Androhung von Strafe bei der Verweigerung der Loyalität

Die Annahme des Islam und die Befolgung aller Gebote waren schon in mekkanischen Versen eine unbedingte Forderung Allahs. Andernfalls droht ewige Strafe:

Sure 36, Vers 64: Brennet heute in ihr, darum daß ihr ungläubig waret.

Sure 72, Vers 23: Allein eine Predigt von Allah und Seine Sendung liegt mir ob, und wer sich Allah und Seinem Gesandten widersetzt, für den ist Dschahannams Feuer für ewig und immerdar.

► Allah als Zwingherr über Seine Diener

In medinensischer Zeit werden die Gebote des Gebets, des Fastens, der Armensteuer, der Pilgerfahrt und des Glaubens an das Jüngste Gericht um einige Forderungen ergänzt. Alle Verse, die Gesetzescharakter ► scharia haben, sind in dieser Zeit offenbart worden. Jetzt wird erst recht unbedingter Gehorsam gefordert. Wie immer bei Befehlsverweigerung droht ewig währendes Einsitzen in ► dschahannam, der muslimischen Hölle:

Sure 4, Vers 14: Wer aber wider Allah und Seinen Gesandten rebelliert und Seine Gebote übertritt, den führt Er ein in ein Feuer, ewig darinnen zu verweilen, und es trifft ihn schändende Strafe.

Sure 8, Vers 13: Solches, darum daß sie gegen Allah und Seinen Gesandten widerspenstig waren. Wer aber widerspenstig gegen Allah und Seinen Gesandten ist – siehe, so ist Allah streng im Strafen.

Sure 9, Vers 63: Wissen sie nicht, daß für den, der Allah und Seinen Gesandten befehdet, Dschahannams Feuer ist, ewig darinnen zu verweilen?

Sure 33, Vers 57: Siehe, diejenigen, welche Allah und Seinen Gesandten verletzen, verfluchen wird sie Allah in der Welt und im Jenseits und bereitet hat Er ihnen schändende Strafe.

Sure 58, Vers 5: Siehe, diejenigen, welche sich Allah und Seinem Gesandten widersetzen, sollen niedergeworfen werden wie diejenigen, die vor ihnen lebten. Und Wir sandten deutliche Zeichen herab; und für die Ungläubigen ist schändende Strafe.

Sure 58, Vers 20: Siehe, diejenigen, welche sich Allah und Seinem Gesandten widersetzen, sind unter den Verworfensten.
Sure 58, Vers 21: Geschrieben hat Allah: „Wahrlich, Ich werde obsiegen, Ich und meine Gesandten.“ Siehe, Allah ist stark und mächtig.

Das wichtigste neu eingeführte Konzept der medinensischen Periode ist zweifellos das der „Anstrengung für den Glauben mit Gut und Blut„. Entsprechend den oben angeführten generellen Strafandrohungen bei Ungehorsam werden in den folgenden Offenbarungen denjenigen Gläubigen Strafe angedroht, die zaudern und nicht gewillt sind, aus welchen Gründen auch immer, die Kampfbefehle auszuführen. Zweifellos war Mohammed vor allem in der Anfangszeit in Medina auf jeden Kämpfer angewiesen. Wie schon erwähnt, werden kampfunwillige Gläubige, meist ansar (medinensische Helfer) oder ► Beduinen (Steppen-Araber), in vielen Versen als ► Heuchler, „Frevler“ und „Behinderer“ bezeichnet. Allah droht ihnen – entsprechend der Dringlichkeit der Rekrutierung von Kämpfern – bei Fernbleiben und böswilligem Zuwiderhandeln drastische Strafen und ewige Verdammnis an:

Sure 8, Vers 16: Und wer ihnen an jenem Tage den Rücken kehrt, außer, er wende sich ab zum Kampf oder zum Anschluß zu einem Trupp, der hat sich Zorn von Allah zugezogen und seine Herberge ist Dschahannam, und schlimm ist die Fahrt dorthin.

Sure 9, Vers 24: Sprich: „So eure Väter und eure Söhne und eure Brüder und eure Weiber und eure Sippe und das Gut, das ihr erworben, und die Ware, deren Unverkäuflichkeit ihr befürchtet, und die Wohnungen, die euch wohlgefallen, euch lieber sind als Allah und sein Gesandter und das Eifern in seinem Weg, so wartet, bis Allah mit seinem Befehl kommt.“ Und Allah leitet nicht die Frevler.

Sure 9, Vers 81: Es freuten sich die in ihren Wohnungen Zurückgebliebenen, dem Gesandten Allahs zuwider gehandelt zu haben, und hatten keine Lust, mit Gut und Blut in Allahs Weg zu eifern und sprachen: „Ziehet nicht aus in der Hitze.“ Sprich: „Dschahannams Feuer ist heißer.“ O sie es doch begriffen!

Sure 9, Vers 101: Und unter denen der Steppen-Araber, die rings um euch sind, gibt es Heuchler; und auch unter dem Volke Medinas gibt’s hartnäckige Heuchler. Nicht kennst du sie, O Muhammad; Wir kennen sie; wahrlich, strafen wollen Wir sie zwiefältig; alsdann sollen sie überantwortet werden gewaltiger Strafe.

Sure 4, Vers 141: Die euch belauern und, so euch ein Sieg von Allah ward, sprechen: „Waren wir nicht mit euch?“ Hatten aber die Ungläubigen Erfolg, sprechen sie: „Trugen wir nicht den Sieg über euch davon und schützten euch vor den Gläubigen?“ Darum wird Allah richten zwischen euch am Tage der Auferstehung, und nimmer wird Allah den Ungläubigen gegen die Gläubigen einen Weg geben.

Sure 4, Vers 145: Siehe, die Heuchler sollen sein in der untersten Feuerstiefe; nimmer findest du einen Helfer für sie.

Sure 47, Vers 25: Siehe, diejenigen, welche den Rücken kehren, nachdem ihnen die Leitung deutlich gemacht, der Satan hat sie betört, und er verzieht mit ihnen.
Sure 47, Vers 26: Solches darum, daß sie zu denen sprechen, die Abscheu haben wider das, was Allah hinabsandte: „Wir wollen euch mit einem Teil der Sache gehorchen.“ Allah aber kennt ihre Geheimnisse.
Sure 47, Vers 27: Wie aber wird es sein, wenn die Engel sie zu sich nehmen und sie aufs Gesicht und den Rücken schlagen?
Sure 47, Vers 28: Solches, dieweil sie dem folgen, was Allah erzürnt, und Abscheu haben wider das, was Sein Wohlgefallen ist; drum wird Er ihre Werke vereiteln.
Sure 47, Vers 29: Oder glauben jene, in deren Herzen Krankheit ist, daß Allah nicht ihre Bosheit zum Vorschein bringt?

Gläubigen, „in deren Herzen Krankheit ist d.h. dem Kampfbefehl nicht folgen hat Allah „verflucht und sie taub gemacht und ihre Blicke geblendet„, Er „versiegelt ihre Herzen“ und leitet sie irre.

Irreleitung

Diese „Heuchler“, „Behinderer“ und „Frevler“ haben mit ihrer Befehlsverweigerung die Grenze zum Unglauben überschritten. Die Weigerung, am „Heiligen Krieg“ teilzunehmen, wird also mit Unglauben gleichgesetzt: „Wahrlich, treffen wird die Ungläubigen unter ihnen schmerzliche Strafe„. 

Sure 9, Vers 90: Und es kamen Ausflüchte machend einige der Steppen-Araber, auf daß ihnen Erlaubnis würde, daheim zu bleiben. Und sitzen blieben daheim diejenigen, die Allah und Seinen Gesandten belogen hatten. Wahrlich, treffen wird die Ungläubigen unter ihnen schmerzliche Strafe.

Sure 9, Vers 83: Und so dich Allah heimkehren lässt zu einer Anzahl von ihnen und sie dich um Erlaubnis bitten hinauszuziehen, so sprich: „Nimmerdar sollt ihr ausziehen und nimmerdar sollt ihr mit mir wider den Feind kämpfen. Siehe, es gefiel euch das erste Mal daheim zu sitzen, und so sitzet daheim mit den Dahintengebliebenen.

Sure 9, Vers 93: Nur gegen die ist der Weg, die dich um Erlaubnis bitten, daheim zu bleiben, wiewohl sie reich sind. Es gefällt ihnen bei den Daheimgebliebenen zu sein. Versiegelt hat Allah ihre Herzen, und so verstehen sie nicht.

Sure 47, Vers 20: Und es sprechen die Gläubigen: „Warum wird keine Sure herabgesendet?“ Aber wenn eine unverbrüchliche Sure herabgesendet und in ihr der Kampf verkündet wird, siehst du die, in deren Herzen Krankheit ist, dich anschauen mit dem Blick eines vom Tode Überschatteten. Besser für sie aber wäre Gehorsam und geziemende Worte.
Sure 47, Vers 21: Und wenn die Sache beschlossen ist, so wäre es besser für sie, wenn sie dann auf Allah vertrauten.
Sure 47, Vers 22: Und hättet ihr euch abgewendet, hättet ihr nicht vielleicht Verderben im Land gestiftet und eure Blutsbande zerrissen?
Sure 47, Vers 23: Sie sind’s, die Allah verflucht hat, und er hat sie taub gemacht und ihre Blicke geblendet.

Befehlsverweigerer werden schon im Diesseits für ihren Wankelmut von Allah verflucht und müssen gewärtigen, am jihad gar nicht mehr teilnehmen zu können, auch wenn sie (doch noch) wollten: „Nimmer sollt ihr uns folgen. Also sprach Allah zuvor.“ Zudem werden die rechtschaffenen Gläubigen aufgerufen, diesen Heuchlern die Teilnahme am „Heiligen Krieg“ zu verwehren:

Sure 48, Vers 15: Die Dahintengebliebenen (bei al-Hudaibiya) werden sprechen, wenn ihr euch an die Beute (bei Khaybar) macht, sie zu nehmen: „Lasset uns euch folgen“ Sie wollen Allahs Wort ändern. Sprich: „Nimmer sollt ihr uns folgen. Also sprach Allah zuvor.“ Dann werden sie sprechen: „Nein; ihr beneidet uns!“ Nein, sie verstanden nur ein wenig.

Drohungen und Bestrafungen sind als Grundthema im Koran allgegenwärtig: „Das in Koran und sunna oft wiederholte Gehorsamsgebot gegenüber Allah, Mohammed und den „rechtmäßigen“ Herrschern zeigt, daß es sich beim Islam sowohl um eine Herrschafts- und Gehorsamsreligion handelt als auch um eine Religion mit politischem Anspruch. Die vielen Androhungen von harten, sadistischen und barbarischen Strafen im Diesseits und Jenseits belegen eine in Koran und sunna vorherrschende Ethik der Angst. Die Angst ist im Islam ein wichtiges Sozialisationsinstrument.“ (Hiltrud Schröter, Das Gesetz Allahs, U. Helmer Verlag, Königstein, 2007, Seite 27)

 

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