Beduinen

Die Beduinen gehörten nicht zur medinensischen Urgemeinde; eine große Anzahl kriegerischer Unternehmen galt ihnen und ihrer Bekehrung. Sie reihen sich in den Entwicklungsprozess ein, der die islamische Gemeinde zu einem überragenden, weit ausgreifenden politischen Machtgebilde hat wachsen lassen.“ (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 143, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980).

Die ganze arabische Halbinsel war, von Oasensiedlungen und Städten abgesehen, im Wesentlichen von nomadisierenden Beduinen bewohnt. Selbst wenn sie sich zum Islam bekannt hatten (oder zum neuen Glauben gezwungen wurden), blieben sie ihrer nomadischen Lebensweise treu und waren unzuverlässige Verbündete. Insbesondere mit zwei zentralen Geboten des Islam, dem fünfmaligen Gebet (salat) und der Abgabe der Almosensteuer (zakat) hatten sie offenbar ihre liebe Mühe:

Sure 49, Vers 14: Die Araber sprechen: „Wir glauben.“ Sprich: „Ihr glaubet nicht; sprechet vielmehr: „Wir sind Muslime“; denn der Glaube ist noch nicht eingekehrt in eure Herzen. Wenn ihr aber Allah und Seinem Gesandten gehorcht, so wird Er euch um nichts von euren Werken betrügen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.“
Sure 49, Vers 15: Gläubige sind nur die, welche an Allah und Seinen Gesandten glauben und hernach nicht zweifeln und die mit Gut und Blut in Allahs Weg eifern. Das sind die Wahrhaftigen.

weshalb R. Paret zur Annahme kommt: „… dass in etlichen Stämmen der Islam nur als eine politische Macht anerkannt worden ist, ohne daß ein Übertritt zur islamischen Religion vollzogen worden wäre, und daß Mohammed sich mit einer so minimalen Sympathieerklärung zufrieden gegeben hat.“ (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 145, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

Die Unzuverlässigkeit der Beduinen konnte sich auch darin äußern, daß sie, je nach Kräfteverhältnis, die Fronten wechselten und gelegentlich auch auf Seiten des Feindes kämpften.

Zur doch sehr verworrenen Situation, in der sich Mohammed mit den Beduinen befand, schreibt R. Paret: „Was im Laufe der Jahre zwischen Mohammed und den Beduinen vorgefallen ist, lässt sich deshalb so schwer einordnen … weil sehr oft Zufälle und günstige oder ungünstige Gelegenheiten das Gesetz des Handelns vorgeschrieben haben … Zuerst hat Mohammed begreiflicherweise mit beduinischen Stämmen Kontakt aufgenommen, deren Weidegebiete in der näheren Umgebung von Medina lagen. Unter ihnen scheint er früh Fuss gefasst zu haben. Als er die Kreise weiter zog, bekam er im Hinterland von Mekka stärkeren Widerstand zu spüren. Seiner Einflussnahme war hier durch die mit den Mekkanern verbündeten Stämme ein Riegel vorgeschoben.“ (R. Paret, Mohammed und der Koran, Seite 144 f, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1980)

Ohne Unterstützung durch Beduinen hätten die Mekkaner die Belagerung von Medina nicht wagen können. Grabenkrieg 

Demgegenüber wäre die ► Eroberung Mekkas im Jahre 630 für Mohammed ohne Unterstützung durch die Beduinen nicht möglich gewesen.

Wie erwähnt, blieben einzelne Beduinenstämme gelegentlich den angesagten Kriegszügen fern. Dies wahrscheinlich vor allem dann, wenn der Ausgang der Unternehmung unsicher und damit keine Beute zu erwarten war. So geschehen zum Beispiel beim Zug nach ► al-Hudaibiya, wo 4 Beduinenstämme die Teilnahme verweigerten und dies, gemäß Allahs Beurteilung, fadenscheinig mit ihrer Armut und der nötigen Fürsorge für Weib und Kind begründeten:

Sure 48, Vers 11: Sprechen werden zu dir die Dahintengebliebenen von den Arabern: „Wir hatten mit unserem Gut und unseren Familien zu schaffen, darum bitte um Verzeihung für uns.“ Sie sprechen mit ihren Zungen, was nicht in ihren Herzen ist. Sprich: „Wer vermag für euch etwas bei Allah, wenn Er euch ein Leid antun oder euch nützen will?“ Nein Allah weiß, was sie tun.

Auch weiteren Expansionskriegen und Raubzügen Mohammeds blieben sie fern. Die folgende Belegstelle im Koran bezieht sich auf den ► ersten Eroberungskrieg Mohammeds gegen die Byzantiner, „einem Volk von großem Mut:

Sure 48, Vers 16: Sprich zu den Dahintengebliebenen von den Arabern: „Ihr sollt gerufen werden zu einem Volk von großem Mut; ihr sollt mir ihnen kämpfen oder sie werden Muslime. Und wenn ihr gehorcht, wird euch Allah schönen Lohn geben; wenn ihr jedoch den Rücken kehret, wie ihr ihn zuvor gekehrt habt, wird Er euch mit schmerzlicher Strafe strafen.“

Sure 48, Vers 16: Sag zu denjenigen Beduinen, die zurückgelassen worden sind: Ihr werdet demnächst zu einem Kriegsvolk aufgerufen werden, das über eine gewaltige Kampfkraft verfügt. Ihr werdet gegen sie zu kämpfen haben, es sei denn, sie ergeben sich ohne es erst zum Kampf kommen zu lassen (oder: es sei denn, sie nehmen den Islam an). Wenn ihr dann gehorchet und der Aufforderung zum Kampf Folge leistet, gibt Gott euch einen schönen Lohn. Wenn ihr euch aber abwendet, wie ihr das vorher getan habt, (als ihr zum Zug nach Mekka bzw. al-Hudaibiya aufgerufen wurdet), lässt er euch eine schmerzhafte Strafe zukommen.
                                                                                               (Übersetzung nach Rudi Paret)

Mit der Weigerung, an Kriegszügen teilzunehmen reihen sich die fehlbaren Beduinen in die Kategorie der ► Heuchler ein.

 

Comments are closed.