Das Zeugenrecht in der scharia

Entsprechend:

Sure 2, Vers 282: … Und nehmt zwei Männer von euch zu Zeugen! Wenn es nicht zwei Männer sein können, dann sollen es ein Mann und zwei Frauen sein, solche, die euch als Zeugen genehm sind, – (zwei Frauen) damit (für den Fall), daß die eine von ihnen sich irrt, die eine (die sich nicht irrt) die andere (die sich irrt, an den wahren Sachverhalt) erinnere ….                                              (Übersetzung nach R. Paret)

braucht es für den Nachweis eines Straftatbestandes zwei männliche Zeugen. Ein  männlicher Zeuge kann (ausser für Kapitalverbrechen) durch zwei weibliche Zeugen ersetzt werden, so daß, „wenn die eine von beiden sich irrt, die eine, die sich nicht irrt die andere, die sich irrt, an den wahren Sachverhalt erinnere.“ 

Es handelt sich bei diesem Koranvers um die allgemein gültige Ungleichstellung der Frau bei Zeugenaussagen. Auch dieser Vers, welcher den Minderwert der Zeugenaussage einer Frau festschreibt, ist Teil der koranischen Grundlagen für die Scharia. „Die meisten Theologen vertreten die Auffassung, daß weibliche Zeugen bei Kapitalverbrechen prinzipiell nicht zugelassen sein sollen, einzig die theologische Gruppierung der Zahiriten lässt weibliche Zeugen in doppelter Anzahl als Ersatz für männliche Zeugen zu. Es sind ebenfalls die Zahiriten, nach deren Anschauung auch der Richter als Augenzeuge auftreten kann (nach westlicher Rechtsauffassung wäre es unvorstellbar, daß ein Richter Ankläger und Urteilsverkünder in einer Person ist.) Dies wird allerdings von der Rechtsschule der Hanafiten, Malikiten und Hanbaliten abgelehnt.“ (Ch. Schirrmacher, U. Spuhler-Stegemann, Frauen und die Scharia, Seite 47, Goldmann-Verlag, München, 2006, Seite 48)

Frauen werden also im Falle von Unzucht, das als Kapitalverbrechen gilt, als Zeugen gar nicht zugelassen.

In Ergänzung zu den Ausführungen im hier zitierten Buch wird auf das schiitische Sexualstrafrecht hingewiesen, welches bei der Zeugenaussage von Frauen bei Unzucht eine Ausnahme macht: „Grundsätzlich müssen Zeugen bei hadd- und qisas-Straftaten männlichen Geschlechts sein; das iranische Strafgesetzbuch hat jedoch – einer Minderheitsmeinung folgend – festgelegt, dass u.a. bei Ehebruch der Beweis auch durch das Zeugnis von drei Männern und zwei Frauen erbracht werden kann. Bei einem unerlaubten Geschlechtsverkehr, der nur mit Auspeitschung bedroht ist, kann sogar das Zeugnis von vier Frauen das von zwei Männern ersetzen.“ (Tellenbach, Seite 14)

Art 74

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