Das Leben Mohammeds und die Entwicklung des islamischen Gewaltdogmas

„Soll ich dir eine erfreuliche Nachricht geben?“ Dieser antwortete: „Jawohl, Prophet Gottes!“ Da sagte Mohammed: „Als dein Vater bei Uhud getötet wurde, belebte ihn Allah wieder und sagte ihm: „Was soll ich dir erweisen?“ Er antwortete: „O Herr! Sende mich in die Welt zurück, dass ich für Dich kämpfe, und nochmals für Dich erschlagen werde.“

(Gustav Weil: Das Leben Mohammeds, 2. Band, Seite 48, Verlag J.B. Metzler, 1864)

„Man hat mir berichtet, der Perser Salman habe erzählt: „Ich arbeitete an einer Seite des Grabens in der Nähe Mohammeds und stiess auf harten Boden. Als Mohammed sah, dass meine Arbeit hier sehr anstrengend war, nahm er mir die Hacke aus der Hand und schlug dreimal damit auf den Boden, dass er wie vom Blitze beleuchtet war. Ich beschwor ihn, zu sagen, was er unter der Hacke gesehen, während er gegraben? Er erwiderte: „Also hast du es auch gesehen? Nun, das erste Leuchten bedeutet, dass mir Allah den Sieg über Jemen verleihen wird, das zweite, dass ich Syrien und den Westen, und das dritte, dass ich den Osten erobern werde.“

(Gustav Weil: Das Leben Mohammeds, 2. Band, Seite 96, Verlag J.B. Metzler, 1864)

I) Hinführung

1. Die Grundlagen

Diese Arbeit hält sich in größtmöglichem Umfang an grundlegende islamische Quellen. Wie in der Einführung in diese Internetseite dargelegt wurde, handelt es sich um

  • Koran
  • Sira Rasul Allah von Ibn Ishaq
  • hadith – Sammlungen

Diese Trilogie, also: der Koran, die ahadith und die Sira Rasul Allah bilden zusammen die ► sunna (Weg).

Es werden auch längere Passagen aus dem Buch von Theodor Nöldeke: „Das Leben Mohammeds“, Verlag Carl Rümpler, Hannover, 1863 zitiert. Dieser deutsche Orientalist der ersten Generation hat sich in seinem Büchlein „nach den Quellen populär dargestellt“ stark an Ibn Ishaq und einen zweiten islamischen Chronisten, al-Tabari angelehnt und ist deshalb späteren Publikationen vorzuziehen. Auch dieses Buch ist im Handel nicht mehr erhältlich.

Einige Stellen aus Ali Dashtis Buch: „23 Jahre“ vertiefen die Darstellungen zum Leben Mohammeds. Ali Dashti hat den Gebrauch seines Verstandes im real existierenden Gottesstaat Iran mit dem Leben bezahlt.

2. Die einzig wahre göttliche Offenbarung

Entsprechend dem Anspruch, die jüngste, beste und einzig wahre göttliche Offenbarung zu sein, „proklamiert der Islam seine Lebensordnung als absolut gültig und als im Grundsatz verbindlich für alle Gemeinschaften und Staaten. So fühlt sich der Islam dazu aufgerufen, den Herrschaftsbereich des islamischen Staates auszudehnen, die Normen der islamischen Gesellschaftsordnung zu universaler Geltung zu bringen, die Institutionen der politischen Struktur des Islams überall in der Welt zu errichten und somit eine einheitliche Gesellschaft unter islamischem Gottesrecht zu bilden, die möglichst alle Menschen umgreift.“ (Digitale Bibliothek: A. T. Khoury, L. Hagemann, P. Heine: Lexikon des Islam, S. 659, Verlag Herder, 2004)

Eine zentrale Forderung des Islam ist also die Errichtung einer Theokratie, das heißt einer gesellschaftlichen Ordnung, die auf von Gott vermittelten und folglich unveränderlichen Gesetzen beruht und damit nicht nur den einzig gültigen Glauben sondern auch die einzig mögliche Gesellschaftsordnung vertritt. Eine Kaste von Theologen und Rechtsgelehrten (ulema) stellt sicher, daß die Schriften richtig ausgelegt und der Ritus und das Rechtssystem ► scharia peinlich genau befolgt werden.

Um diesen Gesellschaftsentwurf auf Erden Realität werden zu lassen, hat Allah in der medinensischen Periode von Mohammeds Wirken Seinem Propheten das religiöse Konzept des bewaffneten Kampfes gegen den Unglauben an die Hand gegeben.

3. jihad

Die Bezeichnung „Heiliger Krieg“ findet sich im Koran nicht.

In der Einführung zum Kapitel „jihad“ in der hadith-Sammlung von Muslim lesen wir: „Das Wort „jihad“ stammt vom Verb „jahada“, „sich anstrengen“, „sich bemühen“ ab. Also bedeutet jihad wörtlich „Anstrengung“, „Streben“. In einem rechtlich-religiösen Sinn jedoch ist der größtmögliche Einsatz der persönlichen Macht jedes einzelnen für die Sache Allahs gemeint.“  (Quelle)

jihad heißt also „Anstrengung“ „Streben“ und hat somit, von der Wortbedeutung her, nicht primär mit Krieg und Gewalt zu tun. In den medinensischen Versen des Koran wird dieses Wort oft mit der Erweiterung „mit Gut und Blut“ und „in Allahs Weg“ verwendet und bekommt damit einen eindeutig gewalttätigen Kontext.

► Definition jihad

Des Weiteren finden sich im Koran in deutscher Übersetzung Begriffe, die von der Wortbedeutung her mit dem Konzept von Kampf und Gewalt in Verbindung stehen:

qital wird mit „kämpfen“ und „Krieg führen“ übersetzt und ebenfalls meistens mit der Erweiterung „in Allahs Weg“ verwendet.

arhaba Dieses Wort wird der Bedeutung nach übersetzt mit „in Schrecken versetzen“ „abschrecken“ „ängstigen“. Das heute im Arabischen gebräuchliche Wort für „Terror“ ist al-irhab und ist von diesem Verb abgeleitet. Ein Terrorist ist ein al-irhabi.

Schrecken in die Herzen werfen

Eine Zusammenstellung aller Verse, die Gewalt beinhalten finden Sie in

Koranverse zum „Heiligen Krieg“

 Es geht also um folgendes: 

– „sich anstrengen“ (um einen Einsatz für Allah zu leisten, verbunden mit Mühe und Opfer)
– „kämpfen“ (auf dem Weg Allahs) mit dem Ziel zu töten
– „bemühen“ (mit dem größtmöglichen persönlichen Einsatz)
– „eifern“ (mit Gut und Blut)
– „in die Herzen des Gegners Schrecken werfen“ um ihn zu ängstigen

„In der Zeit nach der hijra, zwischen 622 und 632 (Tod Mohammeds) führte der Prophet selbst 27 Kriegszüge an und liess 47 Beute- und Eroberungszüge durch seine Getreuen durchführen.“ (Mark A. Gabriel, Islam und Terrorismus, Seite 78, Resch-Verlag, Gräfelfing, 2005) Das ergibt – rein statistisch gesehen – jedes Jahr acht Feldzüge.

Um die eigentliche Bedeutung des Wortes „jihad“ klarzustellen wird auch auf die Begriffsdefinition von A. Noth hingewiesen: jihad“ wird hier nur in seiner kriegerischen Bedeutung behandelt. Der verschiedenartige sekundäre Gebrauch von „jihad“ wie zum Beispiel der „jihad“ des Sufi gegen sein eigenes Ich und ähnliches bleibt ausser Betracht … Das Wort „jihad“, das uns oft mit, öfter aber ohne den Zusatz „für die Sache Gottes“ in der islamischen Literatur begegnet, ist fast immer durch die Formulierung „Kampf gegen Ungläubige“ oder „Bekämpfung der Ungläubigen“ richtig wiedergegeben.“ (Albrecht Noth, Heiliger Krieg und Heiliger Kampf in Islam und Christentum, Seite 22, Verlag Ludwig Röhrscheid, Bonn, 1966)

Die direkten Aufforderungen zum Kampf werden von einer ganzen Reihe weiterer Glaubenssätze, Anweisungen und Konzepte ergänzt. Sie bilden zusammen die Gesamtheit des koranischen Gewaltdogmas.

Nähere Ausführungen dazu finden Sie im Inhaltsverzeichnis. Sie

– weisen die Gläubigen an, Schrecken in die Herzen der Ungläubigen zu werfen ► weiter
– regeln den Umgang mit Kriegsgefangenen ► Allahs Bestimmungen über die Kriegsgefangenen
– legitimieren Sklaverei ► Sklaven im Koran
– sind Teil des islamischen Rechtssystems ► scharia
– beschwören die Gläubigen, der „Versuchung“ zu widerstehen ► fitna
– deklarieren den „Heiligen Krieg“ als Pflicht und Prüfung für die Gläubigen ► weiter
– legitimieren alle Taten und Anweisungen des Propheten als von Allahs Willen inspiriert ►  weiter
– geben dem mujahid (Glaubenskämpfer) die Gewissheit, ein Auserwählter zu sein ► weiter
– drohen Strafe bei Ungehorsam und Verweigerung von Loyalität an. ► weiter
– machen Versprechungen auf das Paradies ► weiter
– reservieren den mujahidun (Plural von mujahid) daselbst die besten Plätze ► weiter
– legen das Konzept der Schutzgelderpressung (giziya) fest ► dhimmitude und Schutzgelderpressung
– weisen auf die göttliche Führung hin und kommentieren einzelne Kriegs- und Raubzüge. ► weiter
– erläutern die göttliche Vorherbestimmung Allahs ► Urschrift
– versichern den Gläubigen, daß die Ungläubigen irregeleitet werden ► Göttliche Irreleitung
– bestimmen diejenigen Gläubigen, die nicht am Kampf teilnehmen müssen ►  weiter
– legen Sonderregelungen fest für die Verrichtung des Gebetes während Kampfhandlungen ► weiter
– erklären den jihad als immerwährende Pflicht ► Ziel des „Heiligen Krieges“
– beinhalten den Aufruf zur Annahme des Islam ► da’wa
– handeln von den zahlreichen Meuchelmorden an einzelnen Gegnern Mohammeds ► Meuchelmorde
– regeln die Verteilung von Kriegsbeute ► razzia und Kriegsbeute
– verurteilen die Leute „in deren Herzen Krankheit ist“ ► Heuchler
– beschäftigen sich mit den „Steppenarabern“ ► Beduinen
– fordern von den Muslimen, Ungläubige anzulügen und sie zu täuschen ► taqiyya
– legitimieren den sexuellen Mißbrauch von weiblichen Kriegsgefangenen ► weiter

Folgender Vers 190 aus Sure 2 mit Fussnote findet sich in der offiziellen englischen Koranausgabe, welche von der saudischen Fahd – Stiftung in USA gratis abgegeben wird.
Quelle

2, 190: And fight in the Way of Allâh[1] those who fight you, but transgress not the limits. Truly, Allâh likes not the transgressors. [This Verse is the first one that was revealed in connection with Jihâd, but it was supplemented by another (9:36)].

Hier die deutsche Übersetzung des Verses 190 aus Sure 2 gemäss R. Paret:

Sure 2, Vers 190: Und kämpft um Gottes willen gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen! Aber begeht keine Übertretung indem ihr den Kampf auf unrechtmäßige Weise führt! Gott liebt die nicht, die Übertretungen begehen.

[1] (V.2:190) Al-Jihâd (holy fighting) in Allâh’s Cause (with full force of numbers and weaponry) is given the utmost importance in Islâm and is one of its pillars (on which it stands). By Jihâd Islâm is established, Allâh’s Word is made superior, (His Word being Lâ ilaha illallâh which means none has the right to be worshipped but Allâh), and His Religion (Islâm) is propagated. By abandoning Jihâd (may Allâh protect us from that) Islâm is destroyed and the Muslims fall into an inferior position; their honour is lost, their lands are stolen, their rule and authority vanish. Jihâd is an obligatory duty in Islâm on every Muslim, and he who tries to escape from this duty, or does not in his innermost heart wish to fulfil this duty, dies with one of the qualities of a hypocrite.

Die deutsche Übersetzung dieser Fussnote:

„Jihad meint heiliger Kampf für die Sache Allahs mit ganzer Kraft an Zahl und Waffen. Ihm wird im Islam äusserste Wichtigkeit beigemessen und er ist einer seiner Pfeiler. Durch Jihad wurde der Islam begründet, Allahs Wort wurde erhaben gemacht (Sein Wort ist: „Es gibt keinen Gott ausser Gott“ was heisst, dass nur Allah Verehrung dargebracht werden darf) und Seine Religion, (der Islam) verbreitet wird. Indem man den Jihad vernachlässigt (möge Allah uns davor bewahren), wird der Islam zerstört und Muslime fallen in eine unterlegene Position: ihre Ehre geht verloren, ihr Land wird gestohlen, ihre Herrschaft und Autorität verschwindet. Jihad ist für jeden Muslim eine zwingende Verpflichtung im Islam. Derjenige, welcher versucht, dieser Pflicht auszuweichen, oder nicht mit seinem ganzen Herzen versucht, dieser Pflicht nachzukommen, wird als Heuchler sterben.“

Gemäß Kommentar zum Vers 190 soll es sich um den ersten Vers handeln, der offenbart wurde, um von den Gläubigen Kampfhandlungen zu fordern.

Dies zeigt die zentrale Wichtigkeit des von Allah geforderten Gesamteinsatzes eines jeden Gläubigen für die Sache des Islam. „jihad“ ist zur islamischen Fachbezeichnung für den Kampf der Muslime gegen jeglichen Unglauben (kufr) geworden und schließt den Kampf mit der Waffe ein. Gemäß islamischem Verständnis enthält der ganze Koran den unverfälschten Willen Allahs, also ist auch der jihad eine göttlich gesetzte Institution.

Das Gewaltmonopol – bei Gott oder beim Menschen?

Wie im Kapitel ► Zeit in Mekka dargelegt wird, war Mohammed in seiner Vaterstadt als Folge seiner permanenten und aggressiven Missionstätigkeit für den neuen Glauben nicht nur wirtschaftlicher Sanktionierung sondern auch Verfolgung ausgesetzt, der nur durch ein Wegziehen, das „Ausscheiden aus der eigenen Sippe“ ► hijra zu entkommen war. Im arabischen Raum hatte (und hat) die Sippe eine zentrale gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung und die Zugehörigkeit zu einem solchen überfamiliären Verband war für das Individuum wichtig, ein Überleben ausserhalb dieses Schutzes schwierig.

Die Weigerung seiner Landsleute, den propagierten Glauben anzunehmen und sein Wegzug aus Mekka wurden von Mohammed zweifellos als Aggression und Vertreibung erlebt. So hat er den Satz:

  • die gegen euch kämpfen“

in diesem Sinne verstanden. Die Offenbarung Allahs beinhaltet nicht, wie man auf Grund des Wortlautes meinen möchte, die Aufforderung, nur zur Verteidigung zu kämpfen. Dies war, nach Mohammeds Übersiedlung nach Medina auch gar nicht nötig, denn in dieser Stadt hatte er Verbündete. Vielmehr forderte Allah jetzt, gegen die ungläubigen Mekkaner, die schon lange schweres Unrecht taten ins Feld zu ziehen und Vergeltung zu üben. In die gleiche Richtung weist auch folgender Vers:

Sure 60, Vers 9: Allah verbietet euch nur mit denen, die euch in Sachen des Glaubens bekämpfen, und euch aus euren Wohnungen vertrieben und bei eurer Vertreibung geholfen haben, Freundschaft zu machen. Und wer mit ihnen Freundschaft macht, das sind die Ungerechten.

Als die ersten Verse, die Gläubige zu Kampfhandlungen verpflichten zitiert Ibn Ishaq folgende:

Sure 22, Vers 39: Gewähr ist denen gegeben, die bekämpft wurden, dieweil ihnen Gewalt angetan ward; und siehe, wahrlich, Allah hat Macht, ihnen beizustehen:
Sure 22, Vers 40: Jene, die schuldlos aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, nur weil sie sprechen: „Unser Herr ist Allah.“ Und wofern nicht Allah den einen Menschen durch die anderen wehrte, wahrlich, so wären Klöster, Kirchen, Bethäuser und Moscheen, in denen Allahs Name so häufig genannt wird, zerstört. Und wem Allah helfen will, dem hilft Er wahrlich. Siehe Allah ist stark und mächtig.
Sure 22, Vers 41: Denen hilft Er, die, wenn Wir ihnen im Lande Wohnung gegeben haben, das Gebet verrichten und die Armenspende entrichten und das Rechte gebieten und das Unrechte untersagen. Und Allah ist der Ausgang der Dinge.

(Gustav Weil: Das Leben Mohammeds, 1. Band, Seite 230, Verlag J.B. Metzler,1864)

A. T. Khoury schreibt über dieses offensive Kriegskonzept, zu welchem Allah seinen Propheten kurz vor der hijra verpflichtet hat: „Wenn die islamische Welt durch ihre Feinde angegriffen wird, wird der Kampf um den Glauben und die Vorherrschaft des Islams zur Pflicht eines jeden gläubigen Muslims. Aber der jihad ist in seinem Wesen nicht nur ein defensiver Krieg, er kann und muss auch präventiv oder offensiv geführt werden, denn dieser Einsatz ist in seiner tiefen Intention das Instrument der weltumfassenden Revolution, die dem Islam zur Alleinherrschaft in der Welt verhelfen soll.

Gesamteinsatz zur Erlangung des Heils

Das ist die letztendliche Zielsetzung, die in folgendem Vers des Korans angegeben wird:

Sure 9, Vers 33: Er ist’s, der entsandt hat Seinen Gesandten mit der Leitung und der Religion der Wahrheit, um sie sichtbar zu machen über jede andere Religion, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist.“
(vergleiche Sure 48, Vers 28 und Sure 61, Vers 9 mit demselben Wortlaut)

Adel Theodor Khoury: Was sagt der Koran zum Heiligen Krieg?, Seite 16 f, GTB Verlag, Gütersloh, 1991)

In den zahllosen Offenbarungen zum jihad wird im Wesentlichen folgendes bezweckt:

  1. Durch die Bedrohung an Leib und Leben, denen Ungläubige (kafir) durch das Konzept des jihad permanent ausgesetzt sind, sollen sich möglichst viele von ihnen zum Islam bekehren.
  2. Der Lebensunterhalt der muslimischen Gemeinde soll durch die Erlaubnis, Raubzüge durchzuführen und Beute zu machen, gesichert werden. ► razzia und Kriegsbeute
  3. Die von Allah zum zentralen Heiligtum des Islam erklärte Kaaba in Mekka soll ihrer wahren Bestimmung zugeführt und von allem Götzenkult befreit werden. Dafür ist es unerläßlich, daß Mekka erobert und von allen Ungläubigen befreit wird. ► Abrahamlegende
  4. Der Islam soll, nötigenfalls mit Gewalt, auf der ganzen Welt verbreitet werden.

Dazu führt A.T. Khoury aus: „Ursache der Feindseligkeiten waren nicht nur die alten Ressentiments der Mekkaner gegen Mohammed und seine Gemeinde und auch nicht nur der Wunsch der Muslime, ihre früheren Verfolger nun endlich zu bestrafen. Es ging auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. Die muslimischen Kämpfer versuchten, ihren Lebensunterhalt zum Teil mit dem Überfall auf die Karawanen der reichen Mekkaner zu sichern. Die Mekkaner versuchten ihrerseits, ihre Karawanen vor den Angriffen der Muslime zu schützen.“ (Adel Theodor Khoury: Was sagt der Koran zum Heiligen Krieg?, Seite 21 f, GTB Verlag, Gütersloh, 1991):

Deshalb dienten schon die ersten Kampfhandlungen der Muslime nicht der Verteidigung, sondern waren razzien, bewaffnete Überfälle auf mekkanische Karawanen. ► Nahla-Expedition

In der Tat war das Ziel aller Waffengänge (in dieser Arbeit nur bis zu Mohammeds Tod berücksichtigt) die Expansion des Islam und die Erlangung von Kriegsbeute.

Immerhin handelt es sich, wie erwähnt, um 74 Kriegszüge, die unter der persönlichen Leitung des Propheten geplant und durchgeführt wurden. Zeitlich parallel zum zunehmenden Erfolg der Muslime im Glaubenskrieg veränderten sich auch Allahs Botschaften und wurden immer bestimmender:

Sure 4, Vers 74: Und so soll kämpfen in Allahs Weg, wer das irdische Leben verkauft für das Jenseits. Und wer da kämpft in Allahs Weg, falle er oder siege er, wahrlich dem geben wir gewaltigen Lohn.

Sure 4, Vers 104: Und erlahmet nicht in der Verfolgung des Volkes der Ungläubigen; leidet ihr, siehe, so leiden sie, wie ihr leidet. Ihr aber erhofft von Allah, was sie nicht erhoffen; und Allah ist wissend und weise.

II) Einleitung

Das Konzept des jihad entstand in medinensischer Zeit gleichsam Schritt um Schritt, beeinflusst vom Verlauf der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ereignisse, in die Mohammed gerade verwickelt war. Die Offenbarungen zum „Heiligen Krieg“, die Mohammed von Allah erhalten hat, beziehen sich sehr spezifisch auf die kriegerischen Ereignisse seiner letzten 10 Lebensjahre.

Es ist also für das Verständnis der Koranverse unabdingbar, den gesellschaftlichen und politischen Schauplatz sowie die geschichtliche Entwicklung in Medina zu kennen. Leider entbehrt der Koran, die Hauptquelle dieser Arbeit, einer chronologischen Beschreibung der Ereignisse, er ist unübersichtlich und oft unverständlich zusammengestellt.

Es erschließt sich dem Leser deshalb kein auch nur annähernd nachvollziehbarer geschichtlicher Ablauf, geschweige denn ein klares theologisch fundiertes Konzept des „Heiligen Krieges“. Vielmehr muß man den Hergang der unter Mohammed geführten Kämpfe und die dazu von Allah offenbarten Kommentare, Anweisungen und Gebote aus anderen Quellen rekonstruieren.

Dazu R. Paret: “ … in welcher Weise Mohammed zu dem für ihn und seine Gemeinde so wichtigen Geschehen sozusagen ex cathedra Stellung genommen hat … Der erste Eindruck, den wir bei der Lektüre der einschlägigen Stellen gewinnen, ist enttäuschend. Nirgends zeichnet sich das tatsächliche Geschehen in einem klaren Bild ab. Überall finden wir mehr oder weniger dunkle Hinweise – Anspielungen auf Ereignisse oder Situationen, die wir erst umständlich, nämlich auf Grund der sonstigen Überlieferung, ermitteln müssen, ehe wir überhaupt etwas damit anfangen können … Kurzum, der Gang der Ereignisse lässt sich aus den koranischen Zeugnissen schlechterdings nicht ablesen. Das liegt ganz einfach daran, dass es überhaupt nicht in der Absicht des Propheten lag, über die Geschichte seiner Zeit nach Art eines Chronisten Bericht zu erstatten. Er konnte vielmehr, da er unmittelbar zu seinen Zeitgenossen sprach, die einzelnen Geschehnisse als bekannt voraussetzen und beschränkte sich nun darauf, sie von einem durchaus religiös orientierten Standpunkt aus zu bewerten und zur Belehrung und Erbauung seiner Glaubensgenossen auszudeuten.“ (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 131 f, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

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III) “Heiliger Krieg“

1. Begriff

Da das islamische Dogma zur gewaltsamen Verbreitung des Glaubens mit dem Wort „jihad“ nicht korrekt und vollständig wiedergegeben wird, verwenden wir in dieser Arbeit die Bezeichnung „Heiliger Krieg“. Darin eingeschlossen sind auch alle ergänzenden, oben beschriebenen grundlegenden Konzepte und Gebote.

Die Waffengänge der muslimischen Gemeinde zu Zeiten des Propheten konnten sich noch nicht auf eine ausgefeilte theologische und juristische Theorie abstützen, wie sie erst nach Mohammeds Zeit ausgearbeitet wurde.

Auszüge aus islamischen Gesetzeswerken zum jihad

Verschiedene zu Zeiten des Propheten geltende gesellschaftliche Normen erfuhren, dadurch daß sie als Offenbarungen Allahs bezeichnet wurden, eine sakrale Rechtfertigung. So wurde auch das Prinzip des „Heiligen Krieges“ in das religiöse Konzept des Islam eingebunden. Dazu schreibt Johann Christoph Bürgel: „Doch wie er (Mohammed) darauf verzichtete, den Kaabakult abzuschaffen, so vermied er es auch sonst, seine Zeitgenossen mit revolutionären Neuerungen vor den Kopf zu stossen. Vielmehr übernahm er grosso modo die rechtlichen und gesellschaftlichen Institutionen seiner Zeit und Umgebung wie Mehrehe (Sure 4, Vers 3), Blutrache (Sure 2, Verse 178 f) und Sklaverei (Sure 16, Vers 71 und Sure 30, Vers 28) indem er jeweils nur Anregung für eine höhere moralische Stufe vermittelte, die Einehe jenen nahe legend, die nicht fähig wären, zwei, drei oder vier Frauen „gerecht“ zu behandeln, die friedliche Einigung und Abfindung mit Geld im Blutfehdefall empfehlend, und die Freilassung von Sklaven als ein gutes Werk, auch als Ersatzleistung für versäumte rituelle Pflichten, anratend. Indem diese Institutionen mit den genannten Empfehlungen im Koran erwähnt werden, sind sie in das Heilige Haus der neuen Religion eingesetzt, sind nicht mehr heidnisch, sondern sakral, d.h. von grundlegend anderer Qualität. Besonders wichtig ist das hinsichtlich der Ausübung von Gewalt. Rein weltlich betrachtet, betrieb Mohammed nach seiner Niederlassung in Medina und mit der Übernahme der Führerrolle dort eine rüde Machtpolitik und setzte die herkömmlichen Mittel einer solchen Politik einschliesslich Raubzug, Krieg und Mord ein.“ (Johann Christoph Bürgel, Allmacht und Mächtigkeit, Seite 23, München, Verlag C.H. Beck, 1991 / Hervorhebungen durch den Autor)

Es ist interessant festzustellen, daß J.C. Bürgel in seiner Ausführung schreibt, daß es Mohammed war, der die erwähnten Konzepte übernommen hatte. Tatsächlich ist es, wenn man den Koran liest, natürlich Allah, der in seinen Offenbarungen zu den Gepflogenheiten der damaligen Zeit Stellung bezogen und sie entsprechend seinem Willen neu definiert hat. Das heißt, dass Mehrehe, Blutrache und Sklaverei damit auch Bestandteil der islamischen Rechtssprechung ► scharia werden.  Willensäusserungen Allahs werden als Aussagen des Propheten dargestellt – diese Umdeutung findet sich in der Fachliteratur häufig.

Der Islam ist mit dem im Koran angelegten Konzept des „Heiligen Krieges“ die weltweit einzige Religion, die in ihrem Dogma Gewalt generell zur Glaubensverbreitung propagiert. Krieg wird damit göttlich sanktioniert. Das Recht, Gewalt auszuüben, ist nicht mehr bei Gott sondern wird dem Menschen übertragen. Der gläubige Muslim hat nicht nur das Recht dazu, sondern die Pflicht, will er das versprochene Heil erlangen.

Das Gewaltmonopol – bei Gott oder beim Menschen?

Zu den fünf Säulen des Islam:

  1. Glaubensbekenntnis (schahada)
  2. Gebet (salat)
  3. Almosen (zakat)
  4. Fasten (saum)
  5. Pilgerfahrt nach Mekka (haddsch)

wird oft auch der „Heilige Krieg“ als 6. Säule hinzugerechnet und damit zum Ausdruck gebracht, wie zentral dieses Konzept ist.

2. Die beste Gemeinschaft

Der Anspruch des Islam, »die beste Gemeinschaft die für die Menschen entstand« hervorzubringen:

Sure 3 Vers 110: Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr heißet was Rechtens ist, und ihr verbietet das Unrechte und glaubet an Allah. Und wenn das Volk der Schrift geglaubt hätte, wahrlich, es wäre gut für sie gewesen! Unter ihnen sind Gläubige, aber die Mehrzahl von ihnen sind Frevler.

und den Gottesstaat auf Erden zu errichten, hat zur Gestaltung einer Lebensordnung geführt, in der mit Hilfe der proklamierten Autorität Allahs konkrete Institutionen wie zum Beispiel der „Heilige Krieg“ geschaffen wurden. Individuelle Entscheidungen wie die Teilnahme daran liegen nicht mehr im freien Willensbereich des Menschen. Die ganze Existenz ist auf die absolut gültigen göttlichen Gebote ausgerichtet. Das individuelle Gewissen wird dadurch aufgehoben.

Der Universalanspruch des Islam, den allein gültigen Glauben zu vertreten, wird heute im Zuge der islamischen Wiedererweckungsbewegung ausdrücklich beansprucht. Allah bestätigt in einem Vers, daß Er mit Seiner letzten Offenbarung, dem Koran, alle zum richtigen Glauben relevanten Aussagen gemacht hat:

Sure 17, Vers 89: Und wahrlich, Wir haben den Menschen in diesem Koran jegliches Gleichnis klar aufgestellt, aber die meisten Menschen wollen ihn nicht, allein aus Unglauben.

Was diese Haltung in Bezug auf Frieden, Pluralität, Demokratie, Toleranz und Glaubensfreiheit für Konsequenzen hat, können Sie folgendem Strategiepapier entnehmen.

Anhang 1: Muslim Brotherhood: „The Project“
                                                                                                                      >>    Fortsetzung

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