stamm der Banu Nadir die Drahtzieher hinter dem Feldzug, den die Quraisch zusammen mit verbündeten Beduinen er Ghatafan und Sulaim gegen Medina anstrengten und der unter dem Namen „Grabenkrieg“ in die Geschichte eingegangen ist: “ … und forderten sie auf, Mohammed zu bekriegen, und versprachen ihnen ihren Beistand, bis er ganz vernichtet sein werde. Die Quraisch sagten zu den Juden: „Ihr seid die Männer der ältesten Schrift und wisset, worüber wir mit Mohammed im Streit sind, saget uns: ist unsere Religion besser, oder die seinige?“ Sie antworteten: „Eure Religion ist besser, ihr seid der Wahrheit näher als er.“ (Weil, 2. Band, Seite 93)

Auf die während dieser Verhandlung zwischen den Juden und den Quraisch erfolgte Zusicherung, daß der Polytheismus der Quraisch höherwertig sei als Mohammeds Lehre, beziehen sich untenstehende Verse. Es ist verständlich, daß die Juden die Frage der Quraisch zu deren Befriedigung beantwortet haben, wollten sie diese ja für einen Feldzug gewinnen und nicht in eine theologische Grundsatzdiskussion verwickeln. Der Hinweis in Vers 51, daß sie an Gibt und Tagut glaubten, obschon ihnen ein Teil der Schrift (die Tora) gegeben wurde, bezieht sich auf einen kleinen Teil der Juden, die aus Haß gegen Mohammed zum Heidentum der Quraisch übergelaufen waren (gem. Fussnote bei: M. Henning: Der Koran, Seite 98):

Sure 4, Vers 51: Sahest du nicht auf die, denen ein Teil von der Schrift gegeben ward? Sie glauben an den Gibt und den Tagut und sprechen von den Ungläubigen: “ Sie sind des Weges besser geleitet als die Gläubigen.“
Sure 4, Vers 52: Diese sind es, welche Allah verflucht hat; und wen Allah verflucht hat, wahrlich nimmer findet er einen Helfer.
Sure 4, Vers 53: Sollten sie etwa einen Anteil am Königreich empfangen, wo sie selbst dann den Menschen nicht einmal ein Keimgrübchen im Dattelkern geben würden?

Es vereinigten sich in der Folge verschiedene Beduinenstämme mit den Quraisch, so dass ein Heer von 10’000 Kriegern von allen Seiten her Medina umringte. In der Stadt standen lediglich 3’000 Kämpfer bereit, ein guter Teil von ihnen waren zudem wankelmütige Heuchler.

Mohammed hatte die große Gefahr erkannt und wußte, daß er aus der Defensive heraus handeln mußte. Er hatte vom persischen Freigelassenen Salman den Hinweis erhalten, eine ungeschützte Stelle vor der Stadt mit einem Graben zu sichern. „Als Mohammed von ihrem Anzug und von ihrem Vorhaben Kunde erhielt, ließ er Medina von einem Graben umgeben, und er arbeitete selbst mit, um den Gläubigen Verlangen nach dem Lohn einzuflössen. Die Gläubigen arbeiteten fleißig mit, weniger die Heuchler, welche angeblich zu schwach zur Arbeit waren und ohne Wissen und Willen des Propheten nach Hause gingen. Die Gläubigen hingegen, wenn ihnen etwas Dringendes vorkam, trugen es Mohammed vor und baten ihn um Erlaubnis, ihr Geschäft abzumachen. Mohammed erlaubte es, und sobald sie ihr Geschäft abgemacht hatten kehrten sie zur Arbeit zurück aus Verlangen nach dem Segen Allahs, der es ihnen anrechnen werde.“ (Weil, 2. Band, Seite 94)

Bei den Grabarbeiten ereignete sich ein Wunder: „Man hat mir berichtet, der Perser Salman habe erzählt: „Ich arbeitete an einer Seite des Grabens in der Nähe Mohammeds und stiess auf harten Boden. Als Mohammed sah, daß meine Arbeit hier sehr anstrengend war, nahm er mir die Hacke aus der Hand und schlug dreimal damit auf den Boden, daß er wie vom Blitze beleuchtet war. Ich beschwor ihn, zu sagen, was er unter der Hacke gesehen, während er gegraben? Er erwiderte: „Also hast du es auch gesehen? Nun, das erste Leuchten bedeutet, daß mir Allah den Sieg über Jemen verleihen wird, das zweite, daß ich Syrien und den Westen, und das dritte, daß ich den Osten erobern werde.“ Ein Zuverlässiger hat mir von Abu Hureira berichtet, er habe, als diese Länder zur Zeit Omars und Othmans und später erobert wurden, gesagt: „Erobert nur so viel, wie euch gut dünkt, bei dem, in dessen Hand Abu Hureiras Seele ist, ihr habt keine Stadt erobert, und werdet auch bis zum Tage der Auferstehung keine erobern, deren Schlüssel nicht Gott vorher Mohammed gegeben hätte“.“ ( Weil, 2. Band, Seite 96)

Der letzte jüdische Stamm auf medinensischem Gebiet, die Banu Quraiza, fühlte sich noch durch den Bündnisvertrag zur Loyalität mit den Muslimen verpflichtet. Er hatte sich bisher zurückgehalten und war nicht mit den Angreifern gegen Mohammed ausgezogen. Nachdem Mohammed aber diesen Vertrag durch die Drohung gegen die Banu Quaynuqa schon drei Jahre vorher de facto gebrochen hatte, konnte ein Vertreter der vertriebenen Banu Nadir die Banu Quraiza mit ihrem Führer Kaab Ibn Asad überreden, am Kampf teilzunehmen. Nachdem sie Zeuge der Vertreibung ihrer Glaubensbrüder aus Medina geworden waren, mußten sie mit Sicherheit damit rechnen, daß ihnen das gleiche Schicksal blühte. Es ist daher verständlich, daß sie sich entschlossen, einen Mann, der sich ausdrücklich als ihr Feind erklärte zu bekriegen.

Mohammed hatte von diesem Vorhaben Kunde erhalten und schickte drei Führer der ansar, darunter Saad Ibn Muad zu den Juden, um in Erfahrung zu bringen, ob dem so sei: „Die Genannten gingen zu den Juden und fanden sie so schlimm als man ihnen nur gesagt hatte, in Bezug auf ihr Verhältnis zu Mohammed. Sie sagten: „Wer ist der Gesandte Gottes? Es besteht keinerlei Bündnis oder Vertrag zwischen uns und Mohammed.“ (Weil, 2. Band, Seite 97)

Entsprechend dem großen Unterschied an Kampfesstärke und der Tatsache, dass die Bewohner Medinas von allen Seiten eingeschlossen waren, „herrschte eine allgemeine Niedergeschlagenheit, selbst Mohammed war ängstlich und bis auf Wenige, deren Glaube felsenfest stand“:

Sure 33, Vers 22: Als die Gläubigen die Verbündeten sahen, sprachen sie: „Dies ist das, was uns Allah und Sein Gesandter verheißen (nämlich durch Prüfungen ins Paradies einzugehen), und Allah und Sein Gesandter sprachen wahr.“ Und es mehret nur ihren Glauben und ihre Ergebung.
Sure 33, Vers 23: Unter den Gläubigen waren Männer, welche wahr machten, was sie Allah gelobt hatten. Einige von ihnen erfüllten ihr Gelübde, und andere warten noch darauf und wandelten sich nicht;
Sure 33, Vers 24: Auf dass Allah die Wahrhaftigen für ihre Wahrhaftigkeit belohne und die Heuchler bestrafe, so Er es will, oder sich zu ihnen kehre. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.“

„klagten die Medinenser mehr oder weniger offen Mohammed als den Grund dieser Drangsal an.“ (Nöldeke, Seite 119):

Sure 33, Vers 10: Da sie zu euch kamen von oben und von unten her und die Blicke sich abkehrten und die Herzen in die Kehlen stiegen und ihr wider Allah Gedanken fasstet.
Sure 33, Vers 11: Daselbst wurden die Gläubigen geprüft und von mächtigem Zittern ergriffen.

Unter anderem enthalten die Klagen, die gegen Mohammed erhoben wurden eine Bestätigung seiner damals schon gefaßten Pläne zu großflächigen Eroberungen: „… und manche Heuchler ihren Reden freien Lauf liessen: „Mohammed hat uns die Schätze Khorsaus (Persien) und des Kaisers (Byzanz) verheissen, und nun kann keiner von uns ohne Lebensgefahr in seinen Garten gehen.“ … „Unsere Häuser sind dem Feinde bloss gestellt … erlaube uns, heimzugehen.“ (Weil, 2. Band, Seite 98):

Sure 33, Vers 12: Und da die Heuchler und jene, in deren Herzen Krankheit war, sprachen: „Allah und Sein Gesandter haben uns nur Trug verheißen.“
Sure 33, Vers 13: Und da eine Anzahl von ihnen sprach: „Ihr Leute von Medina, hier ist kein Platz für euch, kehret darum zurück.“ Und ein Teil von ihnen bat den Propheten um Erlaubnis heimzukehren und sprach: „Siehe, unsere Häuser sind schutzlos.“ Doch waren sie nicht schutzlos, sondern sie wollten nur fliehen.
Sure 33, Vers 14: Und wäre man von allen Seiten der Stadt auf sie eingedrungen, und wären sie zur Abtrünnigkeit aufgefordert, sie hätten es getan, und nur kurze Zeit hätten sie in ihr verweilt.
Sure 33. Vers 15: Und wahrlich, sie hatten zuvor mit Allah einen Bund geschlossen, nicht den Rücken zur Flucht zu wenden; und der Bund mit Allah wird zur Rechenschaft gezogen.
Sure 33, Vers 16: Sprich: „Nimmermehr nützt euch die Flucht. Wäret ihr auch dem Sterben oder der Niedermetzelung entflohen, dann würdet ihr euch doch nur noch kurze Zeit des Lebens erfreuen.“
Sure 33, Vers 17: Sprich: „Wer ist es, der euch vor Allah schützt, sei es, daß Er euch Böses antut oder Barmherzigkeit erweisen will?“ Ausser Allah finden sie für sich weder Schützer noch Helfer.
Sure 33, Vers 18: Allah kennt die Behinderer anderer unter euch und diejenigen, welche zu ihren Brüdern sprechen: „Kommt her zu uns“, und nur wenig Mut zeigen.
Sure 33, Vers 19: In ihrem Geiz gegen euch. Wenn die Furcht naht, dann siehst du sie auf dich schauen mit rollenden Augen wie einer, der vom Tode überkommen wird. Ist aber die Furcht vergangen, dann empfangen sie euch mit scharfen Zungen, habgierig nach dem besten Anteil der Beute. Diese haben keinen Glauben, darum wird Allah ihre Werke zunichte machen, und dies ist Allah leicht.

Weitere Verse belehren die Heuchler, „in deren Herzen Krankheit ist„, daß eine Abkehr vom Kampf nur für kurze Zeit Erleichterung bringt. Denn sie laufen Gefahr, im Sinne gerechter Strafe, selber niedergemetzelt zu werden. Ebenso wie die „Aufwiegler„, womit die vertragsbrüchigen Juden gemeint sind:

Sure 33, Vers 60: Wahrlich, wenn die Heuchler und diejenigen, in deren Herzen Krankheit ist, und die Aufwiegler in Medina nicht aufhören, so werden Wir dich gegen sie anspornen. Alsdann sollen sie nicht darinnen als deine Nachbarn wohnen, es sei denn nur für kurze Zeit.
Sure 33, Vers 61: Verflucht, wo immer sie gefunden werden, sollen sie ergriffen und niedergemetzelt werden.
Sure 33, Vers 62: Das war Allahs Brauch mit denen, die zuvor hingingen, und nimmer findest du in Allahs Brauch einen Wandel.

Der ausgehobene Graben erwies sich als sichere Grenze und so ereigneten sich bis auf wenige kleinere Gefechte keine Kampfhandlungen. Es gab auch kaum Verletzte außer dass unter anderen Saad Ibn Muad von einem Pfeil getroffen wurde. Seinem Widersacher soll er zugerufen haben: „Allah lasse Dein Gesicht in der Hölle schwitzen! Allah! lässt Du einen übrig um gegen die Quraisch zu kämpfen, so lass mich übrig, denn ich bekämpfe kein Volk lieber als das, welches Deinen Gesandten misshandelt, verbannt, und einen Lügner genannt hat, lässt Du es zum Kriege zwischen uns und ihnen kommen, so lass mich als Märtyrer sterben, aber nicht früher, als bis ich mich an der Niederlage der Banu Quraiza ergötzt habe.“ (Weil, 2. Band, Seite 100)

Ein Beduine vom angreifenden Stamm der Ghatafan kam zu Mohammed und bekannte, daß er den Islam angenommen habe. Er bot ihm seine Dienste an: „Ich bin ohne Wissen meines Volkes Muslim geworden, befiel mir was du willst!“ Mohamed erwiderte: Du bist ein Mann unter uns, suche, wenn Du kannst, uns durch List beizustehen, der Krieg ist eine List.“ (Weil, 2. Band, Seite 100)

Dieser Beduine besaß das Vertrauen sowohl der Banu Quraiza als auch der Quraisch unter Abu Sofian und es gelang ihm durch eine geniale Manipulation, die Allianz der Gegner des Propheten zu sprengen. Er ging zu den Banu Quraiza und sprach: „Ihr seid in eurem Lande, hier sind eure Frauen und eure Güter, ihr könnt euch nicht in ein anderes Land begeben. Die Quraisch aber, welche gekommen sind, um Mohammed und seine Gefährten zu bekriegen, und denen ihr Hilfe leistet, haben eine andere Heimat, in welcher ihre Frauen und Güter sich befinden. Ist ihnen das Glück günstig, so beuten sie es aus, wenn nicht so kehren sie in ihre Heimat zurück und überlassen euch Mohammed in eurem Lande, gegen den ihr allein euch nicht verteidigen könnt, drum kämpft nicht mit Jenen, bis sie euch Geisseln geben aus ihren edelsten Leuten dafür, daß ihr an ihrer Seite gegen Mohammed kämpft bis ihr ihn vernichtet.“ Die Juden sagten: „Du hast uns einen guten Rat erteilt.“

Hierauf ging er zu Abu Sofian: „Ihr wisset, daß ich euch liebe und Mohammed fern stehe, ich habe etwas gehört, das mich verpflichtet, euch zu eurem Wohle mitzuteilen, doch haltet es geheim!“ Sie sagten: „Das werden wir!“ Und er fuhr fort: „Wisset, daß die Juden bereuen, was sie gegen Mohammed beschlossen haben, sie haben zu ihm geschickt und sagen lassen: „Wir bereuen unsere Tat, wirst du zufrieden sein, wenn wir von den Edelsten der Quraisch Geisseln nehmen und sie dir ausliefern, du lässt sie hinrichten und wir kämpfen dann mit dir gegen die Übrigen, bis wir sie vertilgen?“ Mohammed hat sich damit zufrieden erklärt, wenn daher die Juden zu euch schicken und Geisseln verlangen, so gebet ihnen keinen einzigen Mann!“ … So entfremdete sie Allah voneinander, und sandte auch einen kalten heftigen Wind in den Winternächten, der ihre Töpfe umwarf und ihre Zelte zusammenriss.“ (Weil, 2. Band, Seite 102 f):

Sure 33, Vers 9: O ihr, die ihr glaubt, gedenket der Gnade Allahs wider euch, da Heerscharen zu euch kamen und Wir wider sie einen Wind und euch unsichtbare Heerscharen entsandten – und Allah schaute euer Tun:

Sure 33, Vers 25: Und es trieb Allah die Ungläubigen in ihrem Grimm zurück; sie erlangten keinen Vorteil; und Allah genügte den Gläubigen im Streit, denn Allah ist stark und mächtig.

An die Adresse der wankelmütigen Heuchler kamen noch folgende Belehrungen:

Sure 33, Vers 20: Sie glaubten, daß die Verbündeten nicht abziehen würden; und kämen die Verbündeten wiederum, dann würden sie lieber bei den Arabern in der Wüste leben wollen und Nachrichten von euch einziehen. Wären sie aber bei euch gewesen, nur wenig hätten sie gekämpft.
Sure 33, Vers 21: Wahrlich, in dem Gesandten Allahs hattet ihr ein schönes Beispiel für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs gedenkt.

Sure 33, Vers 66: Am Tage, da sie mit ihren Angesichtern ins Feuer gestürzt werden, werden sie sprechen: „O daß wir doch Allah gehorcht hätten und gehorcht hätten dem Gesandten!“

Die Belagerung Medinas dauerte ungefähr 30 Tage. Die Angreifer wurden durch das kalte Winterwetter und den einsetzenden Mangel an Lebensmitteln zermürbt. Zudem war keine gemeinsame Kampffront aufgebaut worden, die verschiedenen Stämme der Belagerer operierten unabhängig voneinander und gehorchten keinem einheitlichen Oberbefehl. Die Juden der Banu Quraiza waren gar nicht in den Kampf eingetreten. Wie die oben zitierte Offenbarung berichtet, hatte Allah nebst einem Unwetter einmal mehr Seine himmlischen Heerscharen eingesetzt. „Als nun ein heftiger Wintersturm den Belagerern die Zelte und Kochgeschirre umwarf und der Regen dabei die Feuer auslöschte, da entschloss sich Abu Sofian schnell, noch in der Nacht abzuziehen, und ihm folgten die anderen Belagerer. Mit einem Verluste von nur sechs Toten, darunter Saad ibn Muad, der einige Zeit später an seiner Wunde starb, war die Befreiung der Stadt gelungen.“ (Nöldeke, Seite 121)

„Als die Muslime vom Graben heimzogen sagte Mohammed: „Von nun an werden die Quraisch nicht mehr gegen euch ausrücken, aber ihr werdet sie bekriegen.“ Und so geschah es auch, die Quraisch rückten nie mehr gegen Mohammed aus, er aber bekämpfte sie, bis Gott Mekka in seine Gewalt lieferte.“ (Weil, 2. Band, Seite 116)

627 Vernichtung der Banu Quraiza

► Die Vernichtung der Banu Quraiza

„Am folgenden Morgen verließ Mohammed mit den Gläubigen den Graben und ging in die Stadt zurück und legte die Waffen ab. Gegen Mittag kam der Engel Gabriel zu Mohammed, das Haupt mit einem seidenen Turban umwunden, auf einem Maultier, dessen Sattel mit einer seidenen Decke bedeckt war und sagte: „Hast du schon die Waffen niedergelegt?“ Mohammed antwortete: „Ja“ Da sprach Gabriel: „Aber die Engel haben die Waffen noch nicht niedergelegt, und ich bin nur gekommen, um die Leute zum Krieg aufzufordern, denn Allah befiehlt dir, gegen die Banu Quraiza auszurücken, und ich gehe zu ihnen, um ihre Burgen zu erschüttern.“ Mohammed befahl dem Ausrufer, bekannt zu machen, daß Niemand das Nachmittagsgebet anderwärts als bei den Banu Quraiza bete, und schickte Ali mit seiner Fahne voraus … Als er dann in die Nähe ihrer Burgen kam rief er: „Ihr Brüder der Affen! Hat euch Allah beschämt und seine Strafe über euch herabgesandt?“ (Weil, 2. Band, Seite 104)

Dazu offenbarte Allah folgenden dringenden Kampfaufruf:

Sure 8, Vers 60: So rüstet wider sie, was ihr vermögt an Kräften und Rossehaufen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euern Feind und andere außer ihnen, die ihr nicht kennt, Allah aber kennt. Und was ihr auch spendet in Allahs Weg, Er wird es euch wiedergeben, und es soll euch kein Unrecht geschehen.

Im Zusammenhang mit der Vernichtung der Banu Quraiza wurden noch weitere Anweisungen und Belehrungen herniedergesendet. Sie thematisieren die generelle Untreue der Juden bezüglich Einhaltung abgeschlossener Verträge. Wenn die Muslime Verrat wittern, sollen sie den Vertrag klar aufkünden. Die Bestrafung der Juden während Kampfhandlungen soll die anderen Juden abschrecken. Bei allfälligen neuen Vertragen ist äußerste Vorsicht geboten:

Sure 8, Vers 55: Siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Ungläubigen, die nicht glauben:
Sure 8, Vers 56: Die, so du einen Bund mit Ihnen machst, jedesmal den Bund brechen und nicht gottesfürchtig sind.
Sure 8, Vers 57: Und o du sie im Krieg gefangen nimmst, verscheuche mit ihnen (nämlich durch die Strafen, die du über sie verhängst) ihr Gefolge; vielleicht lassen sie sich mahnen.
Sure 8, Vers 58: Und so du Verräterei von deinem Volke befürchtest, erweise ihm das gleiche. Siehe, Allah liebt nicht die Verräter.
Sure 8, Vers 59: Und denke nicht, daß die Ungläubigen gewinnen; sie vermögen Allah nicht zu schwächen.
Sure 8, Vers 61: Sind sie aber zum Frieden geneigt, so sei auch du ihm geneigt und vertrau auf Allah, siehe, Er der Hörende, der Wissende.
Sure 8, Vers 62: Und so sie dich betrügen wollen, so ist Allah dein Genüge. Er ist’s, der dich mit Seiner Hilfe stärkt und mit den Gläubigen,

Und die Stelle aus der Prophetentradition:

Muslim B19 N4374: Abdullah erzählt: Am Tag, als der Prophet Allahs von der Schlacht zurückgekehrt war, verkündete er folgendes: Niemand sollte das Nachmittagsgebet verrichten, bevor sie das Gebiet der Banu Quraiza erreicht hätten. Einige waren jedoch besorgt, daß sie die Gebetszeit verpassen würden und verrichteten es, bevor sie die Strassen der Banu Quraiza erreicht hatten. Die anderen jedoch sagten, daß sie nicht beten würden, bis sie dort angekommen wären, wo der Prophet ihnen befohlen hatte, hinzugehen. (Auch wenn sie dadurch die Gebetszeit verpassen würden) Als der Prophet diese zwei verschiedenen Standpunkte vernommen hatte, verurteilte er keinen davon.

Die Belagerung dauerte 25 Tage. Die Juden baten, daß ihnen ein Vertreter ihrer Schutzgenossen, der Aus geschickt werde, um sich mit ihm zu beraten. Dieser gab ihnen, in Übertretung seiner Befugnisse, zu verstehen, daß Mohammed beabsichtige, sie umzubringen. Darüber war er nachher untröstlich und bekannte seinen Treuebruch.

Nach einer Woche des bangen Wartens verziehen ihm Mohammed und Allah.

Die Juden ergaben sich. Einige Vertreter der Aus baten Mohammed um Gnade für ihre Verbündeten. Mohammed schlug ihnen vor, einen der ihren als Schiedsrichter einzusetzen und sie willigten ein. Das kam dem Propheten sehr gelegen und er bestimmte Saad ibn Musad. Wie nicht anders zu erwarten, entschied dieser im Sinne des Propheten: „Mein Urteil geht dahin, daß die Männer hingerichtet, ihre Güter verteilt und die Kinder und Frauen zu Gefangenen gemacht werden.“ Mohammed sagte zu Saad: „Dein Urteil stimmt mit dem Allahs über den sieben Himmeln überein.“ … liess Mohammed die Juden in einem Hause einsperren, dann ging er auf einen Platz, der noch jetzt der Marktplatz von Medina ist, und liess Gruben graben, dann liess er sie Truppenweise vorführen und vor den Gruben hinrichten, es waren 700 bis 900 Mann.“ (Weil, 2. Band, Seite 108)

Die Abschlachtung dauerte den ganzen Tag über bis in die Abendstunden:

Sure 33, Vers 26: Und er veranlasste diejenigen vom Volke der Schrift, die ihnen halfen, von ihren Kastellen herabzusteigen, und warf Schrecken in ihre Herzen. Einen Teil erschlugt ihr und einen Teil nahmt ihr gefangen.

Die Hinrichtung der Juden auf dem Marktplatz von Medina

Die Beute war wiederum beträchtlich. Ländereien wurden vereinnahmt, Frauen und Kinder zu Sklaven gemacht. Mohammed nahm für sich selber die schöne Raihana. Überzählige Sklaven wurden verkauft, um dafür Waffen und Pferde einzuhandeln; Kriegswerkzeug, an dem es dem Propheten noch immer mangelte:

Sure 33, Vers 27: Und Er gab euch zum Erbe ihr Land und ihre Wohnungen und ihr Gut und ihr Land, das ihr nie betratet. Und Allah hat Macht über alle Dinge.

627 Ermordung von Abu Rafi Sallam

In Khaybar hatten sich einige Vertreter der vertriebenen Banu Nadir niedergelassen, eben die Juden, welche geholfen hatten, den Grabenkrieg anzustrengen. Mohammed entledigte sich einiger von ihnen durch Meuchelmord. Folgen wir der Chronik von Ibn Ishaq so wetteiferten die Aus und Hazrag darum, Mohammed zu Diensten zu sein. Der Mord an einem Juden eignete sich dafür: „Als der Feldzug des Grabens und gegen die Banu Quraiza vorüber war, baten die Hazrag Mohammed um Erlaubnis, Abu Rafi Sallam, welcher in Khaybar wohnte, zu ermorden, denn er war unter denjenigen, welche die Scharen gegen Mohammed aufgewiegelt hatten, und die Aus hatten schon früher Kaab Ibn Al’aschraf wegen seiner Feindschaft und Aufreizungen gegen Mohammed getötet. Mohammed erlaubte es ihnen … zu dem, was Allah für Mohammed getan, gehörte, daß die beiden Stämme Aus und Hazrag wie zwei männliche Kamele um Mohammeds Haupt miteinander wetteiferten. Sobald die Aus Mohammed einen Dienst geleistet hatten, sagten die Hazrag: „Bei Gott, sie sollen dies nicht vor uns voraus haben bei Mohammed und im Islam“, und ruhten nicht, bis sie eine ähnliche Tat vollbrachten …“ Sobald wir eingetreten waren, schlossen wir die Türe des Zimmers, aus Furcht, es möchten Leute vorübergehen, die dazwischentreten. Alsbald schrie uns die Frau laut an, aber wir drangen mit unseren Schwertern zu ihm – er lag auf dem Bette – und bei der Dunkelheit im Zimmer führte uns nur seine weisse Farbe, denn er lag da, wie eine ausgebreitete ägyptische Leinwand … Während wir nun mit unseren Schwertern über ihn herfielen durchbohrte ihm Abd Allah Ibn Uneis den Leib.“ … und kehrten zu Mohammed zurück und meldeten ihm den Tod des Feindes Allahs. Als hierauf jeder von uns ihn getötet haben wollte sagte Mohammed: „Gebt mir eure Schwerter!“ Er betrachtete sie und sagte, auf das Schwert Abd Allahs Ibn Uneis hindeutend: „Dieses hat ihn getötet, denn es hat noch Spuren von Speisen.“ (Weil, 2. Band, Seite 125 f)

Der Belagerung Medinas folgten im selben Jahre noch mehrere Strafexpeditionen gegen beduinische Stämme, sei es, weil sie die Herden der Muslime beraubten, sei es, wie im Falle der der Banu Mostalik, weil sie sich an der Belagerung Medinas beteiligt hatten. Sie wurden von den Muslimen an einer ihrer Wasserstellen überrascht und ein grosser Teil wurde gefangen genommen. Das Losungswort der Muslime am Tage des Zuges gegen die Banu Mostalik war:

„O Sieggekrönter! Töte! Töte!“

„Dschuwairija, die schöne Tochter eines Häuptlings, gefiel dem Propheten so sehr, daß er ihr die Freiheit verschaffte und sie heiratete. Aus Rücksicht auf die so mit dem Propheten angeknüpfte Verwandtschaft liessen die Muslime nun alle Gefangenen frei und gaben die Beute zurück. Mit dem Stamm wurde bald darauf ein Freundschaftsvertrag geschlossen.“ (Nöldeke, Seite 126)

628 Vertrag von al-Hudaibiya

Im März versuchte Mohammed, eine Wallfahrt nach Mekka durchzusetzen. Er forderte auch Beduinen der benachbarten Stämme, die in unvollkommener Weise den Islam übernommen hatten, auf, sich dem Pilgerzug anzuschließen. Er fürchtete, die Quraisch könnten ihn bekriegen, oder vom Tempel fern halten wollen. Gemäß Th Nöldeke offenbarte Allah in diesem Zusammenhang die untenstehenden Verse „da Mohammed von vornherein mit kriegerischen Verwicklungen rechnete.“ (Th. Nöldeke, Geschichte des Korans, Teil 1, Seite 181, Diederich, Leipzig, 1909, Reprint Elibron Classics):

Sure 2, Vers 190: Und bekämpft in Allahs Pfad, wer euch bekämpft; doch übertretet nicht; siehe, Allah liebt nicht die Übertreter.
Sure 2, Vers 191: Und erschlagt die Ungläubigen, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben; denn Verführung zum Unglauben ist schlimmer als Totschlag. Bekämpft sie jedoch nicht bei der heiligen Moschee, es sei denn, sie bekämpfen euch in ihr. Greifen sie euch jedoch an, dann schlagt sie tot. Also ist der Lohn der Ungläubigen.
Sure 2, Vers 192: So sie jedoch ablassen, siehe, so ist Allah verzeihend und barmherzig.
Sure 2, Vers 193: Und bekämpfet sie, bis die Verführung zum Unglauben aufgehört hat, und der Glaube an Allah da ist.

Viele Beduinen verweigerten die Teilnahme, offenbar mit fadenscheinigen Gründen. Allah vermerkte es in Seinem Buch:

Sure 48, Vers 11: Sprechen werden zu dir die Dahintengebliebenen von den Arabern: „Wir hatten mit unserem Gut und unseren Familien zu schaffen, darum bitte um Verzeihung für uns.“ Sie sprechen mit ihren Zungen, was nicht in ihren Herzen ist. Sprich: „Wer vermag für euch etwas bei Allah, wenn Er euch ein Leid antun oder euch nützen will?“ Nein Allah weiß, was sie tun.
Sure 48, Vers 12: Nein, ihr wähntet, daß der Gesandte und die Gläubigen nimmer zurückkehren würden zu ihren Familien, und dieses war ausgeputzt in euren Herzen. Und ihr dachtet böse Gedanken und waret ein verdorben Volk.
Sure 48, Vers 13: Und wer nicht an Allah und Seinen Gesandten glaubt – siehe für die Ungläubigen haben Wir eine Flamme bereitet.
Sure 48, Vers 14: Und Allahs ist das Reich der Himmel und der Erde; Er verzeiht, wem Er will, und straft, wen Er will. Und Allah ist verzeihend und barmherzig.

Also zog Mohammed, vor allem von Hilfsgenossen (ansar) und Ausgewanderten (muhagirun) begleitet, von Medina weg und „nahm Opfertiere mit und legte das Pilgergewand an, damit man sicher sei, daß er keinen Krieg beabsichtigte und wisse, daß er nur aus Verehrung den Tempel besuchen wolle … Mohammed ging bis Osfan, da begegnete ihm ein Bote und sagte ihm: „Die Quraisch haben von deinem Auszug gehört und sind mit ihren Milch-Kamelen ausgerückt und haben sich in Leopardenhaut gehüllt … sie haben geschworen Dich nie einziehen zu lassen“ … Mohammed sagte: „Wehe den Quraisch! Bei Gott, ich werde nicht aufhören für das, womit mich Allah gesandt hat zu kämpfen, bis Allah die Oberhand gewinnen lässt oder bis dieser mein Hals durchschnitten wird.“ Dann sagte er: „Wer will mit mir einen Weg einschlagen, auf dem wir ihnen nicht begegnen?“ (Weil, 2. Band, Seite 145 f) Bei al-Hudaybiya, an der Grenze zum heiligen Bezirk schlug er sein Lager auf. Boten wurden hin – und hergeschickt und es kam zu kleineren Handgemengen. Die Mekkaner blieben bei ihrer Weigerung, eine so große Zahl bewaffneter Muslime in die Stadt einzulassen. Ihr Dilemma war, daß es in Arabien eigentlich als gottlos angesehen wurde, einen Pilger, und wäre er der schlimmste Feind, an der Wallfahrt zu hindern.

Die Muslime beschlossen, den aus der nobelsten Familie Mekkas abstammenden Othman als ihren Unterhändler in die Stadt zu senden: „Aber auch Othman verhandelte vergeblich mit den Quraisch, welche die Pilgerfahrt wohl ihm persönlich, nicht aber den Übrigen gestatten wollten. Othmans Rückkehr verzögerte sich etwas, und plötzlich entstand unter den Muslimen das Gerücht, er wäre ermordet. Dies musste Mohammed als ein Zeichen erscheinen, daß er auf das Schlimmste von Seiten der Quraisch gefasst sein müßte. Feierlich ließ er sich daher, unter einer Akazie stehend von allen Anwesenden einen Schwur leisten, daß sie ihm bis in den Tod folgen wollten. Da kam Othman zurück und das Gerücht erwies sich als falsch. Die Erfüllung des „Gott wohgefälligen Schwures“ wurde jetzt nicht gefordert, aber mit unter denen gewesen zu sein, welche ihn geleistet hatten, galt später als besondere Auszeichnung.“ (Nöldeke, Seite 132 f):

Sure 48, Vers 10: Siehe, diejenigen, welche dir den Treueid leisten, leisten nur Allah den Treueid; die Hand Allahs ist über ihren Händen. Wer aber eidbrüchig wird, wird nur eidbrüchig wider sich selber; wer aber seinen Bund mit Allah hält, dem wird Er gewaltigen Lohn geben.

Folgen wir der sunnah von Muslim, so hatte sich eine Schar der Quraisch zusammengefunden, um einen Anschlag auf den Propheten zu verüben. Sie wurden aber gefangen und begnadigt:

Muslim B19 N4452: Anas b. Malik bezeugt, daß 80 Mekkaner vom Berge Tan’im herkommend, den Propheten Allahs und seine Gefährten in einem bewaffneten Überraschungscoup angegriffen hätten. Der Heilige Prophet war siegreich und nahm sie gefangen, ließ sie jedoch am Leben.

Es wird in diesem hadith auch der dazugehörende Koranvers angegeben. Der Allmächtige verhinderte, daß die Gefangenen getötet wurden:

Sure 48, Vers 24: Und Er war’s, der ihre Hände von euch abhielt und eure Hände von ihnen in dem Tal von Mekka, nachdem Er euch über sie obsiegen ließ; denn Allah schaut euer Tun;

Allah hat, gemäß einem weiteren Vers eine kriegerische Konfrontation bei al-Hudaybiya nur deshalb verhindert, weil im Kampfgewühl womöglich auf der Feindesseite schon zum Islam konvertierte Mekkaner von Gläubigen irrtümlich hätten umgebracht werden können:

Sure 48, Vers 25: Sie sind diejenigen, welche nicht glaubten und euch von der heiligen Moschee fernhielten, wie auch das Opfer zurückhielten, daß es nicht seine Opferstätte erreichte. Und ohne die gläubigen Männer und Frauen, die ihr nicht erkanntet, so daß ihr sie niedergetreten und ihr auf euch unwissentlich ein Verbrechen geladen hättet, hätte Er sie euch in eure Hand gegeben, auf daß Allah seine Barmherzigkeit einführe, wen Er will. Wären sie getrennt voneinander gewesen, wahrlich, Wir hätten die Ungläubigen unter ihnen mit schmerzlicher Strafe gestraft.

Die gebotene Zurückhaltung von Kampfhandlungen „die Ruhe“ wird im Koran in einem weiteren Vers erwähnt, dadurch soll sich der Glaube verstärkt haben:

Sure 48, Vers 4: Er ist’s welcher hinabgesandt hat Ruhe in die Herzen der Gläubigen, damit sie zunehmen an Glauben zu ihrem Glauben – und Allah sind die Heere der Himmel und der Erden, und Allah ist wissend und weise,

Ferner wird auf die bekannten Vorzüge der vollkommenen Hingabe hingewiesen: das Paradies und die weise Rechtleitung durch den Propheten. Den Heuchlern und Götzenanbetern wird einmal mehr der schmerzliche Aufenthalt in der islamischen Hölle dschahannam in Aussicht gestellt:

Sure 48, Vers 5: Auf daß Er die Gläubigen, Männer und Frauen, einführe in Gärten, durcheilt von Bächen, ewig darinnen zu weilen, und ihre Missetaten zuzudecken; und dies ist bei Allah eine große Glückseligkeit;
Sure 48, Vers 6: Und um die Heuchler und Heuchlerinnen und die Götzenanbeter und Götzenanbeterinnen zu strafen, die von Allah üble Gedanken denken. Über ihnen wird ein Übel kreisen, und Allah zürnt ihnen und verflucht sie und hat Dschahannam für sie bereitet, und übel ist die Fahrt dorthin.
Sure 48, Vers 7: Und Allahs sind die Heere der Himmel und der Erden und Allah ist mächtig und weise.
Sure 48, Vers 8: Siehe, Wir haben dich entsandt als einen Zeugen und Freudenboten und Warner.
Sure 48, Vers 9: Auf dass ihr glaubet an Allah und Seinen Gesandten und dass ihr ihm beisteht und ihn ehret und ihn preiset morgens und abends.

Wie erwähnt, standen die Mekkaner wegen der Zurückweisung von Pilgern unter moralischem Druck der beduinischen Stämme. Zudem hatten sie den Wunsch, ihre Karawanen wieder nach Syrien schicken zu können, ohne daß sie von den Muslimen überfallen würden. Sie handelten deshalb einen Friedensvertrag mit einer zehnjährigen Waffenruhe aus. Jede der beiden Parteien war frei, sich mit einem Partner der Wahl zu verbünden. Zudem wurde vereinbart, daß Mohammed sich im Folgejahr drei Tage lang als Pilger auf heiligem Gebiet aufhalten dürfe. Eine weitere Bestimmung verlangte, daß Mekkaner, welche ohne Einwilligung ihrer Väter zu Mohammed überliefen, auszuliefern seien. Was geflohene mekkanische Frauen angeht, beschloß Mohammed, diese in Medina zu behalten, da der Vertrag ja nicht von geflohenen Frauen, sondern lediglich von geflohenen Männern sprach. Das hatte finanzielle Folgen, da den Ehemännern die Morgengabe (die finanzielle Ausstattung, die ein Muslim seiner Ehefrau zukommen läßt) zu erstatten war. Dieses Problem regelte Allah mit folgender Anweisung:

Sure 60, Vers 11: Und wenn euch eine eurer Frauen zu den Ungläubigen fortläuft und ihr Beute macht, so gebet denen, deren Frauen fortgelaufen sind das gleiche, was sie für ihre Mitgift ausgegeben. Und fürchtet Allah, an den ihr glaubt.

Mit erlangter Beute soll also dem nach Mekka zurückzusendenden Ehemann seine Mitgift ersetzt werden.

Die Mekkaner setzten es auch durch, daß Mohammed nicht als „Gesandter Gottes“ sondern als „Sohn des Abd-Allah“ (Vater von Mohammed) unterschrieb und dass als Eingangsformel nicht das muslimische „Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers“ sondern „In Deinem Namen, o Gott“ gebraucht wurde. Der Vertragsabschluss wird von Allah folgendermassen kommentiert:

Sure 48, Vers 26: Da die Ungläubigen in ihren Herzen den Eifer trugen, den Eifer der Unwissenheit, da sandte Allah Seine „Ruhe“ auf Seinen Gesandten und die Gläubigen und machte ihnen das Wort der Gottesfurcht zur Pflicht, denn sie waren seiner am würdigsten und verdienten es am meisten. Und Allah weiß alle Dinge.

Der Passus:

Da die Ungläubigen in ihren Herzen den Eifer trugen, den Eifer der Unwissenheit

ist so zu verstehen, daß die ungläubigen Mekkaner in ihrer Blindheit die oben erwähnten Formulierungen durchgesetzt haben. Da aber mindestens ein Hinweis auf Gott enthalten ist, kann Allah diesen Vertrag annehmen, auch deshalb, weil die Gläubigen es wirklich verdienten und seiner würdig waren.

Der Prophet hatte vor der Pilgerfahrt einen Traum, nach welchem er in Mekka einziehen werde und er hatte ihn seinen Getreuen mitgeteilt. Offensichtlich war dieser Traum in diesem Jahr nicht in Erfüllung gegangen und Mohammed hatte einige Mühe, die kampfeswilligen Gläubigen zu beschwichtigen: „Omar ging dann zu Mohammed und sagte: „Bist du nicht ein Gesandter Allahs?“ „Gewiss“ „Sind wir nicht Gläubige?“ „Sicherlich“ „Sind sie nicht Götzendiener?“ „Unzweifelhaft“ „Warum sollen wir in unserem Glauben uns erniedrigen?“ „Ich bin ein Diener Allahs und Sein Gesandter, ich widersetze mich Seinen Befehlen nicht, und er wird mich nicht zu Grunde gehen lassen.“ (Weil, 2. Band, Seite 150)

Mohammed musste seine Getreuen also vorerst vertrösten.

Er hatte zwar nicht das erreicht, wofür er ausgezogen war, aber er hatte die Mekkaner gezwungen, ihn als gleichberechtigten Partner anzuerkennen und mit ihm einen Friedensvertrag auszuhandeln. Dies war ein diplomatischer und machtpolitischer Sieg.

„Und auch die ungünstigen Bedingungen des Vertrages schadeten ihm nicht. Denn ein mekkanischer Flüchtling, den Mohamed schon einmal ausgeliefert hatte, floh, nachdem er einen seiner Hüter erschlagen hatte, zum zweiten Male nach Medina und wandte sich dann, um nicht wieder ausgeliefert zu werden, auf einen Wink Mohammeds nach der Küste zu, wo die Karawanenstrasse vorbeigeht. Bald sammelte sich bei ihm eine Schar verwegener Leute, die sich in ähnlicher Lage befanden. Die mekkanischen Karawanen waren damit wieder in derselben Not wie zuvor. Die Quraisch mussten endlich froh sein, daß Mohammed sich erbot, die Wegelagerer zu sich zu nehmen.“ (Nöldeke, Seite 135)

Zum Vertrag von al-Hudaybiya werden hier noch die diesbezüglichen Betrachtungen von A. Dashti über die möglichen strategischen Überlegungen Mohammeds im Zusammenhang mit dem ausgehandelten Vertrag angefügt:

„Ein einstweiliger Kompromiss und Waffenstillstand ist sicherer als ein Kampf mit ungewissem Ausgang. Eine Niederlage der Muslime würde den Quraisch Mut machen und die beduinischen Stämme (die ohnehin wegen Mohammeds wachsendem Einfluss in Alarmbereitschaft waren) und die verärgerten Juden auf die Seite der Quraisch treiben. Dann wäre die Lage der Muslime äusserst prekär. solche Überlegungen müssen dem klugen und besonnenen Propheten durch den Kopf gegangen sein.

Auf jeden Fall war er nun weniger an einer kämpferischen Herausforderung interessiert, ihn beschäftigte nur der Aufbau eines Staates. Wahrscheinlich akzeptierte er die Bedingungen der Quraisch, weil er absolut überzeugt war, daß er bald einen ausreichenden Zuwachs seiner Macht und seines Ansehens verzeichnen würde, so dass er und seine Anhänger die Wallfahrt im nächsten Jahr ausführen könnten, ohne Gefahr zu laufen, gestört oder gar behindert zu werden.

Die Vermutung, daß die Waffenruhe von al-Hudaybiya ein wohlüberlegter Schachzug eines Staatsmannes war, verdichtet sich, wenn man das nächste Unternehmen des Propheten analysiert. Eine der Gefahren eines Krieges mit den Quraisch bestand darin, daß viele Muhagirun, die Verwandte in Mekka hatten oder anfällig für den Einfluss der Quraisch waren, möglicherweise nicht aus ganzem Herzen kämpfen würden. Aber bei einem Angriff auf die letzte Hochburg der Juden in der Oase von Khaybar bestünde diese Gefahr nicht, doch gleichzeitig würde die Kampfmoral durch die Aussicht auf Beute gestärkt werden … Er befürchtete, daß die Muslime sich über die Bedingungen des Abkommens streiten und entzweien würden, und er wusste ganz genau, daß sie in Khaybar zu sehr mit dem Beutemachen beschäftigt wären, als sich weiter über das bedingungslose Einverständnis mit den Forderungen der Quraisch zu ärgern.“ (Ali Dashti, Seite 165 f)

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