Allahs Allmacht

“Der erste Schritt zur Wahrheit ist der Zweifel.”
Denis Diderot (1713 – 1784)

Zusammenfassung

Allah hat den ganzen Kosmos geschaffen und alles was darin ist. Das heisst Er hat die Sterne, die Sonne und auch die Erde kreiert; jedes Tier, jede Pflanze und insbesondere den Menschen. Aber Er überlässt diese Seine Schöpfung nicht einen einzigen Augenblick sich selber – vielmehr kümmert Er sich permanent darum. Er erschafft nicht nur jeden einzelnen Menschen seit Adam neu sondern hat auch Bestimmungsmacht über die das menschliche Leben leitenden Wirkprinzipien wie Hass, Güte, Gier, Mildtätigkeit usw. Er fügt alles, Gutes und Schlechtes. Demnach sind menschliche Bewertungen wie „gut“ und „böse“ irrelevant. Alles was hier auf der Weltenbühne geschieht ist in diesem Sinne „gut“ und zwar eben weil es von Allahs souveräner Hand, Seinem absoluten Willen bewirkt wird. Diese Einheit und Einzigkeit Allahs (tauhid), Sein für den Menschen undurchschaubares Handeln erhebt Ihn über jegliches Hinterfragen und Verstehen-wollen seitens Seiner Knechte.

Alles was existiert und was in jedem Moment geschieht wird unmittelbar durch Seine Bestimmungsmacht, Sein Dekret, Seine Fügung und Führung (al-qadar) bewirkt. Was also z.B. in einem Reagenzglas geschieht wenn zwei Chemikalien zusammengefügt werden, ist nicht durch selbsttätig funktionierende physikalische Vorgänge, sondern durch Allahs unermüdliches Wirken bestimmt. Auch wenn solche Prozesse dem Schein nach immer gleich und gemäß von der Wissenschaft definierten Gesetzmässigkeiten ablaufen so ist es doch nur Allahs „Gewohnheit“ (ada), welche die Gleichförmigkeit in den Naturphänomenen bewirkt – Er könnte auch anders.

Jegliche „Beigesellung“ (schirk) einer Wirkmacht neben Ihm, seien das nun (von Menschen erfundene und damit nutzlose) Götter, autonome Handlungen der Menschen oder eben die Postulierung von Gesetzen über Abläufe in der Natur sind der blasphemische Versuch, Seine selbstherrlichen Machtbefugnisse einzuschränken. schirk ist die schlimmste aller Sünden.

Dem Menschen als einem Wesen, welches in der Gänze von Allahs Bestimmung und Kraft abhängig ist, kommt nur die vollständige Unterwerfung (islam = Unterwerfung) unter Seinen Willen zu. Wobei definitionsgemäss dieser Akt der Unterwerfung von Allah bestimmt und bewirkt sein muß. Für die einen schon, für die anderen nicht: der Koran weist immer wieder darauf hin, daß Allah sowohl den Glauben als auch den Unglauben will und erschafft. Nicht nur jeder muslim (der sich Unterwerfende) sondern auch jeder Ungläubige (kafir) ist ein Werkzeug Allahs, eine Schachfigur auf Seinem diesseitigen Wirk-Feld.

Der Allerbarmer hat in Seiner Güte dem Propheten Mohammed über den Engel Gabriel die detaillierte Rechtleitung (scharia) für ein gottgefälliges Leben übergeben: den Koran als Sein wortwörtliches Reden. Dieser beinhaltet die von Allah geforderten Regeln, deren vollständige Erfüllung für einen muslim unabdingbar ist. Wenn er diese koranische Richtschnur wie auch die beispielhaften Vorgaben des Gesandten aus dessen Leben (sunna) befolgt (wie gesagt: auch das bewirkt Allah!) ist der Weg ins Paradies geebnet – oder vielleicht doch nicht, denn Allah versichert uns im Koran mehrfach daß Er richtet wie Er will (2,284; 5,18; 5,40).

Das Konzept eines Gottes, welcher der einzige und wahre Akteur aller Schöpfungsakte ist wird in der islamischen Doktrin von einem weiteren Konzept untermauert. Allah handelt nicht aus dem Moment heraus oder als Antwort auf ein von Seiner Wirkmacht unabhängig eingetroffenes Ereignis (was ja eben gar nicht möglich ist) sondern nach Plan. Er hat also schon vor der Erschaffung von Himmel, Erde und Mensch den ganzen irdischen Weltenverlauf im himmlischen Buch/der Tafel hoch über dem siebten Himmel detailliert festgehalten. Daraus folgert zwingend die vollständige Prädestination eines jeden Menschenlebens und einer jeden Handlung was wie gesagt wiederum zwingend aus dem ununterbrochenen Schöpfungshandeln Allahs hervorgeht.

Der freie Wille und die damit verbundene Eigenverantwortlichkeit des Menschen für sein Tun bleiben in diesem Dogma außen vor. Wie soll denn die Be- und Aburteilung durch Allah beim Jüngsten Gericht legitimiert werden? Die islamische Apologetik hat deshalb versucht, dem Menschen mittels der ► „Aneignungsdoktrin“ (kasb) doch noch die Verantwortung für seine Taten aufzuladen. Demnach übernimmt der Mensch jeweils gerade kurz vor der von Allah beabsichtigten Handlung durch sein Einverständnis die Verantwortung für eben diese Tat. Wenn diese Tat aber durch sein Einverständnis geschähe – oder eben nicht – wäre sie von ihm und nicht von Allah gewollt und ausgeführt – und er beginge ununterbrochen schirk! Und wenn es letztlich ohnehin so ist, daß er eine Tat vollbringen muß, die Allah so und nicht anders in dieser Welt ablaufen lassen will und damit ablaufen lässt ist sein Einverständnis vollkommen überflüssig.

Selbst der Koran widerspricht der „Aneignungstheorie“:

Sure 81, Vers 28: Für jeden von euch, der den geraden Weg nehmen will.
Sure 81, Vers 29: Doch werdet ihr nicht wollen, es sei denn, daß Allah will, der Herr der Welten.

Dieses Gottesbild reduziert den Menschen zu einer Art ferngesteuertem Roboter; seine seelisch-geistigen Funktionen werden direkt von Allah bestimmt. Der Mensch wird seiner Würde als mit eigenem Willen ausgestattete Person beraubt.

Hier wird das Problem diskutiert: ► Islam-Forum

 

Unknown

 

Allahs Allmacht und Seine Prädestination – eine dogmatisch zwingende Legierung

Allahs absolute Verfügungsgewalt über Seine Schöpfung bedingt folgerichtig Seine vollständige Vorherbestimmung eines jeden Geschehnisses. Das wird im Kapitel:

Der Glaube an die Vorherbestimmung
(Freitagspredigt vom 22. Mai 2015) Quelle

der islamischen Internetseite:
Islamischer Verein für wohltätige Projekte in Berlin

sauber hergeleitet. Nichts kann aus der selbstherrlichen Bestimmungsmacht Allahs herausfallen, Sein souveräner Wille bewirkt alles, auch die Sünden: „denn wenn diese ohne den Willen Gottes geschehen würden, dann wäre Er schwach und die Schwäche ist in Bezug auf Allah unmöglich.“:

Brüder im Islam, es gibt einen Unterschied zwischen dem Willen und dem Befehl. So befiehlt Allâh nicht zum Begehen des Unglaubens und der Sünden, jedoch ist es unmöglich, dass der Unglaube der Ungläubigen und die Sünden der Sündigen ohne den Willen Gottes geschehen würden, denn wenn diese ohne den Willen Gottes geschehen würden, dann wäre Er schwach und die Schwäche ist in Bezug auf Allâh unmöglich.“

Dieser Sichtweise führt allerdings zu einem unauflösbaren logischen Widerspruch: Der Umstand, daß Sünder am Jüngsten Tag für Taten bestraft werden, die Allah an ihnen und durch sie „mit dem Willen und der Vorherbestimmung Gottes“ geschehen lassen will wird dahingehend aufgelöst, daß die Allmacht des Allmächtigen ganz einfach nicht hinterfragt werden darf: „Allah wird nicht nach Seinem Tun befragt …“. Wenn Allah „mit Seiner Gerechtigkeit“ bestraft, dann ist Sein göttliches Handeln jenseits von jeglichem menschlichen Urteil:

Der Glaube und die guten Handlungen sowie der Unglaube und die schlechten Taten geschehen mit dem Willen und der Vorherbestimmung Gottes. Hätte Allâh nicht die Sünden der Sündigen und nicht den Unglauben der Ungläubigen und nicht den Glauben der Gläubigen und nicht die guten Taten der Gehorsamen vorherbestimmt und gewollt, dann hätte Er nicht die Hölle und das Paradies erschaffen. Und niemandem steht es zu, zu sagen: „Wenn doch die Sünden mit dem Willen Gottes geschehen, wie könnte Allâh dann die Sünder bestrafen?“ Allâh wird nicht nach Seinem Tun befragt, denn wenn Allâh den Sündigen bestraft, dann mit Seiner Gerechtigkeit, ohne ungerecht zu sein; und wenn Er den Gehorsamen belohnt, dann mit Seiner Güte, ohne dazu verpflichtet zu sein.“

Diesen Seinen Willen hat Allah schon definitiv festgelegt „dessen Geschehen Allah in Ewigkeit vorherbestimmte“, bevor Er die Welt überhaupt erschaffen hat:

Der Wille Gottes ist anfangslos, was Allâh will, bleibt nicht aus und Sein Wille verändert sich nicht. Alles, dessen Geschehen Allâh in Ewigkeit vorherbestimmte, tritt auf jeden Fall in die Existenz ein, zu genau der Zeit, die Allâh dafür vorherbestimmte; und was Allâh nicht will, dass es geschieht, tritt niemals in die Existenz ein.“

Lesen Sie dieses Kapitel im Zusammenhang mit:

► tauhid und die absolute Transzendenz Allahs
Allahs Allmacht und Seine umfassende Prädestination: die dogmatischen Konsequenzen
 Prädestination und freier Wille

Eine sehr eindrückliche Voraussage macht Allah bezüglich Seiner umfassenden Macht in folgendem Vers, wo Er den dereinstigen Endsieg über den Unglauben in Aussicht stellt. Entsprechend der präzisen Vorausschau des ganzen Weltenverlaufes, den Er in den himmlischen Büchern aufgeschrieben hat, wird Er den Zeitpunkt dieses Endzieles aller islamischen Expansionsbemühungen kennen:

Sure 58, Vers 21: Geschrieben hat Allah: „Wahrlich, Ich werde obsiegen, Ich und Meine Gesandten.“ Siehe, Allah ist stark und mächtig.

► Die himmlischen Bücher

Allahs Allmacht hat aber zuerst einmal Seine Fähigkeit beinhaltet, die ganze Schöpfung überhaupt hervorzubringen „der von sich aus alles was in der Welt ist geschaffen und genau bestimmt hat„:

Sure 25, Vers 1: Voller Segen ist Er, der auf Seinen Diener Mohammed die Rettung (den Koran) herabgesandt hat, damit er den Menschen in aller Welt ein Warner sei.
Sure 25, Vers 2: Er, der die Herrschaft über Himmel und Erde hat und sich kein Kind zugelegt hat und keinen Teilhaber an der Herrschaft hat und der von sich aus alles was in der Welt ist geschaffen und genau bestimmt hat. (Übersetzung nach R. Paret)

M. Cook schreibt zu diesem Vers: „Wenn wir die Erklärung, Gott habe alle Dinge erschaffen wörtlich nehmen – und das sollten wir – so hat das eine bestürzende Konsequenz, auf die in der vorletzten Sure des Koran mehr oder minder explizit hingewiesen wird:

Sure 113: Vers 1 bis 5: Sprich: „Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn des Morgengrauens, vor dem Übel dessen, was Er erschaffen, und vor dem Übel der Nacht, wann sie naht, und vor dem Übel der Knotenanbläserinnen (Hexen), und vor dem Übel des Neiders, wenn er neidet.“

Deutlicher sagt der Koran an keiner Stelle, daß Gott das Böse ebenso geschaffen hat wie das Gute.“ (M. Cook, Der Koran, Reclam, Stuttgart, 2002, Seite 30 f)

Die völlige Inkompatibilität von selbstbestimmtem menschlichen Handeln mit Allahs Allmacht und Seinem souveränen und alleinherrlichen Schöpfungswillen wird im folgenden Kapitel über Vorauswissen und Vorherbestimmung auf dem islamischen Internetplattform Islam-Pedia klar herausgearbeitet. Allerdings sicher unbeabsichtigt:

Al-qadhaa (Vorauswissen) und Al-qadar (Vorherbestimmung) Allahs

Die islamische Internetseite Islam-Pedia beleuchtet das Thema Vorauswissen und Vorherbestimmung ausführlich.   (Quelle)

kuffar = Ungläubige i
man
= Glaube

Hier die Zusammenfassung:


Zuerst einmal wird, wie auf den meisten islamischen Internetseiten mit exegetischem Inhalt darauf hingewiesen, daß die kuffar mit ihrem beschränkten Vokabular die Erhabenheit der islamischen Heilslehre gar nicht akkurat abbilden können.

Bei der Definition der Begriffe wird dann versucht, Vorauswissen und Vorherbestimmung auseinanderzuhalten, wobei Vorherbestimmung definiert wird als: „die Verwirklichung von Al-qadaa durch Allahs Allmacht entsprechend Seinem Willen“.

In den folgenden Abschnitten wird, trotz dieser eigentlich schon klaren Aussage, der „freie Wille“ des Menschen stipuliert. Der wird dann allerdings unter „Die iman-Inhalte von al-qadar“ bei Punkt 2 definitiv zertrümmert:

Der iman an den Willen Allahs, den Er definitiv, unvermeidlich und absolut autonom durchsetzt, und der Iman an Seine absolute Allmacht. Dies beinhaltet:  dass durch den Willen Allahs alles, was Er will, aufgrund Seiner Allmacht unausweichlich geschieht und geschehen wird,  dass absolut nichts geschehen kann und wird, das nicht Seinem Willen entspricht.“

Eindeutiger kann man das Vorauswissen Allahs nicht mehr in Seiner vollständigen Prädestination aufgehen lassen und kommt dementsprechend am Ende der Argumentationskette zur Aussage aus einem hadith von Bukhari:

„Allah hat jedes Geschöpf sowie dessen Taten geschaffen“

Aufschlussreich ist auf dieser Seite noch der Hinweis auf das Verbot an die muslime, die ganze Thematik der Vorherbestimmung verstehen oder gar hinterfragen zu wollen:

Allah selbst vermittelte den Menschen durch die Gesandten einige begrenzte Kenntnisse von Al-qadar. Diese begrenzten Kenntnisse reichen für das Diesseits aus. Weitere, tiefergehende Kenntnisse über Al-qadar sind von Allah für den Menschen im Diesseits nicht vorgesehen. Aus diesem Grund ist es untersagt, nach den nicht geoffenbarten, verborgenen Dingen von Al-qadar zu forschen, Spekulationen darüber anzustellen und Vermutungen dazu zu äußern“.

Damit muß ein muslim sich wohl begnügen.

Dafür wird in diesem Traktat noch eine andere Frage geklärt. Die Frage des Umfangs von Allahs Vorauswissen. Die Kenntnis der Seele eines jeden Seiner Knechte ist absolut und detailliert. Diese Information ist natürlich die Konsequenz von Allahs Allwissen:

Allah kennt z. B. alle Angelegenheiten der Geschöpfe:
– Zeitpunkt von Geburt und Tod und die Zeitspanne ihres Lebens,
– alle Geschehnisse, die Entscheidungen erfordern,
– alle Umstände, die Entscheidungen beeinflussen,
– alle Entscheidungsfindungsprozesse,
– alle bewusst und unbewusst gefällten Entscheidungen,
– alle daraus resultierenden Handlungen und ihre Auswirkungen,
– alle weiteren Entscheidungen aufgrund dieser Handlungen, usw.

Allah spielt auf dieser innerpsychischen Klaviatur entsprechend Seinem absoluten Willen, Seiner Allmacht und Seiner Vorherbestimmung.

1. Allah erschafft den Menschen und die Natur, Er bestraft und verhängt den Tod

Vergleiche Die Vorherbestimmung des Zeitpunktes des Todes

Allah erschafft das Leben eines jeden Menschen im Mutterleib „Habt ihr es erschaffen oder erschufen Wir es?„; Er hat seine Lebensspanne und damit auch den Zeitpunkt des Todes bestimmt „Wir haben unter euch den Tod verhängt„, und übt auch vollkommene Kontrolle über alle Vorgänge in der Natur „Lasset ihr es wachsen oder Wir?“ aus:

Sure 56, Vers 57: Wir erschufen euch, warum wollt ihr nicht glauben?
Sure 56, Vers 58: Was meint ihr? Was euch an Samen entfließt,
Sure 56, Vers 59: Habt ihr es erschaffen oder erschufen Wir es?
Sure 56, Vers 60: Wir haben unter euch den Tod verhängt, doch sind Wir nicht daran verhindert,
Sure 56, Vers 61: Daß Wir euch durch euresgleichen ersetzen und euch neu erschaffen, wie ihr es nicht wisset.

Tafsir al-Jalalayn 56,61: Wir sind durchaus fähig an eurer Stelle andere euch ähnliche Formen hervorzubringen und euch in einer euch unbekannten Art zu erschaffen, zum Beispiel als Affen und Schweine.

Sure 10, Vers 56: Er macht lebendig und tot, und zu Ihm kehrt ihr zurück

Alle Juden sind sowohl Affen als auch Schweine und sie sind verflucht

Sure 56, Vers 62: Und wahrlich ihr kennt die erste Schöpfung, warum laßt ihr euch da nicht ermahnen?
Sure 56, Vers 63: Und betrachtet ihr, was ihr säet?
Sure 56, Vers 64: Lasset ihr es wachsen oder Wir?

Im koranischen Text wird die Fähigkeit, Leben zu geben und zu nehmen, Macht und Kontrolle über Natur und Menschen auszuüben, Seine Gegner zu besiegen und Seinen Willen anderen aufzuzwingen Allah zugeordnet.“ (Encyclopaedia of the Qur’an, Brill, Leiden + Boston, 2006, Seite 210)

Allahs Macht erstreckt sich also auch über alle Vorgänge in der Natur. H. Stieglecker schreibt dazu: „In der ängstlichen Sorge, Gott ja durch nichts in seiner Machtvollkommenheit einzuschränken, leugnen sie (die Aschariten) nämlich die Naturgesetze, die ursächlichen Zusammenhänge im Naturgeschehen, denn durch sie wäre Gott irgendwie gebunden, in gewissen Fällen so und nicht anders zu handeln, und das wäre ein Hemmnis in seinem freien Walten. Sie sagen daher: die aufeinander folgenden Vorgänge in der Natur werden nicht durch unabänderliche Gesetze ausgelöst und geregelt, die der Schöpfer im vorhinein in die Natur hineingelegt hat, sondern alle diese Geschehnisse sind ständige Neuschöpfungen Gottes. Wenn also z.B. das Feuer mit gewissen Gegenständen in Berührung kommt, werden sie verbrannt; für gewöhnlich sagt man: das Feuer verursacht das Verbrennen, es sei ein Naturgesetz, daß es gewisse Gegenstände verbrenne, vernichte. In Wahrheit aber ist es nicht so, nicht um ein Naturgesetz handelt es sich in diesen Fällen sondern um eine Naturgewohnheit. Diese hat Gott eingeführt, an sie hält er sich, er könnte sie aber jeden Augenblick ändern, durch eine andere ersetzen.“ (Hermann Stieglecker, Die Glaubenslehren des Islam, F. Schöningh-Verlag, München, 1959, Seite 104f)

Allahs Fügung und Führung

Der Herr der Welten hat nicht nur alles erschaffen vielmehr hat Er auch permanente und vollkommene Macht über die Entwicklung Seiner Schöpfung. Prof. Tilman Nagel schreibt zu diesem Konzept eines mit absoluter Macht ausgestatteten und mit absoluter Kontrolle agierenden Gottes: „Denn Allah überlässt das Diesseits nicht einen Augenblick sich selber; alles, was existiert und was in jedem Augenblick geschieht, wird unmittelbar durch ihn geschaffen. Tut der Mensch einen Schritt, so nicht dank seiner eigenen körperlichen Beschaffenheit, seiner eigenen Kraft und seinem eigenen Entschluß, sondern allein deshalb, weil Allah in ihm in dem betreffenden Augenblick alle Voraussetzungen für eben diesen Schritt schafft; nur dem äußeren Anschein nach ist der Mensch der Akteur. Die göttliche Daseinsordnung ist auf dieses ununterbrochene Schöpfungshandeln zugeschnitten. Sie setzt voraus, dass Allah … unentwegt tätig ist.“ (Quelle)

Der Aussage, daß nicht der Mensch die eigentliche Handlung bewirkt, sondern Allah „Und nicht erschlugt ihr sie, sondern Allah erschlug sie“ sind wir schon in der Biographie Mohammeds begegnet. Anläßlich der Schlacht bei Badr belehrte Er Seinen Propheten, daß nicht dieser die Steine geworfen habe und nicht die mujahidun die Ungläubigen erschlagen hätten, sondern Er selber:

Sure 8, Vers 17: Und nicht erschlugt ihr sie, sondern Allah erschlug sie; und nicht warfst du, sondern Allah warf. Und prüfen wollte Er die Gläubigen mit einer schönen Prüfung von Ihm. Siehe, Allah ist hörend und wissend.

Schlacht von Badr

Jede Tat der Menschen, jegliches Leben in der Natur, der Lauf der Gestirne, kurz: jedes Geschehnis im Kosmos wird ausnahmslos durch Seine Kraft bewirkt: „Es gibt keine selbständig und unabhängig wirkende Macht außer Allah; alles, was im Diesseits ins Dasein gebracht wird, ist in jedem Augenblick seines Daseins unmittelbar von Allah abhängig und wird in allen Regungen durch ihn so und nicht anders festgelegt.“ (Quelle)

Das Gesicht ganz Allah preisgeben

Das islamische Glaubensbekenntnis „schahada“ bringt die Beziehung eines muslim (der sich Unterwerfende) zu seinem Schöpfer klar zum Ausdruck:

„Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist der Gesandte Allahs“

Prof. Tilman Nagel führt zum ersten Teil dieser zweigliedrigen Bekenntnisformel aus: „ … weist somit auf den unüberbrückbaren Abstand zwischen dem gänzlich unabhängigen Allah und dem vollkommen von Allahs unauslotbarem Bestimmen und Schöpfungshandeln abhängigen Diesseits hin. In der islamischen Theologie wird dieser Abstand oft als die seinsmäßige Konsequenz des unüberwindbaren Unterschiedes zwischen demjenigen interpretiert, dem allein alle Verehrung und Anbetung gebühren, und der Kreatur, der es obliegt, unverwandt Allah zu verehren und anzubeten. Diesen Unterschied und die Folgen, die er für den mit dem Verstand begnadeten Menschen hat, drückt der Begriff „Islam“ aus: Niemand kann eine trefflichere Daseinsordnung haben als derjenige, der „das Gesicht“ – als Metapher für die Person – „ganz Allah preisgibt“, heißt es beispielsweise in:

Sure 4, Vers 125: Und wer hätte einen schöneren Glauben, als wer sein Gesicht ganz Allah preisgibt und das Gute tut …

wobei „preisgeben“ mit einer verbalen Form von „Islam“ wiedergegeben ist. Der Mensch, der muslim, der seine völlige Angewiesenheit auf Allah erkennt, wendet in Verehrung und Anbetung das Selbst ganz auf Allah. Denn er weiß, dass es außer diesem keine eigenständige Kraft gibt, und indem er dies bezeugt, unterdrückt er jede Vorstellung von selbständigen Kräften neben Allah, jede „Beigesellung“, wie der muslim sagt. „Beigesellung“ ist die schlimmste Verfehlung, die der Mensch begehen kann.“  (Quelle)

Keine Kreatur kann also aus Allahs Schöpfung und Seinem Machtbereich herausfallen:

Sure 3, Vers 27: Du lässest die Nacht übergehen in den Tag und lässest den Tag übergehen in die Nacht; und lässest das Tote aus dem Lebendigen erstehen, und versorgst, wen Du willst, ohne Maß.“

Sure 11, Vers 56: Siehe ich vertraue auf Allah, meinen Herrn und euern Herrn. Kein Tier ist auf Erden, daß Er nicht an seiner Stirnlocke hielte. Siehe, mein Herr ist auf rechtem Wege.

Sure 31, Vers 34: Siehe, Allah – bei Ihm ist das Wissen von der „Stunde“. Und Er sendet den Regen herab, und Er weiß, was in den Mutterschößen ist; und keine Seele weiß, in welchem Land sie sterben wird. Siehe Allah ist wissend und kundig.

2. Allah erschafft Gut und Böse, Glauben und Unglauben

Die schon ausführlich dargelegte Sichtweise, daß Allah der Schöpfer einer jeden Tat ist beinhaltet auch „das Gute“ und „das Böse“: „daß es auf der Erde nichts Gutes und nichts Schlechtes gibt, außer was Allah will„. Ferner bewirkt Er auch den Unglauben der Ungläubigen: „aber den Ungläubigen nicht gnädig ist, sie nicht rechtschaffen macht“ und: „sondern daß Er will, daß sie ungläubig seien„. All das findet sich in folgendem Auszug aus dem Glaubensbekenntnis des islamischen Klerikers al-Aschari (gestorben 935 n.Chr.), welches für alle islamischen Denominationen zentrale Bedeutung hat:

 

Die Grundzüge der Ansicht der Traditionsgläubigen und Sunnatreuen sind folgende:

– Sie behaupten, daß es auf der Erde nichts Gutes und nichts Schlechtes gibt, außer was Allah will, und daß die Dinge nach dem Willen Allahs geschehen, wie Er gesagt hat:

Sure 81, Vers 29: Doch werdet ihr nicht wollen, es sei denn, daß Allah will, der Herr der Welten.

und wie die muslime zu sagen pflegen: „Was Allah will, geschieht, und was Er nicht will, geschieht nicht.“

– Sie behaupten, daß niemand imstande ist, irgend etwas zu tun, bevor er es wirklich tut, oder daß er vermöchte, sich dem Wissen Allahs zu entziehen oder etwas zu tun, von dem Allah weiß, daß er es nicht tun wird. Sie bekennen ferner, daß es keinen Schöpfer außer Allah gibt, daß Allah die schlechten Taten der Menschen schafft, daß Allah überhaupt die Handlungen der Menschen schafft und daß die Menschen nicht vermögen, irgend etwas zu schaffen.

– Sie bekennen, daß Allah den Gläubigen hilft, Ihm zu gehorchen, aber sich von den Ungläubigen zurückzieht, den Gläubigen gnädig ist, über sie wacht, sie rechtschaffen macht und sie recht leitet, aber den Ungläubigen nicht gnädig ist, sie nicht rechtschaffen macht und sie nicht leitet; denn wenn Er sie rechtschaffen machte, so wären sie rechtschaffen, und wenn Er sie recht leitete, so wären sie auf dem rechten Wege. Sie bekennen, daß Allah imstande ist, die Ungläubigen rechtschaffen zu machen, und ihnen gnädig zu sein, so daß sie gläubig wären, daß Er aber die Ungläubigen nicht rechtschaffen machen und ihnen nicht gnädig sein will, so daß sie gläubig wären, sondern daß Er will, daß sie ungläubig seien, wie Er weiß, daß sie ungläubig sein werden, sich von ihnen zurückzieht, sie in die Irre gehen läßt und ihre Herzen verhärtet. (Quelle) (Quelle)

Die hier aufgeführten Abschnitte aus dem ascharitischen Glaubensbekenntnis reflektieren präzise die koranischen Verse zum Thema Glauben/Unglauben, welche in diesen Kapiteln zusammengestellt sind:

Irreleitung
 Allah bestimmt, wer gläubig werden kann
 Allah erschafft den Unglauben und die Ungläubigen

Die Allmacht Allahs wird auch im folgenden Paragraphen u3.8 über die Vorherbestimmung aus dem islamischen Standardwerk „Reliance of the Traveller“ (Quelle) behandelt. Es wird versucht, den freien Willen des Menschen und damit seine Verantwortung einerseits und Allahs Vorwissen über die getroffene Entscheidung dieses Menschen andererseits auseinanderzuhalten.

Das Vorwissen

Es soll also der logische Graben überwunden werden, der sich in der islamischen Heilslehre durch das Dogma der absoluten Bestimmungsmacht Allahs auf der einen Seite und der Verantwortlichkeit des Menschen für seine Taten auf der anderen Seite aufgetan hat: Die allumfassende unergründliche Handlungsfreiheit Allahs soll nicht angetastet und gleichzeitig dem Menschen die Verantwortung für sein Tun aufgeladen werden. Dabei werden die Begriffe „Vorherwissen“ und „Vorherbestimmung“ – sie sind im islamischen Dogma aufgrund von Allahs Allmacht absolut deckungsgleich – durcheinandergewürfelt:

Glaube an die Vorherbestimmung des Guten und Bösen:

u3.8: Bezüglich Allahs Schöpfungsakte nehmen wir an, daß Er der wahre und einzige Akteur ist. Er ist derjenige, welcher die Flamme entflammt; weder das Feuer noch der Mensch, der es angefacht hat. Er ist derjenige der schneidet; weder das Messer noch der Mensch, der es in der Hand hält. Er ist derjenige, welcher einen Menschen ertränkt; weder das Wasser noch der Aggressor, welcher die Person ins Wasser gestoßen hat. etc. Nun stellt man immer dieselbe Frage: Falls Allah der wirkliche „Macher“ ist warum werden dann die Menschen (für ihre Taten) überhaupt verantwortlich gemacht? Hier ist die Antwort: Allah macht den Menschen nicht für den eigentlichen Schöpfungsakt haftbar sondern dafür, daß er eine Handlungsweise wählt. Ein Beweis dafür ist, daß eine Person, welche nicht wählen kann, auch nicht verantwortlich gemacht wird. Als Beispiel gelte jemand der schläft, geistesgestört ist, zu einer bestimmten Handlung gezwungen wird, sich nicht erinnern kann, einen unbeabsichtigten Fehler macht oder ein Kind ist. Diese Personen sind der gesetzlichen Haftung enthoben weil es ihnen an einer vollumfänglich freien Wahl mangelt. …

Bezüglich Allahs immerwährender vorexistierender Kenntnis nehmen wir an, daß Er ein jedes Ding oder Geschehnis in dessen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kennt. Er weiß, wie es sich ausgestaltet und wann sein spezifischer Auftritt ist. Aber hat Sein Diener Zugang zu diesem Wissen? Keineswegs. Also wählt der Diener eine Handlung nicht weil er Zugang zu Allahs Vorwissen hätte, sondern aufgrund eines inneren Bedürfnisses. Deshalb wird er für seine Wahl verantwortlich gemacht, obwohl diese mit Allahs Vorwissen übereinstimmt.

Folglich wird klar, daß für Muslime der Glaube an ein Schicksal bedeutet, daß Allah alles in der Vor-Ewigkeit ausersehen und bestimmt hat. Nichts existiert, was außerhalb Allahs Willen bestünde; Er ist der Urheber aller Dinge währenddessen Sein Diener nur für seine eigene Wahl verantwortlich gemacht wird.

(Ahmad ibn Naqib al-Misri, Reliance of the Traveller, amana publications, Beltsville Maryland, USA, 1994, Seite 813f)

Obiger Aufsatz weist darauf hin, daß Allah alles in der Vor-Ewigkeit ausersehen und bestimmt hat. Trotzdem wird hier versucht, den klaren koranischen Aussagen zu Allahs Allmacht und Vorherbestimmung, welche besagen, daß jedes menschliche Werk von Ewigkeit her von Allah gewollt ist und zu gegebenem Zeitpunkt durch Ihn im Menschen geschaffen wird, eine andere Ursache zuzuordnen währenddessen Sein Diener nur für seine eigene Wahl verantwortlich gemacht wird“. Dies aufgrund seines inneren Bedürfnisses“. Aber genau dieses Bedürfnis, diese Disposition muß ja von Allah vorherbestimmt worden sein, sonst könnte die Tat gar nicht so ablaufen wie sie abläuft. Es gibt im Islam die autonome Handlung des Menschen nicht.

Mit dem „inneren Bedürfnis“ wird die ► „Aneignungsdoktrin“ der Aschariten angesprochen.

Wenn Allah nicht absolute Kontrolle über Seine eigene Schöpfung hätte – so wird argumentiert – wäre sie nicht vollkommen in Seiner Macht. Wenn aber dem Menschen zugestanden wird, „daß er eine Handlungsweise wählt“, verliert dann nicht Allah Seine Allmachtposition, so wie sie auch im obenstehenden Glaubensbekenntnis des al-Aschari ausformuliert ist?

► Allahs Almacht und seine umfassende Prädestination: die dogmatischen Konsequenzen
Prädestination in der sunna

Sowohl der hier zitierte Paragraph aus dem islamischen Grundlagenwerk „Reliance of the Traveller“ als auch das für den sunnitischen Islam ebenso grundlegende Glaubensbekenntnis des al-Aschari belegen: die islamische Dogmatik hat aus dem dramatischen logischen Widerspruch zwischen postulierter göttlicher Allmacht einerseits und postuliertem freien Willen des Menschen andererseits keinen Ausweg gefunden. Sie findet deshalb keine befriedigende Antwort, weil es aus diesem eklatanten logischen Widerspruch keinen Ausweg gibt ohne den tauhid-Glauben als DAS zentrale Element der islamischen Heilslehre zu zerstören.  

tauhid und die absolute Transzendenz Allahs

3. Die Strafgerichte der Völker – die Straflegenden

Einen weiteren deutlichen Beleg für die Allmacht Allahs finden wir in den überaus zahlreichen koranischen Berichten über die Bestrafung sündiger Völker, Gemeinschaften und Städte. R. Paret schreibt dazu: „ … die man seit J. Horovitz als Straflegenden zu bezeichnen pflegt … weil hier biblische und außerbiblische, genauer gesagt altarabische Erzählungsstoffe in gleicher Weise Berücksichtigung finden.

Für die Straflegenden ist es eben charakteristisch, daß das betreffende Volk schließlich wegen seines hartnäckigen Unglaubens und seiner Bosheit in einer verheerenden Naturkatastrophe untergeht. Der Untergang der Ad erfolgt durch einen schrecklichen Sturm, der Untergang der Tamud durch ein Erdbeben, einen Donnerschlag oder einen „Schrei“, derjenige der Madydan ebenfalls durch ein Erdbeben oder einen „Schrei“. Bei Sodom und Gomorrha ist es ein böser Regen oder Steinhagel, beim Volk des Noah natürlich die Sintflut, und bei Pharao und den Seinen der Untergang beim Durchzug durchs Meer:

Sure 29, Vers 40: Jedes Volk haben Wir für sein Vergehen bestraft. Über die einen schickten wir einen Sandsturm; über andere kam der Schrei; wieder andere ließen Wir in der Erde versinken oder in der Flut ertrinken.

(R. Paret, Mohammed und der Koran, Kohlhammer, Stuttgart, 2005, Seite 95f)

Von der Macht Allahs, in Seine Schöpfung strafend einzugreifen zeugen auch weitere Passagen, wo Er verderbte Völker als ganzes bestraft. In diesem Zusammenhang erwähnt der Koran oft gar nicht den ganzen Hergang, sondern nur den Akt der Vernichtung selber, welcher in dem Buch verzeichnetist oder gemäß festgesetzter Vorherbestimmungabläuft. Auch Allahs in zwei Versen identisch abgegebener Hinweis: „Keine Gemeinschaft kommt ihrer Frist zuvor, noch bleibt sie hinter ihr zurück.“ kann nur dahingehend gedeutet werden, daß der Allmächtige entsprechend Seiner Führung al-qadar handelt. Die Bestrafung oder Ausradierung sündiger Städte und Gemeinschaften ist demnach vorherbestimmt:

Sure 17, Vers 58: Und es gibt keine Stadt, die Wir nicht vernichten wollen vor dem Tag der Auferstehung, oder doch mit strenger Strafe strafen wollen; das ist in dem Buch verzeichnet.

Sure 15, Vers 4: Und wir haben keine Stadt zugrunde gehen lassen, ohne daß sie eine festgesetzte Vorherbestimmung (wörtlich: Schrift) gehabt hätte.
Sure 15, Vers 5: Und keine Gemeinschaft kommt ihrer Frist zuvor, noch bleibt sie hinter ihr zurück.                                                       (Übersetzung nach R. Paret)

Sure 23, Vers 43: Keine Gemeinschaft kommt ihrer Frist zuvor, noch bleibt sie hinter ihr zurück.

► Der Unglaube der Menschen und ganzer Völker

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