Die Abrahamlegende

Auch der Koran bezeichnet Abraham als Propheten:

Sure 19, Vers 41: Und gedenke im Buche des Abraham. Siehe, er war aufrichtig, ein Prophet.

Und dieser Prophet wurde gemäß Koran von Allah nicht nur zu den Juden, sondern auch zu den Arabern geschickt. Wie uns das Alte Testament berichtet, haben sich alle auf Abraham folgenden Propheten mit der Rechtleitung der Juden beschäftigt. Daß das Wirken Abrahams mit seinem Sohne Ismael im Gebiet der Kaaba nicht im Alten Testament erwähnt wird ist ein klarer Hinweis auf die von Juden und Christen praktizierte dreiste

► Verfälschung der Schrift

Jedenfalls soll dieser vom Islam hoch verehrte erste rein monotheistische Gottesdiener mit seinem Sohn Ismael mitten im arabischen Kernland, in Mekka, rund 2500 Jahre vor Mohammeds Auftritt, die Kaaba errichtet haben. Gemäß koranischer Aussage ist es überhaupt das erste Haus, das für die Menschen gegründet wurde (Bekka ist ein anderer Name für Mekka), und auch der Beginn der Pflicht zur Pilgerfahrt zur Kaaba wird im Koran in die Lebenszeit des Patriarchen gelegt:

Sure 3, Vers 96: Siehe, das erste Haus, gegründet für die Menschen, wahrlich, das war in Bekka – ein gesegnetes und eine Leistung für die Welt.
Sure 3, Vers 97: In ihm sind deutliche Zeichen – die Stätte Abrahams. Und wer es betritt, ist sicher. Und der Menschen Pflicht gegen Allah ist die Pilgerfahrt zum Hause, wer da den Weg zu ihm machen kann.

Sure 2, Vers 125: Und als Wir das Haus zu einem Versammlungsort für die Menschen und einem Asyl machten und sprachen: „Nehmt Abrahams Stätte als Bethaus an“, und Wir Abraham und Ismael verpflichteten: „Reinigt Mein Haus für die es Umwandelnden und darin Verweilenden und die sich Beugenden und Niederwerfenden!“
Sure 2, Vers 126: Und als Abraham sprach: „Mein Herr, mache dieses Land sicher und versorge sein Volk mit Früchten, wer da glaubet von ihnen an Allah und an den Jüngsten Tag“, sprach Er: „Und wer nicht glaubt, dem will Ich wenig geben; alsdann will Ich ihn stoßen in die Feuerspein; und schlimm ist die Fahrt dorthin.“
Sure 2, Vers 127: Und als Abraham und Ismael die Fundamente des Hauses legten, sprachen sie: „O unser Herr, nimm es an von uns; siehe, Du bist der Hörende, der Wissende.
Sure 2, Vers 128: O Unser Herr, und mache uns Dir zu Muslimen und von unserer Nachkommenschaft eine Gemeinde von Muslimen.
Sure 2, Vers 129: O unser Herr, und erwecke unter ihnen einen Gesandten der ihnen Deine Zeichen verkündet und sie lehret die Schrift und die Weisheit und sie reiniget; siehe, Du bist der Mächtige, der Weise.“

In Vers 128 wird der genaue Wortlaut der Bitte Abrahams an Allah wiedergegeben, ihn und die seinen zu muslimen zu machen. Dies, obschon die koranische Botschaft Allahs noch nicht erfolgt war – es den Islam historisch also noch gar nicht gab. Diese Verkündigung ist für Mohammed vorgesehen, weshalb Abraham in Vers 129 Seinen Gott bittet, dereinst einen Gesandten zu senden: „erwecke unter ihnen einen Gesandten der ihnen Deine Zeichen verkündet und sie lehret die Schrift und die Weisheit.“

Ferner soll Abraham einen Teil seiner Nachkommenschaft in der Gegend der Kaaba angesiedelt haben:

Sure 14, Vers 37: Unser Herr, siehe, ich habe einen Teil meiner Nachkommenschaft in einem unfruchtbaren Tal bei Deinem heiligen Hause (Kaaba) angesiedelt. Unser Herr, mögen sie das Gebet innehalten! Und erfülle die Herzen der Menschen mit Liebe zu ihnen und versorge sie mit Früchten; vielleicht sind sie Dir dankbar.

Damit wäre die Lehre von dem einen Gott schon lange Zeit vor Mohammed nach Arabien gebracht worden. Vergleiche auch:

Sure 22, Vers 26: Und gedenke, da Wir Abraham die Stätte des Hauses (die Kaaba) zur Wohnung gaben, und zu ihm sprachen: „Setze Mir nichts an die Seite und reinige Mein Haus für die es Umwandelnden und für die im Gebete stehenden oder sich Beugenden.

  tauhid – Die absolute Transzendenz Allahs

Es scheint allerdings, daß die Nachkommen Abrahams in Mekka, obgleich doch muslime, die göttliche Botschaft von dem einen Gott im Laufe der Jahrhunderte vollkommen korrumpiert haben und wieder zu „Polytheisten“ verkommen sind. Dies alles muß aber schon im Buche Allahs so festgelegt gewesen sein, gemäß dem seit Anbeginn bestehenden Schöpfungsplan des Allmächtigen.

 Die Urschrift aller Offenbarungen

Wie uns der Koran also belehrt, hat Allah schon vor Mohammed den Propheten Abraham zu den Arabern geschickt. Mit den folgenden Versen wird dieser Behauptung allerdings – ebenfalls im Koran – widersprochen. Demnach soll Mohammed der erste Prophet der Araber sein:

Sure 34, Vers 44: Und gaben ihnen (den Mekkanern) nicht Bücher zu studieren und entsandten zu ihnen keinen Warner vor dir.

Sure 36, Vers 6: Auf daß du ein Volk warnest, deren Väter nicht gewarnt worden und die sorglos sind.

Sure 28, Vers 45: … Jedoch ist es eine Barmherzigkeit von Deinem Herrn, auf daß du ein Volk warnest, zu dem vor dir kein Warner kam; vielleicht lassen sie sich ermahnen.

Über Abraham im Koran führt R. Paret aus: „Bezeichnenderweise wird der Patriarch auch sonst im Koran öfter als ein „hanif„, d.h. als typischer Vertreter des einen Gottesglaubens bezeichnet und den polytheistischen Heiden (musrikun) gegenübergestellt:

Sure 2, Vers 135: Und sie sprechen: „Werdet Juden oder Nazarener, auf dass ihr geleitet seid.“ Sprich: „Nein; die Religion Abrahams, der den rechten Glauben bekannte und kein Götzendiener war, ist unsere Religion.“

Manchmal wird ihm überdies das Prädikat „muslim“ (Gott ergeben, ein muslim) zugeschrieben.“ (Paret, Seite 120)

Zur Begriffserklärung schreibt U. Spuhler-Stegemann: „Der in seiner Bedeutung nicht eindeutig festlegbare Begriff „hanif“ wird am besten mit „Gottsucher“ (Tilman Nagel) oder mit „Anhänger des reinen Glaubens“ (Adel T. Khoury) beschrieben. Daß Abraham „weder Jude noch Christ“ war, sondern ein „muslimischer hanif“, der sein Gesicht zum Schöpfer hingewandt hat:

Sure 3, Vers 67: Abraham war weder Jude noch Christ; vielmehr war er lauteren Glaubens, ein Muslim, und keiner derer, die Gott Gefährten geben.

ermöglicht die Deutung, Abraham sei „der erste muslim“ gewesen und die abrahamische Urreligion der „Islam“. (U. Spuhler-Stegemann: Die 101 wichtigsten Fragen, Seite 39, Beck, München 2007)

Dem Bemühen christlicher Kreise, sich dem Islam über die Gestalt von Abraham anzudienen, erteilt U. Spuhler-Stegemann eine Absage: Wenn aber von Abraham, dessen Grab ja tatsächlich von Juden, Christen und Muslimen in Hebron verehrt wird, die Pluralität aller drei Religionen ausgegangen sein soll, wie in Dialog-Kreisen gerne erklärt wird, wieso wird er dann selbst – oftmals gemeinsam mit seinem Sohn Ismail – zum Zeugen für die Abgrenzung des Islam und für dessen Vorrang gegenüber Judentum und Christentum? Faktisch wird die Abraham-Gestalt von den drei „Buch-Religionen“ in derart unterschiedlicher Weise beansprucht, daß sich kein gemeinsamer Nenner finden läßt.“ (ebenda, Seite 38)

Zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung über die Abrahamlegende erläutert R. Paret: Snouck Hurgronje hat die Meinung vertreten, Mohammed sei erst nach der hijra, anläßlich seiner Auseinandersetzung mit den Juden von Medina auf den Gedanken verfallen, Abraham (und Ismael) mit Mekka und dem Kaabakult in Verbindung zu bringen. Die Abrahamlegende wäre demnach – kurz gesagt – von Mohammed frei erfunden worden zu dem Zweck, seine Umorientierung nach Mekka heilsgeschichtlich zu unterbauen und damit zu rechtfertigen. Demgegenüber haben neuerdings E. Beck als auch Y. Moubarac darauf aufmerksam gemacht, daß Abraham in verschiedenen Koranstellen, die noch aus der Zeit vor der hijra stammen, bereits als Vertreter des reinen Gottesglaubens gepriesen wird. Und daß seine Verbindung mit Mekka und dem dortigen Heiligtum wahrscheinlich auch schon in die Zeit vor der hijra zurückgeht. Wenn dem so ist, kann die Entwicklung … nicht so rational vor sich gegangen sein, wie dies Snouck Hurgronje und nach ihm A. J. Wensnick dargestellt haben. Wir dürfen wohl mit Beck annehmen, daß Mohammed bei der Ausarbeitung der Abrahamgestalt weniger bewußt überlegend und konstruierend vorgegangen ist, daß er vielmehr Elemente seiner Lehre, die bereits vorhanden waren, in einer geschickten Auseinandersetzung mit seinen jüdischen (und christlichen) Gegnern organisch weiterentwickelt und ausgebaut hat. Das Endergebnis bleibt allerdings so oder so eine Kultlegende. Der biblische Patriarch ist schließlich zum Begründer oder Reformator des mekkanischen Heiligtums und zu einem „imam“, einem Prototyp des muslimischen Gläubigen geworden.“ (Paret, Seite 120)

Leider handelt es sich bei dieser Geschichtsklitterung nicht einfach um eine nette Legende und islamische Referenz an den Übervater der drei monotheistischen Religionen. Vielmehr beinhaltet sie dramatischen politischen Sprengstoff. Durch die Vereinnahmung Abrahams als ersten muslim wird aus der jüngsten semitischen Religion – abra kadabra – die älteste.

Wie wir aus unten beigefügtem Artikel entnehmen, unternahm dieser erste muslim eine längere Reise, und sie führte ihn nach Jerusalem, wo er dann Wohnsitz nahm. Damit wird diese Stadt – abra kadabra – muslimisch:

„Jerusalem war islamisch seit dem Vater aller Propheten“

Es ist wichtig, die Grundlagen dieser arabischen Vorstellung von moralischer Legitimierung gegenüber Israel zu untersuchen, da die europäischen Regierungen sie jetzt übernommen haben. Auf der Konferenz von Lahore, 1974, beschreibt der Generalsekretär der Islamischen Konferenz Mohammed Hassan Mohammed al-Touhami (Ägypten, G.E.) die Eroberung Jerusalems durch jihad, Glaubenskrieg, im 7. Jahrhundert, folgendermaßen:

Jerusalem wurde durch muslimische Armeen befreit und gesäubert von den Rückständen an Römern und Zionisten (sic).“

Er bezieht sich auf die christliche und jüdische einheimische Bevölkerung, die während der arabischen Invasion Palästinas ermordet, versklavt und vertrieben wurde oder den dhimmi-Status bekam. Al-Touhami bekräftigt auch die klassische Interpretation des jihad als die eines Krieges zur Befreiung des Landes von der Unterdrückung durch die Regierung von Nicht-Muslimen. Dann erwähnt er im Einklang mit der islamischen Lehre verschiedene biblische Personen als muslimische Propheten. Das spiegelt die islamische Überzeugung wieder, daß Judaismus und Christentum spätere falsche Entwicklungen aus dem originären islamischen Glauben sind, der den beiden anderen monotheistischen Religionen vorausging:

Jerusalem war islamisch seit dem Vater aller Propheten. Ibrahim Al-Khalil (Abraham, der Freund) kannte den Islam und sprach ihn aus, als er sagte: „Ich bin der erste aller Muslime.“ Er nannte uns Muslime, und er bewohnte Jerusalem nach seiner Reise durch das Land von Irak und Syrien. Auf dieser Welt gibt es keine Muslime außer der islamischen Nation. Gott der Allmächtige vermacht das Land, an wen auch immer er wünscht; und nur diejenigen, die von Gott erwählt sind, sollen die Welt erben; und Gott der All-mächtige hat die Wahl getroffen, daß die muslimische Nation dieses Vertrauen oder Treuhandeigentum (trust) auf sich nehmen sollte. Und Gott der Allmächtige ändert die Bedingungen für die Völker nicht, wenn sie sich nicht selbst ändern. Möge Gott uns vom Abweichen (vom Islam) bewahren, und vom Vergessen dieses Vertrauens, dieses Treuhandeigentums, inmitten der gegenwärtigen Weltereignisse.“

Indem die EU die arabische Politik annahm, hat sie ihr stillschweigendes Einverständnis zu Erklärungen gegeben, die dem Islam rechtmäßige Weltherrschaft gab und Israels Rechtmäßigkeit in seiner eigenen biblischen Heimat anfocht, die von Muslimen als ihre angesehen wird – als Teil des dar al-Islam. Diese Lehre liefert die ethische Grundlage für den arabisch-palästinensischen Krieg gegen Israel. Das moralische Engagement der EU für den palästinensischen jihad hat so die ureigenen Grundlagen der Freiheit und der westlichen Kultur kompromittiert – da die Kräfte des jihad auf Europäer als Ungläubige und als Hindernisse für die Verbreitung des Allah-Glaubens zielen, in Europa und darüber hinaus.

Bat Ye´or: Eurabia. The Euro-Arab Axis. Fairleigh Dickinson University Press, Madison/USA 2005, pages 112-113

Declaration of Lahore. Second Islamic Summit Conference, Lahore, Islamic Republic of Pakistan, 22 to 24 February 1974

Der Euro-Arabische Dialog und Die Geburt von Eurabia. Von Bat Ye´or. Übersetzung aus dem Englischen: Herbert Eiteneier. Der englische Artikel ist eine von Bat Ye´or autorisierte Fassung von „Le Dialogue Euro-Arabe et la naissance d´Eurabia“ aus „Observatoire du monde juif“, Bulletin no. 4/5, Dezember 2002, S. 44-55

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