Allah als Zwingherr über Seine Diener

Sehr deutlich kommt das in der Prädestinationslehre heraus, wie sie auf christlicher und außerchristlicher Basis des öfteren vertreten worden ist – einer wahrhaft teuflischen Erfindung der Spekulation unter dem Deckmantel religiöser Frömmigkeit. Wie denkende Menschen mit dieser Perspektive vor Augen noch haben leben können, würde unbegreiflich sein, wenn man nicht annehmen müßte, daß sie die furchtbaren Konsequenzen der eigenen Theorie niemals wirklich bis zu Ende gezogen haben.                                                Nicolai Hartmann (1882 bis 1950)

 

Einführung

Der frühe Arabist Heinrich Steiner analysiert die Entwicklung von Mohammeds Gottesverständnis ausgehend von seinen ersten Belehrungen an die Mekkaner bis in die medinensische Zeit. Den Schwerpunkt legt er dabei auf die schrittweise Herausbildung der koranischen Lehre von Allahs umfassender Prädestination. Demnach wird Er in Medina zum „Zwingherrn über Seine Diener“ und „hat Macht über alle Dinge“  (Sure 6, Verse 17+18). Das Wirken des Propheten in Mekka wie auch die Entwicklung der islamischen Heilsbotschaft in dieser Periode wird sehr lebendig, nachvollziehbar und verständlich dargestellt.

meine-24-GHz-Fernsteuerung1

Wir haben die Ausführungen von H. Steiner im Kapitel 3, Seiten 30 bis 47:

III Die Prädestinationslehre des Korans

(Heinrich Steiner, Die Mutaziliten oder die Freidenker im Islam, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1865) Quelle

weitgehend übernommen, leicht modifiziert, ergänzt und diverse ► LINKS eingebaut. Die Schrift überzeugt durch eine sehr ausführliche Unterlegung mit Koranzitaten.

Zusammenfassung

Der Koran zeigt sich dem Leser als ungeordnetes Nebeneinander von teilweise sich direkt widersprechenden Versen oder Verspassagen. Oft sind sie zudem ohne geschichtliches Hintergrundwissen schlicht unverstehbar. Auch werden Mohammeds Offenbarungen extrem redundant vorgetragen. Es ist unmöglich, Allahs Botschaft aus der einfachen Lektüre des Korans als zusammenhängendes Lehrgebäude erfassen zu können.

► Über diese Seite

Heinrich Steiner hat die Verse der mekkanischen Suren so geordnet, daß die Vita des Propheten und die Entwicklung seines Gottesbildes abgelesen werden können. Dabei findet eine erstaunliche Veränderung von Allahs Einstellung zum freien Willen des Menschen statt. Wird er in den anfänglichen mekkanischen Offenbarungen noch klar angesprochen hebt in Allah in Medina ganz einfach auf.

Schon am Anfang seiner Bekehrungsarbeit präsentiert Mohammed einen Gott, der in unerbittlicher Manier Glauben und Unterwerfung unter seine Gebote einfordert – verbunden mit übelsten Strafandrohungen im Jenseits bei Zurückweisung des Angebotes. Aber immerhin gesteht Allah seinen Geschöpfen noch den freien Willen zur Konversion zu (mit der erwähnten Konsequenz im Verweigerungsfall).

Die sprunghafte dogmatische Weiterentwicklung von Allahs Botschaft endet mit der Lehre der göttlichen Prädestination. Jetzt behauptet Mohammed, Allah habe die Menschen entweder zum Glauben oder zum Unglauben geschaffen. Indem er also Allah befähigt, Glauben und Unglauben nach Gutdünken festzulegen kann er sich selber über seinen dramatischen missionarischen Misserfolg bei den Mekkanern entlasten.

► Allah bestimmt, wer überhaupt gläubig werden kann

In einem letzten dogmatischen Entwicklungsschritt wird die Bestimmungsmacht des „Herrn der Welten“ dann absolut. Allah hat nun „Macht über alle Dinge“ und ist der „Zwingherr über Seine Diener“.

Die frühen Verse zur Willensfreiheit werden also nicht direkt abrogiert, sondern stehen ganz einfach als unstimmige, überholte und damit ungültige „Offenbarungen“ im koranischen Text. Denn sie widersprechen dem späteren (dogmatisch anerkannten) Diktat der Prädestination diametral.

Die Frage nach der Friedfertigkeit der koranischen Botschaft in Mekka erübrigt sich. Ein totalitäres Glaubenssystem, das Andersdenkenden so viel brutale ideologische Feindschaft entgegenbringt, ihre schiere Existenz vollkommen entwertet und schon ihr einfaches Menschsein leugnet kann keinesfalls Anspruch auf Friedfertigkeit erheben.

H. Steiner subsumiert seine Zusammenstellung folgendermaßen: „Man wird vielleicht einwenden, daß sich die gegebene Entwicklung auf dem Papier nicht übel ausnehme, daß sie aber eine künstliche Konstruktion sei, der die Wirklichkeit nicht entspreche. Ich gebe zu, daß sich die Ideen im Bewusstsein Mohammeds nicht so regelmässig folgten, wie es hier beschrieben wurde; es ist auch bereits oben gesagt worden, daß er durchaus kein klarer Denker war. Wir finden oft genug in unmittelbarer Nähe Aussprüche, die sich in diesem Punkte beinahe direkt widersprechen. Wollte Mohammed seine Anhänger zu ernstem Tun ermahnen, so war er geneigt, die Willensfreiheit vorauszusetzen; wollte er ihr Gottvertrauen stärken, ihnen Mut einflössen, sie über ihre missliche Lage trösten oder zum Kampf gegen die Ungläubigen auffordern, so fühlte er sich mehr nach der andern Seite hingezogen. Ersteres war in der ersten Zeit in Mekka, letzteres besonders in Medina vorwiegende Stimmung bei ihm.“

Zusammenfassung der Entwicklungsphasen im Einzelnen

1. Die den ungläubigen Mekkanern eingehämmerte Botschaft war über Jahre sehr schlicht. Wiederholungen in textlich leicht veränderter Form reihen sich endlos aneinander. Dabei erschöpften sich die Belehrungen weitgehend in folgenden vier Forderungen:

  • – Glaube an den einen Allah
    – Regelmässiges Beten
  • – Armenspende
    – Glaube an den Jüngsten Tag mit Allahs Richtspruch

2. Es wird den Mekkanern unablässig und mit Nachdruck eingeschärft, daß Allah für einen untadeligen, diesen Glaubensartikeln nachkommenden Lebensvollzug himmlische Belohnung bereithält. Unglaube jedoch wird mit schrecklichster Höllenpein vergolten. Ein wesentliches Element dieser Busspredigten ist also die Vorstellung eines eifersüchtigen und unerbittlichen Gottes d.h. die Erzeugung eines schlechten Gewissens.

3. Um bei seinen Zuhörern den Respekt vor Allahs Allwissen noch zu steigern verfällt Mohammed auf die Idee, Engeln die Aufgabe zuzuschreiben, im Auftrage Allahs die Taten der Menschen laufend aufschreiben. Diese Schriftrollen werden Ihm am Jüngsten Tag als Grundlage für Seinen Richtspruch dienen.

4. Ob die meist schrecklich verstockten Mekkaner den neu propagierten Glauben annehmen wollen oder nicht steht in den frühen Koranversen noch bei ihnen. In der Anfangszeit von Mohammeds Wirken gesteht Allah den Menschen also noch einen freien Willen zu.

5. Auch Legenden von früheren Völkern, teils biblischen, teils ausser-biblischen Ursprungs zieht Mohammed herbei, um damit seine Predigten dramatisch aufzuladen und seiner Botschaft eine geschichtliche Dimension zu verleihen. Alle diese Völker wurden von Allah vernichtet weil sie sich weigerten, den von Ihm beauftragten Propheten Glauben zu schenken.

6. Der Gesandte Allahs war der Überzeugung oder er behauptete jedenfalls, seine Gedanken wären göttlichen Ursprungs und würden als wörtliche Ofenbarungen direkt vom Engel Gabriel übermittelt. Diese Offenbarungen sind aber nicht einfach Allahs neue Belehrungen sondern identisch mit den Botschaften, die der Allmächtige schon vorher an viele Völker (wie wir gehört haben vergeblich) gesendet hat. Der Koran erscheint Mohammed somit als weitere Kopie eines bei Allah befindlichen Urtextes (Umm al-Kitab).

► Die Herleitung der Prophetengeschichten im Koran

7. Jetzt reift in Mohammed die Idee, diesen Urtext zu verschriften. Es entsteht in seiner Vorstelllung ein himmlisches Buch, welches Allahs Glaubensforderungen an die Menschheit schon seit Anbeginn der Zeit enthält. Es wurde schon vor der Erschaffung der Welt von speziell zuverlässigen Engeln aufgeschrieben. Alle Offenbarungsbücher der Früheren waren nach Mohammeds Überzeugung in derselben Weise herabgesendet worden; Abraham, Moses, Johannes der Täufer und Isa (Jesus) hatten schon vor ihm das Buch erhalten. Daß das Alte und Neue Testament ganz offenbar nicht mit der koranischen Botschaft übereinstimmen liegt daran, daß diese beiden Bücher von den Christen und Juden gröblich verfälscht wurden.

► Verfälschung der Schrift

8. Der fortgesetzte Widerstand der Mekkaner gegen die wunderbare Botschaft Mohammeds setzte ihm sehr zu. Deshalb ist es jetzt naheliegend, daß Allah Seinen Gesandten von der Verantwortung für den Misserfolg seiner Bekehrungsbemühungen entbindet: „nicht bist du ihr Hüter“ und „Ich bin nicht euer Beschützer“.

9. Den nächsten Schritt aus seinem missionarischen Desaster macht Mohammed indem er zu erkennen glaubt, daß so viel Widerstand gegen ihn und seine Botschaft nur möglich ist, wenn dieser in Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen geschieht. Damit entlastet er nicht nur sich selber sondern kann die Allmacht Allahs noch live an den widerspenstigen Mekkanern vorführen. Aus dieser Periode datieren die schier unzählbaren Verse, wo Allah Menschen „irre leitet“ und „über Herzen Decken legt.

► Verse zur Irreleitung

10Den letzten (logisch folgerichtigen) Schritt in Richtung Prädestination erfolgt in den koranischen Belehrungen, welche nicht nur die Vorherbestimmung zum Glauben oder Unglauben beinhalten. Vielmehr ist jetzt schlechterdings ein jedes Detail eines jeden Lebens vorherbestimmt. Das alles ist in einem weiteren Buch – ebenfalls vor Erschaffung der Welt verfasst – niedergeschrieben. Allah hat jetzt „Macht über alle Dinge“. Er wird zum „Zwingherrn über Seine Diener“.

11. Die himmlische Bibliothek besteht also aus drei Schriftwerken:

  • – Das Buch, welches Allahs Botschaft an die Welt beinhaltet (inkl. Koran)
    – Das Buch, welches den ganzen Weltenverlauf enthält (Buch des Schicksals)
    – Die Millionen Schriftrollen von denen eine jede das Leben eines jeden Menschen enthält

Die himmlischen Bücher

III Die Prädestinationslehre des Korans

Lesehilfe: Wir haben alle Vese aus dem Koran zitiert, die Heinrich Steiner als Grundlage für seine Aufgliederung dienten. Damit steht der Beweis für die Richtigkeit seiner Herleitung im Text. Es reicht, wenn Sie einzelne lesen; den grossen Rest können Sie überspringen.

► Allahs Allmacht
Allahs Allmacht und Seine umfassende Prädestination
► Allahs Fügung und Führung (al-qadar)
Prädestination und freier Wille


Der Koran macht nirgends den Eindruck eines geschlossenen Lehrsystems. Aus den einzelnen, abgerissenen Stücken, die von den späteren Redaktoren oft nach Willkür und ohne inneren Grund aneinander gereiht wurden, können wir uns wohl ein lebendiges Bild von der Person und dem Wirken Mohammeds entwerfen. Schwierig ist es, all diese einzelnen Eindrücke zu einem nach unsern Begriffen zusammenhängenden Ganzen zu vereinigen. Aus den Aussprüchen des Propheten, die unter dem Einfluss der jeweiligen Lage und Stimmung entstanden sind ist keine geordnete Gedankenfolge zu erkennen. Damit kann aus der Lektüre des Korans auch keine einheitliche Lehre abgelesen werden. Zwar fehlt es nicht an einigen Hauptsätzen, die, wenn sie auch die Phantasie mit einem wechselnden Gewande bunter Bilder umkleidet, ihrem wesentlichen Inhalte nach unverrückt bleiben und von jeher als Grundsäulen des Islams gegolten haben, so

  • – die Einheit, Allmacht und unendliche Erhabenheit Gottes
    – die prophetische Sendung Mohammeds als Abschluss der durch frühere Propheten an die Menschheit ergangenen Offenbarungen
    – die Auferstehung der Leiber, Versammlung aller Menschen am grossen Vergeltungstage, Freuden des Paradieses und Schrecken der Hölle

Was aber darüber hinausgeht, wandelt und bewegt sich nach momentaner Eingebung, nach dem Spiele der Phantasie, nach der Laune des Tages. Mohammed war nichts weniger als ein klarer, konsequenter Denker. Feurigen, lebhaften Temperamentes mit Anlage zur Schwärmerei, mehr träumend als mit offnen Augen und klarem Blick seinen Weg verfolgend, war er ein Kind des Augenblicks. In seinem Seelenleben wiederspiegelten sich die wechselnden Phasen seiner äusseren Lage immer getreu. Ein Gedanke, dessen Wahrheit ihm unmittelbar einleuchtete, konnte ihn ganz ergreifen; ihn langsam zu verarbeiten, ihn aus der ersten Gährung zum hellen, durchsichtigen Begriff abklären zu lassen, dazu fehlte ihm die Ruhe und Konzentration des Geistes. Auch seine äussere Lage, anfangs schwankend, oft sehr gefahrdrohend, war natürlich wenig geeignet, das leidenschaftlich erregte Gemüt zu ruhiger Sammlung zu führen. Darum wird es uns nicht einfallen, gerade bei ihm bestimmte Antwort zu suchen auf eine Frage, über die die Menschen seit Jahrtausenden nachgedacht haben, über die die Meisten sich mit undeutlicher Vorstellung begnügen:

Wie verhält sich die göttliche Weltregierung zum sittlichen Leben des Einzelnen, wie lässt sich göttliche Allmacht und freies Handeln des Menschen zusammendenken?

Mohammed hat sich viel damit beschäftigt, doch ist es ihm nicht gelungen, von Anfang an einen festen Standpunkt einzunehmen, sich mit Entschiedenheit auf die eine oder andere Seite zu stellen. Seine Aussprüche aus der früheren Zeit verraten noch grosses Schwanken und neigen mehr der Behauptung unbedingter Willensfreiheit zu. Später verliess er diese Ansicht grösstenteils und vertrat den entgegengesetzten Standpunkt. Die Prädestination wird also nicht, wie man früher fälschlich annahm, vom Koran durchgängig gelehrt. Erst in den spätem, besonders den medinischen Suren tritt diese Anschauung mit Bestimmtheit heraus. Es ist interessant, ihre allmählige Entwicklung im Bewusstsein des Propheten zu verfolgen.

Es ist von Wichtigkeit, bei den Verteidigern der Prädestination zuerst nach ihren Schicksalen zu fragen und so der psychologischen Entstehung ihrer Lebensanschauung nachzugehen; denn diese widerstrebt so sehr allem natürlichen Bewusstsein, daß immer ein ausserordentlicher Grund für dieselbe vorauszusetzen ist, mag er in besonderen Erlebnissen, oder in einer von Anfang an eigentümlichen Richtung der Gemüts- und Vorstellungswelt des Betreffenden liegen.

Die Prädestinationslehre Augustins verstehen wir erst, wenn wir sein Leben kennen. Er hat sie aus der dogmatischen Behauptung der Erbsünde herausdestilliert. Ähnlich verhält es sich bei Mohammed, nur waren hier die bestimmenden Ursachen ganz andere.

Die allgemeinste Voraussetzung bildete für Mohammed der supranaturalistische Gottesbegriff, zu dem die Araber wie die Semiten überhaupt hinneigten. Anfänge dazu, wenn auch mit polytheistischen Elementen untermischt, fanden sich schon in der jahilija („Zustand der Unwissenheit“ = allgemeine Bezeichnung für den Kulturzustand der Araber vor Mohammed). Jüdischer Einfluss kam hinzu und entfernte die früheren Schlacken, so daß Mohammed von Anfang an mit aller Entschiedenheit den reinen, abstraktesten Monotheismus vertrat. Auf diesem Boden bildeten sich seine Vorstellungen, welche im einzelnen von zwei Hauptmomenten bestimmt wurden. Das eine lag, wenn ich so sagen darf, auf der Erde, das andere im Himmel. Das Folgende wird zeigen, was ich darunter verstehe.

Die ersten Predigten des mekkanischen Propheten waren kräftige Busspredigten, durch die er seine Landsleute vom Götzendienst und damit verbundenen Greueln abzubringen suchte. Er wollte den Glauben an einen Gott und an die im künftigen Leben bevorstehende Vergeltung in ihnen wecken. Der Gedanke einer sittlichen Verantwortung des Menschen steht im Vordergrund:

  • – Armenspende
    – Glaube an den Jüngsten Tag
    – Glaube an den einen Allah
    – regelmässiges Beten

Es wird fort und fort eingeschärft, daß jede gute Handlung ihren Lohn findet, jede schlechte ihre Strafe nach sich zieht.

Jede Seele hat ihre Schuld abzubüssen; denn die, welche nicht beten, die Armen nicht speisen, an den Vergeltungstag nicht glauben, trifft die Strafe der Hölle und keine Fürbitte vermag sie davon zu befreien. Ein wesentliches Element der Busspredigten des Gesandten war also die Drohung vor endlosen Qualen im Jenseits bei Ungehorsam d.h. die Erzeugung eines schlechten Gewissens.

Wer daher recht tut, tut es zum eigenen Besten; wer schlecht handelt, hat sich die Strafe selbst zuzuschreiben. Jeder wird zu den beiden Wegen des Guten und Bösen geführt. Wer den Anlauf nimmt und die steile Höhe des Guten erklimmt, gehört am Gerichtstage zu den Seligen. Allah versammelt sie zu Seiner Rechten. Der Antrieb muss vom Menschen ausgehen, Allah aber unterstützt ihn in seinem Tun. Die Verantwortung für die Taten des Menschen liegt in diesen koranischen Versen noch beim Menschen:

Sure 18, Vers 29: Und sprich: „Die Wahrheit ist von euerm Herrn; und wer da will, der glaube, und wer will, der glaube nicht. Siehe, für die Sünder haben wir ein Feuer bereitet, dessen Rauchwolke sie rings umgeben soll. Und wenn sie um Hilfe rufen, daß soll ihnen geholfen werden mit Wasser gleich flüssigem Erz, das ihre Gesichter röstet. Ein schlimmer Trank und ein übles Ruhebett!

Sure 72, Vers 14: Und einige von uns sind Muslime und andre von uns vom Rechten abweichend. Wer sich aber Allah ergibt, die erstreben die rechte Leitung.
Sure 72, Vers 15: Die vom Rechten Abweichenden sind jedoch Brennstoff Dschahannams.

Sure 42, Vers 30: Und was euch an Unglück trifft, es ist für euer Hände Schaffen; und Er vergibt viel.

Sure 74, Vers 37: Für den unter euch, der vorwärts schreiten oder dahinten bleiben will.
Sure 74, Vers 38: Jede Seele ist für das, was sie geschafft, verpfändet, ….
Sure 74, Vers 40: In den Gärten werden sie einander befragen
Sure 74; Vers 41: nach den Sündern.
Sure 74, Vers 42: „Was hat euch ins Höllenfeuer getrieben?“
Sure 74, Vers 43: Sie werden sprechen: „Wir waren nicht unter den Betenden,
Sure 74, Vers 44: Und wir speisten nicht die Armen,
Sure 74, Vers 45: Und wir schwatzten mit den Schwatzenden,
Sure 74, Vers 46: Und wir erklärten als Lüge den Tag des Gerichts,
Sure 74, Vers 47: Bis zu uns kam die Gewißheit“.
Sure 74, Vers 48: Und nicht wird ihnen nützen die Fürbitte der Fürbittenden.

Sure 78, Vers 39: Dies ist der gewisse Tag. Drum, wer da will, der nehme Einkehr zu seinem Herrn.

Sure 92, Vers 14: Und so warne ich euch vor dem Feuer, das lodert.
Sure 92, Vers 15: Nur der elendeste Wicht brennt in ihm,
Sure 92, Vers 16: Der da leugnet und sich abwendet,
Sure 92, Vers 17: Doch fern von ihm wird der Gottesfürchtige gehalten,
Sure 92, Vers 18: Der sein Gut hingibt als Almosen
Sure 92, Vers 19: Und der keinem eine Gunst um des Lohnes willen erweist.

Sure 81, Vers 14: Dann wird jede Seele wissen, was sie getan hat.

Sure 82, Vers 5: Dann weiß die Seele, was sie getan und unterlassen hat.

Sure 95, Vers 6: Ausser denen, die da glauben und das Rechte tun; ihnen wird ein unverkürzter Lohn.

Sure 84, Vers 25: Ausser denen, welche glauben und das Rechte tun; ihnen wird unverkürzter Lohn.

Sure 41, Vers 6: Sprich: „Ich bin nur ein Mensch wie ihr; geoffenbart ward mir, daß euer Gott ein einiger Gott ist. So verhaltet euch wohl gegen ihn und bittet ihn um Verzeihung; und wehe den Götzendienern,
Sure 41; Vers 7: Welche nicht die Armenspende entrichten und ans Jenseits nicht glauben.“

Sure 51, Vers 10: Tod den Lügnern,
Sure 51, Vers 11: die sorglos sind in einer Flut von Unwissenheit.
Sure 51, Vers 12: Sie werden fragen: „Wann ist der Tag des Gerichts?“
Sure 51, Vers 13: An jenem Tage sollen sie im Feuer versucht werden:
Sure 51, Vers 14: „Schmecket eure Versuchung. Das ist’s, was ihr herbeiwünschtet.“
Sure 51, Vers 15: Siehe, die Gottesfürchtigen kommen in Gärten und Quellen,
Sure 51, Vers 16: Empfangend, was ihnen Ihr Herr gegeben; siehe, sie waren zuvor rechtschaffen.
Sure 51, Vers 17: Sie schliefen nur einen Teil der Nacht (indem sie die Nacht meist in Andacht verbrachen)
Sure 51, Vers 18: Und im Morgengrauen baten sie um Verzeihung.
Sure 51, Vers 19: Und in ihrem Gut war ein Teil für den Bittenden und den verschämten Armen.

Sure 27, Vers 89: Wer da kommt mit Gutem, der soll Gutes dafür erhalten, und sicher sollen sie sein vor dem Grauen jenes Tages.
Sure 27, Vers 90: Wer aber mit Bösem kommt, die sollen mit ihren Angesichtern ins Feuer gestürzt werden. Sollt ihr anders belohnt werden als nach eurem Tun?
Sure 27, Vers 91: Mir ist nur geheißen, dem Herrn dieses Landes zu dienen, der es geheiligt hat. Und Sein sind alle Dinge. Und geheißen ward mir, einer der Muslime zu sein
Sure 27, Vers 92: Und den Koran zu verlesen. Und wer geleitet ist, der ist nur zu seinem Besten geleitet; und wenn einer irrt, so sprich: „Ich bin nur einer der Warnenden.“

Sure 53, Vers 39: Und daß der Mensch nur empfangen soll, wonach er sich bemüht hat,

Sure 17; Vers 15: Wer rechtgeleitet ist, der ist nur rechtgeleitet zu seinem eigenen Besten, und wer irregeht, der geht irre allein zu seinem eigenen Schaden; und nicht soll tragen eine beladene Seele noch eine andre Last. Und Wir strafen nicht eher, als Wir einen Gesandten schickten.

Sure 6, Vers 164: Sprich: „Sollte ich einen Herrn außer Allah begehren, welcher der Herr der Dinge ist?“ Jede Seele schafft nur für sich, und eine belastete Seele soll nicht einer anderen Last tragen. Alsdann ist zu euerm Herrn eure Heimkehr, und dann wird Er euch verkünden, worüber ihr uneins waret.

Sure 35, Vers 18: Und nicht wird eine beladene Seele die Last einer anderen tragen, und so eine schwerbeladene um ihrer Last willen ruft, so soll nichts von ihr getragen werden, auch nicht von einem Versippten. Du sollst nur jene warnen, welche ihren Herrn im Verborgenen fürchten und das Gebet verrichten. Und wer sich reinigt, reinigt sich nur zu seinem eigenen Besten, und zu Allah ist der Heimgang.

Sure 73, Vers 19: Siehe, dies ist eine Warnung, und wer da will, der nehme zu seinem Herrn einen Weg.

Sure 41, Vers 46: Wer das Rechte tut, der tut es zu seinem Besten, und wer Böses tut, ihm zuwider; und dein Herr ist nicht ungerecht gegen Seine Diener.

Sure 45, Vers 15: Wer das Rechte tut, der tut es für sich, und wer Böses tut, der tut es wider sich; alsdann kehrt ihr zu euerm Herrn zurück.

Sure 92, Vers 5: Und was den anlangt, der gibt und Allah fürchtet
Sure 92, Vers 6: Und das Schönste glaubt,
Sure 92, Vers 7: Dem machen Wir’s leicht zum Heil.
Sure 92, Vers 8: Was aber den anlangt, der geizig ist und nach Reichtum trachtet,
Sure 92, Vers 9: Und das Schönste für Lüge erklärt,
Sure 92, Vers 10: Dem machen Wir’s leicht zum Unheil;

Sure 78, Vers 39: Dies ist der gewisse Tag. Drum, wer da will, der nehme seine Einkehr zu Seinem Herrn.

Sure 25, Vers 57: Sprich: „Nicht verlange ich einen Lohn dafür von euch, es sei denn, daß jeder, der will, den Weg zu seinem Herrn ergreift.“

Sure 76, Vers 29: Siehe, dies ist eine Ermahnung, und wer da will, der nimmt zu seinem Herrn einen Weg.

Sure 80, Vers 11: Nicht so. Siehe, er (der Koran) ist eine Warnung –
Sure 80, Vers 12: Und wer da will, gedenkt sein –

Sure 10, Vers 44: Siehe, Allah fügt den Menschen kein Unrecht zu, vielmehr fügen die Menschen sich selber Unrecht zu.

Derselbe ernste Ton klingt uns aus den Legenden entgegen, mit denen Mohammed schon früh seine Predigt durchwob, um durch Beispiele aus der Vergangenheit dem Blick in die Zukunft bestimmtere Richtung zu geben. Es wird darin von Völkern grauer Vorzeit, von den Völkern von Ad und Tamud (Die Tamud lebten in einem Tal zwischen Syrien und Medina) , von den Zeitgenossen Noah’s, den Bewohnern von Sodom und Gomorra und dem gottlosen Geschlecht von Pharao berichtet, die durch Frevel und Sünde ihren Untergang herbeiführten, über die der Herr die Zornesgeissel schwang, weil sie sich gegen ihn empörten und viel Unheil anrichteten auf der Erde.

Betreffend „Pharao“ irrt sich Allah mit Seinen Offenbarungen: Pharao ist der Titel für einen ägyptischen Machthaber; im Koran mutiert er zum Eigennamen.

► Die Straflegenden

Alle diese Völker verschuldeten ihren Untergang selbst; denn sie zogen die Blindheit der Leitung vor. Diejenigen unter ihnen, welche glaubten, wurden gerettet; die Masse aber ereilte die Strafe, weil sie die zu ihnen gesandten Gottesboten nicht anerkennen wollten. Um ihrer Sünden willen wurden die Zeitgenossen Noah’s ersäuft und in die Hölle geworfen, Noa aber gerettet.

Alois Sprenger subsummiert den Inhalt dieser Straflegenden folgendermassen:

Der Rahmen einer vollständigen Straflegende ist dieser: Es kam ein Bote Gottes, predigte seinem Volke, es gab ihm kein Gehör und wurde vertilgt.“

Nachdem Mohammed durch Selbstüberlistung zur Überzeugung gekommen war, die in diesen Legenden erzählten göttlichen Strafgerichte für einen Beweis und eine Bestätigung seiner Sendung zu halten „hatte er nur noch einen Schritt weiter zu gehen … d.h. sich von einem Vertrauten Geschichten vorerzählen zu lassen, sie prophetisch zu bearbeiten und das Produkt für Offenbrungen auszugeben. Es ist hier wie überall unmöglich, die Grenze zu ziehen zwischen grober Selbsttäuschung und absichtlichem Betrug.“ (Alois Sprenger, Das Leben und die Lehre des Mohammad, Erster Band, Nicolai’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1861, Seiten 469 und 475):

Sure 89, Vers 6: Sahst du nicht, wie dein Herr mit Ad verfuhr?
Sure 89, Vers 7: Mit Iram, dem Säulenreichen, …
Sure 89, Vers 9: und Tamud, da sie sich Felsen ausgehauen im Wadi?
Sure 89, Vers 10: Und Pharao, dem Herrn der Zeltpflöcke,
Sure 89, Vers 11: Die im Lande frevelten
Sure 89, Vers 12: Und des Verderbens viel auf ihm anrichteten?
Sure 89, Vers 13: Und es schüttete dein Herr über sie aus die Geißel der Strafe.

Sure 85, Vers 17: Kam nicht zu dir die Geschichte der Heerscharen
Sure 85, Vers 18: Paraos und Tamuds?
Sure 85, Vers 19: Doch die Ungläubigen zeihen sie der Lüge;
Sure 85, Vers 20: Aber Allah umgibt sie von hinten.

Sure 69, Vers 5: Und was Tamud anlangt, so kamen sie um durch den Wetterschlag,
Sure 69, Vers 6: Und was Ad anlangt, so kamen sie um durch einen pfeiffenden wütenden Wind,
Sure 69, Vers 7: Welchen Er dienstbar machte wider sie sieben Nächte und acht Tage voll Unheil. Und du hättest das Volk in ihnen niedergestreckt gesehen, gleich hohlen Palmenstrünken.
Sure 69: Vers 8: Und siehst du von ihnen einen übrig?

Sure 41, Vers 14: Da die Gesandten zu ihnen kamen von vorn und hinten und sprachen: „Dienet allein Allah“ – sprachen sie: „Wenn der Herr gewollt, wahrlich, Engel hätte Er hinabgesandt. Siehe, wir glauben nicht an das, womit ihr gesandt seid.“
Sure 41, Vers 15: Und was Ad anlangt, so waren sie hoffärtig im Land ohne Grund und sprachen: „Wer ist stärker an Kraft als wir?“ Sehen sie denn nicht, daß Allah es ist, der sie erschaffen hat? Er ist stärker als sie an Kraft; doch sie verleugneten Unsre Zeichen.
Sure 41, Vers 16: Und so entsandten Wir wider sie einen pfeiffenden Wind an unseligen Tagen, um ihnen zu schmecken zu geben die Strafe der Schmach in dieser Welt. Aber wahrlich, die Strafe des Jenseits ist schmählicher, und es soll ihnen nicht geholfen werden.
Sure 41, Vers 17: Und was Tamud anlangt, so leiteten Wir sie, sie aber liebten die Blindheit über der Leitung, und es erfaßte sie der Donnerschlag der Strafe der Erniedrigung für ihr Schaffen.
Sure 41, Vers 18: Und Wir errettenen diejenigen, die gläubig und gottesfürchtig waren.

Sure 50, Vers 12: Vor ihnen ziehen der Lüge das Volk Noahs und die Bewohner von ar-Rass und Tamud,
Sure 50, Vers 13: Und Ad und Pharao und die Brüder Lots und
Sure 50, Vers 14: Die Waldbewohner und das Volk der Tubba. Alle ziehen die Gesandten der Lüge und meine Drohung ward bewahrheitet.

Sure 38, Vers 12: Der Lüge zieh vor ihnen das Volk Noahs und Ads und Pharaohs, der Herr der Pfähle.
Sure 38, Vers 13: Und Tamud und das Volk Lots und die Waldbewohner, sie waren Verbündete.
Sure 38, Vers 14: Alle taten nichts, als daß sie die Gesandten der Lüge ziehen; drum war Meine Strafe gerecht.

Sure 23, Vers 44: Alsdann entsandten Wir Unsre Gesandten, einen nach dem andern. Sooft ein Gesandter zu seinem Volke kam, ziehen sie ihn der Lüge; und so ließen Wir ein Volk dem andern folgen und machten sie zum Exempel. Drum hinweg mit einem ungläubigen Volk!

Sure 21, Vers 11: Und wie viele Städte, die sündig waren, zerstörten Wir von Grund aus und erweckten nach ihnen ein ander Volk!

Sure 65, Vers 8: Und wie viele Städte waren widerspenstig gegen den Befehl ihres Herrn und Seiner Gesandten! Darum rechneten Wir mit ihnen strenge ab und straften sie mit schlimmer Strafe.

Sure 26: Vers 208: Und nicht zerstörten Wir eine Stadt, die nicht Warner gehabt hätte.

Wir sehen aus all diesen Stellen, die grösstenteils mekkanischen Suren aus der ersten und zweiten Periode entnommen sind, daß Mohammed damals weit entfernt war, an eine Prädestination zu glauben. Der Ausdruck „hada“, welcher später ganz besonders von der Gnadenleitung gebraucht wird (im Gegensatz zu „adalla“ was so viel heisst wie „in die Irre führen“), hat, wo er hier vorkommt, die allgemeine Bedeutung: den Menschen den rechten Weg zeigen, auf dem sie zur Seligkeit gelangen können. Ob sie dieser Leitung folgen wollen oder nicht, steht bei ihnen.

Die Erfolge Mohammeds am Anfang seiner Prophetenkarriere waren dürftig. So lange er in Mekka predigte, blieb sein Anhang klein und die Gegner liessen nicht ab, ihn mit Schmähungen zu verfolgen und seinen Bemühungen mit offener Feindschaft entgegenzutreten. Stammes- und Familieneifersucht, zähes Festhalten an alter Gewöhnung, Widerwillen des natürlichen Triebes gegen die strenge sittliche Zucht, Abneigung der Juden und Christen gegen die angebliche Vervollkommnung ihrer Offenbarungsbücher, das waren die feindlichen Mächte, mit denen der neue Religionsstifter fortwährend zu kämpfen hatte.

Vor allem aber haben die ununterbrochenen ideologischen Angriffe Mohammeds gegen die Mekkaner, seine feindselige Haltung und die Verächtlichmachung ihrer Gottheiten dazu beigetragen, den Erfolg seines Bekehrungseifers zu minimieren.

Daß Mohammed des steten Ermahnens, das so wenig fruchtete, nach und nach müde wurde, darf uns also nicht zu sehr wundern. Es schien geratener, sich an die kleine Schar der Gläubigen zu halten und mit ihrer Hilfe die Ausbreitung der Lehre auf anderem Wege zu versuchen, als in Mekka sich mit den Ungläubigen vergebliche Mühe zu geben und fortwährend tauben Ohren zu predigen: „Kannst du etwa die Tauben hörend machen“. Diese Stimmung gibt sich in einer Reihe von Koranstellen kund, deren Inhalt diesen Gedanken in wechselnder Form ausdrückt:

Sure 10, Vers 41: Und so sie dich der Lüge zeihen, so sprich: „Mein Tun ist für mich und euer Tun ist für euch. Ihr seid los und ledig meines Tuns und ich bin los und ledig eures Tuns.“

Sure 18, Vers 29: Und sprich: „Die Wahrheit ist von eurem Herrn; und wer will, der glaube, und wer will, der glaube nicht

Sure 27, Vers 80: Siehe, nicht wirst du die Toten hörend machen und nicht wirst du machen, daß die Tauben den Ruf hören, wenn sie den Rücken kehren.

Sure 43, Vers 40: Kannst du etwa die Tauben hörend machen oder die Blinden leiten und den, der in offenkundigem Irrtum ist?

Sure 30, Vers 52: Siehe, du vermagst drum nicht die Toten hörend zu machen und vermagst nicht zu bewirken, daß die Tauben den Ruf hören, wenn sie den Rücken zur Flucht wenden.

Sure 10; Vers 99: Und wenn dein Herrn gewollt hätte, so würden alle auf dieser Erde insgesamt gläubig werden. Willst du etwa die Leute zwingen, gläubig zu werden?

Sure 10, Vers 108: Sprich: O ihr Menschen, nunmehr kam zu euch die Wahrheit von eurem Herrn. Und wer da geleitet ist, der ist nur zu seinem eigenen Besten geleitet; und wer irregeht, der geht nur zu seinem eigenen Schaden irre. Und ich bin nicht euer Hüter.“

Sure 39, Vers 41: Siehe, hinabgesandt haben Wir auf dich das Buch für die Menschen in Wahrheit, und wer geleitet ist, der ist es zu seinem eigenen Besten, und wer irregeht, der geht irre wider sein eigenes Bestes, und du bist nicht ihr Schützer.

Sure 6, Vers 66: Und es zieh ihn (den Koran) dein Volk der Lüge, und er ist die Wahrheit. Sprich: „Ich bin nicht euer Beschützer.

Sure 42, Vers 6: Und diejenigen, welche außer Ihm Beschützer annehmen, Allah gibt auf sie acht, und nicht bist du ihr Hüter.

Sure 29, Vers 18: Uns wenn ihr dies der Lüge zeihet, so ziehen schon Völker vor euch der Lüge, und den Gesandten liegt nichts ob als die offenkundige Predigt.

Sure 36, Vers 17: „Und uns liegt allein die deutliche Predigt ob“..

Sure 42, Vers 47: Und wenn sie sich abwenden, so haben Wir dich nicht zu einem Hüter über sie entsandt; dir liegt nur die Predigt ob …

Sure 6, Vers 70: Und verlaß jene, welche mit ihrem Glauben Scherz und Spott treiben und welche das irdische Leben betrogen hat, und ermahne sie damit, daß jede Seele nach Verdienst dem Verderben preisgegeben wird; außer Allah hat sie weder einen Beschützer noch Fürsprecher …

Sure 70, Vers 42: Drum laß sie schwatzen und spielen, bis sie ihrem Tag begegnen, der ihnen angedroht ist,

Sure 43, Vers 83: Drum laß sie schwatzen und spielen, bis sie ihrem Tag begegnen, der ihnen angedroht ward.

Sure 31, Vers 23: Wer aber ungläubig ist, dessen Unglauben bekümmere dich nicht; zu uns ist ihre Rückkehr, und verkünden wollen Wir ihnen ihr Tun. Siehe, Allah kennt das Innerste der Brüste.

Sure 23, Vers 54: Drum laß sie in ihrem Wirrsal für eine Weile.

Sure 15, Vers 3: Laß sie nur schmausen und genießen und sich in Hoffnung ergehen. Wahrlich sie sollen schon sehen.

Sure 28, Vers 56: Siehe, du kannst nicht leiten, wen du gerne möchtest; Allah aber leitet, wen Er will, denn Er kennt am besten die, welche sich leiten lassen.

Textanalyse:

1. Die Verantwortung für den missionarischen Misserfolg des Gesandten liegt bei den Mekkanern mit ihren „verstockten Herzen“ und „tauben Ohren“. Sie leugnen seine Botschaft mutwillig ab obschon sie sich doch in offensichtlichem Irrtum befinden.

2. Mohammed soll sich von den Mekkanern zurückziehen und sie in ihrem Unglauben verharren lassen: „und wer will, der glaube, und wer will, der glaube nicht.“

3. Allah entbindet Seinen Gesandten von jeglicher Verantwortung für den Misserfolg seiner Missionsbemühungen: „nicht bist du ihr Hüter“ und „Ich bin nicht euer Beschützer“.

4. Mohammed soll unbesehen über den geringen Erfolg seiner Ermahnungen das Bekehrungsamt weiterführen: „den Gesandten liegt nichts ob als die offenkundige Predigt“.

5. Für alle kuffar ist die jenseitige Strafe gewiß: „bis sie ihrem Tag begegnen, der ihnen angedroht ist

In diesen Stellen hat hada durch das gegenüberstehende adalla bereits bestimmtere Bedeutung, und die soeben übersetzten Koranverse zeigen wohl deutlich genug, wie Mohammed durch den geringen Erfolg seiner Predigten allmählig zur Ueberzeugung geführt wurde, ein Teil der Menschen sei für die Wahrheit von vornherein unempfänglich. Da aber nichts ohne den Willen Gottes geschieht, musste auch diese Verstocktheit von Gott selbst gewollt und in seinem Weltplane beschlossen sein. Diese Ansicht erhielt jedoch ihre volle Ausbildung in Mohammeds Kopfe erst dadurch, daß ihr auf anderem Wege eine Vorstellung entgegenkam, die, wie ich mich oben ausdrückte, ihren Ursprung im Himmel hatte. Es wird uns schwer, mit nüchternen Gedanken den Phantasiesprüngen des mekkanischen Propheten zu folgen. Wir müssen aber wenigstens einen Versuch dazu machen, weil uns sonst ein wichtiger Teil seiner Lehre unverständlich bleibt.

Mohammed war überzeugt, seine Offenbarungen unmittelbar vom Himmel, durch göttliche Eingebung zu erhalten, nicht bloß im allgemeinen, sondern Wort für Wort. Was er predigte, sollte nichts anderes sein als was ihm der Engel Gabriel überbracht und diktiert hatte. Der Koran (bedeutet eigentlich Lesung, Vorlesung, wird aber dann wie Lektüre auch vom konkreten Lesestoff gebraucht), wie ihn Mohammed vortrug, erschien somit als blosse Kopie eines bei Gott befindlichen Urtextes (Umm al-Kitab), und wir lesen in der Tat:

Sure 43; Vers 2: Bei dem deutlichen Buch,
Sure 43, Vers 3: Siehe, Wir machten es zu einem arabischen Koran, auf daß ihr vielleicht begriffet.
Sure 43, Vers 4: Und siehe, es ist in der Mutter der Schrift bei Uns – wahrlich ein hohes, ein weises.

Sure 13, Vers 39: Allah löscht aus und bestätigt, was Er will, und bei Ihm ist die Mutter der Schrift.

Sure 10, Vers 38: Und dieser Koran konnte nicht ohne Allah ersonnen werden. Vielmehr ist er eine Bestätigung dessen, was ihm vorausging, und eine Erklärung der Schrift – kein Zweifel ist daran – vom Herrn der Welten.

Sure 35, Vers 31: Und was Wir dir von dem Buche offenbarten, ist die Wahrheit, bestätigend das ihm Vorangegangene. Siehe, Allah kennt und sieht wahrlich Seine Diener.

Sure 56, Vers 77: Siehe, es ist wahrlich ein edler Koran
Sure 56, Vers 78: In einem verborgenen Buch.
Sure 56, Vers 79: Nur die Reinen sollen ihn berühren!

Sure 85, Vers 21: Ja, es ist ein ruhmvoller Koran
Sure 85, Vers 22: Auf verwahrter Tafel.

Auch in den Ueberschriften der 44. Sure („Bei dem deutlichen Buch!“) der 45. Sure („Die Hinabsendung des Buches von Allah, dem Mächtigen, dem Weisen!“) und in ergreifend schlichter Wiederholung in der 46. Sure („Die Hinabsendung des Buches von Allah, dem Mächtigen, dem Weisen!“) ist mit al-Kitab das himmlische Buch gemeint, dessen Inhalt dem Propheten mitgeteilt wurde.

Alle Offenbarungsbücher der Früheren waren nach Mohammeds Überzeugung in derselben Weise herabgesandt worden; Abraham, Moses, Johannes der Täufer und Isa (Jesus) hatten schon vor ihm das Buch erhalten:

Sure 3, Vers 65: O Volk der Schrift, warum streitet ihr über Abraham, wo die Tora und das Evangelium erst nach ihm herabgesandt ward? Habt ihr denn nicht Verstand?

Sure 32, Vers 23: Und wahrlich, Wir gaben Moses die Schrift – drum sei nicht in Zweifel über die Begegnung (dereinst) mit ihm –, und Wir machten sie zu einer Leitung für die Kinder Israel.

Moses bestätigt Pharao, daß sein Wissen aus einem himmlischen Buch stammt:

Sure 20, Vers 52: Er sprach: „Das Wissen von ihnen ist bei meinem Herrn in einem Buch. Nicht irrt mein Herr, und Er vergisst nicht“.

Sure 6, Vers 91: Und nicht bewerten sie Allah mit richtigem Wert, wenn sie sprechen: „Nicht hat Allah auf einen Menschen etwas herabgesandt.“ Sprich: „ Wer hat hinabgesandt das Buch, das Moses brachte als ein Licht und eine Leitung für die Menschen, das ihr auf Pergamente schriebt …

Einmal mehr irrt der Koran mit folgendem Vers: Dem Moses wurden auf der Steintafel nicht neun Zeichen (Gebote) sondern deren zehn herniedergereicht und sie wurden ihm nach dem Verlassen Ägyptens übergeben und nicht vor seiner Begegnung mit Pharao:

Sure 17, Vers 101: Und wahrlich, Wir gaben Moses neun deutliche Zeichen. Erkundige dich nur bei den Kindern Israel. Und als er zu ihnen kam, sprach Pharao zu ihm: „Siehe, o Moses, ich halte dich für verzaubert.“

Sure 6, Vers 154: Alsdann gaben Wir Moses die Schrift, vollkommen für den, der das Gute tut, und eine Klarlegung aller Dinge, und eine Leitung und Barmherzigkeit, damit sie an die Begegnung mit ihrem Herrn glauben.

Sure 41: Vers 45: Und wahrlich, Wir gaben Moses die Schrift …

Eine besondere Peinlichkeit leisten sich die Kompilatoren des Koran mit folgendem Vers. Im Zusammenhang mit der Geburt Jesu wird Maria zur „Schwester Aarons“ gemacht. Aaron ist allerdings der Bruder von Moses:

Sure 19, Vers 27: Und sie brachten ihn zu ihrem Volk, ihn tragend. Sie sprachen: „O Maria, fürwahr, du hast ein sonderbares Ding getan!
Sure 19, Vers 28: O Schwester Aarons, dein Vater war kein Bösewicht und deine Mutter keine Dirne.
Sure 19, Vers 29: Und sie deutete auf ihn. Sie sprachen: “Wie sollen wir mit ihm, einem Kind in der Wiege, reden?“
Sure 19, Vers 30: Er (Jesus) sprach: „Siehe, ich bin Allahs Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und Er machte mich zum Propheten.

Auch Johnnes der Täufer wurde von Allah mit dem Buch, der „Schrift“ betraut:

Sure 19, Vers 13: Und Wir sprachen: „O Johannes, nimm hin die Schrift in Kräften“; und Wir gaben ihm Weisheit, da er ein Kind war.

Allah hat den Inhalt Seines Buches im Verlauf der Geschichte aber nicht nur Abraham, Moses, Jesus und Johannes dem Täufer übermittelt sondern seinen Inhalt verschiedenen, von Ihm auserwählten Völkern mitgeteilt. Das deckt sich mit der oben beschriebenen Abfolge der Straflegenden:

Sure 35, Vers 32: Alsdann gaben Wir das Buch jenen von Unseren Dienern, die Wir erwählten, zum Erbe, und die einen von ihnen sündigten wider sich selber, die anderen halten die Mitte ein, und wieder andere wetteiferten im Guten mit Allahs Erlaubnis. Das ist die grosse Huld.

► Alle Offenbarungsschriften Allahs sind identisch

Als Mohammed mit den Juden und Christen noch auf gutem Fusse stand, hatte er behauptet, dem Moses sei das ganze Buch mitgeteilt worden; später aber, als der Gegensatz schärfer wurde, kam er davon zurück und lehrte, nur er (Mohammed) habe die treue Kopie des himmlischen Textes erhalten, Moses nur einiges davon und die vorhandenen Abschriften der Tora seien gefälscht.

An der erwähnten Vorstellung schien Mohammed viel Gefallen zu finden. Mit besonderer Vorliebe bildete seine Phantasie dieselbe weiter aus, dem Buche wurden auch himmlische Schreiber beigesellt „Vermittels der Hände edler, rechtschaffener Schreiber“.

Sure 80, Vers 11: Nicht so. Siehe, der Koran ist eine Warnung –
Sure 80, Vers 12: Und wer da will, gedenkt sein –
Sure 80, Vers 13: Auf geehrten Seiten,
Sure 80, Vers 14: Erhöhten, gereinigten,
Sure 80, Vers 15: Vermittels der Hände edler,
Sure 80, Vers 16: Rechtschaffener Schreiber.

Veranlassung zu der letzteren Vorstellung, die später auf die Ausbildung der Prädestinationslehre sehr entscheidend einwirkte mochten vielleicht die Gesetzestafeln (luhot. arab. alwah plur. von lauh) Moses‘ gegeben haben, als deren Urbild im Himmel ebenfalls eine Tafel (lauh) vorauszusetzen war.

Sure 7, Vers 145: Und Wir schrieben für ihn (Moses) auf die Tafeln eine Ermahnung in betreff aller Dinge und eine Erklärung für alle Dinge …

Die Vorstellung einer himmlischen Bibliothek nahm somit immer bestimmtere Umrisse an; sie mit den nötigen Engelscharen auszustatten, war die orientalische Phantasie nicht verlegen.

Was die jenseitige Bestrafung angeht begnügt sich Allah vorerst – mit Nachdruck – darauf hinzuweisen, daß Seine Strafe mit Sicherheit eintreffen wird. Der Glaube an die Allwissenheit Gottes, der den Propheten der Araber von Anfang an erfüllte kleidete sich nun ebenfalls in diese Vorstellung. Folgende göttliche Versicherung führt das aus: „Wir sind ihm näher als die Halsader“:

Sure 50, Vers 16: Und wahrlich, Wir erschufen die Menschen und Wir wissen, was ihm seine Seele einflüstert, denn Wir sind ihm näher als die Halsader.

In einem sehr alten Vers heisst es zu Allahs Allwissen:

Sure 89, Vers 14: Siehe, dein Herr ist wahrlich auf der Wacht.

An anderen Stellen:

Sure 28, Vers 69: Dein Herr weiß, was ihre Brüste verbergen und was sie offenkund tun.

Sure 29, Vers 4: Oder glauben diejenigen, die Böses tun, daß sie Uns entgehen können? Übel ist ihr Urteil.

Sure 53, Vers 31: Und Allah ist, was in den Himmeln und was auf Erden, auf daß Er diejenigen belohne, die Böses tun, nach ihrem Tun, und die, welche Gutes tun, mit dem Besten belohne.

Sure 3, Vers 5: Siehe Allah – nicht ist ihm verborgen ein Ding auf Erden und im Himmel.

Sure 68, Vers 7: Siehe, dein Herr, Er kennet am besten, wer von Seinem Wege abgeirrt ist, und Er kennet am besten die Geleiteten.

Sure 16, Vers 125: Lade ein zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung; und streite mit ihnen in bester Weise. Siehe, dein Herr weiß am besten, wer von Seinem Weg abgeirrt ist, und Er kennet am besten die Rechtgeleiteten.

Sure 19, Vers 71: Alsdann werden Wir wissen, wer des Verbrennens am würdigsten ist.

Sure 41, Vers 40: Siehe, diejenigen, welche sich von Unseren Zeichen abneigen, sind Uns nicht verborgen. Ist etwa der besser, der ins Feuer geworfen wird, oder wer sicher naht am Tag der Auferstehung? Tut was ihr wollt, siehe, Er schaut euer Tun.

In einem nächsten Schritt wird im Koran – als Ergänzung der himmlischen Bibliothek – das Buch der menschlichen Taten eingeführt.

► Das Buch der menschlichen Taten

Das Wissen Allahs über eine jede Tat Seiner Knechte ist ja eigentlich die logische Konsequenz Seines Allwissens. Das scheint Mohammed aber nicht genügt zu haben. Um den Gläubigen die Sicherheit der vollständigen jenseitigen Kontrolle Allahs über Seine Unterworfenen (islam heißt Unterwerfung) zu vermitteln und ihr Gefühl des Ausgeliefertseins noch zu steigern teilt Allah jedem Menschen zwei Engel zu, die alles aufschreiben (die beiden Engel Kiramun und Katibun). Es wird also eine besondere Klasse von Engeln dazu abbestellt, die Handlungen der Menschen aufzuschreiben, damit das so geführte Buch am Gerichtstage jedem Einzelnen vorgezeigt und er danach gerichtet werden könne:

Sure 43, Vers 80: Oder glauben sie, daß Wir ihre Geheimnisse und ihr heimliches Gespräch nicht hörten? Im Gegenteil, Unsre Gesandten, die bei ihnen sind, schreiben es auf.

Am Jüngsten Tage werden diese Bücher aufgeschlagen; der Mensch erkennt daraus, welches Schicksal ihn im Jenseits trifft:

Sure 81; Vers10: Und wenn die Seiten aufgerollt werden …

Sure 75, Vers 13: Verkündet wird an jenem Tage dem Menschen, was er getan und versäumt.

Sure 17, Vers 14: „Lies dein Buch, du selber sollst heute Rechenschaft wider dich ablegen.“

Sure 78, Vers 27: Siehe, sie erwarteten keine Rechenschaft
Sure 78, Vers 28: Und ziehen Unsre Zeichen der Lüge,
Sure 78, Vers 29: Doch Wir schrieben alles auf in ein Buch.

Sure 83, Vers 7: Fürwahr, siehe, das Buch der Frevler ist in Siggin 1)
Sure 83, Vers 8: Und was lehrt dich wissen, was Siggin ist?
Sure 83, Vers 9: Ein geschriebenes Buch!

1) Kerker, ein Ort in der Hölle, nach dem auch das Buch, das die Taten der Frevler enthält, Siggin heißt.

Sure 84, Vers 7: Und was den anlangt, dem sein Buch in seine Rechte gegeben wird,
Sure 84, Vers 8: Mit dem wird leichte Abrechnung gehalten.
Sure 84, Vers 9: Und fröhlich wird er zu seinen Angehörigen heimkehren.
Sure 84, Vers 10: Was aber den anlangt, dem sein Buch hinter seinem Rücken gegeben wird, 1)
Sure 84, Vers 11: Der wird nach Vernichtung rufen,
Sure 84, Vers 12: Doch in der „Flamme“ wird er brennen.

1) D.h. in die linke Hand, welche auf den Rücken der Verdammten gefesselt, während die Rechte an ihren Hals gebunden wird.

Sure 18, Vers 48: Und aufgestellt werden sie vor Deinem Herrn in Reihen, und Er wird sprechen: „Wahrlich ihr seid zu Uns gekommen, wie Wir euch erschaffen zum erstenmal; ihr aber glaubtet, Wir würden nimmer Unser Versprechen halten.“

Auch über Völker als Ganzes ist ein solches Buch angelegt worden:

Sure 45: Vers 28: Und du wirst jedes Volk knien sehen; gerufen wird jedes Volk zu seinem Buch und gesprochen wird: „Heute werdet ihr belohnt für euer Tun.
Sure 45, Vers 29: Dieses Buch spricht wider euch die Wahrheit; siehe, Wir schrieben auf, was ihr tatet.“

Das Wissen des Geschehenen steigerte sich zum Vorauswissen des Künftigen, und die Engel hatten nicht mehr blos die geschehenen Handlungen aufzuschreiben, sondern auch das Künftige, das damit zum festen Beschlusse ward. Dieses Vorauswissen und Vorausbestimmen bezog sich zunächst auf das äussere Schicksal, besonders auf die Lebensdauer sei es ganzer Völker oder einzelner Menschen.

Sure 3, Vers 145: Und niemand stirbt ohne Allahs Erlaubnis gemäß dem Termine setzenden Buch …

Sure 7, Vers 34: Und jedes Volk hat einen Termin; und so sein Termin gekommen ist, so können sie ihn un keine Stunde aufschieben oder beschleunigen.

Sure 13, Vers 38: Und wahrlich, schon vor dir entsandten Wir Gesandte und gaben ihnen Gattinnen und Nachkommenschaft. Kein Gesandter aber konnte ohne Allahs Erlaubnis ein Zeichen bringen. Jedes Zeitalter hat sein Buch.
Sure 13, Vers 39: Allah löscht aus und bestätigt, was Er will, und bei Ihm ist die Mutter der Schrift.

Sure 43, Vers 21: Oder gaben Wir ihnen vor diesem ein Buch, und bewahrten sie es?
Sure 43, Vers 22: Nein, sie sprechen: „Wir erfanden unsre Väter in einer Religion, und siehe, wir sind in ihren Spuren geleitet.“ 

Sure 15, Vers 4: Und Wir zerstörten keine Stadt ohne niedergeschriebenen Termin.
Sure 15, Vers 5: Kein Volk kann seinen Termin beschleunigen oder verschieben.

Sure 10, Vers 49: Sprich: „Ich habe keine Macht über mein eigen Weh und Wohl ohne Allahs Willen. Jedes Volk hat seinen Termin. Wenn sein Termin gekommen ist, so können sie keine Stunde von ihm verschieben oder beschleunigen.“

Es lag nunmehr nahe, in der angedeuteten Vorstellungsrichtung weiter zu gehen, und wir kommen somit zu dem Punkte, auf welchem sich die beiden Wege, von denen ich oben sprach, vereinigten, um alsbald in die schroffen Prädestinationslehre auszumünden. Wenn Lebensdauer und Schicksale der Menschen von Anfang an im göttlichen Buche verzeichnet stehen, so kann dasselbe auch mit ihren Handlungen und Gesinnungen der Fall gewesen sein. Hierin lag für Mohammed genügende Erklärung des Benehmens der Mekkaner und Trost für seine missliche Lage. Nun stand für ihn fest: Wenn seine Gegner nicht glaubten, war dies kein Eingriff in die göttliche Weltregierung und kein Beweis gegen die Wahrheit seiner Sendung. Gott müsse es, so dachte er, von Anfang an so gewollt und jene zum Irrtum verdammt haben.

Zunächst zeigt sich in der Art, wie Mohammed jetzt die Legenden erzählt, ein schärferer Ton:

Die Zeitgenossen Noah’s werden ein „blindes Volk“ genannt:

Sure 7, Vers 64: Sie aber ziehen ihn (Noah) der Lüge, doch erretteten Wir ihn und die bei ihm waren in der Arche und ertränkten die, welche unsere Zeichen der Lüge ziehen; siehe, sie waren ein blindes Volk.

Das Zorngericht des Herrn ruhte auf dem Volk der Ad; ihr Prophet Hud und seine Getreuen wurden durch eine besondere Gnade gerettet, die Anderen aber ausgerottet, denn sie waren keine Gläubigen:

Sure 7, Vers 72: Und Wir erretteten ihn und seine Anhänger in unsrer Barmherzigkeit; und Wir schnitten ab die Wurzel derer, welche Unsre Zeichen der Lüge ziehen und nicht glaubten.

Ferner „versiegelt Allah die Herzen der Ungläubigen“, damit sie im Unglauben verharren:

Sure 7, Vers 100: Und sind denn nicht diejenigen, die das Land nach seinen früheren Bewohnern erbten, überzeugt, daß, wenn Wir wollten Wir sie treffen könnten für ihre Sünden und ihre Herzen versiegeln, so daß sie nicht hören?
Sure 7; Vers 101: Was diese Städte anlangt, so erzählen Wir dir ihre Geschichten. Und wahrlich, zu ihnen kamen ihre Gesandten mit den deutlichen Zeichen, doch mochten sie nicht an das glauben, was sie zuvor für Lüge erklärt hatten. Also versiegelt Alllah die Herzen der Ungläubigen.

Nachdem in den Versen 76 bis 87 von Sure 10 die Geschichte von Moses kurz erzählt wurde betet dieser zu Allah: „verhärte ihre Herzen“:

Sure 10, Vers 88: Und es sprach Moses: „Unser Herr, siehe, Du hast Pharao und seinen Häuptern Pracht gegeben und Güter im irdischen Leben. Unser Herr, auf daß sie abirren von Deinem Wege! Unser Herr, vertilge ihre Güter und verhärte ihre Herzen, daß sie nicht glauben, bis sie dieschmerzliche Strafe sehen.“
Sure 10, Vers 89: Er sprach: „Euer Gebet ist erhört. Verhaltet euch wohl und folget nicht dem Weg der Unwissenden.“

Allah versichert Seinem Propheten nun, daß Er alle gläubig machen könnte. Warum Er dies nicht tut bleibt Sein für Menschen unergründlicher Ratschluß. Immerhin führt Er aber doch einige Mekkaner in Seine Barmherzigkeit ein – die meisten jedoch nicht:

Sure 42, Vers 8: Und so es Allah gewollt, hätte Er sie zu einer Gemeinde gemacht; jedoch führt Er in Seine Barmherzigkeit ein, wen Er will, und die Ungerechten haben weder Schützer noch Helfer.

In ähnlicher Weise wird nun auch von den Mekkanern gesprochen. Jetzt ergreift Allah das direkte Mittel der Fremdbeeinflussung: Er spannt einen „verhüllenden Vorhang“ auf, „legt auf ihre Herzen Decken“ und macht „Ohren schwerhörig“ Er „legt Joche auf ihre Hälse“ und „Schranken vor und hinter sie“:

Sure 17, Vers 45: Wenn du den Koran liesest, so machen Wir zwischen dir und denen, die nicht ans Jenseits glauben, einen verhüllenden Vorhang;
Sure 17, Vers 46: Und Wir legten auf ihre Herzen Decken, daß sie ihn nicht verstehen; und machten ihre Ohren schwerhörig. Und wenn du Deinen Herrn im Koran als einen Einigen erwähnst, wenden sie ihren Rücken zur Flucht.

Sure 36, Vers 8: Siehe, gelegt haben Wir Joche auf ihre Hälse, die bis zu ihrem Kinn reichen, und hochgezwängt ist ihr Haupt.
Sure 36, Vers 9: Und Wir legen vor sie eine Schranke und hinter sie eine Schranke, und Wir verhällen sie, so daß sie nicht sehen.
Sure 36, Vers 10: Und es ist gleich für sie, ob du sie warnest oder nicht warnest, sie glauben nicht.

Dem Satan wird vorgeschrieben , seine Anhänger irre zu führen und in die Hölle zu befördern:

Sure 22, Vers 4: Geschrieben ist wider ihn (Satan), daß er den, der ihn zum Beschützer nimmt, irreführen und zur Strafe der Flamme leiten soll.

So gelangen wir schliesslich zu jenen Kraftstellen, die meist den medinischen Suren angehören. Wir müssen uns dabei erinnern, daß die Lage Mohammeds sich inzwischen bedeutend verändert hatte. In Medina folgte ihm eine nicht geringe Schar treuer Anhänger, deren Zahl wuchs, je mehr es ihm gelang, seine äussere Macht zu befestigen und seine Überlegenheit im Kampfe zu beweisen. Gegen die Juden und Christen stellte er sich schroffer als je zuvor. Er fühlte sich als Herr und Gebieter; der frühere Prophet wurde praktischer Gesetzgeber. Auch die vollständige Bestimungsmacht Allahs „so hat Er Macht über alle Dinge“ wird jetzt deutlicher hervorgehoben. Er wird zum „Zwingherrn“:

Sure 6, Vers 17: Und so dich Allah mit einem Leid trifft, so kann Er es allein fortnehmen, und so Er dir Gutes gibt, so hat Er Macht über alle Dinge.
Sure 6, Vers 18: Und Er ist der Zwingherr über Seine Diener, und Er ist der Weise, der Kundige.

Die Beweglichkeit des Geistes nimmt ab. An die Stelle origineller Rede tritt die stereotype Phrase. Stehende Formeln wie: „Gott leitet wen er will und führt irre wen er will“ ermüden durch stete Wiederholung. Die frische Begeisterung weicht der trocknen Doktrin.

Durch Einwendungen der Gegner ließ sich Mohammed nicht abwendig machen. Sie nahmen die Lehre von der Vorherbestimmung für sich in Anspruch und sagten:

Sure 6, Vers 148: Gewißlich, sprechen werden die, welche Allah Gefährten geben: „Wenn Allah gewollt, so hätten wir Ihm keine Gefährten gegeben, wie auch unsre Väter; und Er hat uns auch nichts verwehrt.“ Also ziehen auch die, welche vor ihnen waren, der Lüge, bis sie Unsre Strenge schmeckten. Sprich: „Habt ihr Wissen, so bringt es zum Vorschein. Ihr folgt nur einem Wahn, und ihr lügt nur.“

Mohammed ließ sich aber auf keine Argumentation ein. Er sagte ihnen bloß, sie verstünden nichts und sollten doch lieber schweigen; Gott allein könne für eine solche Lehre den rechten Beweis geben:

Sure 6, Vers 149: Sprich: „Allahs ist der überzeugende Beweis, und so Er gewollt, Er hätte euch insgesammt geleitet.

Unbehindert durch solche Einreden hielt Mohammed an der harten Lehre, zu der er allmählich hingeführt worden war, fest und vertrat sie immer entschiedener.

► Die Irreleitung

Die hierauf bezüglichen Stellen auch nur in annähernder Vollständigkeit auszuschreiben, würde unnötig viel Raum einnehmen und auf die Leser einen quälenden Eindruck machen.

Sie sind hier zusamengestellt: ► Verse zur Irreleitung

Daß diese harte Ansicht sich bei Mohammed nur allmählig bildete, sehen wir deutlich aus früheren Stellen, in denen die Ungläubigen selbst ihren Zustand mit jenem Bilde schildern, um auszudrücken, daß sie mit ihrem Prediger nichts zu tun haben wollen.

Sure 41, Vers 4: Ein Freudenbote und ein Warner; doch die meisten von ihnen kehrten sich ab und hörten nicht.
Sure 41, Vers 5: Und sie sprechen: „ Unsere Herzen sind in Hüllen gegen das, wozu du uns einlädest , und in unseren Ohren ist Schwere, und zwischen uns und dir ist ein Vorhang, So handle; siehe, auch wir handeln.“

Sure 71, Vers 6: Doch bestärkte mein Rufen sie nur in ihrer Flucht.
Sure 71, Vers 7: Wahrhaftig, sooft ich sie rief, daß mit du ihnen verziehest, steckten sie ihre Finger in ihre Ohren und verhüllten sich in ihre Kleider und waren verstockt und voll Hoffart.

Sure 11, Vers 5: Ist’s nicht, daß sie ihre Brüste zusammenfalten, um sich vor Ihm zu verbergen? Aber, ob sie sich auch in ihre Kleider hüllten, weiß Er denn nicht, was sie verbargen und was sie zeigen?

Sure 31, Vers 7: Und wenn dem Menschen Unsre Zeichen vorgelesen werden, wendet er sich hoffärtig ab, als hätte er sie nicht gehört, als wenn seine Ohren schwerhörig wären; drum verkünde ihm schmerzliche Strafe.

Was hier noch als Tun der Menschen geschildert wird, erscheint später als Tun Gottes. Nicht die Menschen halten sich die Ohren zu, sondern Gott selbst versiegelt sie, so in den bereits angeführten Versen aus mekkanischer und vielen andern aus medinischer Zeit.

Der wirksamste Ausdruck, den Allah im Zusammenhang mit Seiner Prädestination verwendet ist allerdings: „Er hat verflucht“. Wenn also die ungläubigen Polytheisten ihre Unschuld beteuern: „Unsre Herzen sind unbeschnitten“ hilft das nichts: „Nein; verflucht hat sie Allah wegen ihres Unglaubens“:

Sure 2, Vers 88: Und sie sprachen: „Unsre Herzen sind unbeschnitten.“ Nein; verflucht hat sie Allah wegen ihres Unglaubens, und so glaubten nur wenige.

In solchen Stellen einen streng logischen Zsuammenhang finden zu wollen, müssen wir uns keine vergebliche Mühe geben. Die Hauptsache ist, daß hier der Nachdruck auf dem la’ana (er hat verflucht) liegt. Dies ist der stärkste Ausdruck in der Prädestinationslehre. Er findet sich 3 Male in passiver, 18 Male in aktiver Form als Tätigkeit Gottes nur in medinischen Suren. Das Substantiv la’na als Fluch Gottes kommt allerdings 9 Male in mekkanischen Suren vor, aber immer so, daß zuerst irgendwelche Frevelthat erzählt und dann gesagt wird: „Der Fluch Gottes ruht auf den Frevlern“ oder: „Wir lassen ihnen in dieser Welt Fluch folgen“ oder, vom bösen Engel Iblis: „Auf dir liegt der Fluch bis zum Vergeltungstag“. Auch hierin liegt ein Beweis für die schon mehrmals ausgesprochene Behauptung, daß die schroffste Form der Prädestinationslehre erst der medinischen Zeit angehört.

Verse zur Prädestination:

Sure 9, Vers 51: Sprich: „Nimmer trifft uns ein anderes als was Allah uns verzeichnet. Er ist unser Beschützer, und auf Allah sollen alle Gläubigen vertrauen.“

Sure 57, Vers 22: Kein Unheil geschieht auf Erden oder euch, das nicht in einem Buch stünde, bevor Wir es geschehen ließen. Siehe, solches ist Allah leicht.

Sure 54, Vers 49: Siehe, alle Dinge erschufen Wir nach einem Ratschluss,

Tafsir al-Jalalayn 54,49: Wahrlich haben wir alles nach Maß, nach Verordnung erschaffen, mit anderen Worten in Vorherbestimmung.

Sure 3, Vers 145: Und niemand stirbt ohne Allahs Erlaubnis gemäß dem Termine setzenden Buch.

Sure 50, Vers 4: Wir wissen wohl, was die Erde von ihnen verzehrt, und bei uns ins ein Buch, das achtgibt.

Tafsir al-Jalalayn 50,4: Wir wissen, was die Erde von ihnen (den Toten, die zu Staub zerfallen) zurücknimmt und bei Uns ist ein Buch, namentlich die wohlverwahrte Tafel, die alles enthält, was vorherbestimmt wurde.

Sure 87, Vers 18: Siehe, wahrlich, dies stand in den alten Büchern,

Sure 57, Vers 22: Kein Unheil geschieht auf Erden oder euch, das nicht in einem Buch stünde, bevor Wir es geschehen ließen. Siehe, solches Ist Allah leicht …

Comments are closed.