Darf ein anderes Gesetz als Allahs Gesetz eingehalten werden?

Institut für Islamfragen dh 30.01.2018 /  Quelle

Zusammenfassung

Entsprechend dem islamischen Glaubensverständnis, daß alle im religiösen Dogma abgelegten Bestimmungen auch gesellschaftliche Geltung haben ist gottgefälliges Zusammenleben nur möglich, wenn auch der gesamte Gesetzeskodex entsprechend Allahs Wille ausgestaltet ist. Wer sich nicht danach richtet begeht „eine große Sünde“ und „gehört zu den Ungläubigen“.

Sure 5, Vers 44: Wer sein Leben (und seine Urteile) nicht nach der Offenbarung Allahs und nach dem, was er herabsandte, richtet, der gehört zu den Ungläubigen.

Damit ist die Koexistenz mit Menschen in Gesellschaften, die nicht nach muslimischen Gesetzen, Wertvorstellungen und Usanzen strukturiert sind unmöglich.

Fatwa vom Rechtsgutachter Abdul-Aziz b. Abdullah bin Baz

[Bin Baz war ein einflussreicher islamischer Gelehrter, Richter, stellvertretender Direktor der Islamischen Universität von Medina und bis zu seinem Tod 1999 Großmufti Saudi-Arabiens. Er wirkte zudem als Minister für Religiöse Studien, als Vorsitzender des Ständigen Komitees für Rechtsfragen, als Vorsitzender des Gründungsvorstands der Islamischen Weltliga und Vorsitzender des Zentrums für Fiqh (islamische Rechtswissenschaft). Er votierte für eine grundlegende Islamisierung der saudischen Gesellschaft; 1982 wurde ihm der König-Faisal-Preis für seine Dienste für den Islam verliehen. Bis heute gilt er vielen im Bereich der sunnitischen Theologie als einer der prominentesten Rechtsgelehrten der Gegenwart; seine Verlautbarungen besitzen großen Einfluss.]

Frage:

„Werden Machthaber, die nach einem Gesetz regieren, das sich von Allahs Gesetz (arab. Shari’a) unterscheidet, als Ungläubige betrachtet? Falls wir sie als Muslime betrachten, wie würden wir dann Allahs Aussage verstehen: ‚Wer sein Leben (und seine Urteile) nicht nach der Offenbarung Allahs und nach dem, was er herabsandte, richtet, der gehört zu den Ungläubigen.‘ (Sure 5,44)?“

Antwort:

„Diejenigen, die nach einem anderen Gesetz als Allahs Gesetz handeln, weil sie dieses andere Gesetz für besser halten als das Gesetz Allahs, gelten bei allen Muslimen als Ungläubige. Das Gleiche gilt für diejenigen, die nach weltlichen Gesetzen statt nach Allahs Gesetz handeln und dieses weltliche Gesetz für erlaubt halten. Es ändert auch nichts daran, wenn diese Machthaber einräumen würden, dass Allahs Gesetz besser als die weltlichen Gesetze ist. Denn sie haben das, was Allah verboten hat, für erlaubt gehalten.

Derjenige, der nach einem anderen Gesetz und nicht nach Allahs Gesetz handelt, sei es aus Lust und Laune oder weil er bestochen wurde oder weil er denjenigen hasst, über den er zu urteilen hat oder aus anderen Gründen, aber dabei weiß, dass er damit Allah gegenüber ungehorsam wird, und dass er eigentlich nach Allahs Gesetz handeln müsste, gilt dann als jemand, der eine große Sünde begangen hat.“

Quelle: https://www.binbaz.org.sa/fatawa/134

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